Alouette II

Aérospatiale/Sud-Est Aviation (SE 3130/SE 313/SE 318/SA 315B)


Ein Alouette II des BGS im Jahr 1985 an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. (Picture by US Army)

Der "Alouette" II, zu Deutsch "Lerche", ist eine der erfolgreichsten europäischen Helikopterkonstruktionen. Zum einem war der Alouette II der erste Serienhubschrauber mit Turbinenantrieb und zum anderen werden noch heute Maschinen in Lizenz gefertigt. Für die Bundeswehr wurde der Typ zur Schulung und für Verbindungseinsätze beschafft, in den letzten Jahren erfolgte allerdings die langsame Ausmusterung. Zahlreiche Maschinen wurden an den BGS oder an Museen abgegeben; das Nachfolgemuster für die Hubschrauberpilotenschulung ist der EC 135 SHS.



Entwicklung

Der Entwicklungsbeginn des Alouette II fällt mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zusammen. Infolgedessen ging Professor Henrich Focke als "Beutegut" nach Frankreich und begann seine Arbeit bei Sud-Aviation. Zunächst sollte für die französischen Streitkräfte der Typ SE 3000 gefertigt werden, der im Grunde einen detailverbesserten Focke-Achgelis Fa 223 Drache aus dem Zweiten Weltkrieg darstellt. Neben den anderen kriegsführenden Nationen hatte auch die französische Armee den Hubschrauber als unverzichtbares Werkzeug der Aufklärung und für Verbindungseinsätze erkannt. Die Luftwaffe und die Marine zeigten Interesse und es folgten Bestellungen für 30 Maschinen, davon vier für die Marine. Allerdings führten schrumpfende Etats 1946 zunächst zur Reduzierung auf acht, später auf sechs Maschinen. Erst Ende 1947 führte der SE 3000 Nr.1 Fesselflüge durch, am 23. Oktober 1948 folgte der erste Freiflug. Die Maschine zeichnete sich allerdings durch zahlreiche mechanische Fertigungsfehler aus, was 1950 neben dem schrumpfenden Etat der französischen Streitkräfte zur Einstellung des Programms nach nur zwei Mustern führte. Zudem stellte die Gesamtkonstruktion mit ihren seitlichen Rotorauslegern ein sperriges, veraltetes Konzept dar, das zu wenig Potential für die Zukunft aufweisen konnte.
Ebenfalls 1946 begann Focke mit der Entwicklung eines weiteren Versuchsmodells, dem SE 3101, auf dessen Grundkonstruktion alle späteren Alouette-Modelle basieren. Der SE 3101 beruhte technisch auf der Fa 336, eine motorisierte, vergrößerte Version der Fa 330 Bachstelze, und absolvierte seinen Erstflug am 16. Juni 1948. Focke erlebte dies in Frankreich nicht mehr mit, er ging bereits im Juni 1947 zurück nach Deutschland. Die Zelle des einsitzigen SE 3101 bestand aus zusammengeschweißten Stahlrohren und der auf Fockes Entwürfen beruhende, dreiblättrige Hauptrotor wurde durch einen 100 PS (73,5 kW) starken Mathis Vierzylindermotor angetrieben. Kurios erscheint der Drehmomentausgleich, der durch zwei Heckrotoren mit zwei Blättern erreicht werden sollte. Focke entwickelte diese Anordnung bereits in den frühen 40er Jahren, wobei die beiden Rotoren im 45 Grad Winkel V-förmig an Leitwerksflossen am Ende des Auslegers arrangiert wurden. 
