Heinkel He 111

Standardbomber der Deutschen Luftwaffe



Um den ambitionierten Rüstungsplänen des Reichsluftfahrtministeriums RLM folgen zu können, prüften viele Hersteller Flugzeuge auf die Verwendbarkeit in militärischen Diensten. Bei Junkers wurden die Verkehrsflugzeuge des Typs Junkers Ju 86 zu Bombern umgerüstet. In dieser Rolle konnten sie allerdings nicht wirklich befriedigen. Auf der Suche nach einem Ersatzmuster wurde das RLM auf die Heinkel He 111 aufmerksam, die zu diesem Zeitpunkt – Mitte der 30er Jahre – bereits als schnellstes Verkehrsflugzeug der Deutschen Lufthansa von sich Reden gemacht hatte. Nachgerüstet mit einem Bombenschacht und leichten Abwehrwaffen forderte das RLM die Heinkel He 111 in der Rolle des Horizontalbombers; bis Kriegsende sollte sie 2/3 der deutschen Kampffliegerverbände ausrüsten. Im Sommer 1939 waren sogar 75 % der Bomberverbände mit der He 111 ausgerüstet.



Entwicklung

Im Sommer 1936 entschied das RLM über den Bau einer Heinkel-Fabrikationsstätte in Oranienburg, um die Fertigung der übrigen Flugzeuge in Rostock-Marienehe und Warenmünde nicht zu beeinträchtigen. Am 4. Mai 1937 rollte in Oranienburg die erste He 111 als Bomber vom Band, die bis 1945 mit 5.656 gebauten Exemplaren der Standard-Bomber der Luftwaffe bleiben sollte.



Bezeichnung Beschreibung
Heinkel He 111 V-5 Bomber-Prototyp (D-APYS) als in Details verbesserte V-3
Heinkel He 111 V-6 zivile Registrierung D-AXOH, ein Bomber-Prototyp mit zwei Daimler-Benz DB 600 C Reihenmotoren á jeweils 910 PS
Heinkel He 111 V-7 zivile Registrierung D-AUKY, ein weiterer Bomber-Prototyp mit einer Motorenanlage von zwei Jumo 211-Motoren á 1.100 PS. Die V-7 diente als V-Muster für die spätere H-Serie. Zur Vereinfachung der Serienfertigung hatte man einen eckigen Flügel konstruiert und dem Flugzeug einen vollkommen verglasten Rumpfbug verpasst, der zwecks besserer Sicht nach vorne asymmetrisch ausgestaltet war. Diese Form sollte charakteristisch für die Heinkel He 111 werden.
Heinkel He 111 V-8 Bomber-Prototyp (D-AQUO) mit dem Rumpfbug der V-7 und Flächen sowie Motoren der V-6
Heinkel He 111 V-9 Weiterentwicklung der V-7. Die V-9 (D-AQOX) besaß im Gegensatz zur V-7 keine Rumpfwanne für Abwehrwaffen.

Nach der V-9 baute man noch die V-10 (D-ALEO), sowie die Bomber-Prototypen V-11, V-12, V-13, V-14 und V-15, die allesamt im wesentlichen der V-6 entsprachen. In einem weiteren V-Muster-Programm entstanden die Vorläufer für die Bomberserien Heinkel He 111 E (entstanden aus der He 111 V-17), He 111 J-1 „Torpedobomber“ (entstanden aus der He 111 V-18), Heinkel He 111 B (entwickelt aus der V-19). Das letzte V-Muster war die Heinkel He 111 V-23. Aus den genannten V-Mustern wurden bis Kriegsbeginn (und teilweise auch während der Kampfhandlungen) folgende Serientypen entwickelt und gebaut:



