MiG-29 "Fulcrum"



Eine MiG-29 in leichtem Steigflug

Die MiG-29, wie sie heute bekannt ist, ging aus einer Studie für einen schweren Jäger (ebenfalls MiG-29 bezeichnet) hervor, der die F-15 ausschalten sollte. Für diesen Wettbewerb unter dem Programmtitel "Perspektivnij Frontovooj Istrebitel" (künftiger Frontjäger) regte das Mikojan-Konstruktionsbüro an, den Amerikanern zu folgen und sowohl schwere als auch leichte Jäger zu produzieren, die sich gegenseitig bei der Ausführung des Gesamtauftrages ergänzen können. Der Vorschlag wurde akzeptiert und der Forderungskatalog auf zwei recht unterschiedliche Kampfflugzeugtypen hin überarbeitet. Die neue Spezifikation für Legkij Frotovoj Istrebitel (leichter Frontjäger) der sowjetischen Luftstreitkräfte erschien 1972, und Mikojan reichte eine kleinere Version des ursprünglichen Entwurfs, die MiG-29D (Dubler - Doppler), mit Erfolg ein. Für die Forderung des Tjazelij Frontovoj Istrebitel (schwerer Frontjäger) legte Suchoi die T-10, den Su-27 Prototypen, vor. Die jüngste LFI-Unterlage (light Front Interceptor) war auf die Nachfolge der MiG-21 und MiG-23 sowie der Su-7 und Su-17 bei den Frontfliegerkräften ausgerichtet.

Das neue Jagdflugzeug sollte Feindjäger im Luftgefecht schlagen, gegnerische Bomber und Aufklärer zerstören und eigenen Bombern sowie Jagdbombern Geleitschutz bieten können. Zudem musste der Typ in der Lage sein, eine bedeutende Zweitfunktion im Erdkampf zu übernehmen.

 

Von Beginn an zielte die Auslegung auch auf die Fähigkeit ab die neue Generation amerikanischer Jäger (F-14; F-15; YF-16 und YF-17) zu übertrumpfen. Zudem sollte sich der Typ auch im gewissen Maße zum Betrieb auf Feldflugplätzen eignen. Die Detailkonstruktion begann 1974, als die F-15 in Dienst gestellt wurde und die YF-16 erstmals flog. Ihre Flug- und Steuereigenschaften bei geringer Geschwindigkeit und/oder hohem Anstellwinkel, für das Nahgefecht unschätzbar wichtige Faktoren, blieben bislang von den westlichen Konkurrenten unerreicht. Damit das Jagdflugzeug von primitiven vorgeschobenen Flugfeldern aus operieren kann, erhielten die tief montierten Triebwerkslufteinlässe große Klappen, die sich beim Anlassen der Triebwerke schließen und sich erst öffnen, wenn die Maschine beim Startlauf die Nase von der Piste hebt, und sich wieder schließen, wenn bei der Landung die Haupträder aufsetzen. Auf diese Weise wird das Ansaugen von Schmutz oder Fremdkörpern verhindert. Während die Hauptluftschächte geschlossen sind, wird die nötige Luft über federbetätigte Jalousien an der Oberseite der Flügelwurzeln angesaugt. Die MiG-29 hat zwei Klimow/Sarkisow-Nachbrenner-Turbofan-Triebwerke RD-33, die einen höheren Nachbrennerschub erzeugen als jedes entsprechende Triebwerk des Westens.

 

Die erste MiG-29, die ein US-Satellit im November 1977 in Ramenskoje erspähte, erhielt die vorläufige NATO-Bezeichnung "Ram-L". Später bekam die MiG-29 den NATO-Code "Fulcrum", was sie als Kampfflugzeug klassifiziert (Anfangsbuchstabe F für Fighter). Die Mustererprobung durch Verbände der Frontfliegerkräfte begann 1983, und wenig später erfolgte die Indienststellung bei den Kubinka- und Ros-Regimenten. Unter die "nackte" Bezeichnung MiG-29 (Produkt 9-12, Fulcrum-A) fallen die meisten der bislang ausgelieferten Jagdeinsitzer. Der entsprechende Zweisitzer zu Ausbildungszwecken ist die MiG-29B. In der Zwischenzeit wurden allerdings zahlreiche Verbesserungen im Rahmen der MiG-29C "Fulcrum-C" vorgenommen.

