Bell OH-58 Kiowa

Bell Modell 206/406


OH-58A

Der Bell OH-58 Kiowa ist einer der wenigen Helikopter, die sowohl im militärischen, als auch im zivilen Bereich ausgesprochen erfolgreich vermarktet wurden und werden. Obwohl sich der Kiowa ursprünglich als ein Entwurf für eine militärische Nutzung im Rahmen des LOH-Programms (Light Observation Helicopter) darstellte, erzielte das Muster nach der Ablehnung durch die US Army auf dem zivilen Markt unter der Bezeichnung "JetRanger" erhebliche Erfolge. Nach einigen Auseinandersetzungen zwischen Hughes und der US Army wurde der Kiowa schließlich doch noch beschafft und umfangreich im Vietnamkrieg als Aufklärer und Verbindungshubschrauber eingesetzt. Neue Aufgaben erhielt der OH-58 im Rahmen des Golfkrieges als leichter Kampfhubschrauber und setzt somit die im zivilen Bereich durch zahlreiche Modifikationen ungebrochene Erfolgsgeschichte fort.



Entwicklung

Im Jahr 1960 startete die US-Army das LOH-Programm (Light Observation Helicopter), bei dem ein leichter und sehr beweglicher Hubschrauber als Verbindungshubschrauber, Aufklärer, MedEvac-Maschine und leichter Angriffshubschrauber gefordert wurde. Dieser Typ sollte dann die inzwischen in die Jahre gekommenen OH-13 Sioux und OH-23 Raven ersetzen. An dem Wettbewerb beteiligten sich drei Firmen: Bell mit dem YOH-4A (Modell 206), Fairchild Hiller mit dem YOH-5A (Modell FH-1100) und Hughes mit dem YOH-6A (Modell 369). Als klarer Sieger wurde der Entwurf von Hughes benannt, welcher dann als OH-6 Cayuse eingeführt wurde. Bell nutzte seinen Grundentwurf, dessen Erstflug bereits 1961 erfolgte, für die Entwicklung eines zivilen Hubschraubers, dem ein guter Absatzmarkt in Aussicht stand. Die Konstruktion wurde vor allem im Frontbereich überarbeitet: Die runde Verglasung wich zugunsten der abgestuften Frontgestaltung. Die im YOH-4A verwendete 250 Wellen-PS starke Allison T63-A-5 Wellenturbine wurde durch die 317 Wellen-PS starke Allison 250-C18A ersetzt. Der Erstflug des als Modell 206A bezeichneten Prototypen erfolgte im Dezember 1965. Die zivile Zulassung erhielt das inzwischen als Bell 206A JetRanger benannte Muster im Oktober 1966. Als die US Army 1967 das zweite Los des Cayuse unter Vertrag bringen wollte, kam es zu einen heftigen Konflikt zwischen Hughes und den US-Streitkräften. Der schon als Kampfpreis anzusehende Grundpreis pro Maschine des ersten Loses konnte nicht mehr gehalten werden, so dass Hughes den Preis erheblich erhöhte. Allerdings wurde das Muster der US Army zu teuer, diese eröffnete kurz entschlossen den LOH-Wettbewerb von neuem. Im März 1969 wurde der Bell Modell 206A als Sieger nominiert. Die ersten Muster wurden bereits im Mai 1969 ausgeliefert und schon im frühen Herbst des selben Jahres kamen Maschinen nach Vietnam. Die erste Bestellung umfasste die gigantische Menge von 2.200 Maschinen. In Vietnam fand der Kiowa in der Air Cavalry, im Team mit der AH-1G Cobra und als Artilleriebeobachter Verwendung. Im Laufe der Jahre schlossen sich verbesserte Versionen an, zu der Variantenfamilie kam Mitte der 80er Jahre noch die Rolle als leichter Angriffshubschrauber hinzu. Selbst heute ist der Kiowa in seiner modernsten Variante OH-58D das fliegende Auge der Kommandeure. Es fanden sich auch acht Exportkunden und das Modell 206A/B wird unter Lizenz bei Agusta seit 1968 gefertigt. Der AB-206A-1 JetRanger ist mit einer 270 Wellen-PS (198 kW) starken Turbine ausgestattet und wurde unter anderem von Österreich eingeführt. Dieser etwas untermotorisierten Variante folgte der AB-206B-1 mit einer Leistung von 317 Wellen-PS (233 kW).



