Duke-Klasse (Type 23)

ASW-Fregatten


HMS "Richmond" (F239), deren Bordhubschrauber Typ Sea Lynx gerade gestartet ist. (Picture by Royal Navy )

Die Einheiten der Duke-Klasse sind die neuesten Fregatten der Royal Navy und als zahlenmäßig stärkste Klasse auch die Arbeitspferde der britischen Seestreitkräfte, sie stellen hier alleine die Hälfte aller Fregatten und Zerstörer. Zwar kann man sie nicht unbedingt als Schönheiten bezeichnen, jedoch sind es potente U-Boot-Jagdeinheiten, die ihre Leistungsfähigkeit in zahlreichen Manövern nachgewiesen haben.



Geschichte und Entwicklung

Gegen Ende der 70er Jahre bestand der Großteil der Überwasserstreitkräfte Großbritanniens aus einem Sammelsurium veralteter Fregatten vom Typ "Leander", modernen jedoch leichten Fregatten Type 21 sowie den zu dieser Zeit brandneuen Fregatten der "Broadsword"-Klasse (Type 22 Batch 1). Die damaligen Planungen sahen vor, dass insgesamt 26 Type 22 gebaut werden. Diese sehr ambitionierten Pläne verschwanden jedoch schnell wieder in den Schubladen, als die Nachwirkungen des Konfliktes mit Argentinien abebbten. Dessen ungeachtet wurden 15 Type 22 in Dienst gestellt, davon elf nach einem verbesserten Entwurf. Um die alternden Einheiten der "Leander" und "Rothesay"-Klassen dennoch ersetzen zu können, wurde 1980 die Entwicklung einer neuen Klasse von Fregatten begonnen. Diese sollte so kostengünstig wie möglich ausfallen, da geplant war, nicht weniger als 23 dieser Einheiten in Dienst zu stellen. Zu dieser Zeit war vorgesehen, dass die Hauptaufgabe dieser, als Type 23 bezeichneten Fregatten die Durchführung von U-Boot-Abwehroperationen im Nordatlantik sowie vor der Küste Norwegens sein würde. Dabei sollten sowjetische U-Boote, die die Barentssee verlassen, gejagt und so die Schifffahrtsrouten zwischen Europa und Amerika gesichert werden. Ständig sollten sich mindestens vier dieser neuen Fregatten auf Station befinden, unterstützt von einer neuen Generation von Hilfsschiffen, den Versorgern der Fort-Klasse, von denen die Royal Navy ursprünglich sechs Einheiten beschaffen wollte. Diese hätten nicht nur, wie bisher üblich, die Versorgung mit Kraftstoff, Frischwasser und sonstigem Nachschub sichergestellt, sondern auch über Hangarraum sowie Reparatur- und Wartungseinrichtungen für die Hubschrauber des Verbandes verfügt. Des Weiteren sollten sie für den Verband auch Schutz vor Luftbedrohungen in Form von vertikal gestarteten Sea Wolf-Flugabwehrraketen bieten. Aus diesem Grund sah die ursprüngliche Forderung für Type 23 eine relativ einfache, knapp 3.000 Tonnen verdrängende Einheit vor, welche mit einem Schleppsonar ausgerüstet sein würde. Diese sollte über ein Flugdeck, jedoch keinen Hangar verfügen, die vergleichsweise leichte Bewaffnung aus einer einzelnen 76 mm-Kanone Typ OTO-Melara, zwei Torpedorohren sowie Seezielflugkörpern Exocet bestehen.Unter dem Eindruck der gewachsenen Bedrohung durch die große Zahl neu in Dienst gestellter sowjetischer SSN Typ Victor und SSBN Typ Delta forderte John Notts, zur damaligen Zeit Staatssekretär für Verteidigungsfragen im Kabinett Margaret Thatchers, in seinem "1981 Defence Review" die Beschleunigung des Type 23-Programms. In den folgenden Jahren wurde der Entwurf immer komplexer und damit auch immer teurer. Um einen Bordhubschrauber von der Größe des Sea King oder dessen Nachfolger EH101 Merlin unterbringen zu können wurde der Entwurf vergrößert und ein Hangar hinzugefügt. Weitere Änderungen umfassten ein VLS für Flugabwehrraketen Sea Wolf, Seezielflugkörper Harpoon anstatt Exocet sowie zwei zusätzliche Torpedorohre. Auch das für den Landzielbeschuss als ungeeignet erscheinende 76 mm-Geschütz Typ OTO-Melara wurde durch ein Vickers 114 mm-Geschütz ersetzt. Der Verlust des Zerstörers "Sheffield" im Falkland-Konflikt zeigte, wie folgenreich Brände an Bord eines Kriegsschiffes sein können. Aus diesem Grund wurde Type 23 insbesondere in den Bereichen Brandbekämpfung und Schadenskontrolle/Schiffssicherung nochmals überarbeitet. All diese Veränderungen führten dazu, dass die Fregatten der Duke-Klasse schließlich mit einer Einsatzverdrängung von 4.200 Tonnen in Dienst gestellt wurden. Diese deutliche Vergrößerung des Entwurfes führte konsequenterweise auch zu einer Kostensteigerung von ursprünglich 67 auf knapp 170 Millionen Pfund pro Einheit. Diese Kostenexplosion sowie der Zusammenbruch des Warschauer Paktes und der damit einhergehende Wegfall der sowjetischen U-Boot-Bedrohung führte dazu, dass schließlich nur 16 Fregatten der Duke-Klasse und zwei Versorger der Fort-Klasse (A387 "Fort Victoria" und A388 "Fort George") beschafft wurden. Obwohl während des Kalten Krieges entworfen, haben sich die Fregatten der Duke-Klasse mehr als fähig erwiesen, auch andere Rollen als ursprünglich vorgesehen auszufüllen. Dies umfasst Wach- und Präsenzaufgaben rund um die Falklands sowie wichtige Einsätze im Rahmen internationaler Operationen. Während des Kosovo-Konfliktes 1999 eskortierten "Grafton" und "Somerset" den französischen Flugzeugträger "Foch". "Argyll" war ein Jahr später Teil der Amphibious Ready Group (ARG) vor der Küste Sierra Leones. Schon zuvor waren Fregatten Type 23 auch im Persischen Golf präsent. Bekanntheit erlangten die Schiffe dieser Klasse auch durch den James Bond-Kinofilm "Der Morgen stirbt nie" (Tomorrow Never Dies), in dem "Westminster" drei verschiedene Rollen als HMS "Bedford", "Chester" und "Devonshire" spielte.Ursprünglich war vorgesehen, die gesamte Klasse in einem Typstützpunkt in Devonport zusammenzufassen. Diese Planungen wurden später fallengelassen, und so bilden heute neun Schiffe die 4th Frigate Squadron (F4) in Portsmouth, während die restlichen sieben Einheiten der 6th Frigate Squadron (F6) in Devonport beheimatet sind.



