Eurofighter EF 2000 Typhoon



Mock-up des EF 2000 auf der Luftfahrtschau in Le Bourget 1995

Die Stabschefs der Luftstreitkräfte Deutschland, Großbritanniens, Frankreichs, Spaniens und Italiens veröffentlichten im Dezember 1983 die Zielwerte für ein gemeinsames Kampfflugzeug. Es sollte, und soll es auch heute noch, die museumsreifen F-4 Phantom und F-104 Starfighter ablösen. Die erste Durchführbarkeitsstudie wurde im Juli 1984 gestartet. Frankreich zog sich im Juli 1985 aus dem Projekt zurück, um ein nationales Projekt zu entwickeln So wurden die Beteiligungen neu verteilt: je 33% an Deutschland und Großbritannien, 21% an Italien und 13% an Spanien. Die Projektdefinitionsphase war im September 1986 abgeschlossen und das definitive ESR-D Dokument (European Staff Requirement-Development) kam im September 1987 heraus und lieferte detaillierte militärische Anforderungen. Die Stufe der genauen Definition und Risikoreduzierung war im Dezember 1987 beendet. Die Verträge für das Haupttriebwerk und die Waffensystementwicklung wurde am 23. November 1988 unterzeichnet.

 

Als dann die Sowjetunion zerfiel und der Kalte Krieg zuende war, kam vor allem in Deutschland die Frage auf, ob das damals noch Jäger 90 bezeichnete Flugzeug überhaupt noch notwendig war. Das Programm wurde dann 1992 durch die deutsche Forderung nach deutlichen Kostenreduzierungen und nach Studien alternativer Entwürfe unterbrochen. Letztere wurden im Oktober 1992 eingereicht. Italien und Spanien stoppten die Arbeit am EFA-Projekt Mitte Oktober. Deutschland wurden sieben mögliche Konfigurationen für das neue EFA (NEFA) angeboten, die Variationen mit einzelnen (drei Typen) oder doppeltem Triebwerken, Stützflügeln und Knickflügeln darstellten. Nur zwei der sieben waren billiger als EFA, jedoch waren beide den Weiterentwicklungen der Mig-29 und Su-27 unterlegen. Durch die guten Erfahrungen, die die Luftwaffe mit den ehemaligen NVA Mig-29 gemacht hatte, kam in Deutschland sogar die Idee auf diese russischen Muster zu kaufen oder gegen den Erlass von russischen Staatsschulden zu erwerben. Vor allem wegen der unsicheren Ersatzteilversorgung und aus industriepolitischen Verpflichtungen gegenüber den EU-Partnern ließ man diesen Gedanken schnell wieder fallen.

 

Eine Verteidigungsministerkonferenz am 10. Dezember 1992 startete das Programm erneut, diesmal als Eurofighter 2000 und verzögerte die Indienststellung um drei Jahre auf das Jahr 2000. Deutschland konnte bestehende Avionik integrieren, niedrigere Ansprüche an die Verteidigungsmaßnahmen stellen und dadurch, sowie durch weitere Auslassungen, eine Preisreduzierung um 30% erreichen. Großbritannien, Spanien und Italien entschieden sich 1995 für die Serienfertigung, Deutschland erst ein Jahr später. Die deutsche Indienststellung ist für 2002 geplant. Der eigentlich geplante Beginn der Testflüge im November 1993 wurden abgesagt, damit eine gründliche Untersuchung des digitalen Flugkontrollsystems (DFCS) durchgeführt werden konnte. Der Erstflug des ersten Prototyps DA1 fand dann am 27. März 1994 statt. Weitere Schwierigkeiten waren auf die deutsche Finanzierungslücke und Forderungen nach weiteren Kostenkürzungen zurückzuführen. Im Jahre 1994 kam es zu einer politischen Umverteilung der Arbeitsaufgaben, nachdem die deutschen Anteile reduziert wurden.

Eine revidierte Fassung des europäischen Entwicklungsabkommens wurde von den vier Luftstreitkräften am 21. Januar 1994 unterzeichnet. Seit 1997 befinden sich alle sieben Prototypen (DA = Development Aircraft) in der Erprobung, die bis 2003 andauern wird. Nachdem sowohl das Flugverhalten und sonstige grundlegende Eigenschaften, sowie Radar und EJ200 Triebwerke erprobt worden sind, werden in den nächsten Jahren die Integration der einzelnen Systeme, die Einführung neuer Software, als auch Außenlasttests und Schussversuche mit Luft-Luft-Lenkwaffen im Mittelpunkt stehen.


Der Eurofighter entsteht in einer nie dagewesenen Leichtbauweise, da 70% aus Kohlefaser-Verbundwerkstoffen bestehen und nur 15% aus Metall. Die EJ 200 Triebwerke zeichnen sich durch eine hohe Zuverlässigkeit und ein gutes Schub/Gewicht Verhältnis von 10:1 aus. Auf Wunsch kann das EJ 200 durch eine per Schubvektor gesteuerte Version ersetzt werden, ohne dass weitere Modifikationen gemacht werden müssten. Obwohl es in den Anforderungen nicht enthalten war, verleihen die Triebwerke dem Eurofighter Supercruiseeigenschaften.


