Patrone 8 x 57 IS




Geschichte

Ein kleines Vorwort: 7,92 x 57 und 8 x 57 sind unterschiedliche Bezeichnungen für die gleiche Patrone. Im weiteren Verlauf wird nur noch von 8 x 57 gesprochen.
Um eine Antwort auf die 1886 eingeführte 8 mm Lebel aus Frankreich zu finden, entwickelte die im Arsenal Spandau beheimatete deutsche Gewehr-Prüfkommission die neue Militärpatrone 8 x 57 I .Wie die 8 mm Lebel war auch die deutsche Patrone mit Nitropulver geladen. Sie wurde 1888 zusammen mit dem Gewehr 88 als deutsche Standard Militärpatrone eingeführt. Kurz darauf erschienen Jagdversionen mit und ohne Rand. 1905 ersetze man bei der 8 x 57 I das Ogivalgeschoss durch ein Spitzgeschoss. Aus ballistischen Gründen änderte man gleichzeitig den Durchmesser von 8,09 auf 8,22 mm. Diese neue Patrone wurde zur besseren Unterscheidung 8 x 57 IS (Infanterie-Spitz) genannt. Die teilweise auftauchende Bezeichnung 8 x 57 J oder JS rührt daher, dass ein altmodisches großes "I" dem neumodischen "J" zum Verwechseln ähnlich sieht. Gleichzeitig wurden die Zug- und Feldmaße in den Läufen der Militärgewehre auf 8,20/ 7,89 geändert. (Anm.: Züge sind spiralförmig laufende Rillen im Lauf. Felder sind die dazwischen liegenden erhabenen Teile.) Alle neuen Gewehren oder Gewehre mit neuen Läufen wurden mit einem großen "S" gekennzeichnet. Dies sollte Verwechslungen mit schlimmen Folgen für Leib und Leben des Schützen verhindern. Auch die später erschienen Jagdgewehre erhielten das neue Kaliber. Die Gesamtlänge der Patrone variiert je nach Geschosstyp zwischen 75 und 79 mm.




Abarten

8 x 57 IR / 8 x 57 IRS



Einsatz

Erster Weltkrieg

  • MG 08 und MG 08/15 (System Maxim)
  • Gewehr 88
  • Gewehr 98
  • Diverse bei Zivilisten beschlagnahmte Jagdgewehre mit Zielfernrohr, die als erste behelfsmäßige Scharfschützenwaffen dienten.

 

Zweiter Weltkrieg

  • Karabiner 98 k in verschiedenen Abarten und von verschiedenen Herstellern.
  • MG 34
  • MG 42
  • FG 42
  • G 41 (Walther)
  • K 43
  • Flugzeug MGs  (z.B. MG15, MG 17, MG 81)
  • In England : z.B. Besa Panzer MG

 

Nachkriegszeit

In der Zeit von 1945 bis heute verlor die einst so wichtige Patrone immer mehr an Bedeutung. Sie wird nur noch von Jägern und Sportschützen in verschwindend kleiner Zahl benutzt. Auf drängen der USA wurde bei Gründung der NATO das Kaliber 7,62 x 51 mm als Standardgewehrkaliber eingeführt. Auch von Bürgerkriegen und regional begrenzten Konflikten verschwindet die 8 x 57 IS immer mehr. Konnte man in den 60er und 70er Jahren, vor allem bei den afrikanischen Kriegen noch massenweise Original-MG 42, teilweise sogar einzelne MG 34 zu Gesicht bekommen, sind dies heute eher Randerscheinungen.