Versionen

Modell Version Beschreibung Anzahl
206 YOH-4A Prototyp für die erste LOH-Ausschreibung 5
206A OH-58A militärischer Bell 206A; Einführung nach zweitem LOH-Wettbewerb ca. 2.200
206A OH-58B Maschinen auf Stand der OH-58A mit Allison 250 C-20 Turbine mit 400 Wellen-PS (294 kW) für das Österreichische Bundesheer; Auslieferung 1976  12
206A TH-57A/B/C Sea Rang er Anfängertrainer der US Navy; im Prinzip zivile Bell 206A mit Navy Avionik; Einführung ab 1968 119
206A OH-58C modernisierter OH-58A, Einführung bereits ab 1971 ?
206B TH-67 Creek Anfängertrainer der US Army, Einführung nach Sieg im NTH (New Training Helicopter) 1993, basiert auf zivilem JetRanger III mit militärischer Avionik und stärkerer Turbine 137
406 OH-58D AHIP modernisierter OH-58A/C mit MMS, Vierblatthauptrotor und stärkerer Turbine; Einführung ab 1985 ca. 243
406 OH-58D Kiowa Warrior leicht bewaffnete Version des OH-58D 417
406 OH-58D (I) modernisierter OH-58D Kiowa Warrior ab 1997 (alle Einheiten wurden angeblich umgerüstet) 417
406 OH-58D (R) modernisierter OH-58D Kiowa Warrior ca. 310 (geplant)

Das vollständig analoge Cockpit des OH-58A.

OH-58A Kiowa

 Design

Insgesamt betrachtet ist der Kiowa eine konventionelle Konstruktion. Die Zelle wurde aus einer Aluminiumlegierung in Halbschalenbauweise gefertigt. Teile der Außenbeplankung sind in Sandwichbauweise (Verbundplattenbauweise) zur Gewichtsreduzierung ausgeführt. Das Heck besteht aus starren Heckflossen und zwei Höhenflossen mit umgekehrtem Profil. Die zwei Rotorblätter des halbstarren Hauptrotors wurde aus einer Aluminiumlegierung in Wabenbauweise hergestellt. Der links liegende Heckrotor aus Metall besitzt ebenfalls zwei Blätter. Die Heckrotor-Kardanwelle liegt oberhalb des Auslegers, genauso wie das Heckrotorgetriebe, frei. Als Turbine findet die schon aus dem zivilen Bell 206A JetRanger bekannte 317 Wellen-PS starke Allison 250-C18A Wellenturbine Verwendung. Die ursprünglich vollkommen abgerundete Front wurde abgestuft und mit einer gewölbten Verglasung versehen. Den hinteren Innenraum begrenzen seitlich Hecktüren mit jeweils einem großen Fenster. Im Cockpit sind der Pilot (rechts) und der CPG (Copiloten/Kampfbeobachter) (links) nebeneinander angeordnet und der Hinterraum kann wahlweise als Lagerraum für Waffen und Ausrüstung dienen oder mit einer Sitzbank mit drei Plätzen bzw. zwei Einzelsitzen versehen werden. Die Innentanks sind bruchsicher ausgelegt und befinden sich hinter und unter der Passagierkabine. Befüllt werden die Tanks durch einen Tankstutzen auf der rechten Seite, hinter der Passagierkabine. Das Kufenlandegestell ist aus Leichtmetall gefertigt und kann auf Wunsch mit aufblasbaren Notschwimmern versehen werden. Wahlweise kann unter der Zelle ein Lasthaken installiert werden. Neben den Standardnavigations- und Kommunikationsgeräten gehören APR-39(V) RWR (Radar Warning Receiver) und Tracor M130 Fackelautomaten zur Ausstattung. Um die rein visuelle Aufklärung bei Nacht zu unterstützen, konnte unter dem Bug der Suchscheinwerfer "Nightsun" befestigt werden. Um die maximale Geschwindigkeit zu erreichen, müssen die oftmals entfernten Türen geschlossen und keine Pylonen installiert sein. Zwischen 1969 und 1975 fertigte Bell ca. 2.200 Maschinen für die US Army. Es wurden auch zahlreiche Maschinen exportiert, wie der CH-136 Kiowa (74 Muster) für Kanada oder auch für Australien. Weiterhin werden auch in zahlreichen Armeen zivile oder bei anderen Nationen ausgemusterte Maschinen eingesetzt.

