EntwicklungsgeschichteBereits 1965 begann die USAF mit der Suche nach einem kostengünstigen, leichten Jäger. Dieser sollte den neuen, primären Luftüberlegenheitsjäger, der im Rahmen des FX-Fighterwettbewerbs entwickelt wurde, ergänzen. Der neue Leichtjäger sollte zudem das Pendant zu sowjetischen Frontjägern wie der MiG-21 „Fishbed“ darstellen. Daraufhin begann General Dynamics 1970 mit der Entwicklung der F-16 Fighting Falcon. 1972 schrieb die USAF dann einen Leichtjägerwettbewerb (LWF – Light Weight Fighter) aus. Gefordert wurde ein einfach zu wartender, kleiner, kostengünstiger, Tag und Schönwetter Leichtjäger. Das Flugzeug sollte als neuer Standardjet die F-5A/B Freedom Fighters und F-104 Starfighters bei der USAF ersetzen, sowie die F-4 Phantom II ergänzen. Zwei Prototypen, mit der Bezeichnung YF-16, wurden zunächst gebaut. Der Erstflug erfolgte schließlich am 2. Februar 1974. Zu diesem Zeitpunkt stand die YF-16 noch im Konkurrenzkampf mit der Northrop YF-17, aus der später die F/A-18 Hornet abgeleitet wurde. Die Viper, wie die F-16 auch genannt wird, konnte sich jedoch letztendlich durchsetzen. 1975 startete bereits die Serienproduktion. Zunächst wurden acht F-16A/B Block 0 Vorserienmaschinen für das Flugerprobungsprogramm gebaut. Ab August 1978 begannen die Auslieferungen der ersten Maschinen des Block 1 Standards. Bis 1987 wurden die A/B Modelle der F-16 Fighting Falcon in den Block Versionen 1, 5, 10 und 15 produziert. In den 90er Jahren folgte dann, speziell für den Export nach Taiwan, der Bau der F-16A/B Block 20. Bereits 1984 begann die Serienproduktion der verbesserten F-16C/D Fighting Falcons des Blocks 25. Es folgten die Versionen Block 30/32 welche sich nur durch ihre Triebwerke unterschieden und die so genannten Night Falcons der Blöcke 40/42. Seit Anfang der 90er Jahre befinden sich nun auch die F-16C/D Block 50/52 in der Produktion. Die neusten Modelle sind die Block 60 Maschinen für die VAE (Vereinigte Arabische Emirate).
Design & StrukturWährend die F-16 ursprünglich als kleiner Leichtjäger konzipiert wurde, ist sie heute alles andere als ein solcher. Sie ist zwar nach wie vor sehr klein, aber die Leermasse ist um ca. 1/3 angestiegen und das obwohl sich die Abmessungen kaum verändert haben. Die F-16 wiegt je nach Block-Version unbeladen zwischen ca. 8.500 kg und 8.800 kg. Die stabile Struktur des Jets erlaubt es ihm jedoch eine maximale Startmasse zu erreichen, die dem Doppelten des Eigengewichtes entspricht. Die maximale Startmasse der modernen F-16C/D wird mit 19.187 kg angegeben. Die Flugzelle des Jets besteht zu 83% aus Aluminium, zu 5% aus Stahl, zu 2% aus Carbon, zu 2% aus Titan und zu 8% aus anderen Materialien. AntriebDie ersten Fighting Falcons wurden von einem Pratt&Whitney F100-PW-100 Turbofan angetrieben, welcher einen Nachbrennerschub von 10.800 kg erzeugt. Das Triebwerk galt jedoch als ziemlich unzuverlässig. Später wurde dann das F100-PW-200 Triebwerk eingerüstet, das ebenso stark aber wesentlich zuverlässiger war. Dieses Triebwerk kam auch bei den Maschinen der Blöcke 25, 32 und 42 zum Einsatz. Die F-16C/D Block 30/40 erhielten das stärkere aber auch schwerere General Electric F110-GE-100 Triebwerk, das einen Schub von 62,3 kN ohne und 128,9 kN mit Nachbrenner erzeugt. Die Block 50 Maschinen besitzen das abermals stärkere F110-GE-129 Triebwerk, das einen Schub von 131,65 kN liefert. Die Block 52 Maschinen sind mit dem leichteren F100-PW-229 Turbofan ausgestattet. Dieser erzeugt einen Nachbrennerschub von 129,49 kN.