Unter französischer Führung setzte man die Entwicklung eines leistungsfähigen Leichthubschraubers fort. Ergebnis dieser Bemühungen war 1949 zunächst der SE 3110, der weitgehend auf dem SE 3101 aufbaute und für die landwirtschaftliche Nutzung vorgesehen war. Der doppelte Heckrotor fand wieder Verwendung, allerdings wurde der Hubschrauber mit einer geschlossen Kabine mit zwei nebeneinander liegenden Sitzplätzen und einem 203 PS (149,3 kW) starken Salmson 9NH Kolbenmotor versehen. Der Heckausleger und die Zelle wurden in Halbschalenbauweise gefertigt. Die Leistungsfähigkeit war allerdings immer noch unzureichend, so dass der Hubschrauber ein Versuchstyp blieb.
Der nächste Schritt wurde 1949 mit der Entwicklung des SE 3120 gemacht, dem ersten Typ mit dem Namen "Alouette". Dieser Entwurf basierte auf den vorherigen Versuchstypen, vereinte aber auch moderne Neuentwicklungen. Der dreisitzige Hubschrauber besaß eine Heckrotorauslegung wie die Maschinen von Sikorsky oder Bell, d.h. ein rechts liegender Heckrotor am Auslegerende zum Drehmomentausgleich. Antrieb und Hauptrotor wurden vom SE 3110 übernommen, die dreisitzige Kabine und der geschweißte Stahlrohrausleger waren dagegen Neukonstruktionen. Insgesamt wurden zwei Prototypen gebaut.
Unter Charles Marchetti entschloss man sich den Alouette I weiter zu vergrößern, um der Forderung der französischen Streitkräfte nach einem fünfsitzigen Verbindungs- und Aufklärungshubschrauber gerecht zu werden. Zunächst rüstete man den ersten Prototypen mit einem 200 PS Kolbenmotor der Versuchsmaschinen aus, was allerdings eher mäßige Flugeigenschaften ergab. Der Einbau einer Turboméca Artouste II Wellenturbine änderte dies allerdings grundlegend; der Erstflug des umgerüsteten Prototyps erfolgte am 12. März 1955. Ein zweiter Prototyp folgte wenige Wochen später und die Erprobungs- und Zulassungsabläufe wurden durch drei weitere Vorserienmaschinen unterstützt. Die Musterzulassung wurde am 2. Mai 1957 erteilt. Allgemeine Anerkennung erntete der Typ am 6. Juni 1955 als Jean Boulet mit dem SE 3130 einen neuen Höhenrekord über 8.209 m aufstellte. Bis Ende 1962 wurden über 1.000 Maschinen bestellt; als 1964 die Fertigung schließlich auf den verbesserten SA 318C (vormals SE 3180) umgestellt wurde, dessen Jungfernflug am 31. Januar 1961 stattfand. Im Jahr 1967 erfolgte zur Vereinheitlichung des Bezeichnungssystems im französischen Luftfahrzeugbau die Umbenennung des Grundmodells in SE 313B, wobei der Index "B" zur Abgrenzung vom Prototypen mit Kolbenmotorantrieb eingeführt wurde. Weiterhin stellte Aérospatiale ebenfalls zahlreiche zivile Maschinen her, darunter auch der luxuriöse SE 3131 Gouverneur, der eine vollverkleidete, aerodynamisch optimierte Zelle besaß.