 

 Bewaffnung

Normalerweise waren die Aufklärer in Vietnam unbewaffnet, aber es gab auch mehrere mögliche Rüstsätze. Auf der linken Seite konnte neben der Zelle das M27 Waffensystem installiert werden, welches ursprünglich für den OH-6 Cayuse entwickelt wurde. Dieser Rüstsatz beinhaltet eine M134 Minigun mit 2.000 Schuss Munition, die unter dem Kabinenboden gelagert wird. Allerdings waren die durch die M134 erzeugten Vibrationen während des Betriebs für die Zelle zu stark, so dass frühzeitig Ermüdungserscheinungen auftraten. Ebenfalls konnte der XM8 Rüstsatz auf der linken Seite montiert werden, welcher einen 40 mm M129 Granatwerfer mit 150 Schuss Munition beinhaltet.



OH-58C Kiowa

Der OH-58C ist eine modernisierte Version des OH-58A. Bereits ab 1971 wurden die ersten Maschinen durch die US Army bestellt, welche eine stärkere Turbine und modernere Avionik besitzen. Die neue Turbine ist eine Allison 250-C20B mit 420 Wellen-PS, die mit zwei neuen Abgasmündungen zur IR-Signatur-Verringerung ausgestattet ist. Bei den späten Modellen ummantelt ein Schacht oberhalb des Auslegers die Kardanwelle für den Heckrotor. Die Frontverglasung wurde begradigt um verräterische Reflexionen zu vermeiden. Allerdings wurde keine moderne Aufklärungsausrüstung installiert, so dass dieser Typ immer noch ein Schönwetteraufklärer war. Die Bewaffnung wurde durch die Stinger im Rahmen des ATAS-Programms (Air-to-Air Stinger) erweitert. Bei diesem System können zwei Stinger in einem Zwillingsstarter auf der linken Seite montiert werden. Eine Modernisierung während der späten 80er Jahre umfasste die Ausrüstung mit SAGR (Stand-Alone Airborne GPS Receiver), welcher im Grunde ein modifizierter SLGR (Small Lightweight GPS Receiver) ist. Es waren 291 Umrüstungen geplant. Zusätzlich wurden 275 OH-58A auf den Stand des OH-58C modernisiert; diese Maschinen sind leicht an der erhalten gebliebenen, abgerundeten Cockpitverglasung zu erkennen. 1998 wurde der letzte OH-58C im 3rd ACR außer Dienst gestellt.



Bei diesem OH-58C ist die glatte Frontverglasung gut zu erkennen.

OH-58D AHIP (Advanced Helicopter Improvement Program)

