Hughes AIM-54 Phoenix



Ein AIM-54A. Zu beachten ist die abmontierte Stabilisierungsflosse, die erst vor dem Einsatz montiert wird. (Picture by US Navy)

Bis Mitte der 60er Jahre waren aktive Radarzielsuchköpfe für Lenkwaffen nicht verwendbar, da die damalige Röhrenelektronik zuverlässige und kompakt gebaute Systeme nicht zuließ. Und so wurden die Entwicklungen dieser Zeit, wie der 603 kg schwere britische Vickers 888 oder der amerikanische AAM-N-10 "Eagle", eingestellt.

Die einzige Lenkwaffe mit aktivem Radar, die in Dienst gestellt wurde, war der sieben Tonnen schwere FlaFk (FlugabwehrFlugkörper) Bomarc von Boeing. Erst Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre als die Technologie soweit vorangeschritten war, dass der Bau eines zuverlässigen Bordradars möglich war, sollte ein AAM in Dienst gestellt werden, der über ein solches System verfügte: Der von Hughes entwickelte AIM-54 Phoenix wurde speziell dazu konzipiert, mit der F-14 Tomcat als Trägersystem die amerikanischen Trägerverbände (CVBG) gegen russische Bomber, schützen zu können. Die hohe Reichweite von 148 km und das leistungsstarke Bordradar der F-14 sollten es ermöglichen, dass die feindlichen Bomber, wie die Tu-16 "Badger", schon abgeschossen wurden, bevor sie ihre nuklearen Raketen abfeuern konnten.

 

Im Gegensatz zu Suchsystemen mit halbaktivem Radar kann das Zielsystem der AIM-54 autonom reagieren, so dass die F-14 nach dem Start abdrehen kann, um sich ihrem nächsten Ziel zuzuwenden. Das System AWG-9 Radar und AIM-54 Phoenix besitzt aber auch die Möglichkeit mehrere Ziele gleichzeitig anzugreifen. Der aktive Zielsuchkopf der Phoenix wird hauptsächlich für die Endanflugphase benutzt und ist nur bei kurzen Distanzen (bis 14 km) beim Schuss bereits aktiviert. Bei Abfangeinsätzen mit größerer Entfernung wird der Flugkörper in der Marschphase durch SARH (halbaktive Radarlenkung) oder bei vorheriger Eingabe der Flugdaten durch ein Trägheitsnavigationssystem  gesteuert. Die Zündung des hochexplosiven und über 60 kg schweren Sprengkopfs geschieht dann durch einen Annäherungszünder. 

 

Die erste von einer Tomcat abgeschossene Phoenix flog am 28. April 1972. Bei späteren Tests zerstörte eine AIM-54 ein Ziel in 116 km Entfernung. Bei dem Mehrfachschußversuch im November 1973 über Point Mugu, Kalifornien feuerte die eingesetzte Tomcat in 38 Sekunden 6 Phoenix Raketen bei Mach 0,78 ab, von denen nur eine ihr Ziel verfehlte. In weiteren Tests wurde die Phoenix auch erfolgreich gegen Marschflugkörper und stark manövrierende Drohnen eingesetzt. Der weiterentwickelte AIM-54B ist weniger anfällig gegen elektronische Jammer und wurde 1983 eingeführt. Ausserdem besitzt er eine ohne Flüssigkeiten auskommende Hydraulik, temperaturunabhängige Systeme, sowie eine vereinfachtes Triebwerk.

Die neueste Version der Phoenix, der AIM-54C, besitzt einen schubkräftigeren Antrieb als auch einen verbesserten Gefechtskopf. Auch wurden durch neuere Elektronikkomponenten die Abfangeigenschaften deutlich verbessert. So wird nun mittels eines einen neuen Zünders der Moment der Sprengung so gewählt, dass der Abstand zum Ziel eine maximale Zerstörung sicherstellt. Ausserdem ist der Marschflügkörper durch eine intelligente Elektronik kaum gegen Täuschkörper anfällig. Verifiziert das Radar des Ziel als "chaff"  dreht die Rakete ab und schaltet auf das nächste Ziel, das ihr beispielsweise vom AWG-9 zugewiesen wird, auf.

 

Desweiteren kann der AIM-54C auch gegen tief fliegende Marschflugkörper eingesetzt werden. Und moderne Jäger die, möglicherweise mit Schubvektordüsen, extreme Ausweichmanöver fliegen, stellen durch die verbesserte Manövriereigenschaften auch kein Problem dar. Das Hauptziel der neuen Version war aber die Fähigkeit die sowjetischen AS-4 Kitchen und AS-6 Kingfish Abstandsflugkörper abfangen zu können. Durch den mit Feststoff betriebenen Raketenantrieb von Hercules erreicht der 447 kg schwere Phoenix AAM eine Endgeschwindigkeit von 4.800 km/h. Aufgrund des hohen Stückpreises wurde er aber nur selten bei Trainingseinsätzen benutzt und in einem realen Kampf wurde die Rakete noch nie eingesetzt.

Das kombinierte Suchsystem von Trägheitsnavigation und aktivem Radar für die Endzielphase findet sich aufgrund seiner Flexibilität und Autonomität auch im AIM-120 AMRAAM wieder. Es ermöglicht dem Piloten durch die "Fire and Forget" Eigenschaften sich nicht der Gefahr aussetzen zu müssen, den Gegner mit dem Bordradar des eigenen Flugzeugs zu bestrahlen. Der ab Ende der 80er Jahre geplante Nachfolger für den AIM-54, der AAAM, sollte sogar ein kombiniertes Zielsystem aus aktivem Radar und IR-Sucher erhalten.



Eine Reihe AIM-54C (Picture by US Navy)

Bezeichnung des Flugkörpers: AIM-54 Phoenix
Typ: Langstrecken Luft-Luft-Flugkörper (AAM)
Hersteller: Hughes Aircraft Co., Raytheon Co.
Stückpreis: über 1 Million $
Indienststellung: 28. Januar 1975
Antrieb: Hercules Feststoffraketentriebwerk
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 4.800 (in großen Höhen, Mach 5)
Reichweite (km): 148
Gewicht (kg): 447
Länge (m): 3,9
Durchmesser (cm): 38,1
Spannweite (cm): 90
Gewicht des Sprengkopfs (kg): 61,29
Zielsuchsystem: aktives Radar für Endflugphase, ansonsten halbaktive Radarsteuerung mit dem AWG-9 der F-14

Der Abschuss einer AIM-54. (Picture by US Navy)

Eine AIM-54 Rakete im Flug (Picture by US Navy)


 

Text by UncleK. Letztes Update:  7. September 2007