Das Feuerleitsystem ist ein hochentwickelter Komplex, dessen von den Bordsensoren gesammelte Informationen über Datenleitungen mit einer Bodenstation oder einem Leitflugzeug verknüpft sind. Die MiG-29 verfügt über 2 Sensoren zur Zielerfassung. Der eine ist das Impuls-Doppler-Radargerät N-019, bei NATO als "Slot Black" bekannt. Eine zum Teil passive Zielerfassung bietet der IRST- Infrarotsucher/Verfolger mit Kollimator-Laserentfernungsmesser. Der Infrarotsuchkopf kann dazu benutzt werden, ein Ziel zu entdecken, zu verfolgen und zu bekämpfen, während das Radar in einer passiven (nicht sendenden) Betriebsbereitschaft verharrt, um erst aktiv einzugreifen, wenn der Kontakt abgebrochen ist (das Objekt etwa in einer Wolke verschwindet), oder um eine Lenkwaffe mit einer halbaktiver Zielansteuerung abzufeuern. Bis dahin bemerkt das Radarwarngerät des Zielflugzeugs die Aktivitäten der MiG-29 jedenfalls nicht.

 

Für Kampfbegegnungen auf kurzer Distanz kann das Helmvisier des Piloten den Suchkopf infrarotgelenkter Flugkörper auf ein Ziel nachführen. Generell bietet die hohe Wendigkeit der MiG-29 sowie die den heutigen Sidewinders überlegene R-73 (NATO-Code AA-11 "Archer") ausgezeichnete Nahkampfeigenschaften. Die Bewaffnung der MiG-29 besteht aus einer Kanone GSch-301 (30 mm, mit 150 Schuss, Geschwindigkeit 1.500 Schuss/min) auf der linken Seite des Flugzeugs. Die Flügel besitzen 6 Unterflügelstationen (die Marineversion MiG-29K hat 8 Unterflügelstationen). Die MiG-29 kann mit verschiedenen Waffensystemen ausgerüstet werden.


Hier ein paar Beispiele:

  • 6 x Luft-Luft-Lenkflugkörper R-60 für den Nahkampf oder R-73 Luft-Luft-Lenkflugkörper geringer Reichweite. Die "Fulcrum" kann die äußerst wendigen Luft-Luft-Lenkwaffen R-60 mit Infrarotsuchkopf (NATO-Bezeichnung AA-8 "Aphid") für das gekurbelte Nahgefecht mitführen. Es wird die Installation einer neuen Luft-Luft-Rakete R-77 überlegt. 
  • 4 x Luft-Luft-Lenkflugkörper für den Nahkampf und 2 x Luft-Luft-Lenkflugkörper R-27RE mittlerer Reichweite mit einer Radarlenkung oder R-27TE mit einem Infrarotsuchkopf. Diese Waffe verwendet Infrarot zur Zielansteuerung, indem sie die Hitzequelle des Flugobjekts anpeilt. 

 

Bodenangriffe:

  • Für die Bodenangriffe kann das Flugzeug mit Bomben, sowie mit Pylonen mit 57 mm, 80 mm, 122 mm oder 240 mm Raketen ausgestattet werden. Des weiteren, können Luft-Boden-Flugkörper X-25M mit einer passiven Radar- und einer halbaktiven Laserzielerfassung, Raketen des Typs X-29 mit einer TV- oder Laserzielerfassung, eine Überschallschiffsrakete X-31A oder eine Unterschallschiffsrakete X-35 mitgeführt werden.