Im Jahr 1977 formulierte die US Army einen Wettbewerb für einen verbesserten Aufklärungshubschrauber, der den neuen YAH-64A Apache im Einsatz begleiten sollte. Sowohl Hughes für den OH-6A, als auch Bell für den OH-58A/C brachten Vorschläge zur Umrüstung, die sich beide durch stark verbesserte und modernisierte Sensoren auszeichneten. Im September 1981 entschied sich die US Army für den Entwurf von Bell. Am 6. Oktober 1983 begann Bell mit der Flugerprobung des Modells 406 Scout, welcher mit einer wesentlich stärkeren Turbine und einem Vierblatthauptrotor ausgestattet war. Dieses Modell wurde nie eingeführt, diente aber im weiteren als Prototypen für den AHIP. Im März 1985 schloss der OH-58D schließlich die 1983 begonnene Flugerprobung der US Army ab und ging in die Serienfertigung. Insgesamt wurden 243 Maschinen auf den Stand des AHIP umgerüstet. Der Gesamtbedarf an Kiowas belief sich auf ca. 500, doch das angepeilte Beschaffungsziel betrug nur 382 Maschinen. Zahlreiche Muster wurden im nachhinein auf die bewaffnete Version des Kiowa Warrior und ab 1997 auf den Standard des OH-58D (I) aufgewertet. 
Anders als die Vorgängermodelle ist der OH-58D kein rein visueller Aufklärer mehr, stattdessen wurde seine Rolle auf die Laserzielmarkierung verlagert. Im Rahmen der JAAT (Joint Air Attack Team) arbeitet der Kiowa mit dem AH-64 oder der A-10 zusammen. Dabei kann der OH-58D aufgrund des auf dem Mast angebrachten Aufklärungssystems hinter seiner Deckung (z.B. einer Baumreihe) verweilen und muss nur das MMS entblößen. Das markierte Ziel kann dann von einer weiter entfernten verbündeten Einheit angegriffen und gegebenenfalls zerstört werden. Allerdings ist der OH-58D Kiowa einer der Helikopter mit der größten Arbeitsbelastung für die Piloten, was zur Folge hat, dass die meisten Unfälle bei der US Army mit diesem Muster geschehen.

 

 Design

Im Allgemeinen wurde die Zellenkonstruktion beibehalten, ebenso die abgerundete Cockpitverglasung des OH-58A. Allerdings montierte man einen neuen Vierblatthauptrotor aus Verbundwerkstoffen mit hohlem Holm aus glasfaserverstärktem Kunststoff und Nomex-Kern im hinteren Blattbereich. Die Hauptrotorblätter können für Überführungstransporte in Transportmaschinen gefaltet werden. Die Zelle wurde für größere Tanks und für die neue Elektronik um 0,38 cm im Bereich der Passagierkabine gestreckt. Die Innentanks sind selbstabdichtend ausgelegt. Des weiteren wurde eine wesentlich leistungsfähigere Turbine installiert, die 650 Wellen-PS starke Allison 250-C30R/1. Für diese Turbine musste der obere Zellenteil vergrößert und die Abgasöffnung neu geformt werden. Anstatt der zwei schmalen Abgasöffnungen, die jeweils seitlich angeordnet waren, wurde eine breite Öffnung vor dem Ölkühler oberhalb der Zelle eingerichtet. Das Herzstück des neuen Aufklärungssystems ist das MMS (Mast Mounted Sight) von McDonnell Douglas und Northrop. Das MMS ist, wie der Name schon sagt, auf der Hauptrotornabe des Kiowa vibrationsgedämpft installiert. Diese Anordnung wurde lange von den Konstrukteuren gescheut, da eine Aufklärungselektronik auf dem Rotor für eine brauchbare Nutzung schwingungsfrei installiert werden muss, was bis dahin technisch nur schwer umzusetzen war. In dem kugelförmigen MMS, das aus Kohlenstoffverbindungen (Kunststoffen) und Epoxidharzen gefertigt ist, befindet sich ein FLIR (Forward Looking InfraRed), eine TV-Optik, ein Laserentfernungsmesser und ein Laser-Designator (Zielmarkierer). Im Hubschrauberrumpf sind die dazugehörige Energieeinheit, der Haupt- und Digitalrechner und die Zielverfolgungseinheit installiert. Die Daten, die das MMS aufnimmt, werden auf zwei MFDs (jeweils ein Multifunktionsdisplay für Pilot und Copilot) mit einer Bildschirmdiagonale von 15 cm dargestellt. Der Pilot nutzt das MMS eher als Navigationshilfe, während der Copilot die grundsätzliche Aufklärungsarbeit leistet. Zur Verarbeitung der gesammelten Daten besitzt dieser Typ einen MIL STD1553 Datenbus. Um eine Nachtflugfähigkeit des Musters zu schaffen, tragen die Piloten NVGs (Night Vision Goggles) und die Cockpitinstrumente wurden an deren Benutzung angepasst. Zur Funkausstattung gehören zwei AN/ARC-186 (VHF-FM; AHF-AM), ein AN/ARC-164 Have Quick (UHF) und zwei KY-58 bzw. optional KY-75 für die Stimmverschlüsselung. Auch ein AN/APX-100 IFF (Identification Friend Foe) zählt zur Ausrüstung. Die Navigationsausrüstung stellt sich unter anderen im AN/ASN-137 Dopplerradar, im AN/ASN-43 Gyroskop (ein elektrischer, künstlicher Horizont) und im Litton LR-80 Trägheitsnavigationssystem dar. Der OH-58D AHIP wurde nur unbewaffnet eingesetzt.



