AGM-62 Walleye



Ein an einer Unterflügelstation einer Corsair II aufgehängter Walleye Flugkörper. Picture by US Navy

Die AGM-62 Walleye ist eine gelenkte Gleitbombe, die für den Angriff auf Bodenziele von Flugzeugen aus entwickelt wurde. Sie wurde und wird auch in Zukunft primär gegen Ziele wie Treibstofftanks, Tunnels, Brücken, Radaranlagen, Hafengebäude und Munitionsdepots eingesetzt. Das Waffensystem besteht aus der Waffe, dem Angriffsflugzeug, dem AN/AWW-9B Datenverbindungsbehälter und der OK-293/AWW Kontrolleinheit. Die Walleye ist einzigartig in der Eigenschaft, keine Antriebssektion zu besitzen und muss sich auf ihre Gleitfähigkeit nach dem ausklinken verlassen. Es gibt drei Hauptausführungen der Walleye. Das originale Walleye I Extended Range Datalink (ERDL) ermöglichte ein Sprachverbindungssystem solange bis die neueren Versionen eine differentiale digitale Datenverbindung bereitstellten, die die Störanfälligkeit verminderte. Die Walleye II und die Walleye II ERDL haben einen größeren Durchmesser, waren länger und breiter als die Walleye I ERDL-Waffen. Die Bezeichnung AGM-62 für die Walleye ist in der Fachsprache nicht sehr weit verbreitet. China Lake entwarf und entwickelte die erste präzisionsgelenkte Luft-Boden-Waffe, die Walleye (AGM-62) TV-gelenkte Gleitbombe. Verwandt mit der Walleye, aber vor der Fertigstellung abgebrochen, war die Condor (AGM-53), eine raketengetriebe TV-gelenkte Gleitbombe.  Datenverbindungen mit größerer Reichweite wurden für die Walleye entwickelt. China Lake entwickelte ebenfalls die Bulldog (AGM-83), die erste erfolgreich lasergelenkte Bombe, die für den Dienst ab 1974 vorgesehen war, aber deren Entwicklung zugunsten der Maverick der USAF eingestellt wurde.  Im Januar 1963 wurde eine Walleye TV-gelenkte Bombe von einer YA-4B aus abgeworfen und erzielte eine direkten Treffer am Ziel auf der Munitionsteststation der Marine, während der ersten Demonstration der automatischen Lenkung. Ein Produktionsvertrag für die TV-Walleye ging bei der Martin Marietta Corporation im Januar 1966 ein. Ein Nebenprodukt des hauseigenen China-Lake Entwicklungsaufwands war, dass die Walleye 1967 zum Feldeinsatz kam und dort ihre unübertroffene Genauigkeit unter Beweis stellte. Eigentlich zwar von der US Navy entwickelt, begann die US Air Force Gefechtstests in Vietnam während dem August 1967, bei denen exzellente Ergebnisse bei guten Sichtverhältnissen gegen kontrastreiche Ziele mit leichter Verteidigung herauskamen. Spätere Walleye-Einsätze bei anspruchsvolleren Bedingungen waren weniger erfolgreich. Der Einsatz in Südost-Asien wurde zwar fortgesetzt, aber wegen ihrer Einsatzbeschränkungen, den Kosten und dem erscheinen von lasergelenkten Bomben umfassten die Einsätze nur ein geringes Volumen (6%) der gesamten Lenkwaffeneinsätze gegen Bodenziele in Vietnam.  Die ERDL-Version hat deutliche Vorteile gegenüber der Standard-Walleye.  Mit dieser Version und der zusätzlichen Datenverbindungskapazität ist die Waffe in der Lage TV-Bilder vom Abwurf bis zum Aufschlag zu senden. Weiterhin erlaubt die Datenverbindung der Besatzung des kontrollierenden Flugzeugs Korrekturen im Flug, die Änderung des Ziels oder des Zielpunkts auf dem Ziel. Das kontrollierende Flugzeug kann das Abwurfflugzeug oder ein anderes mit einem AN/AWW-9B Datenverbindungsbehälter sein. Das 1427-1435 MHz Frequenz-Band wird für die Steuerung verschiedener Lenkwaffen benutzt. Die Waffensysteme und die dazugehörigen Geräte die in diesem Frequenzbereich arbeiten, schließen das AWW-13 Advaned Data Link-System der Walleye und der SLAM ein. Die Navy hat derzeit noch ca. 200 Walleyes und ca. 800 SLAMs auf Lager. Der Verlust dieses Bereichs würde die Waffen der Navy um einiges störanfälliger machen und ihre Lenkung beeinträchtigen. Um dies zu verhindern, werden aktuell in Entwicklung befindliche Waffensysteme wie die AGM-132 JSOW für das AWW-13 ausgelegt. Dieses Gerät hat sowohl Steuerungs- als auch Videoübertragungskapazitäten. Elektro-Optische Sensoren, wie sie die Walleye benutzt, sind sowohl vom optischen als auch vom Helligkeitskontrast abhängig. Dies macht den Einsatz bei Nacht praktisch unmöglich; auch für Schlechtwettereinsätze sind diese Sensoren nicht gut geeignet. Der benötigte Kontrast zwischen Ziel und direkter Umgebung bereitete erhebliche Probleme während der Operation Desert Storm. F/A-18 Piloten berichteten, dass manchmal das Ziel nicht von seinem Schatten zu unterscheiden war. Ein weiteres Problem stellten Einsätze während der Morgen- und Abenddämmerung dar, da auch hier oft nicht genügend Kontrast vorhanden war. Eine neue sogenannte "Nebeldurchdringer"-Variante der Walleye kann durch eine Verbesserung der Sensoren auch während der Dämmerung und bei leichtem Nebel eingesetzt werden.



von oben nach unten: Shrike, Walleye, Sidewinder, Zuni. Picture by US Navy.

Bezeichnung der Flugkörpers: AGM-62 Walleye
Typ: Luft-Boden Flugkörper
Hersteller: Martin Marietta
Baujahr: ab 1963
Antrieb: keiner, Gleitbombe

Eine A-6 Intruder beim Abwurf eines AGM-62 Walleye. Picture by US Navy



Interne Links zum Thema

A-6 Intruder

A-7 Corsair II



 

Text by Jetpilot. Letztes Update:  7. September 2007