Flugleistungen & -eigenschaftenDie moderne Aerodynamik, in Kombination mit FBW und dem schubstarken Triebwerk, machen die Viper zu einem relativ leistungsfähigen Jet. Die F-16 erreicht so Spitzengeschwindigkeiten von über 2.125 km/h (Mach 2+) in großen Höhen und von 1.472 km/h (Mach 1,2) auf Meereshöhe. Die Dienstgipfelhöhe beträgt ca. 15.240 m. Das gute Schub-/Gewichtsverhältnis verleiht der Fighting Falcon eine starke Beschleunigung und eine hohe Steigleistung. Auf Meereshöhe kann der Jet so mit bis zu 254 m/s steigen. Vom Start an benötigt die Maschine etwa 3,5 min um auf 10.800 m zu steigen und auf Mach 1,6 zu beschleunigen. Beeindruckend ist auch die Beweglichkeit des Jets. Als erster Jäger der Welt war die F-16 dabei im Stande, ein Lastvielfaches von 9 g zu erreichen und dauerhaft zu halten. Die F-16 leistet auch hohe g-Kraft Anstiegsraten von bis zu 5 g/s. Somit sind kurzzeitig Wenderraten von bis zu 26 °/s und mehr und dauerhaft von bis zu 21,7°/s möglich. Die Maschine erreicht Rollraten von bis zu 270°/s und Anstellwinkel von 25°. Das Flugsteuerungssystem der F-16 begrenzt die g-Kräfte und Anstellwinkel auf ein sicheres Niveau und verhindert somit, dass das Flugzeug überbelastet wird. Auch ist die F-16 dank FBW sehr gut handhabbar. Allerdings sind die Langsamflugeigenschaften und die Leistungen in großen Höhen nicht sonderlich überragend. Der Einsatzradius beträgt bis zu 1.605 km mit vollen Zusatztanks. Standardmäßig wird er mit 925 km für einen Luft-Luft Einsatz und mit 650 km für einen Angriffseinsatz angegeben, die Überführungsreichweite beträgt bis zu 4.215 km. Zur Reichweitenerhöhung besitzt die Maschine auch die Option zur Luftbetankung. Ein Betankungseinlass, der die Tankrohrbetankmethode erfordert, ist in der Mitte des Rumpfrückens angebracht. EinsatzfähigkeitSchon immer hat sich die F-16 durch eine hohe Zuverlässigkeit und einfache Wartung ausgezeichnet. Die Verfügbarkeit soll bei bis zu 95 % liegen. Der Wartungsaufwand beträgt 12 Mannwartungsstunden pro Flugstunde. Alle neueren Modelle der F-16 sind zudem voll nacht- und allwetterflugtauglich. Die F-16 ist außerdem im Stande, von relativ kurzen Pisten aus zu operieren. Die Startstrecke liegt bei nur 533 m und die Landestrecke bei 762 m. Einige Vipers sind auch mit Bremsschirmen ausgestattet, wodurch sich die Landestrecke weiter verkürzen lässt.
CockpitDas Cockpit der F-16 ist relativ eng, gilt aber dennoch als bequem. Es bietet eine exzellente Rundumsicht, was sowohl im Gefecht als auch im Flug allgemein sehr vorteilhaft ist. In den neueren Modelle (ab Block 50/52) sind auch Sauerstofferzeugungssysteme an Bord (OBOGS-On Board Oxygen Generating System) untergebracht. Der Pilot sitzt auf einem ACES-II Null-Null Schleudersitz, welcher um 30° zurückgeneigt ist. Dies erhöht die g-Toleranz des Piloten. Die Steuerung basiert, wie bei allen modernen Jets, auf dem HOTAS-Konzept. Erstmals in einem Kampfflugzeug überhaupt wurde bei der F-16 ein Seitensteuerknüppel (Sidestick) eingebaut. Auch ein Stimmwarn-/Informationssystem (VMS-Voice Message System) ist vorhanden.