Man beachte bei diesem OH-58D AHIP das MMS.

OH-58D Kiowa Warrior

Ende der 80er Jahre begann der Iran Tanker von neutralen Ländern am Persischen Golf anzugreifen, da diese Länder den ersten Golfkrieg für den Irak mitfinanzierten. Daraufhin baten die betroffenen Länder, vor allem Kuwait, um die Durchsetzung des internationalen Seerechtes, so dass die US Army entschied AH-6 von Schiffen der US Navy operieren zu lassen. Als die Maschinen abgezogen werden mussten, suchte die Army Ersatz. Um diesen zu schaffen, wurde das Programm "Prime Chance" im September 1987 initiiert. Dieses Programm beinhaltete die Modifikation von 15 OH-58D AHIP, welche mit Pylonen zur Waffenaufnahme, neuen Navigationssystemen, angepasstem Getriebe und mit einer ECM-Ausrüstung versehen wurden. Der Einsatz dieser Maschinen, als AH-58D bezeichnet, war so erfolgreich, dass man entschied alle OH-58D auf die "Prime Chance"-Konfiguration nachzurüsten. Der Neubau von OH-58D Kiowa Warrior begann 1991 und Modifikationen von AHIPs erfolgten von 1993 bis Oktober 1999. Insgesamt stehen 417 Einheiten im Dienst. Der OH-58D Kiowa Warrior ersetzt nicht nur die älteren Versionen des Kiowa, sondern auch übergangsweise den AH-1F Cobra, bis im nächsten Jahrzehnt der RAH-66 Comanche umfassend eingeführt wird. Für Exportkunden bietet Bell den Modell 406CS (Combat Scout) an, der auch schon als Versuchsträger für den Kiowa Warrior diente, aber mit der 725 Wellen-PS starken Allison 250-C34 Turbine ausgestattet ist.

 

 Design

Die Hauptunterschiede zum AHIP sind die 2 röhrenförmigen, nach oben gebogenen Aluminiummasten (Pylonen) zur Waffenaufnahme (UWP = Universal Weapons Pylon), die an der Rumpfmitte durch jeweils einen Bolzen in einer angepassten Öffnung befestigt sind, aber auf Wunsch auch abgenommen werden können. Für den Transport der Maschinen können die Waffenlasten an einem Gelenk nach oben geklappt werden. Für den Piloten findet sich im Cockpit auch ein HUD (Heads up Display), das MSS (Missile Sight System). Zum MMS gehört ein PDU (Pilot Display Unit), das am oberen Rahmen der Cockpitverglasung auf der Seite des Piloten befestigt ist, und auf dem Flugdaten und das Zielsystem für ATAS, FFAR und die .50 Bordkanone wie bei einem herkömmlichen HUD projiziert werden. Die Funkausstattung wurde um zwei AN/ARC-201 SINCGARS ergänzt, die zum Teil die veralteten AN/ARC-186 (VHF-FM) ersetzen. Zum Selbstschutz wurde ein AN/ALQ-144 IRCM (InfraRed Countermeasure) hinter der Turbinenverkleidung, ein AN/APR-39A RWR (Radar Warning Receiver) bzw. ein AN/APR-44(V)3 RWR und ein AN/AVR-2 LWR (Laser Warning Receiver) nebst dem M130 Fackelautomaten installiert. Zur Aufzeichnung der vom MMS erhalten Daten, wurde der technischen Ausstattung ein Videorekorder mit einer Aufnahmedauer von 2 Stunden hinzugefügt. Aufgrund des extrem gestiegenen Gewichts verschlechterten sich die Notlaufeigenschaften (z.B. Autorotationsnotlandungen bei Ausfall der Turbine) extrem, so dass das SSEP (System/Safety Enhancement Program) durch die US Army gestartet wurde.