Namensgebung

Ein kleines Detail, welches auf den ersten Blick möglicherweise für Verwirrung sorgen könnte, ist die Namensgebung der einzelnen Einheiten und die Bezeichnung der Klasse.
Entgegen der sonst üblichen Praxis, eine Schiffsklasse nach ihrem Typschiff zu benennen (im Falle der Type 23 die HMS "Norfolk", damit "Norfolk"-Klasse) wurden die neuen Fregatten als "Duke"-Klasse bezeichnet. Hiermit verbindet sich ebenfalls eine weitere, kleine Anekdote. Die Vergabe von Schiffsnamen ist im Vereinigten Königreich immer mit vielen Emotionen und Traditionen verbunden, zumeist werden besonders stolze oder historisch bedeutsame Namen vergeben. Seit den 60er und 70er Jahren wurden die Fregatten der Royal Navy nach einem alphabetischen Schema getauft; die Namen der sechs Type 21-Fregatten begannen alle mit dem Buchstaben A, die ersten acht Type 22 (Batch 2) mit dem Buchstaben B sowie die folgenden drei Type 22 (Batch 3) mit dem Buchstaben C. Während der Konzeptions- und Entwicklungsphase für die neuen Type 23 nahm man an, dass diese dem bekannten Schema folgen und mit D beginnende Namen tragen würden. Konsequenterweise wurden sie daher inoffiziell als "Daring"-Klasse bezeichnet. Jedoch entschied die Royal Navy, ihre neuesten Kriegsschiffe stattdessen nach britischen Grafschaften (das englische Wort für Graf ist "duke") zu benennen. Schon kurz nach Bekanntgabe dieser Entscheidung ging bei der Zeitschrift "Navy News" ein anonymer Brief von Marineangehörigen ein, die die Namen als zu wenig inspirierend kritisierten. Während "Iron Duke" noch auf Zustimmung traf, erschien der Rest "wie aus einer Straßenkarte herausgesucht", und insbesondere "St. Albans" würde "höchstens als Name für ein Einkaufszentrum taugen". Befürworter hingegen argumentierten, dass diese Namen im historischen Kontext ganz und gar nicht unbedeutend seien. Captain James Burnell-Nugent, Kommandant des ASW-Trägers "Invincible" während des Golfkrieges von 1991, formulierte dies in seiner Antwort auf den in der "Navy News" veröffentlichten offenen Brief. Er schrieb dort: "[..] if people find the names soft and fluffy they should look in the history books".



HMS "Montrose" (F236), in Kiellinie ein britischer Zerstörer Type 42.

Name Hullnumber Bauwerft Kiellegung Stapellauf Indienststellung Geschwader
Norfolk F230 Yarrow, Scotstoun 14.12.1985 10.07.1987 01.06.1990 6th Sqn.
Marlborough F233 Swan Hunter, Wallsend 20.03.1987 08.04.1989 31.05.1991 4th Sqn.
Argyll F231 Yarrow, Scotstoun 20.12.1987 24.05.1990 01.05.1992 6th Sqn.
Lancaster F229 Yarrow, Scotstoun 27.10.1987 21.01.1989 14.06.1991 4th Sqn.
Iron Duke F234 Yarrow, Scotstoun 18.12.1988 02.03.1991 20.05.1993 4th Sqn.
Monmouth F235 Yarrow, Scotstoun 01.06.1989 23.11.1991 24.11.1993 6th Sqn.
Montrose F236 Yarrow, Scotstoun 01.11.1989 21.07.1992 02.06.1994 6th Sqn.
Westminster F237 Swan Hunter, Wallsend 18.01.1991 04.02.1992 13.05.1994 4th Sqn.
Northumberland F238 Swan Hunter, Wallsend 04.04.1991 04.04.1992 29.11.1994 6th Sqn.
Richmond F239 Swan Hunter, Wallsend 16.02.1992 06.04.1993 22.06.1995 4th Sqn.
Somerset F82 Yarrow, Scotstoun 12.10.1992 25.06.1994 20.09.1997 6th Sqn.
Grafton F80 Yarrow, Scotstoun 13.05.1993 05.11.1994 29.05.1997 4th Sqn.
Sutherland F81 Yarrow, Scotstoun 14.10.1993 09.03.1996 04.07.1997 4th Sqn.
Kent F78 Yarrow, Scotstoun 16.04.1997 27.05.1998 08.06.2000 4th Sqn.
Portland F79 BAe Systems, Scotstoun 14.01.1998 15.05.1999 03.05.2001 6th Sqn.
St. Albans F83 BAe Systems, Scotstoun 18.04.1999 06.05.2000 06.06.2002 4th Sqn.

F229 (HMS "Lancaster") trug anfangs die Nummer F232 - diese wurde jedoch als Unglückszahl angesehen, da der Vordruck der Royal Navy für Havarieberichte die Nummer 232 trägt.



Bau und Konstruktion

Bauprogramm

Der Bauvertrag für das Typschiff, die "Norfolk", wurde am 24. Oktober 1984 mit dem Hauptauftragsnehmer Yarrow Shipbuilders in Scotstoun, einem Stadtteil von Glasgow, abgeschlossen. Das Schiff wurde im folgenden Jahr auf Kiel gelegt und lief 1987 vom Stapel. Die Folgeeinheiten "Argyll" und "Lancaster" wurden ein Jahr zuvor am 19. August 1986 in Auftrag gegeben, am selben Tag noch "Marlborough" bei der zweiten Bauwerft, Swan Hunter in Wallsend bei Newcastle. Im August 1988 wurde Yarrow mit dem Bau von "Iron Duke", "Monmouth" und "Montrose" beauftragt, noch im Dezember desselben Jahres ging der Auftrag für "Northumberland", "Westminster" und "Richmond" an Swan Hunter. "Richmond" sollte die letzte Marineeinheit werden, die diese Werft für die Royal Navy bauen würde. Die folgenden drei Einheiten "Somerset", "Grafton" und "Sutherland" wurden 1991 an Yarrow vergeben, ebenso wie das letzte Los, bestehend aus "Kent", "Portland" und "St. Albans", im Jahr 1996.
In einer frühen Phase des Bauprogramms wurde "Argyll" der pakistanischen Marine angeboten, mit der Hoffnung auf die Beschaffung zweier weiterer Einheiten, wobei das erste Schiff in Großbritannien und das zweite in Karachi gebaut werden sollte. Diese Hoffnung sollte sich allerdings nicht erfüllen. Später wurde vorgeschlagen, den Entwurf an Chile zu verkaufen. Dieses Programm hätte im Falle einer Realisierung insgesamt vier Fregatten umfasst, davon wären je zwei Schiffe in Chile und bei Yarrow in Großbritannien gebaut worden. Dies wäre für die britische Werft von besonderem Vorteil gewesen, da nach der Fertigstellung der letzten Einheit für die Royal Navy einige Zeit vergehen sollte, bevor das nächste große Beschaffungsprogramm (AAW-Zerstörer Type 45) Ende März 2003 schließlich anlief. Die Verhaftung und Ausweisung von General Pinochet und die Verschlechterung der britisch-chilenischen Beziehungen verhinderte jedoch dieses Vorhaben, ebenso wie den ebenfalls geplanten Verkauf von vier Fregatten Type 22 an das südamerikanische Land.

