AH-64 Apache

McDonnell Douglas / Boeing


YAH-64 Apache Prototyp während eines Demonstrationsfluges am 18. März 1982. Die Bewaffnung besteht aus der M230A1 Kanone und AGM-114A Hellfire Raketen. (Fort Belvoir, Virginia, USA; Picture by US Army)

Entwicklung

Der AH-64 Apache ist einer der wohl bekanntesten Kampfhubschrauber. Oft wird er als der beste Kampfhubschrauber beschrieben, der in letzter Zeit entwickelt wurde. Ob dies stimmt muss jeder selbst entscheiden, da angesichts des Ka-50 Hokum, des Mil-28N Havoc, des A129 Mangusta und des Tiger doch ernst zu nehmende Konkurrenz existiert. Sicher ist aber, dass der Apache zu den leistungsstärksten Kampfhubschraubern unseres Globus zählt und sich auch schon im Einsatz bewährt hat. Wie viele Waffensysteme hat auch dieses seinen Ursprung in der Einstellung eines anderen Programms. Beim Apache war es der AH-56 Cheyenne von Lockheed, welcher der erste reine Kampfhubschrauber der US Army werden sollte.



AH-56 Cheyenne

Ähnlich wie der Kampfpanzer M1 Abrams entstand auch der AH-64 aus einem zuvor eingestellten Programm, das im Falle des Apaches der AH-56 Cheyenne war. Der AH-56 Cheyenne von Lockheed stellte 1966 das erste Entwicklungsprogramm für einen reinen Angriffshubschrauber dar. Der Cheyenne zog seine Leistung vor allem aus purer Geschwindigkeit im Geradeausflug und nicht aus Beweglichkeit. Er war für Höchstgeschwindigkeiten jenseits der 350 km/h ausgelegt, und sollte sturzkampfartig seine Ziele mit TOW-Flugkörpern, ungelenkten 70 mm-Raketen Hydra oder der 20 mm Kanone bekämpfen. Im Endeffekt war der Cheyenne zwar beeindruckend, was die Leistungsfähigkeit anging, aber doch sehr kompliziert und extrem teuer. Der schlimmste Fakt war allerdings, dass er durch seinen "Sturzangriff" in den Leistungsbereich etlicher SAMs (SA-7 Grail oder SA-8 Gecko) oder mobiler Flaks (ZSU-23-4 Shilka) geriet. Diese und noch andere Gründe, wie die Stummelflügellänge, führten schließlich 1969 zur Absetzung des Programms und zur Einleitung des Entwicklungsprogramms AX (Attack-Experimental) für CAS-Aufgaben der US Air Force, das zur A-10 Thunderbolt II führte, und zum AAH-Programm (Advanced Attack Helicopter), das schließlich den AH-64 hervorbrachte.



Das AAH-Programm und der AH-64A

Mit dem AAH forderte die US Army 1972 einen N/AW-fähigen (nacht-/allwetterfähigen) Hubschrauber, der vorrangig zur Panzerbekämpfung geeignet sein sollte. Die geforderten Spezifikationen für den AAH waren beeindruckend: hohe Überlebensfähigkeit gegen Bodenbeschuss bis Kaliber 20 mm, hohe Mobilität, schwere Bewaffnung, modernste Sensoren, NOE-Fähigkeiten (Tiefflugeigenschaften) und die Möglichkeit, die Waffen aus großer Entfernung abzufeuern. Es wurden zwei Auftragnehmer aus den fünf Bewerbern für den Wettbewerb ausgesucht: Bell Helicopter-Textron mit dem YAH-63 (Modell 409) und Hughes Helicopters mit dem YAH-64 (Modell 97). Bell Helicopter glaubte, den Wettbewerb so gut wie gewonnen zu haben, da von Bell bereits der zu ersetzende AH-1 stammte. Auf den Erfahrungen in dessen Fertigung und Einsatz baute der Hersteller natürlich auf. In der Tat erscheint es so, als ob der YAH-63 als aufgeblähtes Modell 209 die Modellreihe nach dem Modell 309 King Cobra, der eines der Konkurrenzmuster zum AH-56 Cheyenne war, fortsetzte. Daraufhin wurde Bell auch vorgeworfen, nur Bestehendes zu verbessern und nicht den neuen Anforderungen und Bedrohungen gerecht zu werden. Der erste YAH-63 hob am 1. Oktober 1975, die zweite Maschine am 21. Dezember des selben Jahres zum Erstflug ab. Zuvor startete bereits der erste YAH-64 am 30. September 1975 und der zweite Prototyp am 22. November zum Jungfernflug. Für die Sensorausstattung gab die US Army ebenfalls einen Wettbewerb heraus, für den Northrop und Martin Marietta im November 1976 ihre Vorschläge einreichten. Beide Prototypen bewährten sich in der Erprobung, und erlangten die Zulassung für den geforderten Einsatz von TOW-Panzerabwehrflugkörpern, die zunächst als Primärwaffe vorgesehen waren. Am Ende der Erprobung entschied sich die US Army, die noch in der Erprobung stehende AGM-114 Hellfire von Rockwell International als neue Panzerabwehrwaffe in den neuen Kampfhubschrauber zu integrieren, wobei zu berücksichtigen ist, dass der Entwicklungsauftrag für die Hellfire erst im Oktober 1976 unterschrieben wurde. Nach langwierigen Testreihen entschied sich die US Army im Dezember 1976 schließlich für den Entwurf von Hughes, da er in den Flugleistungen, der Cockpitgestaltung und der Systemintegration als weitgehend besser, in der Überlebensfähigkeit im Kampfeinsatz allerdings sogar als wesentlich sicherer bewertet wurde.  Daraufhin wurden drei weitere Vorserienmaschinen bei Hughes in Auftrag gegeben. Andauernde Aktualisierungen und Änderungen ließen diesen Entwicklungszeitraum auf über fünf Jahre anwachsen. In diese Zeit fielen die ersten Schiessversuche mit der Hellfire im April 1979 und der Erstflug der ersten Vorserienmaschine am 31. Oktober des selben Jahres. Die Entscheidung über die Sensorenausstattung fiel nach einer weiteren Vergleichsreihe im April 1980, wofür je eine Vorserienmaschine mit dem System von Northrop beziehungsweise dem von Martin Marietta, dem Sieger der Ausschreibung, ausgestattet wurde.  Am 26. März 1982 ging bei Hughes der Auftrag über die ersten Serienmaschinen für die US Army ein. Zunächst wurden nur elf Maschinen unter der Bezeichnung AH-64A "Apache" bestellt, es folgte relativ zügig eine zweite Bestellung über weitere 48 Einheiten. Die erste dieser Maschinen verließ am 30. September 1983 die Fertigungshallen in Mesa, Arizona, und die offizielle Übergabe an den Auftraggeber folgte am 26. Januar 1984. Im selben Jahr wurde Hughes von McDonnell Douglas (MDD) übernommen. Den vollen Einsatzstatus erhielt das Waffensystem AH-64A "Apache" im Juli 1986. Es sollten ursprünglich 536 Apache beschafft werden, allerdings begrenzten Etatkürzungen das Programm auf zunächst 436 Einheiten. Nach Operation "Desert Storm", bei welcher der Apache erstmals seine Leistungsfähigkeit, aber auch erste systembezogene Defizite wie den mangelhaften Klarstand von lediglich 60% nachwies, folgte 1994 eine Forderung auf insgesamt 807 Maschinen. Bis 1996 wurden einschließlich Ersatzbauten für verlorengegangene Hubschrauber 821 AH-64A an die US Army ausgeliefert. Darauf folgte die Umrüstung und Modernisierung der Maschinen auf den Stand des AH-64D, der auch in Zukunft die Grundlage für weitere Kampfwertsteigerungen darstellen wird. Bereits 1997 entschloss sich Boeing (Boeing Vertol) MDD aufzukaufen. Nach der Aufgabe des RAH-66 Comanche Programms am 24. Februar 2004 bekommt die Einsatzdauer des AH-64 einen ganz neuen Rahmen. Trotz der Weisung, dass der RAH-66 den Apache nicht ersetzen sollte, stellte er doch ein Programm dar, auf dem ein potenzieller Nachfolger hätte aufgebaut werden können. Den zukünftigen Weg des AH-64 weisen Block-III Umrüstungen und andere Programme, die den Apache noch Jahrzehnte am Kampfgeschehen teilnehmen lassen werden.