Das ECR-90 Radar soll über eine enorm hohe Reichweite verfügen und dennoch in der Lage sein, mehre Ziele über die volle Distanz zu verfolgen. Darüber hinaus verfügt es über einen zusätzlichen dritten Verarbeitungskanal dessen Aufgabe es ist Schutz- und Abwehrmaßnahmen des Radars durchzuführen. Die anderen beiden Kanäle sind für das Entdecken bzw. Verfolgen der Ziele von Nöten. Die Canards (Entenflügel) des Eurofighters sind keinesfalls eine Neuentwicklung, jedoch durchleben sie zur Zeit eine Art Wiederauferstehung. Es sind die Canards die dem Eurofighter seine unglaubliche Manövrierfähigkeit bei geringer Geschwindigkeit verleihen. Doch auch bei erhöhten Geschwindigkeiten ist er nicht wehrlos. Bei Geschwindigkeiten um 360 km/h soll es laut Alenia Testpilot Marco Venanzetti kein Flugzeug geben, dass dem Eurofighter das Wasser reichen könnte. Beispielsweise die Manövrierbarkeit und die Steigleistung sollen um einiges besser sein als bei der F-16. Der Eurofighter gehört auch ohne Schubvektorsteuerung zu den agilsten und wendigsten Kampfflugzeugen der nächsten Jahre.

Dennoch wurde auch viel Wert auf die BVR-Kriegsführung (Beyond Visual Range) gelegt. Diese Erwartungen erfüllt er durch sein ECR-90 Radar und die Fähigkeit AIM-120 AMRAAM Luft-Luft-Flugkörper mitzuführen. In der Zukunft werden jedoch weitere europäische Koproduktionen die AMRAAM ablösen, so wie sie dank der IRIS-T die Sidewinder abgelöst haben. Auch die HARM wird nach der Entwicklung der Armiger nur noch vereinzelt in europäischen Waffenkammern zu finden sein.

 

Der Eurofighter verfügt über 13 Aufhängungen, wovon drei für eventuelle Zusatztanks genutzt werden und zehn für diverse Bewaffnungen. Die Warn- und Selbstverteidigungssysteme befinden sich zum Großteil in den Flügelkanten, so muss der Eurofighter niemals einen Chaff-Flairdispenser oder einen ECM/ESM Behälter an einer Aufhängung mitführen. Zusätzlich verfügt der Eurofighter über ein IRST (Infra Red Search and Tracking) System. Mit Hilfe dieses Infrarot Such- und Verfolgungssystems kann er bei gutem Wetter ein Feindflugzeug auf einer Entfernung von 50 km ohne Benutzung seines Radars erfassen und Verfolgen.

 

Der Eurofighter ist in seiner Bedienbarkeit einmalig, er besitzt ein völlig neuartiges Mensch-Maschine-Interface. Dadurch können viele Funktionen durch Stimmbefehl erreicht werden, so z.B. die Waffenwahl oder die Anzeigen der MFDs. Sollte der Pilot durch anhaltend hohe g-Kräfte in Schwierigkeiten kommen, braucht er nur einen Knopf zu drücken und der Eurofighter richtet sich von selbst in den Normalflug mit leicht angehobener Nase aus. Auch seine HOTAS (Hands On Thottle And Stick) Eigenschaften sind mehr als vorbildlich. Das Cockpit des Eurofighters kann, ähnlich wie bei der F-22, auch als gläsern bezeichnet werden. Es verfügt über ein Standard Weitwinkel HUD (Sichtwinkel 30 x 20 Grad), drei Multifunktionsbildschirme (MFDs) und eine IRST Anzeige.


Nach der Fusion von Aerospatiale-Matra, der DASA und CASA zu EADS hält der neu entstandene Luftfahrtriese nun 43% an der Eurofighter AG. Generell wird versucht durch eine effiziente Komponentenbauweise bei den einzelnen Systempartnern und durch moderne Fertigungsverfahren die Kosten möglichst zu senken. Der Rumpf des Eurofighters wird bei der DASA gebaut, während BAe für das Cockpit und die Canards zuständig ist. Außerdem fertigt BAe zusammen mit Alenia das Heck. Die Flügel wiederum stammen von CASA (rechter Flügel) und Alenia (linker Flügel).

Insgesamt haben Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien vor 620 Maschinen zu beschaffen. Die Auslieferung an die Truppe soll 2002 beginnen. Den Anfang macht hierbei die RAF, die nachdem Erhalt von zwei IPAs (Instrumented Production Aircraft) für Testzwecke, im Juni 2002 ihren ersten Doppelsitzer erhält, der für Ausbildungszwecke verwendet werden soll. Die Luftwaffe wird im November 2001 ihr IPA erhalten und ab August 2002 sollen die ersten Eurofighter in Manching eintreffen, wo sie zu Ausbildungszwecken verwendet werden. Die dort ausgebildeten Fluglehrer sollen dann ab April 2003 für die weitere Ausbildung beim Jagdgeschwader 73 sorgen, so dass dort ab Herbst 2005 50 Piloten zu Verfügung stehen. Bei einer geplanten Lieferrate von 15 Maschinen im Jahr sollen dann das JG74 "Mölders" (2005), das JG71 "Richthofen" (2007) sowie das JG72 "Westfalen" (2009) folgen.

