Sturmpanzerwagen A7V



Der Sturmpanzerwagen A7V mit dem Kosenamen "Elfriede"

Nach den ersten Tank-Einsätzen auf Seiten der Alliierten während der Somme-Schlacht am 15. September 1916 bei Flers erkannte auch die deutsche Führung den Wert dieser Fahrzeuge. Bis dahin waren sämtliche Vorschläge zum Bau eines solchen Kampfwagens abgelehnt und von der Obersten Heeresleitung belächelt worden. Doch auch nun ging die Entwicklung und der Bau dieser Fahrzeuge nur schleppend voran, zumal die Entwicklung einer Tankabwehr nun wichtiger war und das deutsche Kaiserreich gravierende Rohstoffengpässe hatte. 


Am 13. November 1916 beauftragte die Abteilung Verkehrswesen A7V (daher auch die Bezeichnung für den Sturmpanzerwagen) des Kriegsministeriums die Verkehrstechnische Prüfungskommission mit der Entwicklung und Konstruktion eines Kampfwagens. Innerhalb von sechs Wochen wurde das Projekt "A7V-Sturm-Panzer-Kampfwagen" unter der Leitung von Hauptmann der Reserve Oberingenieur Vollmer fertiggestellt. Als Fahrwerk entschied man sich für den Kettenantrieb des Holt-Caterpillar Traktors, der in Österreich in Lizenz gefertigt wurde. Der erste Prototyp erblickte im April 1917 das Licht der Welt. Am 14.Mai wurde die Produktion angeordnet. Ursprünglich sollten 100 Fahrzeuge gebaut werden, doch bis Kriegsende wurden aufgrund der katastrophalen Rohstoffversorgung und der bereits vorhandenen Auslastung der Industrie durch den Bau von U-Booten, Flugzeugen und LKWs nur noch 20 Sturmpanzerkampfwagen A7V und 30 Versorgungsfahrzeuge mit Weichstahlkarosserien fertiggestellt. Die zudem anfangs untergeordnete Dringlichkeitsstufe im Rüstungsprogramm wurde erst nach den Masseneinsatz britischer Tanks bei Cambrai am 20.November 1917 aufgehoben. 
Während des Sommers 1917 hatte man den A7V erprobt und einige Mängel festgestellt: Durch die kurzen Ketten und die geringe Bodenfreiheit war die Geländegängigkeit des A7V sehr eingeschränkt. Die Kletterleistung war miserabel. Dagegen waren die hohe Geschwindigkeit und der große Aktionsradius im Vergleich zu den britischen Panzern ein positives Erscheinungsmerkmal des Panzers. Die große Höhe ermöglichte gute Beobachtungsmöglichkeiten, machte den Panzer aber auch zu einem leichten Ziel. 


Der erste voll gepanzerte A7V wurde am 1.Oktober 1917 ausgeliefert und Daimler sollte bis zum Frühjahr für die geplante Offensive die vorgesehenen 100 Stück liefern.
Die Ausbildung der Besatzungen, die aus verschiedenen Truppengattungen (Infanterie, Artillerie, Kraftfahrtruppe) zusammengesetzt wurden, erfolgte in der Geländefahrschule Berlin und in Beuville durch das "Sturm-Batallion Rohr". Am 25.02.1918 wurde die "Sturmpanzer-Kraftwagen-Abteilung" General Ludendorff vorgeführt und er entschied sich für die Aufstellung von drei StPzKrW-Abteilungen mit insgesamt 20 A7V, da abzusehen war, dass 100 Stück bis zur Offensive nicht mehr fertiggestellt würden. Außerdem wurde die Aufstellung der Sturmpanzerwagenabteilungen (Beute), die mit erbeuteten Tanks ausgerüstet waren, vorangetrieben.


Im Rahmen der Frühjahrsoffensive erfolgte der erste kleinere Einsatz am 21. März 1918 bei St. Quentin. Trotz technischer Probleme gelang es den Feind zu überraschen und den Einsatz erfolgreich abzuschließen. Die im Bug des kastenförmigen Aufbaus eingebaute Kanone wurde von drei Mann, die Front-MGs wurden von je zwei Mann bedient. Im hintern Teil des Panzers befanden sich vier weitere MGs und das Nachrichtenpersonal. Im Kommandantenturm, der sich auf der Mitte des "Kastens" befand, saß ein Offizier als Führer des Wagens. Im Innenraum des Fahrzeugs konnte die Temperatur bis auf 86° C ansteigen, und der Motorenlärm war kaum auszuhalten. Zum eigenen Schutz trugen alle Besatzungsmitglieder Asbestanzüge. Trotz der geringen Reichweite von 35 Kilometern im Gelände, die der Kraftstoffvorrats von 500 Liter ermöglichte, dauerten die Einsätze oft bis zu acht Stunden, da Reparaturen und Beschuss die Wagen oft zum Ausharren im Gelände zwang.