 

Versionen/Nutzer



SE 3130 (SE 313B)

Nutzer Stückzahlen
französische Heeresflieger (Aviation Legere de I'Armee de Terre, ALAT) 363
Heeresflieger und Luftwaffe der Bundeswehr 247
Belgien (Heer) 39
Schweiz (Heer) 30
Schweden (Heer) 25
britische Heeresflieger (Army Air Corps) 17
Österreich (Luftwaffe) 16
Kambodscha (Heer) 8
Belgisch Kongo 3
Dominikanische Republik 2
Indonesien (Marine und Heer) 3
Israel 4
Elfenbeinküste 2
Laos 2
Libanon 3
Mexiko 2
Marokko 7
Niederlande 8
Peru 6
Portugal 7
Südafrika 7
Tunesien 8

SA 318C

Nutzer Stückzahlen
französische Heeresflieger (Aviation Legere de I'Armee de Terre) 15
Heeresflieger der Bundeswehr 53
Irak (Heer) ?
Kamerun ?
Peru (Heer) ?
Senegal ?

SE 315B "Lama"

Nutzer Stückzahlen
Argentinien (Luftwaffe und Heer), französische Produktion ?
Bolivien, HB 315B in Brasilien gefertigt ?
Chile, französische Produktion ?
Ekuador (Heer), französische Produktion ?
Indien (Heer und Luftwaffe), eigene Produktion bei HAL, "Cheetah" und "Lancer" ?
Namibia, "Cheetah" in Indien gefertigt ?
Nepal, "Cheetah" in Indien gefertigt ?
Pakistan (Heer und Luftwaffe), sowohl aus französischer, als auch aus eigener Produktion ?
Togo, französische Produktion ?

Detailaufnahme des Rotormastes und des von Focke beeinflussten Rotorkopf, zu sehen ist auch die Zapfluftleitung für die Kabinenheizung.

SE 3130 (SE 313B) / SE 3180 (SA 318C)

Gestaltung

 

Der Rumpf des SE 3130 (SE 313B) Alouette II besteht aus einem geschweißten Stahlrohrahmen, an dem alle Teilkomponenten befestigt sind. Raumaufteilung und der Rahmen mit dreieckigem Heckauslegerquerschnitt entsprechen dem gängigen Standard jener Zeit, wie sie auch bei Bell oder Hiller Anwendung fanden. Beide Piloten und die bis zu drei Passagiere sind in einer Kanzel untergebracht, die hauptsächlich aus Plexiglas besteht und rundum hervorragende Sichtverhältnisse garantiert. Die Cockpitinstrumentierung ist auf die nötigsten Fluginstrumente beschränkt und außer Funkgeräten kam kaum Elektronik zum Einsatz; Ausnahme waren hier die bewaffneten Erprobungsträger. Betreten wird das Cockpit beidseitig jeweils durch eine vorn angeschlagene, mit Plexiglas versehene Schwingtür. Herausragende Flugeigenschaften ermöglichte erst die Verwendung einer Turboméca Artouste II C6 Wellenturbine mit einer Leistung von 360 Wellen-PS (ca. 264,8 kW). Ungewöhnlich aus heutiger Sicht erscheint der vollkommen freie und ungeschützte Einbau der Turbine hinter dem Hauptgetriebe, was eine einfache Zugänglichkeit und damit eine erleichterte Wartung ermöglichte. Die Anfälligkeit gegen Feindbeschuss war offensichtlich, in den vorgesehenen Einsatzrollen wurde sie jedoch als akzeptierbar eingeschätzt. Der charakteristisch französisch im Uhrzeigersinn drehende Hauptrotor ist ein typischer, von Focke beeinflusster Gelenkrotor mit Schlag- und Schwenkgelenken, dessen Blätter aus verschiedenen Metallen gefertigt sind. Am äußersten Punkt des Heckauslegers ist rechts der metallene, zweiblättrige Heckrotor befestigt, der durch einen Stahlrohrbogen vor Bodenkontakt geschützt wird. Die Kardanwelle für den Antrieb des Heckrotors liegt dem Ausleger ungeschützt auf. Direkt unter dem Hauptrotormast, hinter der Kabine, befindet sich der selbstabdichtende Tank; die Aluminiumplattenverkleidung am Heck soll der Zelle Steifigkeit garantieren und störende Verwirbelungen reduzieren. Weiterhin verfügt der Alouette II über ein tiefes Kufenlandegestell mit abnehmbaren Rädern für das erleichterte Verschieben der Maschine am Boden. Vom Werk aus glänzte die Avionik durch fast vollständige Abwesenheit: Außer den nötigsten Fluginstrumenten verfügte der SE 3130 weder über Zielflugfähigkeiten noch über Kommunikationssysteme. Diese wurden im Laufe der Dienstzeit bzw. bereits während der Einführung des Musters bei den verschiedenen Betreibern nachgerüstet.
Der SA 318C (SE 3180), der ab 1964 produziert wurde, verfügt hauptsächlich nur über Detailverbesserungen; der grundsätzliche Unterschied ist das Antriebssystem. Als leistungsstärkere und ökonomischere Turbine fand die Astazou IIA mit einer Leistung von 530 Wellen-PS (ca. 390 kW) Verwendung, die auf 360 Wellen-PS gedrosselt wurde. Nach Angaben der Bundeswehr erbrachte die neue Turbine bei geringerem Treibstoffverbrauch eine um 50% erhöhte Flugdauer und Reichweite.