Schiffbauliche Merkmale

Die Duke-Klasse ist ein typischer Vertreter westlichen Fregattenbaus mit Glattdeckstahlrumpf, leichtem Decksprung und Spiegelheck, ausgelegt auf Einsätze im Nordatlantik. Es stehen zwei Anker zur Verfügung, wobei der Anker an der Steuerbordseite nur bei Versagen des Bugankers zum Einsatz kommt. Die Aufbauten bestehen ebenfalls aus Stahl und sind in drei voneinander getrennte Sektionen unterteilt, wobei der Hauptteil die Brückenaufbauten, den Hauptmast sowie Teile der Wohndecks umfasst. Die mittlere Sektion besteht primär aus dem Schornstein für die Gasturbinen sowie zwei der vier Antriebsdiesel, während der Hangar die dritte, achterliche Sektion bildet. Mittschiffs sind ebenfalls zwei Festrumpf-Schlauchboote (RIB, rigid inflatable boat) vom Typ VT Pacific 22 untergebracht, die über Davits zu Wasser gelassen werden können.
Ausgehend von Erfahrungen aus dem Falkland-Krieg wurde beim Entwurf besonderer Wert auf hohe Standfestigkeit gegenüber Gefechtsschäden gelegt. Hierfür ist der Schiffskörper vertikal in 13 Abteilungen und in fünf unabhängige Schiffssicherungsbereiche unterteilt.
In begrenztem Umfang wurden Maßnahmen zur Signaturreduzierung in den Entwurf mit einbezogen. Vertikale Flächen sind in einem Winkel von 7° zur Senkrechten ausgeführt, um die Radarrückstrahlfläche der Einheiten zu verkleinern. Zur Verringerung der Infrarot-Signatur sind Kühleinrichtungen in den Schornstein integriert. Neben dem später beschriebenen dieselelektrischen Antriebskonzept trägt auch ein System zur Erzeugung von Luftbläschen entlang des Rumpfes zur Reduzierung der akustischen Signatur und damit der Ortungswahrscheinlichkeit durch Unterwasserbedrohungen bei.



HMS "Montrose" (F236), fotografiert durch den eigenen Bordhubschrauber. Die Dreiteilung der Aufbauten ist auf dieser Luftaufnahme gut zu erkennen. Die gebogenen Ringsegmente auf dem Dach des Brückenhauses und dem Hangardach dienen zur "Auflockerung" dieser großen ebenen Flächen und damit der Reduzierung der Radarsignatur. (Picture by Royal Navy)

Technik

Antrieb und Betriebstechnik

Die Fregatten Type 23 verfügen über ein bemerkenswertes Antriebssystem, welches schon in den 80er Jahren das, sich im Kriegsschiffbau erst zwei Dekaden später langsam durchsetzende Konzept des dieselelektrischen Antriebs vorwegnahm. Die Motorenanlage ist als CODLAG-Komplex (COmbined Diesel-eLectric And Gas-turbine) ausgelegt, also einer Kombination aus Dieselgeneratoren, Elektromotoren und Gasturbinen, bei der nur die letzen beiden Antriebe direkt auf die Wellen wirken. Der für den Marschbetrieb nötige Strom wird von vier vibrationsdämpfend gelagerten 12-Zylinder Dieselgeneratoren Paxman Valenta 12 RP2000CZ erzeugt, von denen die inneren beiden voll gekapselt sind. Die Diesel, im Weiteren trotz reiner Generatorenfunktion ohne direkte Kraftwirkung auf die Wellen zur Vermeidung von Verwechslungen als Antriebsdiesel bezeichnet, befinden sich im Rumpf oberhalb der Wasserlinie, um möglichst wenig zur Geräuschsignatur beizutragen. Zwei nachgeschaltete Elektromotoren wirken auf zwei Wellen, die hierdurch sehr kurz ausgeführt werden konnten. Da Elektromotoren im Vergleich zu Dieselmotoren wesentlich besser anzusteuern sind, konnte auf die Nutzung von Verstellpropellern verzichtet werden. Zum Erreichen der Höchstgeschwindigkeit von 28 Knoten stehen zwei Gasturbinen zur Verfügung. Einheiten, die bis 1989 auf Kiel gelegt wurden, verfügen hier über zwei Rolls-Royce Spey SM 1A, während spätere Vertreter der Klasse mit verbesserten SM 1C ausgerüstet sind. Mit der Antriebsanlage lassen sich drei Betriebszustände herstellen:

 

  • Bis zu vier laufende Antriebsdiesel mit zwei nachgeschalteten E-Motoren, die Marschgeschwindigkeit in dieser Konfiguration beträgt 15 Knoten. Bei dieser Geschwindigkeit wird auch der größte Fahrbereich von 7.800 Seemeilen erreicht.
  • Bis zu vier laufende Antriebsdiesel mit zwei nachgeschalteten E-Motoren, die auf eine der beiden Wellen wirken sowie eine der beiden Gasturbinen, die auf die andere Welle wirkt. In dieser Konfiguration beträgt die erreichbare Geschwindigkeit 24 Knoten.
  • Mit beiden Gasturbinen eingekuppelt, hierdurch ist das Erreichen der Höchstgeschwindigkeit von etwa 28 bis 30 Knoten möglich.

Änderungen an der Antriebskonfiguration werden aus dem SCC (Ship Control Centre, schiffstechnischer Leitstand) heraus computergesteuert über das MCASS (Machinery Control And Surveillance System) vorgenommen.

 
Vom geschalteten Betriebszustand unabhängig sind ständig zwei Antriebsdiesel in Betrieb, die im Falle eines Ausfalls der Gasturbinen automatisch die Fahrtüchtigkeit des Schiffes erhalten. Die Energieversorgung der Fregatten übernehmen zwei GEC-Alstom E-Diesel mit einer Leistung von je 1,5 MW.