Versionen

Typ Beschreibung
AH-64A Der AH-64A ist die Grundversion des Apache. Insgesamt wurden ca. 943 AH-64A gebaut. Ab 1993 wurde der AH-64A mit abhörsicherem Funk und GPS ausgestattet. Alle noch im Besitz der US Army befindlichen AH-64A (ca. 748) sollen bis zum Jahr 2010 auf den Stand des AH-64D nachgerüstet werden oder nach lebensdauerverlängernden Maßnahmen in die Reserve oder Nationalgarde eingegliedert werden.
AH-64 Sea Apache Arbeitstitel für eine Version, die für das USMC oder US Navy vorgesehen waren, die jedoch nie beschafft wurde.
AH-64B Dieses Programm wurde 1992 abgesetzt. Aufgrund der Erfahrungen im Golfkrieg wurde es als kurzfristige Verbesserung von 254 AH-64A initiiert. Die Nachrüstung sollte eine Modernisierung des GPS, des Funks, der Zieltransferkapazität sowie höhere Zuverlässigkeit und neue Rotorblätter beinhalten.
AH-64C AH-64C ist eine frühere Bezeichnung für eine Modernisierung von AH-64A bis nahe an den AH-64D, allerdings ohne Longbow-Waffen-System. Dieses sollte nachrüstbar sein und so wurden 1992 die Gelder für die Umrüstung zweier Prototypen gewährt. Diese Modernisierung wurde 1993 insoweit geändert, dass nun alle Maschinen auf den Stand des AH-64D umgerüstet werden sollten.
AH-64D Longbow Apache Der Longbow ist das neueste Modell des Apache. Diese Version verfügt über ein auf der Rotornabe montiertes Millimeterwellen-Radar AN/APG-78 Longbow von Westinghouse (heute Lockheed-Martin), und ist in der Lage, den neuesten Typ des Hellfire-Panzerabwehrlenkflugkörpers mit Radarsuchkopf (AGM-114L Longbow Hellfire) zu verwenden. Durch das Longbow-Radar sind die Allwetterfähigkeit und das Sichtvermögen durch Nebel und Rauch deutlich gesteigert worden. Neben den neuen Hellfire kann der AH-64D nun auch zusätzlich Luft-Luft-Raketen vom Typ Stinger, Mistral oder Sidewinder verschiessen, die an den Enden der Stummelflügel montiert werden können. Es sollen etwa 530 Maschinen aus den Beständen der US Army auf diesen Stand nachgerüstet werden, wovon wahrscheinlich 500 das Longbow-Radar tragen werden.
GAH-64A Bezeichnung für mindestens 17 technische Schulungshubschrauber.
JAH-64A Bezeichnung für 7 Hubschrauber, die für Testzwecke ausgerüstet wurden.
WAH-64D Diese Version wird von Westland Helicopters unter Lizenz für die britische Armee gebaut. Sie besitzt im wesentlichen die gleiche Ausstattung wie der AH-64D Longbow und trägt daher auch das Longbow-Radar. Angetrieben wird der WAH-64D jedoch von zwei Turbinen Rolls-Royce/Turbomeca RTM 322.