Bezeichnung Beschreibung
Heinkel He 111 A-0 Erste Serienmaschine, von der allerdings nur zehn Exemplare für den Export nach China gebaut worden sind. Motorisiert mit zwei BMW VI 6.0 Z-Reihenmotoren á 650 PS. Neben 1.000 kg Bombenlast waren drei MG 15 als Abwehrwaffen eingebaut.
Heinkel He 111 B-0 Vorserie, ging sofort in Serie über.
Heinkel He 111 B-1 Bomberserie mit zwei Daimler-Benz DB 600A, 300 Stück ab Januar 1937 gebaut.
Heinkel He 111 B-2 kampfwertgesteigerte B-1 mit DB 600 CG á 950 PS

Umfangreiche Versuche sollten der Heinkel He 111 endlich den Einstieg in die Flotte der Lufthansa öffnen. Trotz guter Leistungen im Langstreckenbereich blieb die DLH gegenüber den Heinkel He 111 C (Prototypen C-01 bis C-05) skeptisch. Der Einsatz der Maschinen erfolgte als Zubringer für die Südatlantik-Passage; wobei die Lufthansa insbesondere die teuren Wartungskosten der leistungsschwachen BMW-Triebwerke bemängelte. Diese wurden eingebaut, da die wesentlich besseren DB 600A/G-Motoren noch nicht verfügbar waren. Im Sommer/Herbst 1936 begann eine Aufklärungsgruppe unter Oberst Rohwell Langstreckenflüge nach England, Frankreich und über der UDSSR zu unternehmen. Die Gruppe wurde in Staaken aufgestellt, um sie entsprechend geheim halten zu können. Die Flüge dienten Aufklärungszwecken, wurden aber offiziell als zivile Versuchsflüge deklariert. Die Luftwaffe griff dafür auf die Heinkel He 111 V-2 zurück, also auf das erste Verkehrsflugzeug der He 111-Familie. Die Verwendung einer Verkehrsmaschine erlaubte auch im Falle einer Notlandung die Geheimhaltung des wahren Einsatzzweckes. Im Oktober 1937 unternahm Heinkel einen letzten, drastischen Versuch, zivile Käufer für die Heinkel He 111 zu finden. Basierend auf der jüngsten Bomberversion mit gerader Flächenvorderkante entstanden die Typen Heinkel He 111 G-0, (G-1), G-2 bis G-5. Bei diesen Mustern wurden die BMW-Motoren durch Daimler-Benz-Triebwerke DB 600A/G ersetzt, da diese leistungsstärker waren. Zwei Maschinen der G-3-Serie wurden versuchsweise auch mit Sternmotoren ausgerüstet. Zum einen mit BMW 132Dc Motoren (analog Junkers Ju 52/3m), zum anderen mit BMW 132H-Motoren. Diese Antriebsanlagen erwiesen sich als vielversprechend und bis Anfang 1939 wurden beide G-3s umfangreich getestet.




Die Erfahrungen aus den Typen Heinkel He 111 B, C und G führten zum Typ Heinkel He 111 D-0 mit dem Daimler-Benz DB 600Ga. Aber es blieb bei einer Nullserie des Bombers, die von der Luftwaffe übernommen wurde. Der D-0 folgten die aufgezählten Typen:



Bezeichnung Beschreibung
Heinkel He 111 E-0 Vorserie eines Bombers auf Basis der Heinkel He 111 V-5
Heinkel He 111 E-1 Serienproduktion mit Jumo 211A-1 Triebwerken, die jeweils 960 PS lieferten.
Heinkel He 111 E-3 Verbesserte Ausführung der E-1, die von der Luftwaffe aufgrund ihrer ausgezeichneten Leistungsmerkmale in Großserie beschafft wurde.
Heinkel He 111 E-4 Prinzipiell eine E-3 mit verbesserten Bombenschlössern
Heinkel He 111 E-5 Überarbeitete E-4, bei der nochmals verbesserte Bombenschlösser eingebaut wurden.
Heinkel He 111 F-1 Exportversion der E-Type für die Türkei, die insgesamt 30 Maschinen abnahm.
Heinkel He 111 F-4 Eine aus der Exportversion entwickelte Maschine mit modernisierter Abgasanlage, von der die Luftwaffe 40 Maschinen bestellte.
Heinkel He 111 J-1 Aus der Heinkel He 111 V-18 (D-ADUM) entwickelter Torpedobomber, von dem die Luftwaffe 90 Maschinen orderte. Nach der Eingliederung beispielsweise in die K.Gr. 806 u. ä. dürfte der Einsatz der J-1 als Torpedobomber nicht erfolgt sein, da die Maschinen als Versuchsträger für Lenkwaffen eingesetzt wurden.