 

Dieses Antriebskonzept hat große Vorteile gegenüber einer herkömmlichen Anordnung, auch ermöglicht es die Nutzung einer völlig neuartigen Taktik in der U-Boot-Jagd. Das außerordentlich leise Antriebskonzept erlaubt es den Fregatten der Duke-Klasse, sich aufgrund der stark verringerten Geräuschsignatur einem möglichen Unterwasserziel mit verringerter Entdeckungswahrscheinlichkeit zu nähern. Gleichzeitig sind die Störeffekte der Antriebsanlage auf die eigenen Sensoren, insbesondere des passiven Schleppsonars, stark reduziert. Die Verwendung eines dieselelektrischen Antriebes ermöglicht weiterhin den Verzicht auf schwere und komplexe Reduktions- oder Umkehrgetriebe, die Antriebswellen können sehr kurz gehalten und somit die gesamte Antriebs-, Getriebe- und Wellenanlage einfacher gestaltet werden.



HMS "St. Albans" (F83) beim Einlaufen in den Heimatstützpunkt Portsmouth. Auf der Mastspitze gut zu erkennen: das Luft- und Seeraumüberwachungsradar Type 996(I), darunter auf halber Höhe das GPEOD. (Picture by Royal Navy)

Sensoren

 Radar

Die Fregatten der Duke-Klasse verfügen zur Luft- und Seeraumüberwachung sowie zur Zielverfolgung ein auf dem Hauptmast installiertes 3D-Rundsuchradar Type 996(I) von Marconi (früher Siemens-Plessey). Dieses Gerät operiert im E/F-Band und hat bei einer maximalen Sendeleistung von 80 kW eine Auffassreichweite von 85 Seemeilen. Außerdem stehen zwei Navigationsradaranlagen Type 1007 (Kelvin-Hughes, I-Band) und Type 1008 (Racal-Decca, E/F-Band) zur Verfügung.
Die Feuerleitung für das Flugabwehrraketensystem Sea Wolf wird durch zwei Feuerleitradare Type 911 (Marconi, I/Ku-Band) gewährleistet. Sie sind auf den Brückenaufbauten vor dem Hauptmast beziehungsweise auf dem Hangar installiert und verfügen jeweils über eine zusätzliche Videooptik zur Zielbeobachtung.

 

 Sonar

Bedingt durch ihre Hauptaufgabe als ASW-Einheiten verfügen die Fregatten Type 23 über zwei leistungsfähige Sonarsysteme. Unter dem Bug ist ein Such- und Angriffssonar Type 2050 von Thales Underwater Systems (früher Thomson Marconi Sonar, Ferranti) installiert. Dieses Sensorsystem kann sowohl in aktiven wie auch passiven Betriebsmodi operieren. Es wurde als Ersatz für die älteren Geräte Type 2016 entwickelt und zwischen 1986 und 1987 durch die Fregatte "Scylla" erprobt. Das zweite Sonarsystem ist das Schleppsonar Dowty Type 2031Z, welches 1983 eingeführt wurde. Dieses Gerät ist ein rein passives Niederfrequenzsonar, und besteht, vereinfacht dargestellt, aus einer Hydrophonkette, die in tiefem Wasser weit entfernt von den Geräuschquellen des Schiffes tieffrequente Schallwellen auffasst. Um den Einsatz des Schleppsonars zu ermöglichen musste der ursprüngliche Entwurf für Type 23 im Heckbereich verstärkt werden. Aufgrund des hohen Alters des Type 2031Z und der stark reduzierten Geräuschsignaturen moderner nuklearer und konventioneller U-Boote wird seit mehreren Jahren ein Nachfolgesystem entwickelt. Der Forderungskatalog für das als Type 2087 LFTASS (Low Frequency Towed Array Sonar System) bezeichnete Sonar wurde im April 1994 formuliert. Zwar wurde eine Entwicklung in internationaler Zusammenarbeit in Betracht gezogen, diese jedoch aufgrund der besonderen Forderungen der Royal Navy und der Einbaubedingungen in den Type 23 in rein nationalem Rahmen durchgeführt.
Sowohl Babcock Defence Systems als auch Thomson-Marconi Sonar beteiligten sich an der Ausschreibung, die Thomson-Marconi (inzwischen umbenannt in Thales Underwater Systems) für sich entscheiden konnte. Die Übernahme der ersten Systeme ist für 2006 vorgesehen, das Erreichen der Einsatzbereitschaft für 2007.
LFTASS nutzt wesentlich tiefere Arbeitsfrequenzen als alle derzeit bei der Royal Navy genutzten Sonarsysteme, wodurch unter anderem eine vergrößerte Ortungsreichweite erzielt wird. Insgesamt sollen 16 Sonaranlagen Type 2087 beschafft, jedoch nur zwölf auf seegehenden Einheiten installiert werden. Die übrigen vier Systeme teilen sich in eine Referenzanlage, eine Anlage für die Systemintegration sowie zwei Ausbildungsgeräte auf.
Somit ist leicht zu ersehen, dass nicht alle Fregatten der Duke-Klasse mit Type 2087 ausgerüstet werden können.
Weiterhin soll im Rahmen des Torpedoabwehrsystems SSTDS zusätzlich ein neues passives Schleppsonar Type 2070 installiert werden.

 

 Optronik

Etwa auf halber Höhe an der Vorderseite des Hauptmastes ist ein optoelektronisches Sichtsystem vom Typ BAe Sea Archer 30 (GSA 8B GPEOD, General Purpose Electro-Optical Director) installiert. Es basiert auf dem Sichtsystem des bei den britischen Landstreitkräften genutzten Flugabwehrraketensystems Rapier FSC. Ein in drei Achsen voll stabilisierter IR-Sensor ermöglicht das Auffassen von Zielen in der Größe eines Kampfflugzeuges auf Entfernungen von etwa 15 Kilometern. Ein Laser-Entfernungsmesser sowie eine monochrome TV-Kamera sind integriert. Das System eignet sich zur passiven Überwachung und Objektsuche sowie als Navigationshilfsmittel bei Nebelfahrt, wird jedoch hauptsächlich als Feuerleitsystem für das Hauptgeschütz genutzt.

EloKa

Von besonderer militärischer Bedeutung ist der Bereich der Elektronischen Kampfführung (EloKa). Darunter versteht man alle Maßnahmen, die dazu dienen, elektromagnetische Ausstrahlungen des Gegners aufzuklären und/oder durch gezielte Gegenmaßnahmen unwirksam zu machen. Ebenso werden Maßnahmen zur Minimierung eigener Ausstrahlungen untersucht, um eine geringere Störbarkeit und Aufklärbarkeit der eingesetzten Systeme zu erreichen.
Zu diesem Zweck sind die Fregatten der Duke-Klasse mit einem leistungsfähigen ESM-System ausgerüstet. Hierbei handelt es sich bei den ersten sieben Einheiten um das Thales Defence (früher Thorn EMI) UAF(1) Cutlass, die späteren Einheiten verfügen über ein UAT(1) des gleichen Herstellers. Nach und nach soll dieses auch auf den älteren Type 23 nachgerüstet werden. Für aktive Gegenmaßnahmen stehen zwei Störgeräte Outfit UAA(2) (Type 675) zur Verfügung.
Ein besonderes Subsystem stellt das Lasersystem Outfit DEC (LDS, Laser Dazzle Sight) dar, welches seit den frühen 80er-Jahren auf britischen Kriegsschiffen zum Einsatz kommt. Es soll Optiken und elektro-optische Komponenten von Flugzeugen und Flugkörpern durch Laserblendung stören.

