AGM-129 ACM



AGM-129A im Flug (Picture by US Air Force)

Entwicklung

Die AGM-129 ACM (Advanced Cruise Missile) ist ein in der Luft gestarteter und von einem Turbofan angetriebener Marschflugkörper. Mit der Entwicklung wurde 1983 begonnen, als General Dynamics (heute Hughes Missile Systems) die Ausschreibung für den Nachfolger der AGM-86 ALCM gewann. Erste Testflüge erfolgten schon im Juli 1985. Mit Beginn der Produktion im Jahre 1987 musste General Dynamics noch einen zweiten Unterauftragnehmer, in der Folge dann McDonnell-Douglas, benennen.
Nach 22 Testflügen im Jahr 1990 endete das erfolgreiche Erprobungsprogramm, so dass im selben Jahr die ersten Serien-Flugkörper an die USAF ausgeliefert wurden. Geplant war ein Baulos von 1.461 Flugkörpern, welches jedoch relativ schnell auf zunächst 1.000 Stück (880 nukleare und 120 konventionelle HE-Varianten), im Jahre 1992 auf 640 Stück und letztendlich im Jahre 1993 auf 460 Stück gekürzt wurde. Grund hierfür waren steigende Projektkosten und begrenzt zur Verfügung stehende Mittel. Die Produktion der ACM lief bis in das Jahr 1995 hinein.



Versionen

Neben der AGM-129A mit einem einstellbaren atomaren W-80-1 Sprengkopf von bis zu 200 kT existiert auch noch eine AGM-129B, welche über eine modifizierte Zelle und andere Software verfügt. Zum Sprengkopf der B-Version gibt es unterschiedliche Angaben. Zum einen wird von einem konventionellen HE-Gefechtskopf, zum anderen von einem spezialisierten atomaren Sprengkopf berichtet. Auch die Bestückung mit Submunition und dem daraus resultierendem Einsatz als CBU soll möglich sein. Ursprünglich war die ACM als Ersatz für die AGM-86 zum Abwurf aus der B-1B gedacht.
Die AGM-129A wird im Moment aber ausschließlich von der B-52H eingesetzt. Sie kann maximal 20 ACM mitführen. Acht im internen Rotations-Startsystem, 12 extern an zwei Unterflügel-Pylonen. Die B-Version soll angeblich für die B-52H, B-1B und B-2 freigegeben sein.



Beschreibung

Die ACM sollte eine größere Reichweite, eine höhere Genauigkeit, einen geringeren Radarquerschnitt (RCS) und geringere IR-Signaturen als ihr Vorgänger besitzen. Dabei sollte der Flugkörper moderner boden- und luftgestützter Flugabwehr ausweichen, um dann im Endanflug schwer verteidigte und befestigte Ziele tief innerhalb des Feindeslandes zu zerstören. Der Flugkörper hat einen runden Rupfquerschnitt und besitzt 26° nach vorne gepfeilte Tragflügel. Die horizontalen Tragflächen am Heck sind ebenfalls leicht nach vorne gepfeilt, das kleine senkrecht nach unten stehende Seitenleitwerk am Heck ist jedoch nach hinten gepfeilt. Die Vorwärtspfeilung dient vornehmlich der Reduktion der RCS beim Frontalanflug auf eine Radarstation. Die größte Reduktion der RCS wurde jedoch durch einen bündigen Lufteinlass des Triebwerks mit der Rumpfoberfläche erreicht. Dadurch lassen sich die extrem gut aufklärbaren rotierenden Verdichterstufen des Triebwerks verstecken und bieten keine Radarrückstrahlfläche mehr. Zur Reduzierung der IR-Abstrahlung besitzt der biberschwanzförmige Triebwerksauslass eine Kaltluft-Mischzone, um die Heißgasabstrahlungen des Triebwerks zu reduzieren. Die Geräuschemissionen ließen sich mit dieser Bauweise ebenfalls verringern. Die Seitenwände sind gerade und ohne irgendwelche Wölbungen oder Knicke konstruiert, um die seitliche RCS (im Vorbeiflug) zu verringern. Der komplette Flugkörper ist zusätzlich mit radarabsorbierendem Anstrich versehen und alle elektrischen Systeme sind auf eine geringe elektromagnetische Abstrahlung optimiert.
Angetrieben wird der Flugkörper von einem Williams F112-WR-100 Turbofan neuester Technologie, welcher erst eine Reichweite von 3.000 km ermöglicht. Die Lenkung erfolgt über ein Trägheitsnavigationssystem zusammen mit TERCOM (Terrain Contur Matching). TERCOM verwendet einen Radarhöhenmesser zur Kontrolle der Flughöhe und vergleicht ein vom Flugkörper vermessenes Bodenprofil in gewissen Abständen mit gespeicherten Bodenprofilen. Da TERCOM gestützte Lenkungen eine immense Logistik in Form von ständig aktualisierten Karten sowie ausgewiesenen Hindernissen auf dem Flugweg des Flugkörpers erfordern und das Trägheitsnavigationssystem bei langen Flugstrecken Ungenauigkeiten aufweist, ging man dazu über die Lenkung durch GPS-Systeme zu verbessern. Außerdem besitzt die ACM keine Endphasenlenkung, so dass auch hier der Einsatz eines GPS-Systems sinnvoll wäre. Man geht davon aus, dass die einsatzfähigen ACM mit solchen Systemen nachgerüstet werden. Die aktuelle Treffergenauigkeit einer ACM ohne GPS liegt zwischen 30 und 90 Metern.



Montage einer Pylone mit 6 AGM-129A an eine B-52H (Picture by US Air Force)

Bezeichnung des Flugkörpers: AGM-129A/B ACM
Typ: Marschflugkörper
Hersteller: General Dynamics / Hughes Missile Systems
Stückpreis: n.V.
Indienststellung: 1991
Antrieb: 1 Williams International F112-WR-100 Turbofan
Schub (kN): 3,25
Höchstgeschwindigkeit (km/h): Unterschallgeschwindigkeit
Reichweite (km): 3.000
Gewicht (kg): 1.250
Länge (m): 6,35
Durchmesser (cm): 64
Höhe (m): 0,70
Spannweite (cm): 310
Gewicht des Sprengkopfs (kg): W-80-1 5 bis 200kT Atomsprengkopf oder HE-Sprengkopf oder Submunition
Genauigkeit: Zwischen 30m und 90m (die in Dienst befindlichen Raketen haben mit hoher Wahrscheinlichkeit ein GPS nachgerüstet bekommen und sind daher genauer)
Zielsuchsystem: Radar- und Laserzielsystem unterstützt durch Trägheitsnavigationssystem und TERCOM (Terrain Contour Matching)
Produktionszahlen: 460 (A+B Version)

Anbringung der Pylonen. Die rechte Pylone ist bereits am Flügel montiert. (Picture by US Air Force)


 

Text by Dirk, Jetpilot, UncleK. Letztes Update:  7. September 2007