Der Bell Modell 47 ist einer der erfolgreichsten Mehrzweckhubschrauber, die jemals produziert wurden. Das Modell erfreut sich höchster Beliebtheit und wurde in über 40 Nationen eingesetzt. Seine Sporen verdiente sich der Sioux, wie er in der US Army und in der britischen Armee genannt wurde, im Koreakrieg, wo er in der MEDEVAC-Rolle (Medical Evacuation) umfangreich Verwendung fand. Sogar US-Präsidenten transportierte er bis 1967 und ebenso erlebte er die Anfänge des Vietnamkrieges, in dem ihn allerdings sehr schnell der OH-6A Cayuse bis 1968 vollständig ersetzte. Damals als Evakuierungs-, Beobachtungs- und Verbindungshubschrauber in zahlreichen Armeen eingesetzt, wird der kleine Helikopter noch heute in der Landwirtschaft als Sprühhubschrauber oder im privaten Bereich genutzt. EntwicklungDer Bell Modell 47 basiert auf dem Bell Modell 30 und der Erstflug des Prototypen fand am 8. Dezember 1945 statt. Bereits vier Monate später am 8. März 1946 erhielt der Typ als erster ziviler Hubschrauber das "Approved Type Certificate". Schon bald interessierte sich die USAAF (United State Army Air Force; heute USAF) für den kleinen, beweglichen und kostengünstigen Helikopter. 1947 kaufte die USAAF 28 Maschinen des Typs 47A, von denen 15 die Bezeichnung YR-13 für Tests bekamen, drei Maschinen, als YR-13A bezeichnet, für Tests unter Winterbedingungen in Alaska und 10 Maschinen zur Erprobung als HTL-1 Trainer für die US Navy verwendet wurden. Alle Truppengattungen waren von der Leistungsfähigkeit des Musters begeistert und so folgten zahlreiche Bestellungen. Der Bell Modell 47 blieb von 1946 bis 1973 bei Bell in Produktion und bei Lizenzherstellern, wie Agusta in Italien, Westland in Großbritannien und Kawasaki in Japan, produzierte man noch bis 1976. VersionenEs existieren auch noch zahlreiche zivile Modelle, die nicht militärisch genutzt wurden. Die Unterschiede stellen sich meist in dem verwendeten Kolbenmotor, der Größe der Zelle und der Treibstoffkapazität dar.
TechnikDesignDie frühen Modelle zeichneten sich noch durch eine nach oben lang gezogene Glaskuppel (Modell 47A) oder durch eine abgestufte Front (Modell 47B) mit Türen an den Kabinenseiten aus. Erst ab dem H-13B (im zivilen Bereich erst durch 47D) wurde die goldfischglasartige Pilotenkanzel eingeführt. Am Anfang besaß die Kanzel nur einen Sitzplatz, doch ab dem H-13D wurde die Kanzel erweitert, so dass ein weiterer Sitzplatz und Doppelsteuerung verwirklicht wurden. Die Cockpits besaßen keine Türen, waren also an den Seiten offen. Später verlängerte man die Zelle noch weiter und es kam somit ein dritter Sitzplatz hinzu. Bei fast allen militärischen Versionen sparte man aus Gewichtsgründen die Ummantelung des Heckauslegers aus, allerdings war sie beim H-13A/B noch vorhanden. Ab dem H-13J wurde bei alle Versionen die Zelle vollständig mit Aluminiumplanken verschlossen. Zusätzlich wurden standardmäßig Türen installiert. Ausgenommen davon sind die UH-13J, die als VIP-Transporter genutzt wurden. Zur Motorisierung dienten immer Kolbenmotoren, die sich durch ihre Leistungsfähigkeit in den verschiedenen Versionen unterschieden. Es gab auch Versuche Turbinen zu nutzen, allerdings stellte sich heraus, dass Kolbenmotoren bei solch leichten und kleinen Maschinen wirtschaftlicher sind. Der Versuchsträger XH-13F (Bell Modell 201) wurde von einer Continental-Turbomeca XT51-T-3 Artouste Gasturbine angetrieben, die