FüWES

Die im internationalen Vergleich bemerkenswert geringe Besatzungsstärke der Fregatten Type 23 hat ihren Ursprung im hohen Automatisierungsgrad dieser Einheiten. Dies führte zwar zu einer vergleichsweise kleinen Besatzung, stellt jedoch ebenfalls hohe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des Führungsmittel- und Waffeneinsatzsystems (FüWES), im englischen Sprachgebrauch als "Combat Management System" bezeichnet. Ursprünglich war vorgesehen, die neuen Fregatten mit dem Computer Assisted Command System (CACS) auszurüsten. Da sich eine frühere Version des CACS, welche an Bord der Fregatten Type 22 (Batch 2) installiert ist, als Fehlentwicklung herausstellte, wurde die Weiterentwicklung dieses FüWES eingestellt und statt dessen die Arbeit an einem neuen System (SSCS) aufgenommen. Als Resultat dieses Planungsfehlers wurden die ersten acht Einheiten der Duke-Klasse ohne geeignetes FüWES in Dienst gestellt. Diese Einheiten sind jedoch inzwischen mit SSCS nachgerüstet worden.

 

 BAe Systems/AMS SEMA DNA(1) SSCS

Das Surface Ship Command System (SSCS) wurde von BAe Systems entwickelt und ist neben den Fregatten Type 23 auch in den südkoreanischen FK-Zerstörern vom Typ KDX installiert. SSCS ist ein dezentralisiertes FüWES, welches auf der von BAe patentierten SUCCESSOR-Technologie basiert. Die Programmiersprache ist ADA, genutzt werden handelsübliche 80486 Prozessoren von Intel sowie INMOS T800-Transputer. Die Datenübertragung zwischen den Rechnerkernen und anderen angeschlossenen Systemen wird durch ein zweifach redundantes Glasfasernetzwerk gewährleistet. Die zwölf Tageslicht-Bedienerkonsolen in der OPZ wurden besonders auf flexible und einfache Bedienbarkeit ausgelegt. Modifikationen, die die Integration des neuen Schleppsonars Type 2087 und der Täuschkörperwurfanlagen Outfit DLH/DLF in das SSCS ermöglichen, sollen parallel zur Einführung der jeweiligen Komponente durchgeführt werden. Dies schließt die Installation von OPUS2-Multifunktionskonsolen der Firma DRS für die Bediener des Type 2087 mit ein. Integriert in das SSCS sind ein Satelliten-Kommunikationssystem SCOT 1D der Firma Astrium (früher Matra-Marconi) und ein Datenlink von BAe. Weiterhin sind volle LINK11 und (als Aufwuchsfähigkeit) LINK16-Funktionalität gegeben.

 

Anfang 2003 wurde beschlossen, bis zum Jahr 2008 alle Fregatten Type 23 mit CEC-Fähigkeit auszustatten. CEC (Cooperative Engagement Capability) befähigt die Einheit dazu, am Sensordatenverbund eines Verbandes aus See- und Luftstreitkräften sowie Landstellen teilzunehmen. Somit werden alle Einheiten mit einem gemeinsamen Luftlagebild versorgt, die Bekämpfung von Luftzielen basierend auf Fremddaten wird so ebenfalls ermöglicht.



HMS "Iron Duke" (F234) beim Abschuss eines Seezielflugkörpers Typ Harpoon. Man beachte die Flagge Bravo an Backbordseite. (Picture by Royal Navy)

Bewaffnung und Eigenschutz

Die Fregatten Type 23 sind im Vergleich zu ausländischen Schiffen gleicher Größenordnung sehr gut bewaffnet. Die meisten Waffensysteme sind an den Extrempunkten Bug und Heck konzentriert, nur die leichten Nahbereichsgeschütze sind ungefähr mittschiffs angeordnet.

 

 GWS60 (RGM-84) Harpoon

Zur Bekämpfung von Seezielen verfügen die Fregatten Type 23 über acht Seezielflugkörper RGM-84 Harpoon Block 1C, die in zwei Vierfach-Startbehältern vor der Brücke installiert sind. Dieses 1977 eingeführte Waffensystem ist ein unterschallschneller "sea skimmer", der seine Ziele im Tiefstflug angreift. Der Flugkörper ist 4,6 Meter lang, hat einen Durchmesser von 34,3 Zentimetern und wiegt 620 Kilogramm. Ein Feststoffraketenmotor von Teledyne beschleunigt die Waffe auf Mach 0,85 und ermöglicht eine Reichweite von 80 Seemeilen. Der HE-Gefechtskopf wiegt 224 Kilogramm, die Lenkung erfolgt über einen halbaktiven Radarzielsuchkopf.

 

 GWS26 Mod.I Sea Wolf

Im Falkland-Krieg wurde der Royal Navy die Bedeutung von Nahbereichs-Waffensystemen zur Bekämpfung anfliegender Seezielflugkörper schmerzhaft vor Augen geführt. Das Flugabwehrraketensystem Sea Wolf hat sich in diesem Konflikt jedoch gut bewährt und seine Leistungsfähigkeit auch im scharfen Schuss unter Beweis gestellt. Die Version GWS26 stellt die vertikal gestartete Version des ursprünglichen 6fach-Werfers GWS25 dar, welcher unter anderem auf den Fregatten Type 22 zu finden ist. Ein VLS mit 32 Zellen befindet sich auf der Back zwischen Hauptgeschützturm und den Harpoon-Startgestellen. Der Block 1-Flugkörper selbst ist 1,9 Meter lang, hat einen Durchmesser von 18 Zentimetern und wiegt 82 Kilogramm. Durch einen Feststoffraketenantrieb erreicht der FK eine Spitzengeschwindigkeit von Mach 2,5 bei einer Reichweite von über fünf Seemeilen.
MBDA (früher Alenia Marconi Systems) wurde mit der Durchführung eines Mid-Life-Update für das FK-System Sea Wolf beauftragt. Die Erprobungen des neuen Block 2-Flugkörpers begannen im Oktober 2003, die Einführung ist für 2005 vorgesehen. Die Verbesserungen umfassen eine Modernisierung der Feuerleitradare Type 911, neue Stellantriebe für die Steuerflächen und damit verbesserte Agilität und Reichweite sowie ein neuer kombinierter IR/RF-Suchkopf.