Am 24.April rollten die deutschen Sturmpanzerabteilungen in Richtung Villers-Bretonneux um einen Infanterieangriff zu unterstützen. Dies war auch die eigentliche Aufgabe des A7V: Er sollte feindliche Stellungen aufrollen und hartnäckig verteidigte Widerstandsnester ausheben. Beteiligt waren an diesem Einsatz 14 A7V-Kampfwagen, die in drei Gruppen eingeteilt waren. Sowohl Gelände- als auch Witterungsverhältnisse waren an diesem Tag ausgezeichnet. Der Boden war trocken und nur vereinzelt mit Granattrichtern übersät. Dichter Nebel sorgte dafür, dass die heranrollenden Panzer nur schwer vom Feind erkannt werden konnten. Der Gruppe II gelang es mehrere hundert Gefangene zu machen. Die Panzergruppe III hatte sowohl Erfolge als auch Rückschläge zu verbuchen. Wagen 1 fiel um und konnte nicht mehr gesprengt werden, so dass er dem Feind in die Hände fiel. Der Wagen 2 dagegen führte das erste Gefecht von Panzer zu Panzer. Als er feindliche Stellungen bei Cachy unter Feuer nahm, wurde er von britischen Tanks angegriffen. Der Kommandant, Leutnant Bilz, ließ sofort des Feuer auf die britischen Panzer eröffnen. Einer wurde durch einen Volltreffer zerstört, ein weiterer beschädigt. Dann bekam der A7V von Leutnant Bilz aber selbst drei Treffer ab, so dass er sich zu den eigenen Linien zurückzog. Der Wagen 4 der Gruppe 3 schoss ebenfalls zwei britische Tanks in Brand, musste sich dann aber aufgrund einer Ladehemmung zurückziehen. Dieser erste Panzerkampf zeigte die durchaus vorhandene Überlegenheit der deutschen Panzer: Die Panzerung war mit einer Dicke von bis zu 30 mm fast doppelt so stark wie die der alliierten Tanks. Und mit einer Geschwindigkeit von 15 km/h im Vergleich zu den 8 km/h des Mark V war der A7V auch schneller.
Letztendlich waren die deutschen Sturmpanzerwagen aber nur 50 Tage im Einsatz, und die 20 deutschen Panzer sowie die 4 Beutepanzerabteilungen waren nichts im Vergleich zu den 6.000 alliierten Panzerfahrzeugen, die zu Ende des Krieges vorhanden waren.


Alle A7V-Panzer hatten einen eigenen Kosenamen wie beispielsweise Wotan, Isolde, Elfriede oder Mephisto.
Nach dem ersten Weltkrieg waren fünf A7V-Wagen in der Pilsudski-Armee Polens im Einsatz und kämpften im Russisch-Polnischen Krieg von 1919-1920. Hierbei wurden sie vor allem zu Abwehr von sowjetischen Kavallerieangriffen verwendet.
Um die Geländegängigkeit zu verbessern, wurde der A7V/U entwickelt. U steht für das Umlauffahrwerk, das dieser Panzer nach dem Vorbild der britischen Mark-Serie erhielt. Er verband das britische Design mit der starken Panzerung des A7V und wäre vermutlich sogar mit einer 77 mm Kanone bewaffnet worden. Sein Gewicht betrug knapp 40 Tonnen und er sollte nur noch eine sieben Mann starke Besatzung haben. Zwanzig dieser Fahrzeuge wurden im September 1918 bei Daimler in Auftrag gegeben, aber bis zum Ende des Krieges wurde nur noch ein Prototyp fertiggestellt.


Bis heute ist lediglich der A7V mit dem Namen "Mephisto" (Wagen 506) erhalten geblieben. Er befindet sich im Queensland-Museum in Brisbane/Australien.



Der originalgetreue Nachbau des A7V "Wotan" im Panzermuseum Munster

Bezeichnung des Fahrzeugs: Sturmpanzerwagen A7V
Hersteller: Daimler, Büssing
Baujahr: 1917-1918
Motor: 2 wassergekühlte Daimler-Benzinmotoren
Zylinderzahl, Anordnung: 4, Reihe
Hubraum (ccm): je 17.000
Drehzahl (U/min): 800 bis 900
Höchstleistung (PS): je 100
Leistungsgewicht (PS/t): 6,2
Geschwindigkeit (km/h): Straße 15/Gelände 4-8
Getriebe: Adler-Kegelradgetriebe mit Doppelkonuskupplung
Anzahl der Gänge V/R: 03. Mrz
Länge über alles (m) : 8
Breite über alles (m): 3,2
Höhe über alles (m): 3,4
Bodenfreiheit (m): 0,4
Gefechtsgewicht (t): 32,51
Kraftstoffvorrat (l): 500
Fahrbereich (km): Straße 60-70/Gelände 30-35
Besatzung: 18  (im Einsatz bis zu 26)
Richtbereich der Kanone: Seitenrichtbereich: je 45°
Höhenrichtbereich: -20° bis + 20°
Panzerung (mm): Front 30, Seite 15
Hauptbewaffnung: 1  5,7 cm Maxim-Nordenfeldt Kanone oder eine belgische 5,7 cm Beutekanone (180)
Nebenbewaffnung: 6  7,92 mm Maxim-Spandau 08/15 MGs
(10.000 bis 15.000 Patronen )
Sonstige Ausrüstung: mehrere Brieftauben zur Nachrichtenübermittlung
Stückzahl: 20

A7V Wotan



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Text by UncleK. Letztes Update:  7. September 2007