AIM-155 FAAM



Eine AIM-155 auf ihrem Transportgestell

Das AIM-155 Programm wurde geschaffen, um einen Nachfolger für die Hughes AIM-54 Phoenix zu entwickeln. Das US Naval Weapons Center begann Anfang 1982 eine zwei- bis dreijährige technologische Machbarkeitsstudie mit Simulationen, die zu Hardwaretests bis hin zu Tests mit komplett gelenkten Raketen führen sollte. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger AIM-54 sollte die AIM-155 viel kleiner sein und einen geringeren Einfluss auf das Flugwerk haben, ohne jedoch an Leistungsfähigkeit einzubüßen. Die Reichweite sollte bei 270 km liegen, die Geschwindigkeit bei etwa Mach 4, bei einem Durchmesser von 229 mm und einem Gefechtskopfgewicht von 13,6 bis 22,7 kg. Auch sollte die AIM-155 viel leichter sein als die AIM-54, es war ein Gewicht von etwa 300 kg angepeilt. Die AAAM war als Bewaffnung modernisierter F-14-Versionen der US Navy gedacht. Die F-14 hätte somit auch mit 8 AIM-155 noch auf einem Träger landen können.
Der US Kongress wollte, dass das Programm von der USN und der USAF getragen werden sollte, aber die offizielle Stellungnahme der USAF war, dass sie keinen Bedarf für eine Langstreckenrakete hätte und so beschränkte sie sich auf die Kontrolle des Programms. Wenn ein Bedarf entstanden wäre, hätte die USAF Flugzeuge wie die F-15C/D Eagle und die F-22A Raptor mit der AIM-155 ausgerüstet. Die AIM-155 hätte im Vergleich zur AIM-120 AMRAAM eine wesentlich höhere Abfangchance gegen Stealthflugzeuge. Dieses sehr viel versprechende Programm wurde 1992 aufgegeben.



Bewerber um den Auftrag

Die Entwicklung der AIM-155 startete 1988 mit Beteiligung von zwei Industriekonsortien, General Dynamics mit Westinghouse und Hughes mit Raytheon und McDonnell Douglas. Die beiden Teams begannen ihre Entwicklungen mit sehr verschiedenen Ansätzen.

 

General Dynamics/ Westinghouse:

General Dynamics und Westinghouse schlugen eine Rakete mit einem mehrpulsigen Feststoffraketenmotor und einem doppelten halbaktiven Radar/Elektro-Optischen Lenksystem vor. Dieser Vorschlag nutzte eine kleine Rakete in einem angetriebenen Startrohr um die Zuverlässigkeit zu erhöhen und einen Radarbehälter mit einem Radar am Vorder- und am Hinterteil, damit das Startflugzeug nicht in Richtung des Zieles fliegen muss. Der Behälter hätte ein Gewicht von 340 kg gehabt und hätte die Maße 406 mm x 3.607 mm besessen. Kurz nach dem Start hätten sich die Flügel ausgebreitet und nach ein paar Sekunden wäre das Startrohr abgefallen. Die AIM-155 hätte eine Mittelkurslenkung wie die AIM-120 AMRAAM gehabt und in der Nähe des Ziels wäre das Radar aktiv geworden. Wenn das Zielflugzeug ECM-Signale senden würde, hätte die AIM-155 auf diese Signale gezielt. Auch gab es noch einen Infrarot-(IR)-Sucher im Falle eines Ausfalls der Lenkung. Die Benutzung aller bekannten Zielsysteme hätte die AIM-155 sehr zuverlässig gemacht. Auch der Start von kleinen V/STOL-Flugzeugen wäre möglich gewesen. Das Design basierte auf der AMS (Advanced Missile System), einer zehnjährigen Studie von General Dynamics. Die Raketenmaße wären 140 mm x 3.658 mm bei 170 kg Gewicht gewesen.

 

Hughes/ Raytheon/ McDonnell Douglas:

Die Entwicklung begann bei Raytheon mit der hauseigenen Entwicklung Advanced Intercept Air-to-Air Missile (AIAAM), die als 1 zu 3 Modell auf der US Navy League Convention 1982 gezeigt wurde. Die AIAAM basierte auf einem Flugwerk mit Flügel und Heckleitwerken zum Steuern und korrigieren. Ein geneigter Überschalleinlass würde ein fortgeschrittenes Ramjet-Triebwerk, Bestandteil eines Hybridantriebes, versorgen. Ein Vertragsnehmer für das Antriebssystem war CSD, die auch das Hybrid-Triebwerk (Rakete/Ramjet) für das Firebolt-System lieferten. Weiterhin stellte CSD das Antriebsystem für die Vought Supersonic Tactical Missile (STM), einer Langstreckenforschungsrakete der US Navy, zur Verfügung. Die AIAAM hatte also die Wahl aus einem breiten Antriebsspektrum und es wurde angenommen, dass diese Rakete der Beginn einer Familie von luftatmenden Überschallraketen mit enorm gesteigerter Reichweite und hoher Manövrierbarkeit werden würde.

 

Das System von Hughes/ Raytheon/ McDonnell Douglas hätte eine geringere Beschleunigung als die reine Raketenvariante von General Dynamics und Westinghouse gehabt. Der Vorteil des Hybridantriebes besteht in der wesentlich höheren Reichweite und somit einer früheren Angriffssmöglichkeit.



Bezeichnung des Flugkörpers: AIM-155 FAAM (Maße bezogen auf GD/ Westinghouse)
Typ: Langstrecken Luft-Luft Rakete
Hersteller: General Dynamics/ Westinghouse bzw. Hughes/Raytheon/McDonnell Douglas
Antrieb: Feststoffraketen/Ramjet-Hybridantrieb oder reiner Raketenantrieb
Höchstgeschwindigkeit: um Mach 4
Reichweite: ca. 270 km
Gewicht: 170 kg
Länge: 3,658 m
Durchmesser: 14 cm
Gewicht des Sprengkopfs: 13,5 bis 22,7 kg
Zielsuchsystem: IR, elektro-optische und Radarlenkung


 

Text by Jetpilot. Letztes Update:  7. September 2007