Ein AH-64A Apache des XVIII. Airborne Corps während der Operation Desert Storm. Die Bewaffnung mit 16 Hellfire deutet auf eine bevorstehende Panzerjagdmission hin. Insgesamt kamen im Zweiten Golfkrieg 288 AH-64 zum Einsatz. (Picture by US Army)

AH-64A Apache

Gestaltung / Design

Der AH-64 Apache ist ein zweisitziger, von der Grundkonstruktion eher konventioneller Kampfhubschrauber mit hoher Überlebensfähigkeit. Beispielsweise ist der Apache unempfindlich gegenüber Kaliber 7,62 mm und kann den Beschuss mit 12,7 mm/ 0.5" und 23 mm Munition überstehen. Er soll sogar noch mit Treffern in der Kraftübertragung und den Flugsteuerungssystemen zur Basis zurückkehren können. Der Rumpf ist in Halbschalenbauweise ausgeführt und so stabil, dass er bei einem Absturz Belastungen bis zu 20 g (dem Zwanzigfachen der Erdanziehungskraft) absorbieren kann. Diese Bauweise wird Semi-Monocoque genannt. Der größte Teil der Außenhaut besteht aus Lukendeckeln, die Turbinenverkleidung wurde als Arbeitsbühne eingerichtet. Der AH-64 besitzt zwei für Kampfhubschrauber typische Stummelflügel, an denen die Kampflasten oder Zusatztanks mitgeführt werden können und die das Flugverhalten stabilisieren und den Hauptrotor entlasten sollen. Die Kraftstofftanks sind aufprallsicher und selbstabdichtend ausgelegt. Der Hauptrotor besteht aus vier Blättern, um den Wirkungsgrad des Rotors zu erhöhen. Er ermöglicht dadurch im Vergleich zu einem zweiblättrigen Rotorsystem weiterhin einen höheren Auftrieb und ein geringers Fluggeräusch. Die Rotorblätter bestehen aus Edelstahl und glasfaserverstärktem Kunststoff und sind mit der Rotornabe durch mehrschichtige Laminar-Bänder und Schnelltrenn-Bolzen verbunden. Für den Transport können die Rotorblätter abgenommen oder gefaltet werden, so dass z.B. mit einer C-141 Starlifter zwei, mit einer C-5 Galaxy sechs und mit einer C-17 Globemaster III drei Apache luftverladen werden können. Elastische Dämpfer sind an der Nabe befestigt, die Schwenk- und Schlaggelenke versetzt angebracht. Die Heckrotorblätter stehen nicht, wie bei den meisten Hubschraubern, in einem Winkel von 90 Grad zueinander. Der Heckrotor des Apache besteht aus zwei Teilen, die zueinander in einem Winkel von 55 Grad angeordnet sind. Diese Anordnung soll die Effizienz steigern und die Geräuschsignatur weiter verringern. Des Weiteren besitzt der Apache ein nicht einfahrbares Dreipunkt-Fahrwerk mit Spornrad, dessen Hauptfahrwerksstreben hoch und schmal ausgelegt sind. Die Federung ist weich und speziell für harte Landungen optimiert.

 

Antrieb

Ursprünglich wurde der AH-64 von zwei Turbinen General Electric T-700-GE-701 angetrieben, diese wurden allerdings ab etwa 1990 von verbesserten T-700-GE-701C abgelöst, die eine höhere Leistung besitzen. Jede dieser -701C Wellenturbinen erbringt eine Dauerleistung von 1.409 kW (1.890 Wellen-PS) und eine maximale Leistung (Notleistung) von 1.447 kW (1.940 Wellen-PS), die nur kurze Zeit aufrecht erhalten werden kann. Die beiden Turbinen befinden sich über den Stummelflügeln, außerhalb der Zelle. Die wichtigsten Komponenten sind durch Panzerung geschützt, die Turbinenverkleidung ist als Arbeitsbühne ausgeführt. Die Abgase werden durch einen "Black Hole"-IR-Unterdrücker mit kälterer Umgebungsluft durchmischt und vom Hubschrauber weggeleitet. Es bestand der Plan einer Modernisierung, bei der das Triebwerk durch eine 2.237 kW (3.000 Wellen-PS) starke Turbine ersetzt werden sollte, die zusammen mit der US Navy in Anlehnung an die Turbine der H-60 Serie entwickelt werden sollte. Dieser Plan wurde allerdings nicht umgesetzt. Zwischen Getriebe und Turbine befindet sich eine Hilfsturbine (Auxiliary Power Unit = APU) vom Typ Garrett GTCP 36, welche die nötige Energie zum Anlassen der Turbinen und zum Betrieb der Elektronik am Boden zur Verfügung stellt. Im Rumpf befinden sich zwei aufprallsichere und selbstdichtende Kraftstofftanks, die insgesamt 1.421 Liter fassen. Des Weiteren wurde 1993 für 437 Maschinen die Möglichkeit geschaffen, unter den Stummelflügeln maximal vier 871 Liter große Außentanks mitführen zu können. Mit diesen Außentanks stieg das maximale Tankvolumen auf 4.910 Liter. Zusätzlich zu diesen Tanks existiert noch die Möglichkeit, einen 492 Liter großen Kraftstoffbehälter im Inneren der Zelle auf Kosten der Munition für die Bordkanone unterzubringen. Diese Einrichtung bringt den Vorteil, dass an den Pylonen die volle Kampflast getragen werden kann. Von diesem System bestellte die US Army 1999 48 Einheiten.