Die verschiedenen Typen offenbarten bereits 1938, dass die Schnellverkehrsmaschine Heinkel He 111 nicht mehr zur Disposition stand: die Produktion war mit Bombern absolut ausgelastet.
Der Generalstab der Luftwaffe erkannte bereits im Herbst 1936, dass der strategische Angriff auf Schlüsselindustrien kriegsentscheidend sei. Diesbezüglich mussten die Bomberverbände für Einsätze auf Einzelziele ausgerüstet werden, anstatt für Angriffe auf ganze Städte. Man forderte daher einen Einheitsbomber für die Taktproduktion an verschiedenen Standorten inklusive der Zulieferung von gesamten Baugruppen, etwa Flügeln, Motoren und dem eigentlichen Rumpf. Damit war die Luftwaffe 1936/38 in ihrer Denkweise den Westalliierten weit überlegen, denn dort stellte man solche Überlegungen erst im Jahre 1943 an. Diese Tatsache zeigt die klare Diskrepanz zwischen der Luftkriegsführung der Luftwaffe und den Bomber Commands der RAF und der USAAF; von einzelnen Operationen abgesehen wie beispielsweise dem irrtümlich durchgeführten schweren Angriff auf Rotterdam oder den fatalen Fehlwürfen auf die Wohngebiete des Rüstungszentrums Coventry.
Heinkel konstruierte daraufhin die P-Typen, von denen zwischen 1938 und 1942 acht verschiedene Serien produziert wurden. Standardmotor war der Daimler-Benz DB 601. Die Konstruktion wies die markante Vollsichtkanzel mit Ikaria-Gefechtskuppel Z I O a für ein MG 15 oder MG FF, Bodenwanne und dem durch eine langgezogene Glashaube geschützten B-Stand auf dem Rumpfrücken auf. Waren ursprünglich die neuen Horizontalbombenmagazine zum Einbau vorgesehen, wünschten viele Besatzungen die ESAC-Schachtanlage mit senkrechter Bombenaufhängung, die dann optional zur Ablieferung gelangte. Frontwerften konnten externe Bombenaufhängungen für überschwere Abwurflasten anbringen, die nicht in den Rumpf der Maschine passten. Oft waren die Maschinen vollaufmunitioniert und aufgetankt nicht mehr in der Lage, ohne die Hilfe von Raketen zu starten. Deshalb fanden ähnlich wie bei der Messerschmitt Me 323 Gigant R-Geräte Verwendung. Das gebräuchlichste war das Walter HWK 109-500, mit dem rund 3.000 Starts ohne Unfälle durchgeführt werden konnten. Die 388 bei Heinkel in Rostock und in Wismar sowie bei Arado in Warnemünde gebauten Flugzeuge der Heinkel He 111 P verteilen sich auf die folgenden Serien:



Bezeichnung Beschreibung
Heinkel He 111 P-0 Aus der Heinkel He 111 V-8 entwickelte Vorserie, die im Herbst 1938 vom Band lief
Heinkel He 111 P-1 Produktion ab Frühjahr 1939
Heinkel He 111 P-2 Nachrichtentechnisch verbesserte P-1, die ab Sommer 1939 mit dem FuG 10 statt dem FuG 3 gebaut wurde.
Heinkel He 111 P-3 reine Schulungsmaschine („Übungsbomber“), mit Doppelsteuer. Mit der Heinkel He 111 P-3 konnten ungezählte Besatzungen Betonbomben „ausladen“
Heinkel He 111 P-4 verbesserter Kampfbomber mit erhöhter Panzerung und zwei zusätzlichen 7,92 mm MG 15
Heinkel He 111 P-6 die P-6 wies nach den Typen P-0 bis P-4 mit Daimler-Benz DB 601Aa-Triebwerken die leistungsgesteigerten DB 601N auf. Bis zum Sommer 1940 rollten die letzten P-6 vom Band.