Spezialpatronen im 2. Weltkrieg Beschreibung
Brandgeschoss Dieses Geschoss war in der Regel mit weißem Phosphor geladen. Beim Auftreffen auf ein Ziel entzündete sich die Ladung an der Luft und eine entsprechende Brandwirkung trat ein. Aufgrund der schwierigen Fertigung und begrenzten Lagerzeit (Ph wirkt auf Metall sehr aggressiv) wurde dieses Prinzip nach 1945 nicht mehr verwendet.
Hartkern Ein Geschoss mit einem normalen Mantel und Bleikern. Innerhalb des Bleikerns steckt ein Hartkern aus gehärtetem Spezialstahl oder aus Wolframkarbid. Beim Auftreffen auf das Ziel schert der Mantel mit Bleikern ab und der Hartkern dringt in das Ziel ein.
Leuchtspur Im Boden des Geschosses befindet sich ein von einer Scheibe oder Lack abgedeckter Leuchtsatz. Dieser durch die heißen Treibladungsgase gezündete Satz macht die Bahn des Geschosses sichtbar und der Schütze kann Korrekturen vornehmen. Die Nachteile waren, das ein Gegner den Standort leicht ermitteln konnte und der Schütze bei Nacht geblendet wurde. Heute verwendet man meist Verzögerungssätze, deren Lichtspur erst 100 m von der Mündung beginnt. Enthalten ist in diesen Leuchtsätzen ein Sauerstoffträger und Farbmittel. z.B. Strontiumnitrat für rote- , und Bariumperoxid für grüne Leuchtspur. Des weiteren Bindemittel und Metallpulver (Magnesium).
Rauchspurpatrone Bei diesem Typ handelt es sich eigentlich um ein Brandgeschoss das mit weißem Phosphor gefüllt ist. Während des Fluges tritt dieser aus und hinterlässt eine weiße Rauchspur. (dt. PmK Geschoss - Phosphor mit Kern). Die Schwierigkeiten bei Lagerung und Herstellung waren ähnlich denen der Brandgeschosse.
Sabotagepatrone: In dieser niederträchtigen Patrone wurde anstatt von Treibladungen ein hochbrisanter Sprengstoff verwendet. Dieser führte bei Schussabgabe zur Explosion und konnte den Schützen schwer verletzen oder gar töten.
Schalldämpferpatrone Der Unterschied zur normalen Patrone besteht aus einer niedrigeren Treibladung und einem schwereren Geschoss, so das die Anfangsgeschwindigkeit unter der Schallgeschwindigkeit liegt. Diese Patrone war aufgrund der niedrigeren Energie aber nur auf kurze Entfernungen wirksam.

Ein deutscher Soldat beim Einlegen eines 8 x 57 IS Patronengurtes in ein MG 42.

Farbkodierung auf deutschen Patronen 8 x 57 im zweiten Weltkrieg

Geschoßspitze Geschoß Ringfuge Hülsenboden Patrone
ohne Markierung   schwarz   Flachbasis Standard
ohne Markierung   grün   Torpedoform Standard
ohne Markierung   schwarz 3 Angaben Brand
zinkfarben zinkfarben grün   Standard
ohne Markierung   rot   Panzerbrechend
ohne Markierung   blau   Eisenkern
ohne Markierung ? schwarz   Panzerbrechend -
Brand
ohne Markierung   rot rotes Band Panzerbrechend -
Brand
ohne Markierung   grün grünes Band Alu Kern -
Üb
ohne Markierung schwarz schwarz   Markierpatrone
schwarz   rot   Leuchtspur -
Panzerbrechend
schwarz   grün grünes Band Üb. / Leuchtspur
Aluminiumkern
schwarz schwarz rot   Panzerbrechend mit Wolframkarbidkern
chromfarben   schwarz   Markier
      Hülse vollkommen grün lackiert Patrone für Schalldämpferwaffen
  schmaler Ring grüner Farbe     Patrone für Flugzeug-
Maschinengewehr
  Hülsenmund rot lackiert     Versiegelung speziell für tropisches Klima

Bezeichnung des Kalibers: 8 x 57 IS
Entwicklung: deutsche Gewehr-Prüfkommission in Spandau, Deutschland
Jahr der Einführung: 1888
Gesamtlänge: je nach Geschoß bis zu 80 mm
Geschossgewicht: bis zu 13 Gramm (200 Grains)
effektive Schussweite: 800 m
größte Schussweite: 5.000 m
Mündungsgeschwindigkeit: 800 m/s
maximaler Gasdruck im Rohr: 3.400 bar
kinetische Energie bei 0 m: 3,9 KJ
kinetische Energie bei 100 m: 3,0 KJ
Schnittwerte, je nach Patronen-Waffen Kombination verschieden  


 

Text by Kreuz As. Letztes Update:  7. September 2007