 

 Bewaffnung

An den seitlichen Pylonen kann ein Kanonenbehälter mit einer M2 (nur links), dessen Magazin sich seitlich an der Kabine befindet, ein Zwillingsstarter für ATAS (Air-to-Air Stinger), ein siebenfach Starter M260 für 2,75'' FFAR (Hydra 70) oder ein Doppelstarter für AGM-114 Hellfire befestigt werden. Normalerweise operieren zwei Maschinen zusammen, wobei ein Helikopter mit zwei Hellfire und einem Raketenbehälter für Hydra 70 und der zweite mit einen Kanonenbehälter und zwei Stinger ausgerüstet ist. Natürlich sind auch Konfigurationen mit einer Kombinierung bzw. Dopplung der verschiedenen Waffenlasten möglich.



OH-58D (I) Improved Production Aircraft

Ab März 1997 wurden die in diesem Programm beinhalteten Modifikationen in die neu produzierten Kiowa Warrior installiert bzw. in den älteren Modellen nachgerüstet. Diese Modifikationen stellen zum Teil die Vorstellungen der US Army vom "digital battlefield" dar. In diesem Rahmen wurden alle Bauteile der nun als Allison 250-C30R/3 bezeichneten Turbine, die heißen Gasen ausgesetzt sind, aus einer neuen Legierung gefertigt. Mit dieser Maßnahme versucht man die Leistung unter maximaler Belastung zu verbessern. Des weiteren wurde das alte hydromechanische Treibstoffkontrollsystem durch eine elektronische Einheit, dem FADEC (Full Authority Digital Electronic Control), ersetzt. Das Cockpit wurde nun vollkommen digitalisiert, was ein digitales Kartensystem, ein Datentransfermodem, sichere Kommunikationssysteme und ein auf GPS basiertes Trägheitsnavigationssystem (EGI), welches das alte Doppler- und Trägheitsnavigationssystem (AHRS) ersetzt, beinhaltet. Der Bildwiedergabeprozessor für die MFDs wurde ebenenfalls gegen den IMCPU (Improved Master Controller Processor Unit) ersetzt, um das neue, bewegliche Kartensystem noch flexibler und schneller einsetzen zu können. Das neue Datentransfermodem (IDM = Improved Data Modem) ermöglicht die Versendung gesammelter Daten auf allen Frequenzen, die in Form der Funkausstattung zur Verfügung stehen. Das alte System ermöglichte die Versendung nur über FM. Als Datenformat wird das TACFIRE-System oder das VMF (Variable Message Format) verwendet. Die SINCGARS Kommunikationssysteme wurden ebenfalls überholt, um die Leistungen in einem von Funkstörern beherrschten Gebiet neben der erhöhten Transferrate zu verbessern. Über den IMCPU und den VIXL (Video Image Crosslink) können die vom IMMS empfangen Daten in Echtzeit über FM an Befehlsstände weitergeleitet werden. Das IMMS (Improved Mast Mounted Sight) zeichnet sich durch einen neuen IMSP (Improved Mast Mounted Sight System Processor), ein neues Zielerfassungssystem für bewegliche Ziele und eine Split-Screen-Fähigkeit aus. Bei letzterem können nun auf einem MFD durch den neuem IMCPU und IMSP sowohl eine Datenwiedergabe der TV-Optik und in einem kleineren Bild "im Bild" die FLIR-Daten bzw. anders herum wiedergegeben werden. Diese Funktion ist auch von neueren zivilen TV-Geräten bekannt. Weitere Merkmale des Systems sind Kontrastverstärkung, die gleichzeitige Erfassung von bis zu sechs Zielen, Unterstützung beim Anvisieren beweglicher Ziele und Zielerkennungshilfen.