He 111 E während des spanischen Bürgerkriegs

Bis Kriegsbeginn konnten 349 He 111 P geliefert werden. Während der Produktion arbeitete man bereits an einer verbesserten Variante, der Heinkel He 111 H. Die während der P-Produktion von Junkers gelieferten Triebwerke Jumo 211 wurden entsprechend in die H-Produktion eingeführt:



Bezeichnung Beschreibung
Heinkel He 111 H-1 Kleinserie He 111 P-1 mit Jumo 211A-1 Triebwerken
Heinkel He 111 H-2 Kleinserie He 111 P-2 mit Jumo 211A-2 Triebwerken
Heinkel He 111 H-3 Ab November 1939 die erste Großserie der H-Version, die mit ihren zwei Jumo 211D-1 Triebwerken mit jeweils 1.200 PS und vier bis sechs MG 15 die Standardausführung der H-Serie darstellt.
Heinkel He 111 H-4 entstanden aus dem Wunsch nach Aussenträgern, die den Einsatz der H-4 als Torpedobomber ermöglichten, besaß diese Version unter dem Rumpf ein entsprechendes PVC-Geschirr zur Aufnahme der Torpedos.
Heinkel He 111 H-5 entwickelt aus der H-4 mit vergrößerter Kraftstoff- und Abwurfzuladung sowie mit VDM-Luftschrauben
Heinkel He 111 H-6 Die zweite Großserie der He 111 H, die ab 1941 gebaut wurde. Diese Ausführung konnte 2.500 kg Abwurfwaffen transportieren und war mit fünf MG 15, einem starren MG 17 im Heck und einem MG FF in Ikaria-Kuppellafette ausgerüstet.
Heinkel He 111 H-8 Exot der H-Type mit einer Spezialausrüstung zum Durchtrennen feindlicher Ballonsperren. Waren die Testergebnisse noch zufriedenstellend, erwiesen sich die Maschinen im Einsatz gegen britische Sperranlagen jedoch als ungeeignet.
Heinkel He 111 H-8/R2 Nachdem ihre Unzulänglichkeit erkannt wurde, entstanden aus den H-8 die H-8/R2 (Rüstsatz 2) zum Starrschlepp von Lastenseglern;
Heinkel He 111 H-10 Aus der H-6-Serie entstandene Maschine mit verstärkter Bewaffnung gegen feindlichen Bordwaffenbeschuss, auf 2.000 kg verringerter Bombenzuladung und Kuto-Nase (Kabelschneider). Die H-10 brachte es 1942 nur zu einer Kleinserie.
Heinkel He 111 H-11 verbesserte H-10 mit geschlossenem B-Stand (MG 131) und C-Stand mit zweiläufiger Zwillingslafette MG 81Z.
Heinkel He 111 H-11/R2 Starrschlepp von Lastenseglern
Heinkel He 111 H-12 Aussenlastträger für zwei Gleitbomben Henschel Hs 293 unter Wegfall des C-Standes
Heinkel He 111 H-14 in Kleinserie von 30 Flugzeugen gebauter „Pfadfinder“ für Bomberverbände (Erkennungsmerkmal: drei Antennenpylone auf dem Rumpfrücken);
Heinkel He 111 H-14/R2 Starrschlepp von Lastenseglern; ausschließlicher Einsatz an der Ostfront
Heinkel He 111 H-15 avisierter Träger der Gleitbombe Blohm & Voss Bv 246 „Hagelkorn“, deren nicht zu tolerierende Zielabweichung einen Einsatz nicht ermöglichte. Die H-15 wurde deshalb mit dem PVC-Geschirr ausgerüstet und als Nachtbomber verwendet.