 

Bewaffnung

 

Bereits von Beginn an erweckte der Alouette II als Waffenplattform das Interesse der Nutzerstreitkräfte. Insbesondere die ALAT und die Heeresflieger zeigten Bedarf für einen Panzerabwehrhubschrauber. Hierfür bot sich als Bewaffnung am ehesten die SS-11 an, eine drahtgesteuerte Panzerabwehrrakete der ersten Generation. In Deutschland fanden Ende 1962 erste Tests statt, bei denen man drei Maschinen mit zwei seitlichen, massiven und weit herausreichenden Rohrträgern für jeweils zwei SS-11 Flugkörper ausstattete. Die Versuche sollten dazu dienen, den Alouette II als Waffenplattform zu erproben, Kampftaktiken für den Einsatz zu erstellen und Erfahrungen für spätere Waffensysteme zu sammeln. Insgesamt stellte sich der Alouette II als eine zu unruhige Waffenplattform, die Visierung als unbefriedigend und die Einsatzzeit auf Grund der Überlast durch das Trägersystem und die Flugkörper als viel zu kurz heraus. Weiterhin versuchte man die Lafettierung von Maschinegewehren, wie dem MG 3, was sich allerdings ebenfalls als nicht zufriedenstellend herausstellte. Einzige bewaffnete Version ist bis heute damit der HAL Lancer.



Außenlastträger und zwei SS-11, wie sie am Alouette II montiert wurden, ausgestellt in der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz.