Auch die deutsche Lufwaffe nutzte die MiG-29 bis 2004. Picture by www.fighter-jets.de)

Die MiG-29 wurde an die meisten Staaten des Warschauer Pakts exportiert. So besaß auch die Nationale Volksarmee (NVA) der ehemaligen DDR zwei Dutzend dieser Maschinen. Die Bundeswehr hat die Maschinen von der NVA übernommen und nutzt sie als Jagdflugzeug. Die Jets sind im mecklenburgischen Laage beim Jagdgeschwader 73 stationiert. Auch andere NATO-Länder wie Polen nutzen die MiG-29. Und selbst die USA hat einige gebrauchte Exemplare für die Aggressor-Rolle bei Manövern erstanden.
Der MiG-29 Jäger hat jedoch neben den ausgezeichneten Nahkampffähigkeiten auch große Mängel in der Elektronik- und Avionikausstattung. Das Cockpit besitzt eine total veraltete Auslegung und das Radar beispielsweise erlaubt keine Mehrfachzielbekämpfung. Außerdem sind Reichweite und Bodenangriffsfähigkeiten sehr dürftig. Bereits 1986 wurden sechs Versuchsmuster der weiterentwickelten MiG-29M (Produkt 9-15) gebaut und getestet. Sie zeichneten sich durch eine Fly-by-Wire Steuerung, ein neues Radar, modernere Bewaffnung und eine neue Zelle aus. Nach dem Ende der Sowjetunion war allerdings klar, dass die Gelder für die Beschaffung dieser Maschine bei den russischen Streitkräften nicht vorhanden sind.
Da der Exportauftrag von 18 MiG-29 an Malaysia mit einem Wert von 560 Mio. $ im Jahre 1995 für längere Zeit der einzige größere Verkaufserfolg blieb, entschloss man bei dem Militärindustrie-Komplex WPK MAPO, zu dem das Mikojan-Konstruktionsbüro unter der neuen Bezeichnung MAPO MiG gehört, sich auf die Modernisierung vorhandener Typen zu konzentrieren. Im Mittelpunkt steht dabei das Projekt 9-17, die MiG-29SMT. Sie besitzt wesentliche Verbesserungen. Am auffälligsten dürfte hierbei der große Kraftstofftank auf dem Rumpfrücken sein. Er erhöht die Menge des intern mitgeführten Kraftstoffs auf 4.775 kg. Wenn man auf die Hilfslufteinlässe verzichten würde, ließe sich in den Flügelwurzeln noch mehr Treibstoff unterbringen. Außerdem ist eine Luftbetankungssonde auf der linken Cockpitseite angebracht. An Avionik wird ein Mil-Std-1553B Datenbus zum Einsatz kommen, der auch den Einbau westlicher Systeme erlaubt. Die Rechenkapazität wurde durch den Einbau von Intel-486DX33 Prozessoren um das 70fache gesteigert. Zur besseren Navigation wird der Laserkreisel mit einem GPS kombiniert. Das Cockpit bekommt nun endlich zwei 15 x 20 cm große Flüssigkristalldisplays und HOTAS-Eigenschaften (alle wichtigen Funktionen sind am Steuerknüppel oder Schubhebel platziert). Auch eine neues Radar mit der Möglichkeit Radarkarten zu erstellen und einer 80 km Reichweite für Flugobjekte mit 3 m³ großem RCS (Radarrückstrahlfläche) wird in die MiG-29SMT integriert. Außerdem kommen natürlich neue Waffen wie die R-77 (AAM-AE) zum Einsatz. Hatte der erste Prototyp noch ein Klimow R-33K Triebwerk, so sind für die Serienmaschinen das schubstärkere RD-43 oder das RD-133, ein RD-33 mit Schubvektorsteuerung, im Gespräch. Zur Reduzierung des RCS denkt man auch über das Aufbringen von radarabsorbierenden Materialien (RAM) nach. Die Lebensdauer der MiG-29SMT wird 4.000 anstatt nur 2.500 Flugstunden, wie bei den alten Versionen, betragen. Die erste teilweise auf diesen Standard gebrachte Maschine flog am 29. November 1997. Nach dem endgültigen Umbau hob sie am 22. April zum ersten mal ab. Die russischen Streitkräfte wollen 150 bis 180 ihrer noch am besten erhaltenen MIG-29 auf die SMT-Version aufrüsten lassen. Diese Arbeiten sollen in der Reparaturwerft 121 in Kubinka durchgeführt werden und kosten etwa 20 bis 25 Prozent des Neupreises. In dieser Version dürfte die MiG-29 wohl noch bis 2020 bei der russischen Luftwaffe im Dienst bleiben.
Natürlich will MAPO MiG diese Version auch exportieren. Doch zumindest in Ländern wie Polen oder Ungarn, die lieber westliche Muster ihrer NATO-Partner hätten, ist dies ein schwieriges Unterfangen.




