Bergepanther (Sd.Kfz. 179)



Die 40 t Seilwinde und der Stützsporn ermöglichten es dem Bergepanther auch schwere Panzer wie Tiger und Panther abzuschleppen.

Schon beim Aufstellen der ersten Tiger- und Pantherabteilungen wurde das Fehlen eines schweren Abschleppfahrzeuges offensichtlich. Vor allem die sich verändernde militärische Lage macht ab 1943 durch immer häufigere Rückzüge ein solches Fahrzeug dringend notwendig. Die Zgkw. 18 t (Sd.Kfz. 9), die zum Bergen der Panzer III und IV ausreichten, konnten die beiden schweren deutschen Panzer nur im Zweier- oder Dreierzug abschleppen. Und auch die anfangs von der Truppe selbst umgerüsteten Bergetiger waren nicht zufriedenstellend. Bei diesen Fahrzeugen wurde die Kanone demontiert und stattdessen schweißte man auf das Turmdach vorne eine Halterung für einen leichten Kranausleger. Am Heck des Turms war zudem eine Seilwinde angebracht. Doch der Tiger wurde dringend als Kampfpanzer benötigt und man entschied sich letztendlich auf Basis des Pantherfahrgestells einen schweren Bergepanzer zu fertigen. Dementsprechend erteilte das Heereswaffenamt im Juni 1943 MAN den Auftrag zehn Bergepanzer ohne Winde auf dem Pantherfahrgestell herzustellen. Henschel sollte 70 weitere Bergepanther bauen.
Das Fahrgestell das Panthers wurde für den Bergepanther fast unverändert übernommen. Anstatt des Turmes sollte in den Kampfraum in der Wannenmitte ein Seilwinde, die eine Zugkraft von 40 Tonnen auf 150 m haben sollte, eingebaut werden. Eine solche Winde war im normalen Hebezeugbau aber nicht zu finden, doch MAN selbst hatte bereits 1940 eine solche Winde für ein Spezial-Pionierfahrzeug konstruiert. Dieses 8-Rad Amphibienfahrzeug sollte als schweres Pioniergerät in der Lage sein mit der Seilwinde Straßensperren zu räumen oder mit einem speziellen Pflug Gräben zu ziehen oder Straßen zu zerstören. Vier dieser Fahrzeuge wurden auf Basis des mittelschweren geländegängigen Wehrmachts-Lastkraftwagen gebaut und erprobt. Die Funktion der Seilwinde unterschied sich von der herkömmlicher Winden. Mit Hilfe von acht auf zwei Wellen lagernden Treibscheiben wurde die Zugkraft mittels Haftreibung aufgebracht. Hinter der zweiten Treibscheibe war dann eine Seilwickelvorrichtung und die Seilspeichertrommel angebracht. Für den Einbau in den Bergepanther konnte die Winde fast unverändert übernommen werden. Der Antrieb der Treibscheiben erfolgte durch den Fahrzeugmotor über ein separates Getriebe und eine Gelenkwelle. Die Winde wurde wie geplant in der Wannemitte montiert und war nach außen von einem pritschenartigen Aufbau eingefasst. Allerdings kamen für den Bau der hochbelasteten Maschinenelemente der Seilwinde nur wenige spezialisierte Hersteller in Frage. Da diese aber meist durch die laufende Rüstungsproduktion schon ausgelastet waren, konnten nie genügend Winden hergestellt werden, so dass einige Bergepanther ohne Seilwinde ausgeliefert wurden. Produziert wurden die Winden dann von der Firma Raupach in Görlitz, die später die Fertigung in ein neues Werk im Sudetenland verlegte.
Am Heck des Bergepanthers war ein stabiler Abstützsporn angebracht, der zum Bergen von im Gelände liegengebliebenen Fahrzeugen diente. Denn die Bergung war hauptsächlich davon abhängig, ob man einen Befestigungspunkt für das Bergungsfahrzeug hatte, der mehr Halt bot, als das im Schlamm steckende Schadfahrzeug. Sollte ein liegengebliebenes Fahrzeug geborgen werden, hakte man das Abschleppseil an und der Bergepanther fuhr die ganze Seillänge von 150 m aus. Danach wurde der Stützsporn im Boden versenkt und das Schadfahrzeug mittels Seilwinde herangezogen. Dann fuhr man das Schleppseil ein weiteres mal aus, um den Schadpanzer wieder heranzuziehen. Dies wurde so oft wiederholt, bis man von der größten Gefahrenzone entfernt war. Um eine Überbeanspruchung der Seilwinde zu Verhindern, war im Inneren des Bergepanthers ein Zugkraftmesser angebracht.
Die Erprobung 1944 bei der Kraftfahrversuchsstelle in Kummersdorf zeigte, dass ein Kran zum Ausbau von defekten Aggregaten an Schadfahrzeugen fehlte. Einige Bergepanther wurden daraufhin mit einem 2 t Kran ausgerüstet, der einen 120° Schwenkbereich hatte. Für die Bergung in schwierigem Gelände entwickelte man auch einen Erdanker, da der Stützsporn hier nicht immer ausreichte. Die Entwicklung wurde aber eingestellt und man konzentrierte sich auf die Entwicklung von Klauen, mit denen die Gleiskette verankert werden konnte. Am Bug wurden zudem zwei quadratische Stahlplatten angeschweißt, an die ein mitgeführter Holzbalken zum verschieben von Schadpanzern angesetzt werden konnte.
Da man erwartete, dass der Bergepanther nicht nur zur Bergungszwecken eingesetzt würde, sondern auch als Geräte- und Munitionsträger Verwendung finden würde, entwickelte man neben dem 2 t Kran noch weitere Sonderwerkzeuge, wie beispielsweise Spanner zur Kettenmontage oder Heber zum Laufrollenwechsel. Gerade die Bergepanther ohne Seilwinde wurden so als nützliches Unterstützungsfahrzeug eingesetzt. Als Defensivbewaffnung wurde am Bug des Bergepanthers eine Halterung für eine Lafette, die eine 2 cm KwK 38 aufnehmen konnte, angeschweißt. Die Waffe war durch ein Panzerschild geschützt. Während Fahrer und Funker beim Kampfpanzer Panther zwei getrennte Einstiegsluken hatten, kam beim Bergepanther eine große Luke zum Einsatz, die auch die Bedienung der 2 cm Kanone verbesserte. Auch war der Kraftstoffvorrat des Bergepanthers auf 1.075 Liter erhöht worden. Die anfängliche Ausführung A, die auf dem Panther Ausf. A beruhte, wurde 1944 durch die Ausführung G auf Basis des Panthers Ausf. G abgelöst. Als Demag die Fertigung übernahm konnten nun auch höhere Stückzahlen gefertigt werden. Bis Kriegsende wurden 297 Bergepanther gebaut, von denen 46 kein Seilwinde erhielten. Des weiteren funktionierte die Truppe einige Panther durch Entfernen des Turmes zu Munitionstransportern und Zugmaschinen um. Der Bergepanther leistete wertvolle Dienste in den schweren Panzerabteilungen, doch gab es leider immer zu wenige. Mit dem geländegängigen Pantherfahrgestell und der Kombination aus Abstützsporn und Seilwinde, kann er als der beste Bergepanzer des Krieges betrachtet werden.