Einsatz in der Bundeswehr

Bereits im Zweiten Weltkrieg wuchs die Anerkennung der Leistungsfähigkeit der verschiedenen Hubschrauber und so führten alle Armeen in den folgenden Jahren verschiedene Muster in den Truppendienst ein. Hauptaufgaben waren Aufklärung, Verbindungsflüge und Rettungseinsätze über Land und See. Somit verwundert es auch nicht, dass bei der Aufstellung der Bundeswehr Hubschrauber im Anforderungskatalog zu finden waren. Zu den ersten beschafften Mustern zählten der noch länger dienende Bell 47G2 (H-13 Sioux), der mit Blattspitzenantrieb versehene So 1221 Djinn, der Saunders Roe Skeeter (Westland W 14), der Bristol 171 Sycamore und die beiden Lasthubschrauber H-21 Shawnee/Work Horse und H-34 Choctaw. Die vier erstgenannten stellten sich allerdings als wenig zufrieden stellend heraus, der Sioux war für die taktische Nutzung (Aufklärung und Verbindungseinsätze) zu klein, wechselte aber erfolgreich in die Anfangsschulung, der Djinn und Skeeter waren erheblich untermotorisiert und der Sycamore zu unwirtschaftlich und zu klein. Folglich musste erneut ein Bedarf für einen Leichtbauhubschrauber ausgeschrieben werden. Die Erprobungen der in Frage kommenden Muster begannen 1958 in Niedermendig. Zur Auswahl standen der Westland Widgeon, der Agusta AB47J und der Sud-Est SE 3130 Alouette II. Letzterer setzte sich vor allem aufgrund seiner überragenden Flugleistungen, begründet durch seinen Turbinenantrieb, als idealer Typ für den Einsatz als VBH (Verbindungs- und Beobachtungshubschrauber) durch. Im März 1959 folgte ein Bestellung der Bundeswehr über 130 Maschinen, die kurz darauf um 117 Maschinen erweitert wurde. Bereits am 5. August des selben Jahres flogen in Frankreich geschulte Piloten die ersten sieben Maschinen nach Deutschland. Eine weitere Bestellung über 53 Maschinen erfolgte 1964, allerdings diesmal in der Ausführung SA 318C. Genutzt wurde der Alouette II in der Luftwaffe, wo 20 Maschinen der Flugzeugführerschule in Faßberg zugeteilt wurden, und bei im Heer bei den Heeresfliegern. In den folgenden Dienstjahren gab die Bundeswehr allerdings alle SA 318C und auch einige SE 3130 an Polizeidienststellen und den Bundesgrenzschutz ab. Allein SE 3130 blieben zur Vereinheitlichung der Ersatzteilversorgung und vereinfachten die Wartung im Dienst. Die Luftwaffe überstellte aufgrund der Verlagerung der Pilotenausbildung in die USA bereits 1974 alle Alouette II an die Heeresflieger. Ab 1979 ersetzte der Bo105M den Alouette II in der Rolle als VBH, so dass alle verbliebenen Maschinen in die Pilotenschulung an die Heeresflieger-Waffenschule Bückeburg gingen. Hier erfolgte ab 2002 die Ablösung durch den EC 135 SHS, die bis spätestens 2005 abgeschlossen sein soll. Damit wird eine 46-jährige Dienstzeit enden.
Wie bereits beschrieben, waren die Maschinen vom Hersteller aus sehr mager ausgestattet. Die Bundeswehr rüstete daher eine Kabinenheizung, eine Frontscheibenenteisungsanlage, eine Servoflugsteuerung und zur Kommunikation AN/ARC-44 VHF- und AN/ARC-45 UHF-Anlagen nach. Um dem Typ Zielflugfähigkeiten zu verleihen, installierte man am Bug die AN/ARA-31 Antennengruppe. Zuletzt wurden in den 80er Jahren die Kommunikationsanlagen durch die Einrüstung von Systemen des Typs ARC-114/AR 2010/25N VHF und ARC-164 UHF modernisiert. Weiterhin beschafften die Heeresflieger wenig genutzte Radfahrwerke, Kufenschwimmer und überdachte Krankentragen, die auf den Kufen montiert werden konnten.



SA 315B Lama

Der SA 315B Lama entstand auf Betreiben der indischen Streitkräfte, die bereits erfolgreich den Alouette III in ihren Reihen einsetzten. Man forderte Ende 1968 einen leistungsfähigen Leichthubschrauber, der auch in den Hochgebirgsregionen des Himalajas eingesetzt werden konnte. Aufgrund seiner leichten Bauweise bot sich der Alouette II als Basis an, als leistungsstarken Antrieb entschied man sich für die Turbine und das Getriebe des Alouette III. Um den Auftrieb weiterhin zu optimieren, wurde der Hauptrotordurchmesser um 82 cm vergrößert. Den Erstflug absolvierte das neue Muster am 17. März 1969 und die Musterzulassung folgte am 30. September 1970. Jean Boulet lieferte am 21. Juni 1972 den absoluten Leistungsnachweis ab: Er stellte einen neuen, bisher umgebrochenen Höhenweltrekord für Hubschrauber über 12.442 m auf. Neben Indien zeigten auch südamerikanische Armeen Interesse; in Brasilien bei Helibras (einem Tochterunternehmen von Aérospatiale, heute Eurocopter) als HB 315B "Gavio" und bei HAL (Hindustan Aeronautics Limited) als "Cheetah" erfolgt bis heute die Lizenzfertigung.
Die Turboméca Artouste IIIB leistet maximal 870 Wellen-PS (640 kW), wurde allerdings wegen des Getriebes und der Höhenanpassung auf 500 Wellen-PS gedrosselt, was allerdings immer noch einen enormen Leistungssprung darstellt. Im Weiteren entspricht der strukturelle Aufbau dem des Alouette II, allein am Cockpitbug ist ein Kästchen für zusätzliche Elektronik zu finden. Um Landungen im unwegsamen Gelände zu erleichtern verfügt der Lama zudem über ein erhöhtes Kufenlandegestell. Ein weiterer optischer Unterscheidungspunkt ist der dreiblättrige Heckrotor, dessen weiteres Rotorblatt die Leistungsfähigkeit gerade in größeren Flughöhen steigern soll. 
Bilder des SA 315B Lama sind über die untenstehenden Links zu erreichen.