 

Cockpit

Wie beim AH-1 Cobra sitzt der Pilot überhöht (im AH-64: 48 cm) hinter dem Copiloten/Kampfbeobachter (CPG). Das Cockpit ist durch eine dicke, kugelsichere Scheibe in zwei Bereiche getrennt. Das Glas, das die Kanzel umgibt, ist ohne runde Formen und hauptsächlich flach gehalten, um Reflexionen, die den Standort der Maschine dem Gegner verraten können, zu minimieren oder ganz auszuschließen. Im Cockpitboden und in den Cockpitseiten, sowie zwischen den beiden Cockpitteilen, wurden Panzerplatten aus leichtem Bor verlegt, um 12,7 mm Treffer verkraften zu können. Die Sitze sind mit Kevlar versehen worden. Der Kanzelbereich wurde in solch einer Form konstruiert, dass er der Besatzung eine 95%ige Chance einräumt, einen Aufschlag mit einer Geschwindigkeit von 12,8 m/s zu überleben. Beide Positionen sind mit den nötigen Standardkomponenten zur Flugsteuerung ausgestattet, auch Navigationsinstrumente befinden sich auf beiden Plätzen. Natürlich sind die Instrumente für die spezifischen Aufgaben der Position ausführlich und großflächig vorhanden. Die meisten Instrumente sind digitalisiert, es sind nur wenige analoge Anzeigen vorhanden. Auf dem Cockpit des Piloten dominiert mittig das MFD, während das wichtigste und größte Instrument des Richtschützen der TADS/PNVS-Bildschirm ist. Alle Instrumente sind so ausgelegt, dass sie in Dunkelheit auf keinen Fall das Nachtsichtvermögen des Benutzers einschränken. Der Großteil der Statusanzeigen sind Balken-Displays, es existieren jedoch auch noch Rundinstrumente, wie beispielsweise der Höhenmesser.



Das hauptsächlich analoge Cockpit des Piloten im AH-64A (Copyright des Photos liegt bei Bundesheer.com)

Avionik

Die Augen des Apache sind seine TADS/PNVS-Sensoren. Obwohl es sich dabei um zwei funktionell unabhängige Systeme handelt, sind sie physisch miteinander verbunden und arbeiten parallel. Martin Marietta und Northrop boten ihre konkurrierenden Systeme an, bis das erstere Unternehmen schließlich im April 1982 nach umfassenden Flugerprobungen den Zuschlag erhielt. Das AAQ-11 TADS von Marietta (Target Acquisition and Designation Sight = Zielerfassungs- und Markierungs-Sichtgerät) besteht aus einer DVO (Direct View Optic = Gesichtsfeld von 18 bzw. 4 Grad; DVO zeigt Umgebung farbig und im normal Lichtspektrum und vergrößerte Bilder im Tageslicht und bei nebeligen Bedingungen), einem DTV (Daylight TV, Gesichtsfeld wahlweise 4 oder 0,9 Grad; DTV zeigt Umgebung während des Tages oder in Dämmerungszeiten, in schwarz und weiß) und einem Laser-Zielverfolgungsgerät. Das TADS kann einen Laserpunkt verfolgen, der von einem anderen Laser-Zielmarkierungsgerät projiziert wird. Auch kann es zur Entfernungsmessung zwischen Hubschrauber und Ziel herangezogen werden. Der gesamte TADS-Block ist drehbar installiert und kann um 129 Grad in beide Richtungen geschwenkt und um 30 Grad nach oben bzw.60 Grad nach unten gekippt werden. Der CPG betrachtet die TADS-Anzeigen über sein ORT (Optical Relay Tube) oder über einen Bildschirm unmittelbar unter dem Okular. Sollte das PNVS des Piloten ausfallen, können die TADS-Anzeigen auch an den Piloten übermittelt werden. Das PNVS (Pilot Night Vision Sensor = Piloten-Nachtsichtsensor) wird vom Piloten als Nachtsichthilfe genutzt und ist eigentlich nichts anderes als eine Infrarot-Kamera, die kreiselstabilisiert und drehbar im Rumpfbug installiert ist. Das FLIR (Forward Looking InfraRed = "vorrausschauendes" Infrarot) ermöglicht nächtliche Schleichflugeinsätze und hat drei Sichtfelder (schmal von 3,1 Grad, mittel von 10,1 Grad und weit von 50 Grad). Tagsüber kann der CPG die FLIR-Anzeigen über seine DVO oder sein DTV betrachten, während er nachts sein monokulares IHADSS (Integrated Helmet and Display Sight System = helmmontiertes Visier, an Nachtsichtgerät gekoppelt) benutzen wird. Das IHADSS wurde von Honeywell entwickelt, und besteht aus einem (einfachen) Pilotenhelm, einen Projektionsschirm und einem Kopf/Sicht-Richtungssystem für die M230 Kanone. Der Projektionsschirm wird über einen kleinen TV-Schirm auf der rechten Seite des Helmes gespeist, der seine Daten vom FLIR übertragen bekommt. Der Schirm befindet sich vor dem rechten Augen des Piloten, während das linke Augen weiter auf die Instrumente gerichtet werden kann. Dieses HDU-System (Head Display Unit) wurde eingeführt, da NVGs (Night Vision Goggles = Nachtsicht- bzw. Bildverstärkerbrillen) die gleichzeitige Sicht im Cockpit erschweren und ein Blickfeld wie eine sehr dicke und starke Brille besitzen. Außerdem kann das relativ große und schwere FLIR nicht helmmontiert werden. Es können aber auch wie bei einem HUD Flugdaten, wie z.B. Höhe, Geschwindigkeit und Kurs, eingespiegelt werden. Insgesamt soll es die Orientierung und Kampffähigkeit bei Nacht oder schlechten Sichtverhältnissen verbessern. Beide Besatzungsmitglieder tragen das IHADSS. An den Kopfstützen des Sitzes sind Infrarotsensoren installiert, die die Bewegungen des Helmes registrieren und an das Richtsystem der Bordkanone weiterleiten. Über der Instrumententafel beider Cockpitbereiche befindet sich jeweils ein mit Linsen bestückter Zylinder, die BRU (Boresight Reticle Unit). Auf diesen stabilen Fixpunkt richtet der Pilot seinen IHADSS, wenn er das Richtsystem an seine Helm-/Kopfbewegungen koppeln will. Nun folgen die Sensoren, die auch an das System gekoppelt werden können, oder auch die Bordkanone den Bewegungen des Kopfes / Helmes. Den NOE-Flug erleichtert das zellenfest installierte AHRS (Altitude-Heading Reference System, Flughöhe/Kurs-Referenzsystem oder Fluglage- und Kursbezugssystem) AN/ASN-143 von Litton (ein vereinfachtes Trägheitsnavigationssystem), das Zieldaten genau speichern kann, und das leichte Doppler-Navigationssystem von Singer-Kearfott. Sperry (heute Honeywell) liefert die DASE (Digital Automatic Stabilisation Equipment) und den Generator, der, wie bei einem TV-Gerät, die Videosignale des TADS/PNVS in die Cockpitbildschirme und IHADSS-Visiere einspeist. Zur Ausstattung gehören ansonsten noch störfeste ADF (Funkpeiler), AN/ARC-164 UHF-Sender, AN/ARC-222 SINCGARS UHF/VHF, die KY-28/58/TSEC Stimmverschlüsselung und ein AN/APX-100 IFF mit KIT-1A störfester Verschlüsselung, das ADSS Rundstrahl-Luftwertsystem, der passive Litton AN/APR-39  RWR (Radar Warning Reciver = Radarwarnempfänger), ein AN/AVR-2 Laser-Warnempfänger und ein AN/ALQ-136 Radarstörsender. Zu den IR- und Radarstörern sowie Täuschkörperwerfern gehören auch der Chaff Dispenser M130 ("Düppel-Automat"), der Wolken von Metallstreifen aussendet und damit Radarscheinziele erzeugt, der Flare Dispenser ("Fackelautomat"), der "Fackeln" ausstößt, die als "Lockvögel" für IR-suchende Flugkörper dienen, und das Infrarotstörgerät ALQ-144, das starke Strahlung im Infrarotbereich abstrahlt, die empfindliche Suchköpfe von anfliegenden Raketen übersättigen und ablenken soll.

