Rückstoßfreie Maschinenkanone RMK 30




Die Entwicklung einer rückstoßfreien vollautomatischen Kanone wurde vom Bundesministerium für Verteidigung und dem BWB eingeleitet. Daraus entstand 1993 das Projekt RMK 30 der Mauser-Werke, das für den Einsatz in Hubschraubern und leichten Waffenträgern (Wiesel) konzipiert wurde. 
Das Prinzip einer rückstoßfreien Waffe ist weitgehend jedem geläufig, schließlich wird es in jedem Raketenwerfer verwendet, u.a. aber auch in der amerikanischen rückstoßfreien 106 mm Waffe M40RR. Jedoch waren alle bisherigen Ansätze nur dazu geeignet, Einzelfeuer abzugeben (Mehrfachraketenwerfer wie Katjusha oder LARS/MARS schießen auch nur Einzelfeuer!). Mauser hat daher mit der RMK 30 eine derzeit einzigartige Waffe entwickelt, die sowohl vollautomatisch als auch im Salven-Modus weitgehend rückstoßfrei schießen kann. Der erste voll funktionsfähige Prototyp wurde am 4.November 1996 auf dem Truppenübungsplatz Heuberg (Baden-Württemberg) getestet. Dazu wurde die RMK 30 auf den leichten gepanzerten Waffenträger "Wiesel" montiert. Nach erfolgreichem Abschluss der Tests wird ein Beginn der Serienfertigung für das Jahr 2001 erwartet. 
Die Grundidee der Neuentwicklung besteht darin, dass die Verbrennungsgase am hinteren Ende der Waffe ausgestoßen werden und somit den Rückstoß, der aus der Beschleunigung des Projektils entsteht, ausgleichen. Man benutzt also eine Mischung aus Raketenwerfer und normaler Maschinenkanone und vereinigt deren Vorteile.



Die RMK 30 auf einem Waffenträger Wiesel

Die entstehende Mündungsenergie liegt, anders als man erwarten könnte, über dem Niveau der bisher benutzten herkömmlichen und vergleichbaren Maschinenkanonen:



Bezeichnung Verwendung Mündungsenergie [KJ]
XM-301 (20 mm) RAH-66 Comanche ca. 56 KJ
RH 202 (20 mm) Fregatten der Bundesmarine ca. 70 KJ
M230 (30 mm) AH-64 Apache ca. 80 KJ
BK 27 (27 mm) Eurofighter, Tornado ca. 140 KJ
GSch-301 (30 mm) Su-27, MiG-29, Mi-24 Hind ca. 180 KJ
GAU-8/A Avenger (30 mm) A-10 Thunderbolt II ca. 190 KJ
RMK 30 (30 mm) UH Tiger, Wiesel (geplant) ca. 200 KJ
RMK 30 (geplant)   ca. 156 KJ

Dieser Effekt entstand während der Entwicklung durch die Verwendung von immer besseren Antrieben und Brennstoffen. Die Patrone selbst ist hülsenlos und verbrennt weitgehend ohne Rückstände. Sie wird von vorne in die bei Mauser bewährte Revolver-Kammer eingeführt um die RMK 30 kompakter gestalten zu können. 




Eine rückstoßfreie Waffe kann natürlich für dieselben Aufgaben eingesetzt werden, wie ihre "normalen" Pendants. Jedoch hat sie die gleichen Einbaubeschränkungen wie alle Raketenwerfer: Durch den Gasausstoß am hinteren Ende wird eine große Sicherheitszone hinter der Waffe benötigt, sie ist also nicht im Innenraum von Fahrzeugen einbaubar. Man beschäftigt sich jedoch bereits mit der Frage, wie man die Gase abzapfen und für Personen ungefährlich umleiten könnte. Bis dahin ist das ideale Anwendungsgebiet auf Außenlasten beschränkt, z.B. im Waffenturm des "Wiesel" oder als Bordgeschütz für den Tiger Kampfhubschrauber. Der große Vorteil der Konstruktion liegt in der Genauigkeit, die durch den geringen Rohrrücklauf nicht beeinträchtigt wird. So kann der Munitionsverbrauch minimiert werden und zusätzlicher Stauraum wird frei, das Gewicht wird reduziert.
Die Effektivität der RMK 30 wäre jedoch stark eingeschränkt wenn sie nicht in ein autonomes Feuerkontrollsystem integriert wäre, das unabhängig von der Ausrüstung der Waffenplattform (Helikopter, Panzer,..) arbeitet. Das Ziel wird durch einen Feuerkontrollcomputer und verschiedene Subsysteme (Wärmebildkamera, Laser-Entfernungsmesser, Zielverfolgung/-Erkennung,...) am Entkommen gehindert. Man spricht von einem "Assign and Forget" Waffensystem: Das Ziel wird nur vom Piloten/Waffenführer zugewiesen und automatisch vernichtet. (ähnlich dem "Fire and Forget"-System). Durch die hervorragende Präzision im Verbund mit dem Waffensystem muss die Waffe keine hohen Feuerraten aufweisen (Qualität statt Quantität). Diesem Kontrollsystem wurde daher bei der Entwicklung große Wichtigkeit beigemessen: Ist die Genauigkeit der Waffe viel besser als das System, so wird das Ziel beim Feuern verloren. Andersherum steigt der Munitionsverbrauch unverhältnismäßig stark an. Das heißt die Waffe ist nur im Verbund mit der Elektronik wirksam.
Auf deutscher Seite wird der Einbau in den neuen Kampfhubschrauber UH-Tiger als sehr wahrscheinlich erachtet. Die RMK 30 soll plötzlich auftretende Luftziele innerhalb von 1.500 m (zu nah für Raketen) bekämpfen. Sie muss dafür die Genauigkeit einer Lenkrakete aufweisen und zugleich möglichst klein und leicht sein.
Bei der Entwicklung wurden von bestehenden Technologien Anleihen gemacht. Die Waffe selbst wurde von einem Raketenwerfer abgeleitet, die Munition von Raketenmotoren und das Zielerfassungssystem ist von Lenkraketen übernommen und verbessert worden. Das gesamte Feuerkontrollsystem erreicht auf 1.000 m eine Präzision von 0,7 mrad, das System inkl. der Waffe erreicht 1,5 mrad (= Kreis mit Radius von 1,5 m). Durch diese revolutionäre Genauigkeit kann ein Luftziel mit nur drei Patronen effektiv abgefangen werden. Das Anwendungsspektrum ist sehr breit, da die Waffe Charakteristika von Maschinenkanone (hohe Feuerrate) und Lenkrakete (Genauigkeit) in sich vereint.



Bezeichnung: RMK 30
Hersteller: Mauser-Werke Oberndorf Waffensysteme GmbH
Kaliber: 30 mm, hülsenlos
Zielgenauigkeit: auf 1.000 m: 1,5 mrad (Kreis mit 1,5 m Radius)
Entwicklungsbeginn: 1993
Erster Prototypentest: 4. November 1996
Beginn der Serienfertigung: voraussichtlich 2001


 

Text by Bumrush. Letztes Update: 27. August 2009