OH-58D (R) System/Safety Enhancement Program (SSEP)

Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei diesem Programm hauptsächlich um eine Verbesserung der Sicherheit und Überlebensfähigkeit für die Crew des Hubschraubers. Dieses Programm wurde aufgrund der sich häufenden, meist tödlichen Unfälle mit diesem Modell 1997 initiiert. Zu diesem Zweck beinhalten die Umbauten Pilotensitze, die die Energie eines Absturzes auffangen sollen, Airbags (ähnlich denen in zivilen Fahrzeugen) und das digitale Ausrüstungspaket des OH-58D (I). Im Jahr 1999 begann die Umrüstung des ersten Loses von 28 Maschinen und die Modifikation des gesamten, restlichen Bestandes an OH-58D soll von 2000 bis ca. 2006 mit einem Ausstoß von 48 Einheiten im Jahr geschehen.



Dieser OH-58D Kiowa Warrior trägt die ungewöhnliche Konfiguration von 4 Hellfire Flugkörpern.

Bezeichnung des Helikopters: OH-58A Kiowa OH-58D Kiowa Warrior
Typ: Aufklärer / Beobachter leichter Kampfhubschrauber / Aufklärer
Hersteller: Bell Helicopter Fort Worth, Texas, USA Bell Helicopter Textron Inc. Fort Worth, Texas, USA
Baujahr (in Serie): 1969 - 1975 1991 - 1999
Besatzung: 1 (Pilot) 2 (Pilot und CPG)
Antrieb: 1 Allison 250-C18A Wellenturbine 1 Allison 250-C30R/1
Leistung: 233 kW (317 WPS) 478 kW (650 WPS)
Höchstgeschwindigkeit (VNE): 220 km/h 220 km/h
Marschgeschwindigkeit: 188 km/h 172 km/h
max. Steigrate auf NN (IRP, bei durchschnittlichen Wetterbedingungen): 9,05 m/s 7,72 m/s
Dienstgipfelhöhe: 6.400 m 5.800 m
Schwebeflug-Gipfelhöhe mit Bodeneffekt: ? 3.048 m
Schwebeflug-Gipfelhöhe ohne Bodeneffekt: 2.682 m 2.100 m
Kraftstoffvorrat (intern): 276,3 Liter 424 Liter
Einsatzradius mit Innentanks: 491 km 556 km
max. Einsatzdauer: 3 h 30 min 2 h 30 min
Gewicht: Leergewicht: 664 kg Leergewicht: 1.281 kg
  maximales Startgewicht: 1.361 kg maximales Startgewicht: 2.041 kg
Rumpflänge: 9,93 m 10,31 m
Länge über Rotor: 12,49 m 12,85 m
Höhe: 2,91 m 3,9 m
Hauptrotordurchmesser: 10,77 m 10,67 m
Heckrotordurchmesser: 1,57 m 1,57 m
Bewaffnung: linke Außenlaststation:
- M134 (Kaliber 7,62 mm) Gatling mit 2.200 Schuss
- M124 40 mm Granatwerfer
Außenlaststationen:
- max. 4 AGM-114 Hellfire
- max. 14 FFAR (Hydra 70) (in M260 siebenfach Starter)
- max. 4 AIM-92 Stinger
- max. 1 Kanonenbehälter für M2 (Kaliber .50)
Produktionszahlen (für US-Army): ca. 2.200 417

Ein Kiowa Warrior beim Abschuss einer Hydra 70 FFAR. Der ALQ-144 IRCM ist gut zu erkennen.



Interne Links zum Thema

Bildergalerie



Weiterführende Literatur/Links

Tom Clancy, Airborne, Heyne 
Tom Clancy, Armored Cavalry, Heyne



 

Text by british steel; Korrektur: UncleK. Letztes Update:  7. September 2007