 

Bewaffnung

Die Bewaffnung des Apache besteht aus einer ferngelenkten 30 mm Kettenkanone und Kampflasten, die an 4 Pylonen an den Stummelflügeln befestigt werden. Die Kettenkanone ist die M230 von Hughes (MDD/Boeing), die sich als sehr zuverlässig herausgestellt hat. Die M230 besitzt ein Schussfeld von +11 Grad bis -60 Grad im Höhen- und von +/- 110 Grad links/rechts im Seitenrichtbereich und ist kardanisch unterhalb des Vorderrumpfes aufgehängt. Diese Aufhängung kann auf keinen Fall als turmlaffettiert bezeichnet werden, allerdings bietet diese Art der Aufhängung im Falle eines Absturzes der Besatzung ein erhöhtes Maß zu überleben, da sich ein möglicher schwerer Kinnturm nicht in den Cockpitbereich bohren kann. Gemeinsam mit dem Apache entwickelte Hughes diese einläufige Kettenkanone mit Fremdantrieb, für die eine Endloskette mit rechtwinkliger Führung unter dem Verschlussgehäuse typisch ist. Die Waffe besitzt eine maximale Kadenz von ca. 625 Schuss pro Minute und verschießt HE- oder HEDP-Granaten (High Explosive bzw. High Explosive Dual Purpose). Die Munition wird zu Gunsten des Schwerpunktes hinter dem Cockpit innerhalb des Rumpfes aufbewahrt. Es können maximal 1.200 Schuss mitgeführt werden. Gerichtet wird die Kanone durch ein elektronisches Lear/Siegler-Zielsystem bzw. mit dem IHADSS. Im Einsatz kann sie vom CPG manuell bedient oder gekoppelt mit dem TADS/PNVS, dessen Daten auch auf das IHADSS projiziert werden können, eingesetzt werden. An den vier Außenstationen werden gängigerweise maximal 16 AGM-114 Hellfire oder bis zu 76 ungelenkte Raketen "Hydra 70" (FFAR, Folding Fin Aerial Rocket), die sich zu je 19 Raketen in einem Werfer (M261) befinden, oder maximal vier 871 Liter Zusatztanks mitgeführt. Des Weiteren besteht nach einer minimalen Umrüstungen die Möglichkeit, jeweils an den Flügelspitzen einen oder zwei Luft-Luft-Flugkörper vom Typ Stinger (AIM-92) mitzuführen. Allerdings wird dieses System von der US Army nicht eingesetzt. 



Waffenkonfigurationen des AH-64A Apache

Aufgabenbereich linker Flügel M230 rechter Flügel
Combat (Anti-Armor) 4 Hellfire 320 Schuss 4 Hellfire
Multi-Role (Covering Force) 4 Hellfire; 19 Hydra 70 1.200 Schuss 4 Hellfire; 19 Hydra 70
Close-Support (Anti-Armor) 8 Hellfire 1.200 Schuss 8 Hellfire
Ground-Support (Airmobile Escort) 38 Hydra 70 1.200 Schuss 38 Hydra 70

Ein AH-64D Longbow Apache des 1st Battalion, 227th Aviation Regiment, 1st Cavalry Division bei einer Übung in Texas 1999. Allein der gut zu erkennende Kinnturm mit dem TADS etc. kostet ca. 1 Mio. US-Dollar. Weiterhin sind die vergrößerten "Hamsterbacken" neben dem Cockpit zu erkennen. (Picture by US Army)

AH-64 Sea Apache

Anfang der 80er Jahre stellte Hughes auch der US Navy und dem US Marine Corps den Apache vor. Die Ausrüstung wurde den harten Betriebsbedingungen angepasst (verbesserter Korrosionsschutz, verbesserte Enteisungssysteme und verbesserte Abschirmung gegen elektromagnetische Strahlung), und im September 1981 führte das USMC ein zweiwöchiges Erprobungsprogramm durch. Die Bewaffnung sollte den gängigen Standards des USMC angepasst werden: Panzerabwehrlenkflugkörper TOW, Behälter für ungelenkte 127 mm Raketen "Zuni", AIM-9 Sidewinder oder AIM-92 Stinger (ATAS); an der Kanone M230 zeigte man jedoch wenig Interesse. Insgesamt hatte man großes Interesse an der Maschine, allerdings wies der Kongress die Beschaffung des "Sea Apache" zurück, was schließlich zum AH-1W "Whiskey Cobra" führte. Der US Navy schlug man eine Maschine ohne Kanone und TADS/PNVS vor, dafür allerdings mit dem maritimen AN/APG-65 Such- und Zielerfassungsradar. Zur Bewaffnung sollten Penguin oder ähnliche Flugkörper herangezogen werden. Die US Navy zeigte allerdings kein Interesse.