eine Leistung von 220 PS besaß. Der XH-13F war das erste Modell von Bell, das durch eine Turbine angetrieben wurde. Als Rotor dient ein konventioneller 2-Blatt-Rotor und der Heckrotor besitzt ebenfalls zwei Blätter. Beim Modell 47 wurde erstmals der von Arthur Young patentierte Querstabilisierungsbalken verwendet, an dessen Spitzen stromlinienförmige Gewichte montiert sind. Dieser soll die Rotation des Hauptrotors stabilisieren und die Beweglichkeit erhöhen. Durch diesen Balken, der auch bei der UH-1 Serie Verwendung fand, kommt das "teppichklopfende" Geräusch des Hauptrotors zustande. Auffällig ist, dass der Typ kein Seitenleitwerk besitzt. Erst später wurde unterhalb des Auslegers eine kleine Flosse installiert. Ab Modell 47-D (H-13G) wurden zudem kleine Höhenflossen angebracht. Meistens ist das Modell mit Landekufen ausgerüstet, aber es können auch Schwimmkufen montiert werden. Zivile und frühe militärische Modelle bis einschließlich H-13B besaßen ein vierrädriges Fahrgestell. In der Rolle als Aufklärer trugen die im Koreakrieg eingesetzten OH-13 Sioux Funkgeräte. BewaffnungUrsprünglich war der H-13 Sioux unbewaffnet, doch man experimentierte mit Rüstsätzen für die Aufklärungsmaschinen. Der erste Rüstsatz XM1 umfasste zwei M37C vom Kaliber .30 Cal., die jeweils an den Querhalterungen für die Landekufen befestigt wurden. Der zweite Rüstsatz M2 besteht aus zwei M60C Maschinengewehren im Kaliber 7,62 mm, die ebenfalls an den Querhalterungen befestigt wurden. In beiden Fällen führte man die Munition außerhalb der Zelle mit, und zwar jeweils unterhalb des MGs. Die Waffensätze waren starr installiert und es konnte nur in Flugrichtung gefeuert werden.
EinsatzIm KoreakriegDer erste Konflikt, den der Sioux erlebte, war der Koreakrieg. Dort wurde er hauptsächlich als Verbindungs- und Aufklärungshubschrauber durch die US Army eingesetzt. Weitere Berühmtheit verschaffte sich der kleine Hubschrauber in der MEDEVAC-Rolle. Zunächst wurden 15 H-13B mit kokonähnlichen Tragbaren an den Kufen ausgerüstet und als H-13C klassifiziert. Später wurde eigens eine Version, der H-13D, für diese Aufgabe geschaffen. Durch diese Rolle erhielt er den Spitznamen "Angel of Mercy" und im Verlauf des Krieges evakuierte er ca. 18.000 Soldaten. In Armeen anderer LänderDer Bell Modell 47 wurde in zahlreichen Armeen verwendet. In der britischen Armee wurde eine von Westland unter Lizenz hergestellte Version des Modell 47G-2 unter der Bezeichnung AH.1 Sioux eingeführt. Agusta produzierte für die heimische Marine eine schiffsgestützte Variante, die auch exportiert wurde. Bell Modell 207 Sioux Scout1963 begann die Entwicklung des Bell Modell 207, der einen wichtiger Schritt zum Bell Modell 209 AH-1G Cobra darstellt. Er gilt als der erste echte für Bewaffnung gedachte Hubschrauber. Der Entwurf basiert auf dem Bell Modell 47G-3B1 und trägt einen Lycoming VO 435 Turbolader-Kolbenmotor mit 260 PS. Die Kabine besitzt zwei Sitze in Tandemanordnung und der Bug wurde verglast. Als Bewaffnung trug das Modell 207 einen buglaffetierten Zwillingsturm, der zwei M60C Maschinengewehre beherbergte. Der Turm wurde ferngesteuert und war horizontal um 200 Grad und vertikal -45 Grad bis +15 Grad richtbar. Es wurde nur ein Prototyp gebaut.
The Bell 47 Projekt, http://cellmath.med.utoronto.ca/B47/Bell_47.html Text by british steel; Korrektur: Dirk, UncleK. Letztes Update: 7. September 2007 |