Heckler & Koch G36

HK50


Diese Export-Version des G36, das G36V, besitzt nur das Exportvisier (Vergrößerung 3x oder 1,5x) und kein zusätzliches Reflex-Visier. Am Patronenauswurf befindet sich ein Vorsprung, der als Prallschutz für die Patronen dient, damit diese den Schützen nicht verletzen können. Zusätzlich wird an diesem Vorsprung die umgeklappte Schulterstütze arretiert.

Erst im August 1997 erschienen, ist das HK50 eines der neuesten Sturmgewehre der Waffenschmiede Heckler&Koch. Anfänglich war es dem deutschen Kommando Spezialkräfte (KSK) und deren Unterstützungstruppen unter dem Namen G36 vorbehalten, heute stellt es nach Umstellung auf den NATO-Munitionsstandard 5,56 x 45 mm das Standardgewehr der deutschen Streitkräfte dar. Die 7,62 x 51 mm NATO Patrone bleibt jedoch im MG3 und im G3 erhalten, die weiterhin genutzt werden. Das G36 wird ebenfalls von spanischen Einheiten unter der offiziellen Bezeichnung G36V (V = Variante) verwendet.

 

Bei dieser neuen Waffe geht H&K in punkto Werkstoffe und Technik neue Wege. So wurde ein Polymer-Verbundswerkstoff verwendet der leicht und fest ist. Dies reduziert die Verwendung von Metall auf wenige wichtige Komponenten, wie z.B. den Lauf, den Gaskolben, die Spannfeder oder den Verschlussmechanismus, sowie einige mechanische Teile des Abzugs. Durch die intensive Nutzung der synthetischen Materialien ist ein relativ leichtgewichtiges Gewehr entstanden, das auch noch sehr stabil und beständig gegen Korrosion ist. Jedoch wurde die synthetische klappbare Schulterstütze schon zum Anstoßpunkt der Kritiker, da ihr eine Neigung zur Brüchigkeit bescheinigt wurde, die sie eventuell im Nahkampf, wenn das Gewehr als Schlagwaffe eingesetzt werden würde, zum Verhängnis werden lassen könnte.
Auch besitzt das HK50 ein äußerst stabiles halbtransparentes Magazin für 30 Schuss, bei dem jederzeit der Stand der Munition überprüft werden kann.

 

Gezielt wird bei den "normalen" Modellen über ein Reflexvisier oder ein zweites optisches Visier mit 3-facher Vergrößerung. Das Reflexvisier hat keinerlei Vergrößerung und wird nur auf kurze Entfernungen mit geöffnetem Augenpaar geschossen. Dem Schützen steht dabei ein roter Zielpunkt im Visier zur Verfügung, der entweder durch einfallendes Sonnenlicht oder künstlich über eine Batterie erzeugt wird. Für das vergrößernde Visier wird sogar eine Kampfentfernung bis zu 800 Metern angegeben, was für ein Sturmgewehr, welches für die auf kurze bis mittlere Reichweiten optimierte .223er Patrone ausgelegt ist, untypisch weit ist.

Die Exportversion G36V ist je nach Wunsch mit einem 3-fach oder 1,5-fach vergrößerndem Visier ausgestattet, allerdings ohne Reflexvisier. Das Gewicht der Waffe reduziert sich dadurch um 300 g.

Die bisher G36E genannte Version steht nach Auskunft von Heckler & Koch nur noch für die USA Exportvariante.



Prototyp des HK 50

Wie schon gesagt, geht H&K auch bei der Technik neue Wege. So kommt nicht mehr das altbewährte rollenverzögerte CETME-System zum Einsatz, sondern ein neues Gasdruckladersystem mit Drehkopfverschluss. Auch hier werden die Treibgase abgezapft, um den Träger des Schlagbolzens nach hinten zu schieben. Jedoch wird der Bolzen erst durch eine Rotation des Kopfes entriegelt. Auch wurde beim G36 darauf geachtet, es möglichst bedienungsfreundlich zu gestalten: Durch Entfernen von drei Metallstiften, die in Aussparungen der Schulterstütze zur Aufbewahrung gesteckt werden können, lässt sich das Gewehr in die für den Soldaten zur Wartung relevanten Teile zerlegen. Vom G36 gibt es 4 militärische Varianten und eine zivile Version, das SL8. Das G36 kann ohne jegliche Umrüstung sowohl von Links- als auch von Rechtshändern geschossen werden.