AH-64D Longbow Apache

Der AH-64D Apache-Longbow ist die momentan modernste im Dienst befindliche Ausführung, deren Entwicklung im August 1990 begann. Allgemein sollten offenbarte Schwächen des AH-64A ausgemerzt und das neue Longbow-Radar für die Nutzung der neusten Generation des Hellfire integriert werden. Der erste Flug eines AH-64A mit einer "Longbow-Attrappe" erfolgte am 11. März 1991 und der erste von sechs Prototypen hatte am 15. April 1992 seinen Erstflug. 1993 wurde schließlich das AH-64C-Programm eingestellt und dessen Verbesserungen in das neue Programm übernommen. Ursprünglich existierte die Zielsetzung, 748 Apaches auf diesen Stand umzurüsten, wobei aufgrund der enormen Kosten für das Longbow-Radar nur 227 Maschinen dieses tragen sollten. Man nahm von diesem Plan Abstand und gelangte 1999 zu der Ansicht, dass nur 530 Maschinen umgerüstet werden, dafür aber 500 Maschinen das Longbow-Radar tragen sollten. Die restlichen 218 AH-64A sollen nach lebensverlängernden Maßnahmen in die Reserve oder in die Nationalgarde überstellt werden. Die erste vorserielle Umrüstung erfolgt im September 1995 und am 14. Dezember 1995 wurden 18 Umrüstungen, später auf 24 erhöht, bestellt. Die erste dieser Serienmaschinen hatte ihren Erstflug am 17. März 1997. Am 16. August 1996 wurden 232 AH-64D (die 24 vorhergehenden Maschinen miteingerechnet) über 5 Jahre bestellt, später folgte eine Bestellung von 298 AH-64D, die erst in den Finanzjahren 2001 bis 2005 ausgeliefert werden sollten.
Der sicherlich größte Unterschied zwischen beiden Ausführungen ist, dass der AH-64D das auffällige, mastmontierte Longbow-Radar besitzt. Die Neuerungen im Cockpit umfassen je Arbeitsstation zwei farbige, 15 x 15cm große Displays, die zunächst einfarbig bleiben sollten. Nach Erfahrungen mit dem RAH-66 entschied man sich jedoch dagegen. Weiterhin zählen die Verminderung von analogen Instrumente und Klappschaltern dazu. Die Avionik umfasst  zusätzlich das Plessey AN/ASN-157 Doppler-Radarnavigationssystem, den Honeywell AN/APN-209 Radarhöhenmesser und ein GPS-basiertes Trägheitsnavigationssystem, das das AHRS von Litton ersetzt. Die Kommunikation erweitern zwei ARC-201 FM Funkgeräte, ein ARC-164 Have Quick II Frequenzwandler, ein ARC-186 VHF-AM Funkgerät, das MD-1295A IDM (Integrated Data Modem = eingebundenes Datenmodem) zur Datenübermittlung von Gefechtsdaten und das Hamilton DTM (Data Transfer Module = Datentransfermodul), welches das Einspeisen von Missionsdaten über einfaches Einstecken von Verbindungskabeln über ein Notebook erlaubt. Weiterhin verfügt der Longbow Apache über verbesserte Systeme zur Schadenserkennung. Um den gestiegenen Energiebedarf der Ausrüstung zu decken, wurde die Energieleistung der Generatoren verdoppelt. Der gestiegene Platzbedarf wurde durch die deutlich aufgeblähten "Hamsterbacken" an den Cockpitseiten kompensiert.
Die älteren der umzurüstenden Maschinen erhielten ebenfalls die neuen T700-GE-701C-Triebwerke, die auch schon in den späten AH-64A installiert wurden. Ab 1997 begann man, Airbag-Systeme für die Besatzung zu montieren, die den seitlichen Aufprall dämpfen sollen, und ab 2003 wurden Einrichtung zur Faltung des Hauptrotors für eine leichtere Verladung beschafft. Bisher mussten die Hauptrotorblätter zur Verladung vom Rotorkopf entfernt werden.
Die aktuellste Modernisierung stellt das neue Arrowhead-Sichtsystem dar. Im November startete der erste AH-64D erprobungshalber mit dem M-TADS/PNVS (Modernized Target Acquisition and Designation Sight / Pilot Night Vision Sensor = Modernisiertes Zielerfassungs- und -markierungs-Sichtgerät / Nachtsichtsensor des Piloten) von Lockheed Martin, dessen Entwicklung im Jahr 2000 begann. Arrowhead stellt durch seine verbesserten IR-Sensoren ein erheblich detailreicheres Wärmebild und kontrastreiche Bilder selbst bei geringer Lichteinstrahlung durch eine hochauflösende TV-Kamera zur Verfügung. Die Daten werden auf einem großen MFD (Multifunktionsdisplay) in der Mitte des Copiloten-Panels dargestellt. Die erste Bestellung der US Army umfasst 55 Systeme und der erste Verband soll bis Juni 2005 ausgerüstet werden. Die Module können bei den Einheiten selbst nachgerüstet werden. Die US Army plant, alle verfügbaren Apache mit Arrowhead auszurüsten.
Um die Kampfkraft der Flotte an AH-64D auch in den nächsten zwei Jahrzehnten zu erhalten, soll eine Block III Modernisierung vorgenommen werden: Ein neuer Haupt- und Heckrotor aus Verbundwerkstoffen, weiterhin modernisierte Kommunikationssysteme, Kontroll- und Steuerfähigkeit von UAVs (Unmanned Aerial Vehicle = Drohnen), ein reichweitenverbessertes Longbow-Radar und auf den T700-GE-701D-Stand aufgerüstete Turbinen.