Bezeichnung des Flugzeugs: MiG-29 "Fulcrum-A" MiG-29SMT
Typ: Einsitziges Mehrzweckkampfflugzeug Einsitziges Mehrzweckkampfflugzeug
Hersteller: Mikojan Gurewitsch MAPO-MiG, Moskau Mikojan Gurewitsch MAPO-MiG, Moskau
Erstflug: 1974 22. April 1998
Besatzung: 1 Pilot 1 Pilot
Antrieb: 2 Leningrad/Klimov RD-33 Mantelstromtriebwerke 2 Leningrad/Klimow RD-43 Mantelstromtriebwerke
Standschub mit Nachbrenner (kN): je 84,4 je 98,1
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 2.445 km/h (Mach 2.3) 2.445 km/h (Mach 2.3)
Steigleistung (m/s): 330 330
Dienstgipfelhöhe (m): 17.000 18.000
Kraftstoffvorrat (kg): 3.190 intern bis zu 3.820 extern 4.775 intern bis zu 3.820 extern
Max. Reichweite (km): 1.200 2.900 mit 2 Zusatztanks 2.200 3.500 mit Zusatztanks
Gewicht (kg): 10.900 Leergewicht
18.500 maximales Startgewicht
10.925 Leergewicht
19.700 maximales Startgewicht
Länge (m): 17,32 17,32
Höhe (m): 4,73 4,73
Spannweite (m): 11,36 11,36
Flügelfläche (m2): 38 38
Bewaffnung: 1 30 mm Kanone GSch-301, 6 Außenlaststationen 1 30 mm Kanone GSch-301, 10 Außenlaststationen für bis zu 5.000 kg Waffen
mögliche Waffenlasten: AAM R-60 (Nahkampf)
AAM Wimpel R-73 (NATO-Code AA-11 "Archer")
AAM Wimpel R-27RE/TE (NATO-Code AA-10 "Alamo")
SAM X-25M
ASM X-29
X-31A (Antischiffsrakete)
X-35 (Antischiffsrakete)
zusätzlich zu den bisherigen Waffen:
Wimpel R-77 (AAM-AE)
Wimpel R-27E
geplant:
K-37M (weiterentwickelte R-37)
K-77M
K-30 (Nahkampf)

Die MiG-29 Nutzer:

  • Bangladesch (8)
  • Nordkorea (ca. 30)
  • Bulgarien (ca. 20)
  • Peru (3 Neumaschinen + gebrauchte aus Weißrussland)
  • Deutschland (23, von September 2003 bis Mitte 2004 schrittweise Abgabe an Polen)
  • Polen (ca. 22)
  • Eritrea (6)
  • Rumänien (16)
  • Indien (ca. 75)
  • Russland (ca. 450)
  • Iran (16)
  • Slowakei (15)
  • Irak (56 erhalten, viele im Golfkrieg zerstört)
  • Syrien (ca. 70)
  • Jemen (Ende 2001 20 MiG-29 bestellt)
  • Turkmenistan (eine Staffel)
  • Jugoslawien (ca. 16 erhalten, viele während der NATO-Angriffe zerstört)
  • Ukraine (ca. 185)
  • Kasachstan (ca. 40)
  • Ungarn (28)
  • Kuba (16)
  • USA (21, aus Moldawien)
  • Malaysia (30)
  • Weißrussland (ca. 65)
  • Myanmar (Ende 2001 10 MiG-29 bestellt)

Insgesamt sind seit 1982 an die 1.300 MiG-29 Einsitzer und rund 200 Doppelsitzer gebaut worden.



MiG-29 auf der ILA; die Halbkugel mit dem passiven Infrarotsuchkopf und dem Laser-E-Messer ist gut zu erkennen.

MiG-29 auf der ILA

30 mm Kanone GSch-301



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Text by BrotherD, UncleK. Letztes Update:  7. September 2007