Krupps "Dicke Berta"



Die "Dicke Berta", hier das fahrbare M-Gerät, in Ladestellung

Das 42 cm Geschütz "Dicke Berta" gehört wohl zu den bekanntesten Waffen des 1.Weltkrieges. Eingesetzt wurde es zum Beschuss von Festungsanlagen, wie beispielsweise den Forts von Verdun.
Bei der Verwendung der maximalen Ladung und dem Auftreffen des Geschosses mit der dementsprechend maximalen Geschwindigkeit betrug die Auftreffwucht einer Granate der "Dicken Berta" beim fahrbaren M-Gerät 3.500 mt und beim Gamma-Gerät, das an die Eisenbahn gebunden war, sogar 6.000 mt. Die Auftreffwucht einer 30,5 cm Granate beträgt dagegen vergleichsweise nur 2.000 mt und die einer 21 cm Granate sogar nur 600 mt. Um die Kraft die hinter der Granate steckt noch mehr zu verdeutlichen, lässt sich auch die Energie des Detonationsgases der Sprengladung angeben:  Die Leistung des Detonationsgases beim Abschuss der 42 cm Granate betrug circa 38.000 mt, während die Gase bei einer 30,5 cm Granate nur eine Energie von rund 6.000 mt haben. Allein die reine Bewegungsenergie des 42 cm Geschosses entspricht der kinetischen Energie von 4 je 50 t schweren D-Zugwagen bei einer Geschwindigkeit von 90 km/h. Oder aber einem 22 Seemeilen schnellen Flugzeugträger der Essex-Klasse aus dem Zweiten Weltkrieg.
All diese physikalischen Größen spiegelten sich natürlich auch in der Wirkung der Granate wider. Sie hing aber außer der Auftreffwucht auch von der Form des Geschosses, und dem Material aus dem die Geschossspitze besteht, ab. Des Weiteren spielten natürlich auch der Auftreffwinkel, die Größe und Art der Sprengladung, der Zündermechanismus und nicht zuletzt die Art des Ziels eine Rolle. Augrund dieser Vielzahl von Faktoren ließ sich die Wirkung der Granate damals nur näherungsweise voraussagen. Die besten Versuche, die als Maß der Wirkung benutzt werden konnten, ließen sich natürlich beim senkrechten Auftreffen der blinden Granaten auf Betonziele machen. Doch selbst unter guten Vorrausetzungen drang die 42 cm Granate der "Dicken Berta" nur gut einen Meter in einen harten, massiven, eisenarmierten Betonblock ein. Bei freitragenden Betondecken mit großem Stützabstand hatte die 42 cm Granate dagegen ein leichtes Spiel, die Träger wurden durchbogen oder gar zerbrochen. Und so hat die "Dicke Berta" beim Beschuss der älteren belgischen und nordfranzösischen Forts, die noch Ziegelsteinhohlräume hatten, ihre Erwartung zwar voll erfüllt und die Decken der Befestigungen glatt durchschlagen doch gegen die tief versenkten Betonräume, vor allem die der Außengürtel der Festung Verdun, hatte sich selbst die 42 cm Granate als machtlos erwiesen. Auch hier ist es dem Geschütz wie an allen anderen Einsatzorten zwar möglich gewesen die Aufbauten restlos zu vernichten, doch die erhoffte Zerstörung der neuzeitlichen Forts mit massiven Betondecken ist ihm nicht gelungen.
Generell war die "Dicke Berta" natürlich ein kostbares und nur strategisch verwendbares Gerät, dass nur gegen die am stärksten befestigten Ziele eingesetzt wurde. Jeder Schuss kostete 1.500 Mark, davon entfielen 1.000 Mark direkt auf die Munition und 500 Mark auf die Amortisation des Geschützes. Denn die "Dicke Berta", die einschließlich Tross und Zubehör beinahe einen Wert von 1 Million Mark hatte, konnte nur für 2.000 Schüsse verwendet werden. Dementsprechend wurde mit dem Einsatz sparsam umgegangen und jeder Schuss für sich beobachtet und korrigiert. An Munition standen nur Sprenggranaten mit 1.160, 930 und 810 kg mit einem unempfindlichen Bodenzünder, der auf Verzögerung eingestellt werden konnte, und eine Haubengranate zu 400 kg, die dank der ballistischen Form eine etwas größere Reichweite hatte, zur Verfügung.



Die Dicke Berta hatte ihren Name von Berta Krupp.

Bezeichnung des Geschützes: Dicke Berta
Typ: schwere Artillerie
Hersteller Krupp
Land: Deutschland
Kaliber: 42 cm
Reichweite: 9 km mit gewöhnlicher Sprenggranate,
12 km mit Haubengranate

Krupps 42 cm Mörser in Feuerstellung


 

Text by UncleK. Letztes Update:  7. September 2007