 

 Vickers Mk.VIII-Mod 0 (114mm L/55)

Der Falkland-Konflikt zeigte auf, wie wichtig die Unterstützung von Bodentruppen durch Schiffsartillerie sein kann. Das auf vielen NATO-Fregatten installierte 76 mm-Geschütz von OTO Melara erschien den Planern der Royal Navy für diesen Zweck jedoch als zu schwach. Aus diesem Grund entschied man sich, das bewährte 4,5"-Geschütz von Vickers beizubehalten. Damit verzichtete man bewusst auf die Einführung des NATO-Standardkalibers 127 mm (5"), welche unter anderem zu logistischen Problemen bei der Versorgung der Überwasserkampfschiffe mit unterschiedlicher Munition geführt hätte. Im Falle der Duke-Klasse wäre die Einrüstung eines größeren Geschützes aus Platz- und Gewichtsgründen jedoch auch kaum möglich gewesen. Die Waffe des traditionsreichen Vickers-Konzerns wurde 1972 eingeführt und ist ausschließlich auf britischen Zerstörern und Fregatten zu finden. Das Geschütz hat ein Gewicht von 25,7 Tonnen und verschießt 21 Kilogramm schwere Geschosse bis zu einer maximalen Kampfentfernung von 23 Kilometern. Die Kadenz beträgt 25 Schuss pro Minute, die Mündungsgeschwindigkeit 850 Meter pro Sekunde. Das Waffensystem ist grundsätzlich zur Bekämpfung von Luftzielen fähig, wird hierbei jedoch von seinem Höhenrichtbereich von maximal 53° eingeschränkt.
Seit dem Jahr 2001 werden die Fregatten Type 23 mit der Version Mk.VIII-Mod 1 ausgerüstet, welche für den Verschuss neuer reichweitengesteigerter Munition (High Explosive Extended Range, HE-ER) geeignet ist. Gleichzeitig wurde der Geschützturm zum Zwecke der Signaturreduzierung neu gestaltet. Insgesamt wird die Royal Navy 25 dieser Geschütze erhalten.

 

 DES/MSI DE 30S Oerlikon 30 mm

Den Fregatten der Duke-Klasse stehen zur Bekämpfung von See-, Land- und Luftzielen im Nahbereich zwei 30 mm Schnellfeuerkanonen Oerlikon/DES/MSI DE 30S zur Verfügung. Diese Waffen sind beidseitig etwa mittschiffs aufgestellt und werden manuell gerichtet und abgefeuert. Sie haben eine Reichweite von etwa zehn Kilometern gegen Seeziele und drei Kilometern gegen Luftziele. Die Feuergeschwindigkeit beträgt 650 Schuss pro Minute, das gesamte Geschütz wiegt feuerbereit 1,2 Tonnen.

 

 ASW-Torpedos

Als Waffensystem zur Bekämpfung von Unterwasserzielen stehen insgesamt vier Torpedorohre Kaliber 324 mm zur Verfügung. Sie sind in Zweiergruppen fest im vorderen Teil des Hangars installiert und können aus einem automatischen Magazin (MTLS, Magazine Torpedo Launch System) innerhalb von neun Minuten nachgeladen werden. Verschossen wird der leichte ASW-Torpedo Stingray von BAe Systems, der auch vom Bordhubschrauber eingesetzt wird. Stingray wiegt 267 Kilogramm bei einer Gesamtlänge von 2,5 Metern. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 45 Knoten, die Reichweite knapp 4,5 Seemeilen. Ein Einsatz gegen Überwasserziele ist nicht möglich, als reiner ASW-Torpedo erreicht die Waffe eine maximale Bekämpfungstiefe von 750 Metern.
Im Februar 2003 wurde BAe Systems mit der Entwicklung des Mod.1-Standards beauftragt. Die Verbesserungen umfassen eine vollständige Digitalisierung von Suchkopf, Lenk- und Kontrollsystemen, der Stingray Mod.1 ist für eine Einführung im Jahr 2006 vorgesehen.

 

 Täuschkörperwurfanlage Sea Gnat (Outfit DLB)

Die Täuschkörperwurfanlage Sea Gnat von GEC-Marconi verschießt Mehrzwecktäuschmittel Kaliber 130/102 mm aus sechs Abschussrohren. Vier dieser Systeme sind beidseits der Brücke installiert. Die Täuschkörper sind wirksam sowohl gegen infrarot- als auch radargelenkte Waffen, und erzeugen weiterhin einen konventionellen Nebelschirm. Seit Januar 2004 werden die TKWA Sea Gnat durch BAe Systems auf den Stand Outfit DLH/DLJ modernisiert. Diese Maßnahme ist notwendig, um neu entwickelte aktive Täuschkörper (DLH: Type 251 Siren) verschießen zu können.

 

 Täuschkörperausstoßanlage Outfit DLF(3)

Seit dem Jahr 2002 wurden neben den Zerstörern Type 42 und den Fregatten Type 22 auch die Fregatten der Duke-Klasse mit einem neuartigen Täuschkörpersystem der Firma Irvin-GQ ausgestattet. Die Ausstoßanlage DLF(3) besteht aus beidseitig jeweils zwei röhrenartigen Behältern, die unterhalb der Nocken installiert sind. Der dazugehörige Täuschkörper bläst sich nach dem Ausstoß selbsttätig auf und verbleibt schwimmend auf der Wasseroberfläche. Durch die besondere Formgebung - der aktivierte Täuschkörper ist ein kugelartiges Gebilde, der in der Art eines Fußballes aus zahlreichen dreieckigen Flächen zusammengesetzt ist - wird eine Radarrückstrahlfläche von bis zu 500.000 m² erreicht. Auf diesem Wege können sowohl Such- als auch Zielsuchradare effektiv getäuscht werden.

 

 Schleppköder Type 128

Zur Abwehr von anlaufenden Torpedos steht den Fregatten Type 23 ein Schleppköder Type 128 von Graesby zur Verfügung. Dieses System ähnelt dem amerikanischen AN/SLQ-25 "Nixie", und besteht vereinfacht aus einem Schallwandler, der an einem langen Kabel nachgeschleppt wird. Ist Type 128 aktiviert, erzeugt der Köder ein Scheinziel, um die Zielauffassung des Torpedosuchkopfes zu stören oder zu unterbrechen und somit die anlaufende Waffe vom Schiff abzulenken. In naher Zukunft soll Type 128 durch das wesentlich modernere SSTDS ersetzt werden.