HAL Cheetah/Lancer

HAL in Indien machte bereits mit der Lizenzproduktion des Alouette III erste Erfahrungen im Helikopterbau und als Aérospatiale den SA 315B Lama für die indischen Streitkräfte entwickelte, war die Lizenzproduktion dieses in Indien als Cheetah bezeichneten Typs nur logisch. Die Lizenzvereinbarung wurde im September 1970 geschlossen und die ersten Maschinen wurden zwischen 1976/77 ausgeliefert, wobei die Einzelteile aus Frankreich importiert wurden und nur die Endmontage bei HAL durchgeführt wurde. Alle folgenden Maschinen fertigte man komplett in Indien; HAL erwarb auch die Lizenz an der Artouste IIIB. Bis heute wurden ca. 246 Maschinen hergestellt, wobei HAL auch die Streitkräfte von Nepal und anderen Anrainerstaaten belieferte.
Anfang der 90er Jahre begann innerhalb der indischen Streitkräfte der Bedarf an einem leichten Kampfhubschrauber zur Bodenunterstützung, Grenzüberwachung und Bekämpfung leicht gepanzerter Ziele zu wachsen. Zunächst entstand der Wunsch nach einem modernen, leichten Entwurf im Stil der Entwicklung des Agusta A-129 Mangusta oder Eurocopter Tiger. Aufgrund geringer Erfahrung im Bau bewaffneter Hubschrauber und geringer finanzieller Unterstützung steht dieser LAH (Light Attack Helicopter) bis heute in der Entwicklung und basiert auf der Technik des ALH (Advanced Light Helicopter) bzw. Dhruv. 2003 wurden auf verschieden Luftfahrtmessen Mock-Ups für diesen Typ gezeigt, die Einführung bzw. zunächst ein flugfähiger Prototyp lassen noch auf sich warten. Als Übergangslösung zur Sättigung des bestehenden Bedarfs begann HAL auf eigene Kosten die Entwicklung eines leichten Unterstützungshubschraubers auf Basis des Cheetah. Bereits 1995 wurde auf der Le Bourget Luftfahrtmesse der Entwurf vorgestellt. Erst im Dezember 2001 beschaffte die indische Armee zwei Muster zur Erprobung, denen bis März 2002 drei weitere Maschinen zum Einsatz in der Kaschmirregion folgten. Weitere Neubauten sind unwahrscheinlich, aber die Umrüstung von im Dienst befindlichen Cheetah scheint sicher.
Im Großen und Ganzen halten sich die Änderungen am Grundmodell, dem Cheetah, in Grenzen. Am auffälligsten ist hierbei die Neugestaltung der Cockpitverglasung, wobei anstatt einer glatten, abgerundeten Struktur bewusst gerade Scheibenteile facettenartig zur vermeintlich besseren Beschusssicherheit eingesetzt wurden. Zum besseren Schutz der Crew wurden die Pilotensitze mit einer Panzerung aus Stahlplatten umringt, die seitlich wie eine Tür geöffnet werden kann. Sowohl der Kabinenboden, als auch der Tankboden wurden ebenfalls sehr leicht gepanzert. Für den Selbstschutz befinden sich am hinteren Träger des Kufenlandegestells zwei Düppel/Fackelwerfer. Die Waffenlasten werden an einem einfachen Stahlrohrgestell befestigt, welches mit dem Rahmen des Tanks verbunden ist. Beidseitig kann von diesem Haltegestell ein kombinierter, 360 kg schwerer Raketenwerfer/Kanonenbehälter, mit jeweils drei ungelenkten 70 mm Raketen und einer 12,7 mm Maschinenkanone, eingesetzt werden. Zum Richten und Zielen wird eine einfache Optik im Cockpit genutzt.
Insgesamt betrachtet, erscheint der Lancer ein reichlich improvisiertes Modell zu sein, das unter schwerem Feuer so gut wie keine Überlebensfähigkeit besitzt. Aufgrund des zusätzlichen Gewichtes durch Bewaffnung, Haltegestell und leichter Panzerung bei gleichem Antrieb dürften die Flugleistungen weit hinter denen des Cheetah zurückliegen. Die Bekämpfung leicht bewaffneter Infanterie und die Grenzüberwachung dürften am ehesten den Qualitäten des Lancers entsprechen.
Bilder des HAL Cheetah und Lancer sind über die untenstehenden Links zu erreichen.