Bezeichnung des Fahrzeugs: Panzerbergewagen (Bergepanther) (Sd.Kfz. 179)
Typ: VK.3002 (MAN)
Hersteller: MAN, Henschel, Demag
Baujahr: 1943-45
Motor: Maybach "HL 230 P30"
Zylinderzahl, Anordnung: 12, V Form 60°
Hubraum (ccm): 23.095
Drehzahl, normal/maximal (U/min): 2.500/3.000
Höchstleistung (PS): 600/700
Leistungsgewicht (PS/t): 14/16,3
Höchstgeschwindigkeit (km/h): Straße 55/Gelände 45,7
Dauergeschwindigkeit (km/h): Straße 33/Gelände 25
Getriebe: ZF "AK 7-200"
Anzahl der Gänge V/R: 7/1
Federung: Drehstäbe, quer in Doppelanordnung
Länge über alles (mm) : 8.860
Breite über alles (mm): 3.270, mit Schürzen 3.420
Höhe über alles (mm): 2.700
Bodenfreiheit (mm): 560
Spurweite (mm): 2.610
Kettenbreite (mm): 660
Anzahl der Glieder pro Kette: 86
Gefechtsgewicht (t): 43
Bodendruck (kg/cm²): 0,83
Kraftstoffvorrat (l): 1.075
Kraftstoffverbrauch (l/100km): Straße 280/Gelände 700
Fahrbereich (km): Straße 320/Gelände 160
Steigfähigkeit: 35°
Kletterfähigkeit (mm): 900
Grabenüberschreitfähigkeit (mm): 1900
Watfähigkeit (mm): 1.700
Besatzung: 3
Hauptbewaffnung: 1 2 cm KwK 38
Sekundärbewaffnung: 1 7,92 mm MG 34
Stückzahl: 297

Panzerung: Dicke: Neigung: Durchgangsstrecke:
Fahrerfront: 80 mm 35° 140 mm
Bug: 60 mm 35° 105 mm
Seite, oben: 40 mm (G 50) 50° (G 60°) 52 mm (G 58)
Seite, unten 40 mm 90° 40 mm
Heck 40 mm 60° 46 mm
Decke 15 mm  
Boden vorn 26 mm
hinten 17 mm
 


 

Text by uncleK. Letztes Update:  7. September 2007