Elefant

Panzerjäger Tiger (P) (Sd.Kfz. 184)


Dieser Elefant besitzt noch nicht das Bug MG und die Kommandantenkuppel, so dass es sich vermutlich um ein Foto handelt, dass während oder kurz nach der Operation Zitadelle gemacht wurde. Eine provisorische Geschützblende wurde aber bereits angebracht.

Der Panzerjäger Tiger war im Prinzip nur ein Lückenfüller. Aufgrund des schnellen Bedarfs an einem schweren Kampfpanzer hatte Hitler schon während der Entwicklung der konkurrierenden Fahrzeuge von Porsche und Henschel die Serienfertigung beider Modelle angeordnet. Anfangs wurde von ihm und der Führung des Heereswaffenamtes klar der Porsche Tiger favorisiert. Zum einen stellte er bezüglich des benzin-elektrischen Antriebs und der von Porsche entwickelten längs eingebauten Drehstabfederung ein sehr innovatives Fahrzeug dar und zum anderen hatte Professor Porsche bei besagten Personen die besseren Sympathien. Aber die ersten Versuche zeigten eine Überlegenheit des Henschel Tigers, vor allem im Gelände. Bei Vergleichsfahrten am 27.7.1942 erfüllte der Henschel Tiger sämtliche Forderungen und bereits einen Monat später am 29.8 hatte der Tiger (H) seinen ersten Einsatz. Porsche dagegen hatte noch mal drei Monate Zeit für Verbesserungen bekommen. Doch es gab vom Anfang an einige Probleme die gewünschten Forderungen einzuhalten. So fasste der Hauptkraftstofftank des Porsche Tigers nur 520 Liter, die für einen Fahrbereich von gerade einmal 50 km ausreichten. Hitler, der die Fahrzeuge anfangs vor allem in Afrika einsetzen wollte, verlangte aber mindestens 150 km. Die im Oktober 1942 von Reichsminister Speer einberufene Tiger-Kommission testete dann die Porsche und Henschel Tiger vom 26. bis zum 31.10.1942 ausgiebig auf den Truppenübungsplätzen in Eisenach und Berka. Aber das Resultat war wieder das gleiche wie bei den vorherigen Tests, nur diesmal war es endgültig: Der Tiger der Firma Henschel war der Porsche-Entwicklung eindeutig überlegen und nur er sollte in Serie weitergebaut werden.
In den Nibelungenwerken in St. Valentin waren bis zu diesem Zeitpunkt aber schon über 90 Fahrgestelle des Porsche Tigers gebaut worden. Hitler hatte jedoch bereits im September den Umbau einer Anzahl von Porsche Fahrgestellen zu Sturmgeschützen angeordnet und in der Vorahnung, dass sich die Tigerkommission gegen den Entwurf Porsches als schweren Kampfpanzer entscheiden würde, beauftragte das HWA am 26.9.1942 Alkett mit dem Entwurf eines solchen Fahrzeugs. Trotz immer noch bestehender Mängel bekräftigte Hitler seine Forderung im Februar 1943 und verlangte den Bau von 90 Panzerjägern auf dem Fahrgestell des Porsche Tigers, die eine 200 mm Frontpanzerung und die "lange 8,8 cm Kanone" haben sollten.
Für den Panzerjäger Tiger (P) wurde das Laufwerk des Porsche Tigers nahezu unverändert übernommen. Es bestand aus sechs mittelgroßen Laufrollen, die jeweils paarweise auf die schon erwähnte längs eingebaute Drehstabfederung aufgehängt waren. Das Leitrad war, was ungewöhnlich ist, ebenfalls mit einem Zahnkranz versehen, so dass man auf den ersten Blick nicht sofort sagen konnte, ob das Fahrzeug nun vorn oder hinten angetrieben wurde. Im Gegensatz zu fast allen anderen deutschen Panzerfahrzeugen hatte der Tiger (P) jedoch ein hinten liegendes Antriebsrad. Die Wanne des Porsche Tigers erhielt für den Umbau zum Jagdpanzer einige Änderungen, die vor allem auf die geänderte Motorlage zurückzuführen waren. Denn da der feste Aufbau mit der 8,8 cm Pak 43/2 L/71 am Heck des Fahrzeugs liegen sollte, musste der Motor in die Mitte des Fahrzeugs verlegt werden. Da der ursprünglich für den Porsche-Tiger vorgesehene Motor nicht verfügbar war, wurden zwei Maybach HL 120 eingebaut. Der kombinierte benzin-elektrische Antrieb blieb allerdings erhalten. So wirkten die beiden Maybach Motoren über Keilriemen auf zwei Strom erzeugende Generatoren, die dann die von Siemens-Schuckert gelieferten Elektromotoren im Heck unter dem Aufbau antrieben. Die beiden quer eingebauten E-Motoren wirkten jeweils direkt auf eines der beiden Antriebsräder, so dass die Lenkung durch die Änderung der Wirkleistung einer der beiden Motoren erfolgte.
Hatte der Tiger (P) schon ein Gewicht von 57 t, so stieg das des Panzerjägers Tiger (P) auf 65 t an, was hauptsächlich an der starken Panzerung des Fahrzeugs lag. Die ursprüngliche Wanne hatte eine Panzerung von 100 mm vorne und je 80 mm hinten und an der Seite. Nun wurde die Panzerung vorne durch das Aufschrauben einer zusätzlichen Platte auf 200 mm verstärkt. Der starre Aufbau dagegen erhielt von vornherein eine Frontpanzerung von 200 mm, während das Heck und die Seite ebenfalls aus 80 mm dicken Stahlplatten bestanden. Dieser Gewichtszunahme stand allerdings auch noch eine Verringerung der Leistung gegenüber. Hatte Porsche für seinen Panzerkampfwagen Tiger (P) bei einem Gefechtsgewicht von 57 t zwei eigens entwickelte Motoren mit je 320 PS vorgesehen, so hatte der HL 120 nur 265 PS. Die 640 PS des ursprünglich geplanten Fahrzeugs schrumpften also auf 530 PS zusammen. Im Gegenzug war nun aber genug Platz für zwei 540 Liter Tanks vorhanden, was eine immer noch recht geringe Reichweite von 150 km erlaubte. Die in das anfänglich als "Ferdinand" bezeichnete Fahrzeug eingebaute 8,8 cm Pak 43 L/71 hatte einen Seitenrichtbereich von 28°, sowie einen Höhenrichtbereich von +14°/-8°. Später erhielt das Fahrzeug die Bezeichnung "Panzerjäger Tiger - Elefant", die Besatzungen hatten es sowieso von Anfang an "Elefant" genannt.
Ihren ersten Einsatz hatten die im Jagdpanzerregiment 656 eingesetzten Jagdpanzer Elefant im Juli bei der Kursk-Offensive (Unternehmen Zitadelle). Das Fehlen eines Blenden-MGs machte es sowjetischen Pionieren allerdings leicht Haftladungen anzubringen. Der geringe Munitionsvorrat und die vielen Defekte des aufwendigen Antriebs führten zu weiteren Ausfällen. Zudem fehlte es dem schweren Fahrzeug an Beweglichkeit. Trotz all dieser Nachteile konnten die Panzerjäger Elefant aber während ihres kurzen Einsatzes bei Kursk mit ihrer starken Kanone eine ganze Anzahl an Feindfahrzeugen vernichten. Die 50 Elefant, die das Unternehmen Zitadelle überstanden, wurden in den Nibelungenwerken überholt. Nun baute man endlich ein MG 34 in Kugelblende für den Funker ein. Darüber hinaus bekam die Kugelblende des Rohrs Schutz durch eine auf das Rohr gesteckte Panzerplatte. Auch eine Kommandantenkuppel wurde angebracht. Nach dieser Generalinstandsetzung kamen einige Elefant in Italien zum Einsatz, doch verhinderten fehlende Ersatzteile auch hier eine ausgiebige Nutzung.
Neben den Jagdpanzern Elefant wurden auch fünf Bergepanzer auf Porsche "Tiger" Fahrgestellen gebaut. Wie beim Elefant wurde der Antrieb in die Mitte des Fahrzeugs verlegt, allerdings fehlte die Zusatzpanzerung. Am Heck wurde ein niedriger Panzeraufbau mit einem MG 34 zur Nahverteidigung angebracht.



