Arado Ar 196



Die Arado hatte hervorragende Flug- und Wassereigenschaften und eine überdurchschnittlich schwere Bewaffnung.

Mitte der 30er Jahre war der konventionelle Doppeldecker He 60 als Standardbordflugzeug der deutschen Kriegsmarine eindeutig veraltet und man suchte nach einem Nachfolgemuster. Von Seite der Kriegsmarine forderte man Heinkel auf ein Nachfolgemuster für seine He 60 zu entwickeln. Die so entstandene He 114 hatte aber große Mängel vor allem in bezug auf die Hydrodynamik und die Seequalitäten. Nach einer ausgiebigen Test- und Umbauphase entschied sich die Marineführung im Oktober 1936 eine neue Ausschreibung zu veranstalten, da man hoffte, dass die Arado-Flugzeugwerke oder Focke-Wulf einen besseren Nachfolger entwickeln. Focke-Wulf schlug daraufhin einen konventionellen Doppeldecker, die Fw 62 vor, während Arado einen Tiefdecker entwarf. Die Kriegsmarine und das Reichsluftfahrtministerium waren sich einig, dass beide Maschinen den schon in der He 114 verwendeten BMW-Sternmotor BMW 132 K, der 960 PS leistete, erhalten sollten. Und so wurde der Bau von Prototypen angeordnet, wobei beide Firmen sowohl eine Maschine mit Zwillingsschwimmern und eine mit Mittelschwimmer und seitlichen Stabilisierungsschwimmern zu bauen hatten. Nachdem die Konstruktionspläne und die Kostenvoranschläge bei der Kriegsmarine eingegangen waren, entschied man sich dort dafür, dass von der Fw 62 zwei und von der Ar 196, die als der attraktivere Entwurf angesehen wurde, vier Prototypen zu bauen seien. Die vier Ar 196 Prototypen hatte alle eine zivile Kennung (D-IEHK, IHQI, ILRE und OVMB), wobei die ersten beiden Maschinen V-1 und V-2 zur sogenannten A-Serie gehörten und den Zwillingsschwimmer besaßen, während die beiden letzteren Maschinen V-3 und V-4 der B-Serie einen Mittelschwimmer hatten. Zudem wiesen die Prototypen noch nicht die endgültige Konfiguration auf. Als Antrieb kam beispielsweise der schwächere BMW 132 Dc mit nur 880 PS zum Einsatz und auch der bei diesen Maschinen zur Verwendung kommende Zwillingsauspuff unter der linken Rumpfseite wurde bei den Serienmodellen durch zwei getrennte Auspuffrohre links und rechts des Rumpfes ersetzt. Die Prototypen hatten auch einen Zweiblattpropeller, da aber bei der Ar 196 V-1 später gegen einen Dreiblattpropeller ausgetauscht wurde. Ansonsten unterschieden sich die Prototypen kaum, wenn man von den Schwimmern absieht. So waren V-2 und V-3 bis auf die verschiedenen Schwimmer identisch, während beim Prototypen V-4 ein neuer stromlinienförmiger Mittelschwimmer und erstmals auch die Bewaffnung von 20 mm Bordkanonen in den Tragflächen  zum Einsatz kam. Alle vier Prototypen wurden in den Jahren 1937 und 1938 ausgiebig in Travemünde erprobt und lange Zeit war man sich unschlüssig welcher Schwimmer nun zu bevorzugen sei. Da die Stabilisierungsschwimmer der Mittelschwimmervariante beim Start aber dazu neigten leicht ins Wasser einzutauchen und so ein asymmetrisches Verhalten erzeugen konnten, entschied man sich für die Doppelschwimmer. Es wurde dann noch ein weiterer Prototyp der A-Serie mit Doppelschwimmern gebaut (V-5, D-IPDB) und ab November 1938 lieferte das Arado Werk Warnemünde die ersten 10 Vorserienexemplare Ar 196 A-0.