 

 Torpedoabwehrsystem SSTDS

Das vollautomatisierte aktive Torpedoabwehrsystem SSTDS (Surface Ship Torpedo Defence System, Torpedoabwehrsystem für Überwasserschiffe) soll anlaufende Torpedos erfassen, klassifizieren, die Bedrohung bewerten und geeignete Gegenmaßnahmen einleiten. Die Ortung erfolgt über das passive Schleppsonar Type 2170 der Firma Sonar Frequencies Laboratories. Eine erste Einsatzbereitschaft (IOC, Initial Operating Capability) in einer begrenzten Ausbaustufe war für Dezember 2004 vorgesehen, die volle Kapazität (FOC, Full Operating Capability) für Juni 2007.
Die bisherige Planung sieht vor, zunächst nur 16 Systeme zu beschaffen, und diese im Rahmen des "capability rotation"-Prinzips bei entsprechender Bedarfslage auf den jeweiligen Einheiten der Royal Navy bzw. Royal Fleet Auxiliary zu installieren.



Maschinenkanone Typ DE 30S, Kaliber 30 mm, auf der Back eines britischen Minenjagdbootes der "Sandown"-Klasse. Die Fregatten Type 23 sind ebenfalls mit zwei dieser Waffensysteme ausgerüstet. (Picture by Royal Navy)

Bordhubschrauber

Ein weiteres wichtiges System zur Erfüllung der Hauptaufgabe U-Boot-Jagd ist der Bordhubschrauber. Fast jedes moderne Kriegsschiff mit dieser Aufgabe führt mindestens einen Helikopter mit, der sowohl als Sensor- als auch als Waffenträger fungiert.
Die Fregatten der Duke-Klasse sind hierfür mit Landedeck und Festhangar für Hubschrauber der 15 Tonnen-Klasse ausgerüstet. Waren dies in den ersten Jahren zumeist Maschinen vom Typ Sea Lynx, werden diese mit dem Zulauf der neuen U-Boot-Jagdhubschrauber EH101 Merlin schrittweise ersetzt. Budgetkürzungen und damit eine zahlenmäßige Reduzierung der neuen Hubschrauber könnten jedoch dazu führen, dass auch der Sea Lynx in einer modernisierten Version weiter zum üblichen Bild gehören könnte. Unterbringung und Einsatz von Maschinen des Typs Sea King sind ebenfalls möglich.

 

 Westland Sea Lynx HAS Mk.8

Der auch von der Deutschen Marine genutzte Sea Lynx ist ein U-Boot-Jagdhubschrauber der 5 Tonnen-Klasse. Die 1972 in der Marineversion zum ersten Mal geflogene Maschine wurde im Laufe der 90er-Jahre umfangreich auf den Stand HAS Mk.8 modernisiert, ist aber inzwischen teilweise durch das Nachfolgemuster EH101 Merlin ersetzt.
Der Sea Lynx Mk.8 wird von zwei Turbinen Rolls-Royce GEM BS 360-07-26 zu je 900 Wellen-PS angetrieben und erreicht Höchstgeschwindigkeiten um 180 Knoten. Das maximale Abfluggewicht beträgt 4,4 Tonnen, die Besatzung besteht aus drei Mann.
Die Bewaffnung besteht aus bis zu zwei Torpedos vom Typ Stingray oder bis zu vier Seezielflugkörper Sea Skua. Die Installation eines 12,7 mm-Maschinengewehrs Typ FN M3M in der Kabine ist ebenfalls möglich, wodurch beispielsweise Boardingeinsätze aus der Luft abgesichert werden können. Das Sensorenpaket setzt sich aus Rundsuchradar, FLIR sowie einem Tauchsonar zusammen, wobei aufgrund geringer Nutzlast des Sea Lynx FLIR und Tauchsonar nicht gleichzeitig mitgeführt werden können.
Bei der Version Mk.8 DSP handelt es sich um eine weitere, modernisierte Ausführung des Sea Lynx mit verbesserten operativen Fähigkeiten durch weitgehend digitalisierte Signalverarbeitung (DSP, Digital Signal Processing), ein GPS sowie ein verbessertes Passive Identification Device (PID).

 

 EH Industries EH101 (HM Mk.1) Merlin

Als Nachfolger für den schweren U-Boot-Jagdhubschrauber Sea King HAS Mk.6 wird von der Royal Navy seit Ende 1998 der von EH Industries entwickelte Merlin HM Mk.1 beschafft.
Dieser Hubschrauber der 15 Tonnen-Klasse ersetzt jedoch auch den Sea Lynx auf den Fregatten Type 22 und 23, die damit eine deutlich leistungsfähigere Helo-Komponente erhalten. Der Merlin wird von drei Gasturbinen Rolls-Royce Turbomeca RTM 322 02/8 (je 2.200 Wellen-PS) angetrieben und erzielt eine Höchstgeschwindigkeit von 167 Knoten bei einem maximalen Abfluggewicht von 14,6 Tonnen. Gegenüber dem Sea Lynx konnte die typische Einsatzdauer des Merlin auf etwa 4,5 Stunden verdoppelt werden. Die Sensorik umfasst unter anderem ein Rundsuchradar BAe Blue Kestrel und ein Tauchsonar FLASH von Thales Underwater Systems, ein taktisches FLIR ist in der Version Mk.1 nicht vorhanden und soll später nachgerüstet werden. Die Bewaffnung der Version Mk.1 ist auf das Mitführen von bis zu vier Torpedos vom Typ Stingray oder vier Wasserbomben Mk.11 beschränkt, Seezielflugkörper als Bewaffnungsoption sind ebenfalls für spätere Ausführungen vorgesehen.



Bordhubschrauber vom Typ Sea Lynx HAS Mk.8 von HMS "St.Albans" auf dem Flugdeck der Fregatte. (Picture by Royal Navy)

Besatzung

Im Gegensatz zu den bis zu 320 Mann Besatzung auf den älteren Fregatten Type 22 bestehen die Crews auf den Schiffen der Duke-Klasse aus nur noch 185 Mann. Diese setzen sich aus 17 Offizieren, 57 Unteroffizieren (einschließlich PUO) und 111 Mannschaftsdienstgraden zusammen. Die gesamte Besatzung ist in sechs so genannte Departments eingeteilt, die jeweils einem Tätigkeitsfeld zugeordnet sind. Sie entsprechen grob den auf deutschen Einheiten üblichen Hauptabschnitten. Ausnahme ist der Kommandant der Einheit, der keinem Department angehört.

 

 Executive Department

Dieses ist der kleinste Abschnitt an Bord, er besteht aus nur sieben Soldaten. Zum Executive Department gehören der Executive Officer (XO, Erster Offizier), der Master at Arms (Disziplinaroffizier und Flugdeckeinweiser), ein Chief Bosun's Mate in der Funktion als Decksoffizier mit zwei Seamanship Specialists (Decksbootsleute), der Physical Training Instructor (Sportoffizier) sowie der Ship's Medical Assistant (Bordarzt).