Ein Elefant in der endgültigen Ausführung mit Funker-MG und Geschützblende, wie es alle 50 Jagdpanzer Elefant erhielten, die die Kursk-Offensive überstanden.

Bezeichnung des Fahrzeugs: Panzerjäger Tiger (P) "Elefant" (Sd.Kfz. 184), früher "Ferdinand"
Typ: Porschetyp 101
Hersteller: Nibelungenwerke (Porsche)
Baujahr: 1942-43
Motor: Maybach "HL 120 TRM" - 2 Stück Zylinderzahl, Anordnung: 12, V Form 60°
Hubraum (ccm): 11.867
Drehzahl (U/min): 2.600
Höchstleistung (PS): 265, zusammen 530
Leistungsgewicht (PS/t): 8,2
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 20
Getriebe: Porsche/Siemens
Anzahl der Gänge V/R: 3/3
Federung: Drehstäbe, längs
Länge über alles (mm) : 8.140
Breite über alles (mm): 3.380
Höhe über alles (mm): 2.970
Bodenfreiheit (mm): 480
Spurweite (mm): 2.680
Kettenbreite (mm): 640
Anzahl der Glieder pro Kette: 109
Gefechtsgewicht (t): 65
Bodendruck (kg/cm²): 1,23
Kraftstoffvorrat (l): 2 Tanks zu je 540 Liter
Kraftstoffverbrauch (l/100km): 1.200
Fahrbereich (km): Straße 150/Gelände 90
Steigfähigkeit: 22°
Kletterfähigkeit (mm): 780
Besatzung: 6
Panzerung (mm): Wanne:
vorne 100+100
seitlich 80
hinten 80
Turm:
vorne 200
seitlich 80
hinten 80
Hauptbewaffnung: 1 8,8 cm Pak 43/1 L/71 (55)
Nebenbewaffnung: 1 MG 34 (lose) (600)
Stückzahl: 90 + 5 Panzerbergewagen "Tiger" (P)

Beide Panzerjägerabteilungen des Jagdpanzerregiments 656 erhielten Abschleppfahrzeuge vom Typ Panzerbergewagen Tiger (P)


 

Text by uncleK. Letztes Update:  7. September 2007