Das Longbow-Waffensystem

Das Longbow-Waffensystem ist eine gemeinsame Entwicklung von Lockheed Martin und Northrop Grumman und dient zur Erhöhung der Trefferwahrscheinlichkeit und zur gesteigerten Überlebensfähigkeit. Tatsächlich konnte der Kampfwert des Apache und die Genauigkeit des Waffeneinsatzes erheblich gesteigert werden. Zum Longbow-Waffen-System gehören das mastmontierte FCR (Fire Control Rader), einem, die vom FCR ankommenden Daten verarbeitender, Prozessor, der Longbow Hellfire (AGM-114L) und der M229 Raketenwerfer.

 Longbow-Feuerleitradar (AN/APG-78)

Das FCR (Fire Control Radar, Feuerleitradar) AN/APG-78 kann innerhalb von Sekunden bis zu 256 Ziele bei allen Wetterlagen und Gefechtsfeldbedingungen erkennen und klassifizieren. Die Ziele werden nach Kettenfahrzeugen, Radfahrzeugen, Luftabwehrfahrzeugen, Starrflüglern im Flug und Hubschraubern im Flug geordnet und jeweils einer Identifikationsnummer (ID) zugeordnet. Die ID und die Position, Geschwindigkeit und Kurs des Zieles werden über ein digitales Datennetz in Echtzeit zu anderen verbündeten Einheiten und Kommandoeinrichtungen übermittelt. Durch diesen Datenverbund wird das System AH-64D quasi zu einem „Force Multiplier“, eine der wichtigsten Verbesserungen im Vergleich zum AH-64A. Das Radar arbeitet im Millimeterwellenbereich (1,06 µm) mit einer sehr hohen Frequenz, was zu einer sehr hohen Auflösung führt. Des Weiteren ist das Longbow-Radar wenig anfällig gegenüber Radarstörer. Die vom Radar vor dem Hubschrauber bestrichene Teilkreisfläche besitzt eine Fläche von 50 km² und es können bewegliche Ziele in einer Entfernung von bis zu 8 km und stationäre Ziele in bis zu 6 km erkannt werden. Das FCR arbeitet in vier verschiedenen Modi: ATM (Air Targeting Mode = Luftzielmodus), GTM (Ground Targeting Mode = Bodenzielmodus), TPM (Terrain Profiling Mode = Bodenprofilmodus) und BIT (Built in Test Mode, Testmodus). Ein wichtiger Bestandteil des FCR ist das AN/APR-48A RFI (Radar Frequency Interferometer). Das RFI dient zur schnellen passiven Ortung von Luftabwehreinheiten und wurde ursprünglich für den OH-58D Kiowa Warrior entwickelt.

 Longbow Hellfire (AGM-114L) und Raketenwerfer M229

Der Longbow Hellfire ist ein "fire-and-forget" Flugkörper mit einem Millimeterwellen-Radarsuchkopf (MMW), der seine Zieldaten hauptsächlich über das FCR bezieht und bei allen Wetter- und Schlachtfeldbedingungen eingesetzt werden kann. Er kann vor oder auch erst nach dem Abschuss auf das Ziel aufgeschaltet zu werden. Der Longbow Hellfire ist, wie in umfangreichen Erprobungen nachgewiesen wurde, gegen Abwehrmaßnahmen relativ unempfindlich. Bis auf den Suchkopf ist der Aufbau mit dem des Hellfire II nahezu identisch. Der M229 Raketenwerfer wird zum Abschuss des Longbow Hellfire eingesetzt. Er besitzt ein voll digitalisiertes Interface, welches mit dem Hauptrechner des Apache verbunden ist. Er erhält seine Zielinformationen unter anderem auch vom "eigenen" FCR, aber auch von anderen Maschinen mit entsprechendem FCR oder vergleichbaren Geräten. Die Flugkörper können alle auf einmal oder in allen erdenklichen Sequenzen gestartet werden.

 

Bewaffnung

Die Bewaffnung ist mit dem AH-64A nahezu deckungsgleich. Die Bewaffnung wird durch die Einsatzfähigkeit von AAMs an Flügelspitzenträgern, wie FIM-92 Stinger (ATAS) oder Starstreak HVM, und der neusten Generationen der AGM-114 Hellfire ergänzt. Die mit dem Longbow-Radar ausgerüsteten Maschinen sollen überwiegend mit AGM-114L Longbow Hellfire ausgestattet werden, während die restlichen AH-64D die AGM-114K Hellfire II erhalten sollen. Des Weiteren können auch AIM-9 Sidewinder vom AH-64D aus eingesetzt werden. Die AAMs können an den Flügelspitzen, aber auch an den Pylonen befestigt werden.



