Der Westland Wessex ist im Grunde ein Sikorsky S-58, nur dass der Wright-Sternmotor durch eine bzw. zwei miteinander gekoppelte Turbine(n) ersetzt wurde. Durch diese Modifikation verfügte der Wessex über die beim S-58 fehlenden Leistungsreserven bei gesenktem Wartungsaufwand. Zunächst als ASW-Plattform (Anti-Submarine-Warfare) für die Royal Navy angedacht, eroberte er ebenfalls die Transportrolle im britischen Heer, aber auch in anderen Nationen wurde der Typ eingesetzt. Zuletzt sahen einige Wessex noch im Falklandkrieg Feindeinsätze, die letzten Maschinen wurden in den britischen Streitkräften erst Ende der 90er Jahre ausgemustert. EntwicklungBei den Marinestreitkräften setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr der Helikopter als ASW-Plattform durch. Auch die Royal Navy erkannte diesen Trend und forderte Anfang der 50er Jahre ein entsprechendes Model. Bristol nahm sich dem an und versuchte mit dem Bristol Typ 191 den Anforderungskatalog zu erfüllen. Der Typ 191 war eine große, durch Tandemrotoren und zwei Turbinen angetriebene Konstruktion, machte allerdings jahrelang kaum Fortschritte. Im Jahr 1956 erkannte die britische Admiralität, dass das Projekt aussichtslos war und sah sich nach einem geeigneten Ersatz um. Die Lösung stellte sich in Form des erst ein Jahr zuvor bei der US Navy eingeführten HSS-1, einer Version der S-58, dar. So erwarb Westland noch im selben Jahr, 1956, die Lizenz für den S-58. Westland fertigte schon vor dem Wessex unter Lizenz Modelle von Sikorsky, so zum Beispiel den Whirlwind, eine turbinenangetriebene Ableitung vom S-55 (H-19). Allerdings wünschte man sich einen Zuwachs an Leistung, um allen Anforderungen und Missionsprofilen zu genügen. Zu diesem Zweck sah man eine Freistrahlturbine Gazelle von Napir vor, die ursprünglich für den Bristol Typ 191 vorgesehen waren. Vor Integrierung der Turbinen wurde zunächst ein originaler S-58 von Sikorsky beschafft und ausführlichen Tests unterzogen. Der Erstflug nach Einbau der Napier Gazelle NGa.13 erfolgte am 17. Mai 1957, die ersten Vorserien HAS.1 Wessex für die Royal Navy absolvierten ihre Jungfernflüge erst am 20. April 1958. 1959 lief die Serienfertigung an, ab April 1960 wurden die ersten Maschinen ausgeliefert. Ab Januar 1967 erfolgte die Modernisierung von 43 der insgesamt 140 HAS.1 auf den Stand HAS.3. Versionen
GestaltungIm Großen und Ganzen wurde die Gesamtkonstruktion von Sikorsky kaum verändert. Der markante und schließlich auch entscheidende Unterschied ist die Verwendung einer oder zwei gekoppelter Turbinen als Ersatz für die weniger leistungsfähigen Kolbenmotoren von Wright. Zunächst installierte man die ursprünglich für den Bristol 191 vorgesehene Napier Gazelle NGa.13. Für dieses etwas längere Triebwerk wurde der Bug um wenige Zentimeter gestreckt und, um den Sauerstoffbedarf des Triebwerks zu garantieren, drei große, von einem feinmaschigen Metallgitter bedeckte, Öffnungen eingefügt. Die zweigeteilte Bugverschalung wurde zugunsten einer nach oben klappbaren Halbschalenluke aufgegeben, um die neuartigen Luftöffnungen realisieren zu können. Die Abgase gelangen durch jeweils zwei Rohre auf jeder Seite unter dem Cockpit nach außen. In den ASW-Maschinen der Royal Navy und der RAN fand diese Anordnung Verwendung. Alle anderen Versionen erhielten zwei miteinander gekoppelte Gnome 110/111 von Rolls Royce. Diese leistungsstärkeren Modelle sind leicht an den plumpen Vorbau am Bug der Maschinen zu erkennen, die bildlich ausgedrückt einem Froschmaul ähnelt. Die Auspuffrohre sind ebenfalls gegabelt, allerdings befindet sich auf jeder Seite nur je ein Endtopf. Der Einbauwinkel beträgt immer noch 39°. Üblicherweise werden an den Vorderrädern Schwimmer in entsprechenden Behältern mitgeführt. Die meisten Ausführungen besitzen eine rechts montierte Rettungswinde und sind auch im Allgemeinen sehr flexibel eingerichtet, so dass im Notfall ASW-Maschinen zu Mannschaftstransportern ohne lang dauernde Umrüstungen umfunktioniert werden können. Ab dem HAS.Mk3 Standard erhielten die ASW-Maschinen ein Newmark Stabilisierungsgerät für den Tiefstkonturenflug und zum automatisierten Übergang zwischen Hovern (Ablassen des Sonars) und Marschflug. Das verwendete Tauchsonar ist das Plessay Typ 195. Zur weiteren Ausstattung zählen UHF- und HF-Kommunikationssysteme, ein Ryan APN-97A Dopplerradar und IFF-Transponder. Der HAS.Mk3 trägt ebenso wie der HAS.Mk31 hinter dem Hauptrotor das MEL-Suchradar AW-391. BewaffnungNormalerweise sind alle Truppentransporter unbewaffnet. Nicht desto trotz existieren Bewaffnungsmöglichkeiten: An seitlichen Halterungen am lang gestreckten Fahrwerk können Maschinengewehre ebenso installiert werden, wie an der Kabinentür. Des Weiteren können hinter dem Fahrwerk Starterschienen an einem gemeinsamen Träger für jeweils zwei Flugkörper vom Typ AS.11 oder AS.12 beidseitig montiert werden. Auch ungelenkte Raketen, wie die SNIA BPD (51 mm), können im entsprechenden Starter an diesen Halterungen mitgeführt werden.
The Helicopter Museum, the World's Largest Dedicated Helicopter Museum. Text by british steel; Korrektur: UncleK, Dirk, Tobit. Letztes Update: 7. September 2007 |