Aus der Fronterfahrung mit der Heinkel He 111 H entstand die Forderung nach einer leichteren Austauschbarkeit von Komponenten, um beschädigte Maschinen innerhalb kürzester Zeit wieder kampftauglich machen zu können. Ferner wurde vorgeschlagen eine verbesserte Panzerung, die sich während der Fluges ausbauen und abwerfen liess, in ein in Großserie gefertigtes Einheitsmuster einzubauen. Damit konnten sich angeschossene Bomber durch Gewichtsreduktion hinter die eigenen Linien retten. Verbesserte Waffenstände fanden ebenfalls ihren Eingang in die Produktion, die sich so darstellte:



Bezeichnung Beschreibung
Heinkel He 111 H-16 Fast 400 Maschinen umfassende Großserie der verbesserten H-6 ab Herbst 1942, die der Heinkel He 111 H-11 ähnelte. Ausgerüstet mit zwei Jumo 211F-2 (1.350 PS) konnten mit der H-16 bis zu 3.250 kg Abwurfwaffen transportiert werden
Heinkel He 111 H-16/R1 und R2 geänderte Bordwaffen und Starrschlepp-Vorrichtung
Heinkel He 111 H-16/R3 Pfadfinder
Heinkel He 111 H-16/U1 und U2 geänderte Abwurfwaffen-Anlage
Heinkel He 111 H-18 Pfadfinder mit verstärkter Funkausrüstung
Heinkel He 111 H-20/R1 Transportmaschine für 16 Fallschirmjäger
Heinkel He 111 H-20/R2 Starrschlepp für Lastensegler
Heinkel He 111 H-20/R3 Aus den inoffiziellen Versuchsmustern V-46, V-47 und V-48 (allesamt umgebaute H-16) entwickelter Nachtbomber mit speziellen Flammenvernichtern an den Auspuffblenden für maximal 3.000 kg Bombenzuladung, gebaut ab 1944.
Heinkel He 111 H-20/R4 umgebaute R3 mit 20 Bomben á 50 kg an externen Trägern
Heinkel He 111 H-21 Heinkel He 111 H-20 mit zwei Jumo 213E-1 mit je 1.750 PS
Heinkel He 111 H-22 Kleinstserie als Träger für Fieseler FZG 76 (FZG = Flakzielgerät, Tarnbezeichnung für die Rakete „Vergeltungswaffe“ V-1)
Heinkel He 111 H-23 Kleinstserie für die Slowakei, die zur Mitnahme von acht Fallschirmjägern vorgesehen waren. Da die avisierten Luftlandeoperationen nicht stattfanden, wurden die Maschinen vielfach zu Bombern umgebaut.

Kurz vor Kriegsende entwarf man noch einen weiteren Prototypen, das aus einer Heinkel He 111 H-6 gebaute Musterflugzeug V-32. Es handelte sich hierbei um ein Muster eines nicht mehr gebauten Höhenbombers mit zwei Daimler-Benz DB 601U Triebwerken, denen Turbolader TK 9AC zugeschaltet werden konnten. Da die DB 601U in auswechselbaren Gondeln einschließlich des Laders verfügbar waren, konnten die Motoren und die Kühlanordnung analog zur Junkers Ju 88 A eingebaut werden.