Die bis jetzt bestellten Maschinen des ersten Produktionsloses verteilen sich wie folgt: Großbritannien 55 (incl. 2 IPA), Deutschland 44 (incl. 1 IPA), Italien 29 (incl.1 IPA) und Spanien 20 (incl. 1 IPA). Währen die ersten Flugzeuge noch nicht alle Systeme integriert haben und nur dem IOC-Stanard (Initial Operaiton Clearance) entsprechen, sollen ab Ende 2003 dann auch die Systeme zu elektronischen Kampfführung und die Sprachsteuerung, die AMRAAM-Mehrfachschüsse ermöglicht, eingebaut werden.


Die zweite Tranche wird in den Jahren 2005-2010 ausgeliefert und soll 235 Flugzeuge umfassen. Dann werden auch schon einige weitere Verbesserungen in den Eurofighter integriert sein, wie ein FLIR-Helmdisplay oder die dann vorhandenen Swing-Role Fähigkeiten. Mit dem ab 2010 folgenden dritten Los haben die Hersteller noch eine weitere Anzahl an Verbesserungen geplant, die ja nach Wunsch der einzelnen Kunden integriert werden können. Hierzu zählen der Einbau einer Schubvektordüse, modernere Computer, ein Radar mit aktiver Strahlschwenkung, stärkerer EJ-200 Triebwerke oder Zusatztanks auf dem Rumpfrücken. Die Luftwaffe erhält insgesamt 140 Eurofighter, 112 Einsitzer und 28 Zweisitzer.


Neben den Bestellungen durch die an der Entwicklung beteiligten Nationen, versucht man den Eurofighter unter dem Namen Typhoon auch an andere Länder zu exportieren. In den nächsten 30 Jahren will man bis zu 400 Flugzeuge im Wert von über 50 Milliarden EURO an Exportkunden verkaufen. So hat man sich in Griechenland, dass an 60 Maschinen (plus 30 Optionen) interessiert ist, gegen die Mitbewerber durchgesetzt. Eine entgültige Entscheidung zur Beschaffung eines neuen Kampfflugzeuges wird aus Kostengründen von der griechischen Regierung aber erst nach den Olympischen Spielen 2004 getroffen werden. In Norwegen bewirbt man sich ebenfalls um einen Auftrag um 20 Maschinen. Am 28. Juni 2000 legte die Vermarktungsgesellschaft Eurofighter International auch in Südkorea ein Angebot für 40 Typhoon vor.




Bezeichnung des Flugzeugs: Eurofighter EF 2000 Typhoon
Typ: Jagdflugzeug mit Fähigkeiten in der Luft-Boden-Rolle
Hersteller: Eurofighter Jagdflugzeug GmbH, D-85339 Hallbergmoos, Partnerfirmen: EADS, BAe, Alenia
Baujahr: 2002-?
Besatzung: 1 (2 in Trainerversion)
Antrieb: 2 Eurojet EJ 200 Turbofans
Schub (kN): ohne Nachbrenner: 2 x 60
mit Nachbrenner: 2 x 90
Höchstgeschwindigkeit: Mach 2,0+
Minimalgeschwindigkeit: 203 km/h
Dienstgipfelhöhe (m): 16.765
Startstrecke (m): < 700
Landestrecke (m): < 700
Kraftstoffvorrat (kg): 4.000 intern
extern bis zu ein 1500 l und zwei 1000 l Abwurftanks
Einsatzradius (km): Abfangjagd 1.390
Luftraumpatrouille >1.850
Bodenangriff (hi-lo-hi-Profil) <1.390
Bodenangriff (Tiefflug) 650
Überführungsreichweite (km): 3.700
g-Limit: +9/-3
Wartungsaufwand pro Flugstunde (h): 9
Gewicht (kg): 10.995 Leergewicht
23.000 maximales Startgewicht
Länge (m): 15,96
Höhe (m): 5,28
Spannweite (m): 10,95
Flügelfläche (m2): 50
Bewaffnung: 1 27 mm BK 27 Mauser Kanone, 13 Außenlaststationen (max. Außenlast von 6,5 bis 8 Tonnen)
mögliche Waffenlasten: AIM-120 AMRAAM, FMRAAM/BVRAAM, AIM-9 Sidewinder, AIM-132 ASRAAM, IRIS-T, ARMIGER, LFK Taurus
Produktionszahlen: 7 Prototypen
Aufträge über 680 Maschinen

Spanischer Doppelsitzer Prototyp des Eurofighters in Le Bourget 1997

Die Canards des EF 2000

dt. Prototyp des EF 2000 auf der ILA 2000



Interne Links zum Thema

Mauser BK 27



 

Text by Brother_D. Letztes Update:  7. September 2007