In technischer Hinsicht war die Ar 196 eine konventionell gestaltete Maschine mit einem Rumpf aus einem geschweißten Stahlrohrrahmenskelett und Tragflächen, die aus zwei ganzmetallverkleideten Holmen bestanden. Der Rahmen des Rumpfes war vom Motorbrandschott bis zum hinteren Cockpit mit einer leichten Metalllegierung und im hinteren Teil mit Stoff verkleidet. Bis auf die beweglichen Teile, die mit Stoff bespannt waren, wurde das Leitwerk in Schalenbauweise gefertigt. Die Schwimmer bestanden aus einer leichten Alclad-Legierung und beinhalteten jeweils einen 300 Liter Treibstofftank, wobei sich die Treibstoffzuleitungen in den vorderen Streben befanden. An diese Streben waren zudem Steigstufen angebracht, über die die Besatzung oder das Wartungspersonal zum Cockpit und Motor gelangte. Die Tragflächen, die Klappschlitze und Flettner-Querruder besaßen, konnten ganz nach hinten unten eingeklappt werden, so dass die Ar 196 auf Schiffen verstaubar war. Natürlich mussten vor dem Einklappen der Tragflächen die Flügelschwimmerstreben entfernt werden. Die Besatzung der Ar 196 bestand aus einem Piloten und einem Beobachter/ Bordschützen, die mit dem Rücken zueinander saßen. Beide Cockpits hatten eine Glasabdeckung, wobei sich das hintere Cockpit nicht ganz schließen ließ. Dies war bei den Prototypen noch möglich gewesen, bei den Serienmodellen konnte die Glaskanzel dann nicht mehr ganz nach hinten geschoben werden, um das Zielen mit der hinteren Waffe zu erleichtern. Je nach Version war die Heckwaffe des Bordschützen allerdings verschieden. So kam bei den ersten Versionen ein einzelnes 7,92 mm MG 15 mit 7 Magazinen zu je 75 Schuß zum Einsatz. Die vorwärts gerichtete Bewaffnung entfiel bei der A-1 ganz, es waren nur Tragflächenaufhängungen für zwei SC 50 50 kg Bomben vorhanden. Bei dieser Variante kam aber nun endgültig der BMW 132 K, der einen Schwarz-Dreiblattpropeller antrieb, zum Einbau. Zudem hatte die A-1 Serienversion eine umfangreiche Einsatzausrüstung: Die stellenweise verstärkte Zelle war mit Katapultspulen ausgerüstet und in den Schwimmern wurden unter anderem auch große Rauchkanister sowie Notrationen und Leuchtsignalpatronen mitgeführt.

Die ersten 20 Maschinen der A-1 Version wurden im Juni 1939 ausgeliefert und gingen an die Bordfliegerstaffeln 1./196 und 5./196. Das erste Schiff, dass mit der Ar 196 ausgerüstet wurde, war das Panzerschiff Admiral Graf Spee. Die Ar 196 war aufgrund ihrer hohen Zuverlässigkeit und den guten Steuereigenschaften, sowohl auf dem Wasser als auch in der Luft, von Anfang an bei ihren Besatzungen beliebt und ersetzte die He 60 auf allen großen Schiffen der Kriegmarine. Im November 1939 folgte die Version A-2, die nun nicht nur zur Aufklärung von Schiffen aus eingesetzt wurde, sondern auch für die Küstenaufklärung gedacht war. Diese Version hatte nun auch eine starke Vorwärtsbewaffnung, die aus einem in der rechten Bugnase montierten MG 17 und zwei in den Tragflächen platzierten 20 mm Bordkanonen MG FF bestand. Mit dieser Bewaffnung sollte es der Ar 196 möglich sein feindliche Flugzeuge, die bei den Aufklärungsflügen über Nord- und Ostsee entdeckt wurden, abzuschiessen. Obwohl durch die Bordkanonen das Gesamtgewicht stieg, blieb die Maschine weiterhin leicht zu fliegen.