Zur Standardvariante kommt noch ein kürzere Waffe, das G36K mit einer Länge von 858 mm (615 mm ohne Schulterstütze) und einem Gewicht von 3,4 kg ohne das 400 g schwere 30-Schuss-Magazin. Die Feuerrate ist dieselbe, lediglich die effektive Kampfentfernung fällt wegen des kürzeren Laufs (318 mm) geringer aus.  Außerdem kann bei der Kurzversion kein Bajonett angebracht und keine Gewehrgranaten verschossen werden. 
Die neueste Version ist das G36 Compact mit noch kürzerem Lauf (228 mm) und einer daraus natürlich resultierenden geringeren Gesamtlänge von 720 mm (500 mm). Das G36 Compact ist kürzer als eine MP5. Das Gewicht liegt rund 400 g unter dem des G36K.


Auch eine Art leichtes MG zur Feuerunterstützung ist im Programm und trägt den Namen LMG36 (leichtes Maschinengewehr 36). Es ist mit einem Zweibein ausgerüstet und die Munitionsversorgung erfolgt über ein Beta C - Mag, einem 100-schüssigen Trommelmagazin. Der Lauf ist vom Durchmesser her stärker dimensioniert, als der der Standardwaffe. Allerdings ist beim LMG36 das Rohr nicht schnell zu wechseln und daher kann es nicht als richtiges leichtes MG, sondern eher als leichte Unterstützungswaffe bezeichnet werden. Auch hier liegt die Feuerrate bei 750 Schuss/min und die Kampfentfernung entspricht der Standardvariante. Das LMG36 wurde bei der Bundeswehr entgegen anders lautender Gerüchte nicht eingeführt. 


Wie schon das G3 verfügt das G36 über einen Wahlhebel für die Sicherung, Einzel- und Dauerfeuer (Feuerstoß). Der Salvenmodus für 3 Schuss, wie er beim G11 in den Vordergrund gerückt ist, entfällt. Auch ein unter dem Rohr anzubringender Granatwerfer mit separatem Abzug für standardmäßige 40 mm-Granaten wurde unter dem Namen AG 36 bereits entwickelt. So handelt es sich beim HK50 um ein technisch ausgereiftes Sturmgewehr, das sich z.B. durch seine hohe Pflegeleichtigkeit und die breite Verwendung von leichten. glasfaserverstärkten Kunststoffen auszeichnet, aber keine Innovation wie das G11 darstellt.



Gewehr G36K, die Kurzversion des Sturmgewehrs mit gleicher Feuerrate aber wegen des kürzeren Laufs mit geringerer Genauigkeit.

Bezeichnung der Waffe: G36 und G36V (Variante) G36K und G36KV (Kurz) G36C (Commando)
Hersteller: Heckler & Koch, Oberndorf/Neckar Heckler & Koch, Oberndorf/Neckar Heckler & Koch, Oberndorf/Neckar
Länge: 999 mm (Schulterstütze ausgeklappt),
758 (Schulterstütze eingeklappt)
860 mm / 615 mm 720 mm / 500 mm
Breite: 64 mm 64 mm 64 mm
Höhe (inkl. 30er Magazin und Visier): 320 mm
G36V: 285 mm
320 mm
G36KV: 285 mm
278 mm
Gewicht: 3,8 kg (leeres Magazin),
4,2 (geladen),
4,5 kg (geladen und mit Reflexvisier)
3,4 kg (leeres Magazin),
3,8 (geladen),
4,1 kg (geladen und mit Reflexvisier)
3,0 kg (leeres Magazin),
3,4 (geladen)
Lauflänge: 480 mm 318 mm 228 mm
Kaliber: 5,56 x 45 mm 5,56 x 45 mm 5,56 x 45 mm
mittlerer Gasdruck im Rohr: 2.400 bar - -
Mündungsgeschwindigkeit: 920 m/s - -
Feuerrate: 750 Schuss/min 750 Schuss/min 750 Schuss/min
effektive Schussweite: 500 m (für das Visier mit 3-facher Vergrößerung sind max. 800 m angegeben) - -
Stückpreis (für die Bundeswehr): ca. 600 EUR - -

G36 Visier: Oben das Reflexvisier und unten das Optische mit 3x Vergrößerung. Links das Batteriefach und rechts an/aus für den Leuchtpunkt des Reflexvisiers.

Schematische Darstellung eines G 36 Zielfernrohres 1. Markierung zum Entfernungsschätzen von 200 bis 800 m bei einer Zielgröße von 1,75 m. 2. Zielkreuz 800 m 3. Zielkreuz 600 m 4. Zielkreuz 200 m; Unterkante des Zielkreises 400 m 5. Außenflächen des Zielkreises als Vorhaltemarke auf 200 m

zerlegt mit eingeklappter Schulterstütze


Weiterführende Literatur/Links

Pictures by heckler-koch.com, wenn nicht anders gekennzeichnet. Skizze des ZF von Kreuz As.



 

Text by Da Maniac & Kreuz As. Letztes Update: 23. December 2007