AvionikDie moderne Avionik der F-16 Block 50/52 umfasst unter anderem neben mehreren Prozessoren R-5.000, auch sechs MIL STD-1553B Datenbusse, die üblichen Fluginformationssysteme einschließlich zweier Hi-8 Videoaufzeichnungsrekorder. Zur Kommunikation ist die F-16 mit zwei ARC-232 UHF/VHF Funkgeräten ausgestattet. Für eine Erleichterung der Landung steht auch ein ILS (Instrument Landing System) Gerät inklusive VOR zur Verfügung. Des weiteren ist ein TACAN-Funknavigationsgerät (Tactical Air Navigation) Collins AN/ARN-153 vorhanden. Für die Navigation ist die Viper mit einem Radarhöhenmesser Gould AN/APN-232, einem Honeywell Laser-Trägheitsnavigationsgerät (LINS-Laser Inertial Navigation System) und einem GPS-Empfänger (Global Positioning System) ausgestattet. Die Autopilotenanlage der Fighting Falcon kennt Funktionen wie automatischen Geradausflug, Fluglagestabilisierung oder auch Wegpunkteverfolgung.
BewaffnungFür die F-16 ist eine breitere Palette an Waffen zugelassen als für jeden anderen Jäger der Welt. Intern ist die F-16 mit einem General Electric M61A1 Vulcan 20 mm Gatlingkanone ausgestattet. Dieses sechsrohrige Geschütz ist im linken Tragflächenansatz installiert und mit 515 Schuss aufmunitioniert. Die Feuerrate beträgt bis 6.000 Schuss pro Minute. In erster Linie ist es gegen Luftziele geeignet. ![]() EinsatzrollenDank der breiten Palette an Waffensystemen und der flexiblen Avionik, lässt sich die F-16 sehr vielseitig einsetzen. Sie verfügt somit über Swing-Role Fähigkeiten. Das heißt, sie kann während eines Einsatzes von der Luft-Luft zur Luft-Boden-Rolle wechseln und umgekehrt. Die F-16 kann als Jäger zur Bekämpfung feindlicher Flugzeuge, zur Gefechtsfeldunterstützung, für konventionelle und auch für Präzisionsangriffe, zur Bekämpfung gegnerischer Flugabwehrsysteme, teilweise zur Seezielbekämpfung und auch zur Aufklärung eingesetzt werden. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass nicht alle F-16 gleich ausgerüstet und bewaffnet sind. Dadurch lassen sich einige Maschinen auch nicht so vielseitig einsetzen. VerbesserungenBereits jetzt befinden sich modernere Versionen der F-16, wie die Block 50+/52+, in der Einführung. Zu den Verbesserungen gehören unter anderem ein Cockpit mit drei Farbdisplays anstelle der beiden monochromen und einer Reihe analoger Instrumente. Auch wesentlich leistungsfähigere modulare Prozessoren, ein JHMCS Helmvisier (Joint Helm Mounted Cueing System) sowie ein LINK16/MIDS Datenlink sollen eingerüstet werden. Vorgesehen sind auch modernere AN/ALR-74 Radarwarner und eine neue Version des Radars steht ebenfalls zur Verfügung. Das AN/APG-68(V9) bietet eine um 25% gesteigerte Reichweite, eine höhere Störungsresistenz und Zuverlässigkeit und auch eine höhere Auflösung im SAR Modus. Auch die Integration neuer Waffensysteme wie GPS gesteuerte Bomben JDAM, Lenkwaffendispenser JSWD oder Marschflugkörper AGM-158 JASSM soll erfolgen, ebenso wie die hochagile AIM-9X. Optional können in der Nase auch FLIR Sensoren und am Rumpfrücken konforme Zusatztanks (CFT) mit einem Fassungsvermögen von 1.900 l angebracht werden. Die Block 60 "Desert Falcon" Maschinen der VAE sollen standardmäßig die CFT’s erhalten und mit dem schubstärkeren F110-GE-132 ausgestattet werden, das einen Schub von ungefähr 142,24 kN erzeugt. Im Cockpit sind drei Displays eingebaut, die Maschinen besitzen einen internen ECM-Störsender AN/ALQ-165, in die Nase eingebaute FLIR-Sensoren, Helmvisier und das APG-80 Radar mit einer Antenne mit aktiver elektronischer Strahlschwenkung. Auch Abstandslenkwaffen wie die AGM-142 sollen in die F-16C/D Block 60 der VAE integriert werden.
Tom Clancy, Fighter Wing, Heyne Text by manuk; Korrektur: Dirk, Tobit, UncleK, Tschixel. Letztes Update: 7. September 2007 |