Im Jahre 1940 wurden dann 98 Ar 196 ausgeliefert, darunter auch die ersten Maschinen der Version Ar 196A-4, die die A-1 auf den Kriegsschiffen ersetzen sollte. Die insgesamt 24 gebauten A-4 hatten, wie die A-2, auch eine Vorwärtsbewaffnung und zudem ein zusätzliches Funkgerät FuG 16Z. Zudem wurde der Schwarz-Propeller der A-1 gegen ein VDM-Modell mit Propellerhaube ausgetauscht. Ausserdem war die Ar 196 A-4 für den schiffsgestützen Einsatz bei rauher See stärker ausgelegt. Im folgenden Jahr belief sich die Fertigung auf 97 Maschinen, von denen die meisten von der Version A-3 waren, die wiederum einige Ergänzungen in der Ausrüstung sowie strukturelle Verstärkungen besaß. 1942 baute Arado in Warnemünde 94 Ar 196 A-3 und SNCA du Sud-Ouest in Frankreich lieferte weitere 23 Exemplare, die zwischen Juli 1942 und März 1943 im Werk Bougenais, Saint-Nazaire gebaut wurden. In Warnemünde wurden dagegen 1943 83 Wasserflugzeuge gebaut, fast alles Maschinen des letzten Hauptserientyps Ar 196 A-5. Diese Version hatte eine stärkere Rückwärtsbewaffnung, die aus einem 7,92 mm Zwillings-MG 81 Z mit automatischem Massenausgleich bestand. Im Gegensatz zu den Sattelmagazinen des MG 15 wurden nun 2.000 Schuß in einem einzigen Doppelpatronengürtel mitgeführt. Die Kadenz betrug nun pro Lauf 1.800 Schuß je Minute. Eine weitere Verbesserung stellten das Funkgerät FuG 25a und später die FuG 141 und FuG 16z dar. Zudem kamen verbesserte Cockpitinstrumente zum Einsatz. Im Sommer 1943 beauftragte man die Fokker-Werke in Amsterdam mit dem Bau der A-5 und bis zum Produktionsende im August 1944 entstanden dort weitere 69 Maschinen. 1944 lieferte man in Warnemünde ebenfalls nochmal 22 Ar 196 aus, bevor dann im März 1944 dort die Produktion eingestellt wurde. Damit belief sich die Gesamtproduktion einschließlich der fünf Prototypen und den zehn Arado Ar 196 A-0 der Vorserie auf 541 Exemplare. Davon waren 534 Maschinen vom A-Typ mit dem Doppelschwimmer und sieben Maschinen waren mit einem Mittelschwimmer ausgerüstet. Den neben den beiden Prototypen V3 und V4 wurden im Zeitraum 1940/1941 noch fünf Wasserflugzeuge Ar 196 B-0 hergestellt, die einen Mittelschwimmer besaßen, ansonsten aber mit der A-2 identisch waren. Sie wurden bei der Bordfliegerstaffel 1./196 in Wilhelmshaven eingesetzt. Generell wurden aber die meisten Arado 196 bei den Seeaufklärungstruppen, die oft auch mit dem Flugboot Bv 138 ausgerüstet waren, eingesetzt. Zu den wichtigsten Verbänden, die die Ar 196 nutzten, gehörte die SAGr 125, die anfangs über der Ostsee und später von Constanza aus über dem Schwarzen Meer operierte, und die SAGr 126 auf Kreta und anderen Basen im Mittelmeer. Hinzu kamen noch die SAGr 128, die über dem westlichen Ärmelkanal eingesetzt wurde, sowie die SAGr 131, die bis zum Herbst 1944 an der Westküste Norwegens operierte. Weitere Ar 196 flogen bei der 101. und 102. Küstenaufklärerstaffel der rumänischen Luftwaffe und bei der 161. Küstenstaffel der bulgarischen Luftwaffe. Pläne für eine Ar 196 C mit besserer Stromlinienform und einer modifizierten Ausstattung wurden nicht mehr verwirklicht. Auch begann man gegen Kriegsende allmählich mit der Ausmusterung der Ar 196, doch einige Exemplare blieben bis Kriegsende im Dienst.



Der Prototyp V1 der Ar 196, zu erkennen am Hornausgleich des Seitenruders, den die V2 nicht hatte und der auch bei den Serienmaschinen weggelassen wurde.

Bezeichnung des Flugzeugs: Arado Ar 196 A-3
Typ: zweisitziges Aufklärungs- und Angriffswasserflugzeug
Hersteller: Arado
Baujahr: 1937 bis August 1944 (alle Versionen)
Motor: Neunzylinder-Sternmotor BMW 132K
Höchstleistung (PS): 983
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 320 in 4.000 m Höhe
Dienstgipfelhöhe (m): 7.000
Reichweite (km): 1.070
Gewicht (kg): 2.572 Leergewicht 3.730 maximales Startgewicht
Länge (m): 11,00
Höhe (m): 4,45
Spannweite (m): 12,40
Bewaffnung: zwei 20 mm MG FF in den Flügeln (je 60 Schuß), ein 7,92 mm MG 17 an der Steuerbordseite des Vorderrumpfes, ein 7,92 mm MG 15 im hinteren Teil des Cockpits (7 x 75 Schuß), zwei Aussenlaststationen für eine externe Bombenlast von 100 kg (2 SC.50 50 kg Bomben)

Produktionszahlen

 Arado, Warnemünde:



Jahr Typ
1937/38 5 Prototypen, davon 2 mit Mittelschwimmer (V3, V4) und 3 mit Doppelschwimmer (V1, V2, V5)
ab November 1938 10 A-0
1939 20 A-1
15 A-2
1940 98, fast alles A-2, 1940/41 wurden auch die 24 A-4 gefertigt
1941 97, fast alles A-3
1942 94 A-3
1943 83, fast alles A-5
1944 22 A-5
sowie 1940/41 5 Ar 196B-0

 SNCA Sud-Ouest, Saint Nazaire:

 

Juli 42 bis März 43: 23 A-3

 

 Fokker, Amsterdam:

 

Sommer 1943 bis August 1944: 69 A-5

 

 

Insgesamt wurden somit 541 Arado Ar 196 gebaut.

 



Die Ar 196 V3 (Bild) und die V4 erprobten die Auslegung mit einem Mittelschwimmer und zwei Stabilisierungsschwimmern. Die Zwillingsschwimmer erwiesen sich aber vor allem bei schwerem Seegang als vorteilhaft.


 

Text by UncleK. Letztes Update:  7. September 2007