 

 Operations bzw. Warfare Department

Das Operations Department, auch mit dem älteren Begriff Warfare Department bezeichnet, ist das zahlenmäßig größte Department und ist in fünf Unterabschnitte unterteilt (Missile, Sonar, Radar, Electronic Warfare sowie Communications).
Die Missile Division stellt die Bediener für die Flugkörpersysteme Sea Wolf und Harpoon sowie - etwas anachronistisch - auch für das 4,5 Zoll-Hauptgeschütz.
Die vier anderen Unterabschnitte sind mit der Bedienung ihrer jeweiligen Systeme betraut - die Sonar Division für die Sonargeräte Type 1050, 2031Z/2087 und die Radar Division für die Radaranlagen Type 996, 1007, 1008 und 911. Die Electronic Warfare Division schließlich ist für die elektronische Kampfführung (EloKa) zuständig, die Communications Division für sämtliche schiffseigenen Kommunikationsmittel.
Primäre Aufgabe des Operations Department im Gefecht ist die Erstellung der Überwasser-, Unterwasser- und Luftlage sowie deren Darstellung und damit die direkte Unterstützung des Executive Department und des Kommandanten. Geleitet wird das Operations Department durch den Principal Warfare Officer (PWO, Schiffseinsatzoffizier).

 

 Flight Department

Das Flight Department übernimmt die Wartung und den Betrieb des eingeschifften Bordhubschraubers. Je nach eingesetztem Typ (Sea King, Sea Lynx oder Merlin) ändert sich die personelle Zusammensetzung - ein oder zwei Piloten, ein bis zwei Operatoren, eine Wartungsgruppe von sieben Soldaten unter dem Befehl des Senior Maintenance Rating sowie ein Aircraft Controller.

 

 Marine Engineering Department

Für den Betrieb, die Instandhaltung und Reparatur aller schiffstechnischen Anlagen, die nicht direkt zu den Sensoren oder Effektoren gehören, ist das Marine Engineering Department verantwortlich. Dies schließt unter anderem die Antriebsanlagen, sämtliche Formen von Rohr- und Kabelleitungen sowie auch die Umkehrosmoseeinheiten zur Erzeugung von Frischwasser mit ein.

 

 Weapon Engineering Department

Das Weapon Engineering Department wartet die Sensoren, Effektoren und Kommunikationsmittel des Schiffes, und setzt diese bei Bedarf auch wieder instand. Unterstützt wird das Department durch eine Reihe von teilweise automatisierten Diagnosesystemen, die das Auffinden von Fehlern stark vereinfachen.

 

 Supply and Secretariat Department

Logistik, Versorgung sowie administrative Dienste an Bord werden durch das Supply and Secretariat Department geleistet. Stores Accountants betreuen sechs große Material- und Versorgungslasten, welche ungefähr 18.000 unterschiedliche Einzelteile im Wert von deutlich über einer Million Pfund beinhalten. Die Verwaltung dieser Lasten wird durch ein Computersystem erleichtert.
Ebenfalls computerunterstützt bereiten die "Chefs" unter dem Befehl eines Petty Officer Caterer die Mahlzeiten für die Besatzung zu. Von der einzelnen Kombüse aus werden diese in zwei große Messen sowie die Offiziermesse verbracht.
In letzterer sorgen Stewards für einen reibungslosen Ablauf, welche ebenfalls auch formelle und zeremonielle Aufgaben übernehmen.
Im Ship's Office, der Schreibstube an Bord, verwalten Writers (Stabsdienstsoldaten) neben Sold und Bordkasse auch Personalakten und den täglich anfallenden Schriftverkehr. Auch sie verfügen hierfür über eine weitgehend rechnerunterstützte Infrastruktur.
An Bord arbeiten im Friedensbetrieb außerdem zwei Zivilisten, der NAAFI Manager und der Laundry Manager. Die NAAFI (Navy, Army and Air Force Institutes) ist seit ihrer Gründung im Jahr 1921 zuständig für die Versorgung der Stützpunkte und schwimmenden Einheiten der britischen Streitkräfte mit Nahrungsmitteln und sonstigem Verbrauchsgut. Dementsprechend ist der betreffende Mitarbeiter an Bord für den Betrieb der Bordkantine und Erholungseinrichtungen verantwortlich.
Der Laundry Manager schließlich leitet die bordeigene Wäscherei, die unter anderem einen kostenpflichtigen Sofort-Reinigungsdienst anbietet. 



Seefahrerromantik mit HMS "St. Albans" (F83) als Motiv. (Picture by Royal Navy)

Schiffsklasse: Duke-Klasse
Typ: ASW-Fregatte
Hersteller: Yarrow, Scotstoun (10 Einheiten)
BAe Systems, Scotstoun (2 Einheiten)
Swan Hunter, Wallsend (4 Einheiten)
Indienststellung: 1990 - 2002
Länge: 133 m
Breite: 16,3 m
Tiefgang: 5,5 m
Verdrängung: 3.500/4.200 ts
Antrieb: CODLAG
2 Gasturbinen Rolls Royce Spey SM 1A/1C
4 Diesel Paxman Valenta 12 RP2000CZ
Antriebsleistung: GTu: 2x 15.550 PS (gesamt 23,2 MW)
Diesel: 4x 2.025 PS (gesamt 6 MW)
Antriebswellen: 2, wirkend auf je einen fünfblättrigen Festpropeller
E-Anlage: 2 E-Diesel GEC-Alstom (2x 1.500 kW)
Höchstgeschwindigkeit: 28 - 30 Knoten
Fahrbereich: 8.000 sm bei 15 kn
Flugkörperbewaffnung: 8x Seezielflugkörper Harpoon
32x Flugabwehrraketen Sea Wolf (VLS)
Rohrwaffen: 1x 114 mm Vickers Mark VIII
2x 30 mm DES/MSI DE 30S
Torpedos: 4x Torpedorohre 324 mm (Stingray)
Bordhubschrauber: 1x Westland Sea Lynx HAS.3 oder 1x EH101 Merlin HAS.1
Täuschkörper: 4x Sea Gnat
4x DLF(3)
Besatzung: 185 Mann
Einheiten in der Klasse: 16
Baukosten: £100 Millionen pro Einheit (1983)
£170 Millionen pro Einheit (2003)
Jährliche Betriebskosten: £16 Millionen pro Einheit (1997)

HMS "Somerset" (F82) in enger Verbandsfahrt mit einem norwegischen Schnellboot der "Hauk"-Klasse und einem deutschen Schnellboot Klasse 148. Achteraus eine weitere Einheit. (Picture by Royal Navy)



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Text by Praetorian. Letztes Update:  2. March 2009