Einsatz

Bedenkt man, dass die Produktion der Heinkel He 111-Bomber im Oktober 1939 zugunsten anderer Schnellbomber, insbesondere der Junkers Ju 88, auslaufen sollte, erscheint die Produktionshistorie als symptomatisch für die Kriegsführung im III. Reich. Der Heinkel He 111 lag eine klare Konstruktion zugrunde, die – wenngleich elegant – kompromisslos war. Die Maschine flog sich vergleichsweise einfach, konnte erheblichen Beschuss wegstecken und mit ihren Abwehrwaffen durchaus manchen Jäger auf Distanz halten. In der Luftschlacht um England erwies sich die Defensivbewaffnung aber als unzureichend. Nur wenige Tage, bevor man auf britischer Seite hätte aufgeben müssen, zog man sich sich auf deutscher Seite aus den Bombenangriffen zurück, da die Verlustzahlen untragbar erschienen. Damit ging diese bedeutende Schlacht zugunsten des Königreiches aus. Im Osten bewährte sich die Maschine dagegen hervorragend, bis russische Jäger und Schlachtflieger auch hier die Luftüberlegenheit zurück gewinnen konnten, und die Verluste der Heinkel He 111 dort ebenfalls rasant anstiegen. Die leistungsstärkeren Varianten der Heinkel He 111 waren den feindlichen Jägern immer deutlich unterlegen; das III. Reich hatte allerdings keinen Ersatz für die inzwischen veralterte Konstruktion mehr zu bieten.
Spanien erwarb noch während des Krieges die Nachbaurechte an der Heinkel He 111 H-16 und liess bis 1956 bei CASA in Sevilla rund 250 als CASA 2.111 und CASA 2.111 B bezeichnete Maschinen nachbauen. Dort standen die Maschinen bis 1973 (!) im aktiven Dienst bei der Spanischen Luftwaffe. Von den bei CASA gebauten Maschinen existieren heute noch 13, von den Original-Heinkels gibt es noch drei komplette und vier unvollständige in verschiedenen Museen weltweit.



Eine über England abgeschossene He 111

Bezeichnung Beschreibung
Bezeichnung des Flugzeugs: Heinkel He 111 P-4
Typ: mittelschwerer Bomber
Hersteller: Heinkel
Erstflug: 25. Februar 1935 geflogen von Gerhard Nitzschke (He 111 V-1)
Besatzung: 5 Mann
Antrieb: 2 x Daimler-Benz DB 601A-1
Leistung: Startleistung bei 2.480 U/min: 2 x 1.100 PS
Nennleistung bei 2.400 U/min (Höhe 0 m): 2 x 990 PS
Nennleistung bei 2.400 U/min (Höhe 4.500 m): 2 x 1.015 PS
Getriebe: Untersetzung 1:1,55
Luftschraube: verstellbare VDM 3-Blatt Metallluftschraube
Durchmesser: 3,50 m
Höchstgeschwindigkeit: 398 km/h
Landegeschwindigkeit: 115 km/h
Dienstgipfelhöhe: mit Bombenlast: 4.500 m
ohne Bombenlast: 8.000 m
Volldruckhöhe: 4.550 m
Rollstrecke beim Start: Beton: 825 m
Gras: 880 m
Startstrecke bis 15 m Höhe: Beton: 1.120 m
Gras: 1.300 m
Landestrecke aus 15 m Höhe: Beton: 1.080 m
Gras: 1.000 m
Kraftstoffvorrat: 3.175 kg
Spezifischer Kraftstoffverbrauch: 225 gr/PS h
Einsatzradius: optimal: 2.400 km
bei Vmax: 2.090 km
Gewichte (kg): Leergewicht: 6.775 kg
Zusätzliche Ausrüstung: 1.240 kg
Rüstgewicht: 8.015 kg
Besatzung: 450 kg
Kraftstoff: 3.175 kg
Schmierstoffe: 300 kg
Zuladung 1.560 kg
(Abwurfwaffen maximal 2.800 kg)
Fluggewicht: 13.500 kg
Länge: 16,40 m
Höhe: 4,00 m
Spannweite: 22,60 m
Flügelfläche: 87,6 m²
Flächenbelastung: 154 kg/m²
Leistungsbelastung: 5,87 kg/PS
Bewaffnung (Bordwaffen): A-Stand 1 x MG 15 (7,92 mm)
B-Stand 1 x MG 15 (7,92 mm)
C-Stand (Rumpfwanne vorn) 1 x MG 15 (7,92 mm)
C-Stand (Rumpfwanne hinten) 1 x MG 15 (7,92 mm)
Fensterlafetten 2 x MG 15 (7,92 mm)
Heckbewaffnung 1 x MG 17 (7,92 mm)




Interne Links zum Thema

Bildergalerie



 

Text by Chris König/ UncleK. Letztes Update:  7. September 2007