Die 30 mm Kettenkanone M230 in Nahaufnahme

WAH-64D Longbow Apache

Die britischen Streitkräfte suchten Anfang der 90er Jahre einen reinen Kampfhubschrauber, der die in die Jahre gekommene AS 341 Gazelle (AH.1) ersetzen sollte. Recht schnell entschied man sich für die modernste Version des AH-64 Apache, dessen Leistungsfähigkeit bereits im Zweiten Golfkrieg 1991 unter Beweis gestellt wurde. Einzige Bedingung war, dass der Hubschrauber weitgehend in Großbritannien gebaut werden sollte. Die zunächst 67 Maschinen wurden 1995 bestellt, im Juli 2000 wurden die ersten Maschinen von GKN Westland ausgeliefert. Die ersten acht Maschinen lieferte noch Boeing direkt aus den USA. Die WAH-64D umfassen in ihrer Ausrüstung im Vergleich zur Basisversion einige veränderte Merkmale. Als Turbinen finden zwei Rolls-Royce/Turbomeca RTM332 mit FADEC-Steuerung (Full Authorithy Digital Engine Control = uneingeschränkte digitale Turbinenkontrolle) Verwendung. Die Avionik wurde ebenfalls dem Kundenwunsch angepasst. Diese umfasst einen IFF-Transponder und Kommunikationssysteme aus britischer Fertigung, sowie ein neues Selbstschutzsystem. Dieses HIDAS (Helicopter Integrated Defensive Aids System = integriertes Verteidigungshilfssystem für Hubschrauber) umfasst das AN/AAR-57 Raketenwarnsystem von Lockheed Martin, welches sowohl im IR- als auch im UV-Wellenbereich arbeitet, ein BAe Systems Sky Guardian 2000 Radarwarnempfänger sowie Type 1223 Laserwarnempfänger, welche beide mit dem Steuerungssystem des Vinten Fackel-/Düppelautomaten verbunden sind. Weiterhin trägt der WAH-64D auf dem Rotormast das Longbow-Radar.



Bezeichnung des Helikopters: AH-64A Apache AH-64D (Longbow) Apache
Typ: Kampfhubschrauber Kampfhubschrauber
Hersteller: McDonnell Douglas Helicopter Company Boeing McDonnell Douglas Helicopter Systems
Baujahr (in Serie): 1982 bis 1994 1997 bis ?
Besatzung: 2 2
Antrieb: zwei T700-GE-701/bzw. zwei T700-GE-701C zwei T700-GE-701C
Leistung: je 1.265 kW (1.669 WPS)/bzw. je 1.409 kW (1.890 WPS) je 1.409 kW (1.890 WPS)
Höchstgeschwindigkeit (VNE): 365 km/h 365 km/h
Marschgeschwindigkeit: 283 km/h 261 km/h
max. Steigrate auf NN (IRP, bei durchschnittlichen Wetterbedingungen): 14,8 m/s 13,38 m/s (ohne Longbow-Radar) 12,28 m/s (mit Longbow-Radar)
max. vertikale Steigrate auf NN (MRP, bei durchschnittlichen Wetterbedingungen): 11,05 m/s (-701)/ 771 m/s (-701C) 9,01 m/s (ohne Longbow-Radar)
7,5 m/s (mit Longbow-Radar)
Dienstgipfelhöhe: 6.400 m 6.400 m
Schwebeflug-Gipfelhöhe mit Bodeneffekt: 4.570 m (-701)/ 5.245 m (-701C) 4.115 m
Schwebeflug-Gipfelhöhe ohne Bodeneffekt: 3.505 m (-701)/ 4.125 m (-701C) 2.990 m
Kraftstoffvorrat: intern: 1.108 kg
extern: 2.412 kg (in vier 871 Liter Tanks)
intern: 1.108 kg
extern: 2.412 kg (in vier 871 Liter Tanks)
Einsatzradius mit Innentanks: 482 km (-701)/ 408 km (-701C) 408 km
Überführungsreichweite mit Innen- und Außentanks, bei gutem Flugwetter: ca. 1.899 km ca. 1.899 km
max. Einsatzdauer interne Tanks: 2 h 44 min 2 h 44 min
max. Einsatzdauer interne uns externe Tanks: 8 h 8 h
g-Limits: + 3,5 / -0,5 +3,5 / -0,5
Gewicht: Leergewicht: 5.165 kg
maximales Startgewicht: 9.525 kg (-701) / 10.107 kg (-701C)
Leergewicht: 5.352 kg Einsatzgewicht: 7.480 kg
maximales Startgewicht: 10.107 kg
Rumpflänge: 15,47 m 15,47 m
Länge über Rotor: 17,73 m 17,73 m
Höhe: 4,64 m (über Air Data System) 4,05 m (ohne Longbow-Radar) 4,95 m (über Longbow-Radar)
Rumpfbreite (ohne Flügelspitzenwaffenträger): 5,227 m 5,227 m
Hauptrotordurchmesser: 14,63 m 14,63 m
Heckrotordurchmesser: 2,79 m 2,79 m
Bewaffnung: M230 30 mm Kettenkanone Außenlaststationen:
- max. 16 AGM-114 Hellfire
- max. 76 FFAR (Hydra 70)
- AIM-92 Stinger
M230 30 mm Kettenkanone Außenlaststationen:
- max. 16 AGM-114L Longbow Hellfire
- max. 76 FFAR (Hydra 70)
- AIM-92 Stinger, AIM-9 Sidewinder, oder andere AAMs
Kosten: ca. 10 Mio. US-$ ca. 20 Mio. US-$
Produktionszahlen: USA: 827
Israel (als Pethen): 19, zusätzlich 24 von US Army
Saudi Arabien: 12
Ägypten: Los 1 24, Los 2 12
Griechenland: 12
VAE: Los 1 20, Los 2 10
USA: 530 (Umrüstung von AH-64A)
Niederlande: 30
Singapur: 8 (12 Optionen)
UK: 67 (WAH-64D)
Japan: 12 (48 weitere in Option)
Israel: 33 (Umrüstung von AH-64A, 12 mit Longbow-Radar)
Ägypten: 34 (Umrüstung von AH-64A)
Griechenland: 12 (mit Arrowhead; + 4 Optionen)
Kuwait: 16 (Vertrag am 30.08.02 unterschrieben; Auslieferung ab 2005)

das neue Pilotencockpit des AH-64D mit den großen Displays (Picture by The Boeing Company)



Interne Links zum Thema

Bildergalerie

Download - Bilder



 

Text by British Steel; Korrektur durch Dirk, UncleK, Tobit, Praetorian. Letztes Update:  7. September 2007