Ein als VBH genutzter SE 3130 der Heeresflieger, ausgestellt im Militärhistorischen Museum Dresden.

Bezeichnung des Helikopters: SE 3130 (SE 313B) SA 318C SA 315B Lama
Typ: leichter Mehrzweckhubschrauber leichter Mehrzweckhubschrauber leichter Mehrzweckhubschrauber, Höhenhubschrauber
Hersteller: Aérospatiale Aérospatiale Aérospatiale, HAL, Helibras
Baujahr: 1955 - 1964 1961 - 1975 1969 - heute
Besatzung: 1 + 4 1 + 4 1 + 4
Antrieb: Turboméca Artouste II C6 Turboméca Astazou II A2 Turboméca Artouste III B
Leistung: 360 WPS (264,8 kW) 530 WPS (390 kW); gedrosselt auf 360 WPS (265 kW) 870 WPS (640 kW), gedrosselt auf 500 WPS (ca. 367 kW)
Höchstgeschwindigkeit (VNE): 170 km/h 180 km/h 210 km/h
Marschgeschwindigkeit: 145 km/h 155 km/h 192 km/h
max. Steigrate: 4,20 m/s 4,20 m/s 5,50 m/s
Dienstgipfelhöhe: 3.200 m 3.200 m 3.750 m
Schwebeflug-Gipfelhöhe mit Bodeneffekt: 2.000 m 2.000 m 4.000 m
Kraftstoffvorrat: 580 Liter 580 Liter 575 Liter
Einsatzradius: 450 km 700 km 515 km
max. Einsatzdauer interne Tanks: 2 h 30 min 4 h 30 min 4 h 30 min
Massen: Leergewicht: 1.060 kg
maximales Startgewicht: 1.600 kg
Leergewicht: 1.090 kg
maximales Startgewicht: 1.700 kg
Leergewicht: 1.021 kg
maximales Startgewicht: 1.950 kg
mit Hängelast: 2.300 kg
Rumpflänge: 9,70 m 9,75 m 10,23 m
Länge über Rotor: 12,00 m 12,00 m 12,92 m
Höhe: 2,75 m 2,75 m 3,09 m
Rumpfbreite : 2,08 m 2,08 m 2,08 m
Hauptrotordurchmesser: 10,20 m 10,20 m 11,02 m
Heckrotordurchmesser: 1,82 m 1,82 m ?
Produktionszahlen: 924 ca. 300 ca. 500

Drei Hubschraubergenerationen der Heeresflieger vereint: v.l.n.r. ein Alouette II der Heeresfliegerwaffenschule Bückeburg im Anflug, ein Bo105 PAH-1A1 und der neue Schulungshubschrauber EC 135 SHS.



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Text by british steel, Korrektur: UncleK, Dirk. Letztes Update:  7. September 2007