Jagdpanther

Panzerjäger Panther (Sd.Kfz. 173)


Ein Jagdpanther der spätern Fertigung mit einteiliger Fahrersichtöffnung, zweiteiligem Rohr und verschraubter Rohrblende. Die abgeschrägten Seitenwände des Aufbaus sind gut zu erkennen.

Vorgeschichte

Die anfangs genutzten Fahrgestelle zur Mobilisierung der 8,8 cm Pak 43 waren nicht zufrieden stellend gewesen. Der Panzerjäger Nashorn (Sd.Kfz. 164), der als Fahrgestell den Geschützwagen III/IV nutzte, war zu schwach gepanzert und hatte einen nach oben offenen Aufbau. Zudem war der Panzerjäger Nashorn sehr hoch und massig. Genauso verhielt es sich mit dem Panzerjäger Tiger Ferdinand/ Elefant auf dem Fahrgestell des Tiger (P), der eher eine bewegliche Abwehrwaffe denn ein guter Jagdpanzer war. Der Elefant war mit seinen 65 Tonnen einfach zu schwer und der Zwillingsmotorantriebsblock, sowie das komplexe elektrische Porschegetriebe waren zudem anfällig. Am 6.1.1942 übergab Krupp dem Heereswaffenamt deshalb Pläne für die Selbstfahrlafette IVc 2, mit der die 8,8 cm Pak beweglich gemacht werden sollte. Die Pz.Sfl. IVc sollte den Maybach HL 90 oder sogar einen Deutz-Stern-Dieselmotor mit 400 PS erhalten. Die Frontpanzerung sollte 80 mm, die Seitenpanzerung 40 mm betragen und die Höchstgeschwindigkeit war mit 40 km/h veranschlagt. Als Federung kam entweder ein Blattfederlaufwerk oder eine Drehstabfederung in Frage. Bei der Verwendung der Blattfederung wäre das Fahrzeug 10 cm niedriger gewesen. Am 2.4.1942 wurde dem Heereswaffenamt ein Holzmodell präsentiert und folgende Verbesserungen wurden vereinbart: erhöhte Bodenfreiheit von 450 mm, eine wenn möglich breitere Gleiskette, Einbau weiterer Winkelspiegel und ein drehbarer Winkelspiegel für den Fahrer. Vom Design her ähnelte die Selbstfahrlafette IVc dem Jagdpanzer IV, hatte sie doch ähnliche schräge Aufbauten. Am 9.6.1942 bekam Krupp den Auftrag zum Bau dreier Prototypen der verbesserten Pz.Sfl. IVd, doch bereits am 3. August gab das Heereswaffenamt bekannt, dass für den schweren Panzerjäger mit der 8,8 cm Pak das bald verfügbare Fahrgestell des Panthers zu nutzen sei. Die Entwicklung erfolgte zunächst bei Krupp und ein 1:1 Holzmodell sollte bis November 1942 fertig sein. Als Eckdaten wurde anfangs folgende Werte festgelegt: Einbau der 8,8 cm KwK 43 L/71, Gefechtsgewicht von 35 t, eine Frontpanzerung von 80 mm und Seitenpanzerung von 40 mm. Für die Waffe sollten 60 Schuss Munition mitgeführt werden und der Richtbereich wurde mit 14° zur Seite und nach oben und 8° nach unten festgelegt. Am 15.10.1942 wurde die Entwicklung an Daimler-Benz übertragen, wo der 8,8 cm Panzerjäger Panther auch gebaut werden sollte. Durch eine Zusammenfassung von Konstruktion und Fertigung erhoffte man sich einen vereinfachten Serienanlauf, denn schon im Juli 1943 sollte die Fertigung in Serie beginnen. Das noch von Krupp gebaute Holzmodell wurde dann am 16.11.1942 besichtigt.



Technik

Ausgangspunkt für die Entwicklung des Panzerjägers Panther war das Fahrgestell des Panther G. Anfangs hatte man bei Daimler-Benz sogar den Panther II als Grundlage verwendet, doch da dessen Entwicklung noch andauerte, musste man die Konstruktion auf der Grundlage des Panther Ausf. G erstellen. Laufwerk, Motorisierung und die anderen wichtigen Aggregate wurden unverändert vom Panther übernommen. Die Pak 43 sollte in einem abgeschrägten festen Aufbau untergebracht werden. Hierzu wurden die oberen Seitenwände des Pantherfahrgestells im vorderen Bereich nach oben verlängert und am Bug wurde eine große durchgehende Frontplatte mit Geschützscharte eingesetzt. So entstand ein Aufbau in der Form eines Pyramidenstumpfes, der eine gute geschossabweisende Form hatte. Die Panzerung betrug vorne 80 mm und seitlich war sie 45 mm stark. Die 8,8 cm Pak 43/3 (L/71) wurde von hinten über eine große Klappe in den Aufbau eingebaut, und die Geschützschartenblende war dann von vorne einsetzbar und wurde angeschraubt. Um dem Fahrer genügend Platz zu verschaffen war die Kanone aber nicht in der Wagenmitte sondern etwas nach rechts versetzt angeordnet. Das Dach des Aufbaus war auch nicht flach sondern in einem Winkel von 5° angebracht. So war der Aufbau hinten höher als vorn, so dass das Absenken des Geschützes und der Ein- bzw. Ausbau möglich war, ohne das Fahrzeug vorne unnötig hoch werden zu lassen. Das Richtfeld des Geschützes betrug je 11° zur Seite und +14°/-8° in der Vertikalen. Die Besatzung des Panzerjägers Panther, wie das Fahrzeug anfangs genannt wurde, bestand aus fünf Mann. Der vorne rechts sitzende Funker verfügte über ein MG 34 in Kugelblende. Links von ihm auf der anderen Seite des Geschützes saß der Fahrer, der über eine anfangs zweiteilige Fahrersichtöffnung nach außen schaute. Hinter ihm saß der Richtschütze, dem zum Zielen ein durch eine Nierenklappe geschütztes Beobachtungsgerät zur Verfügung stand, das einen Winkelspiegel besaß und aus dem Dach das Aufbaus ragte. Hinter dem Funker saß der Kommandant, der über eine Einstiegsluke ohne Kommandantenkuppel und einen Winkelspiegel verfügte. Im Heck des Aufbaus saß schließlich der Ladeschütze und dort war auch die Munition untergebracht.



Fertigung und Einsatz

Am 17.12.1943 erfolgte die erste Vorführung des Prototyps und Hitler unterstrich die Wichtigkeit dieses Fahrzeuges, das er als Panzerkasematte bezeichnete, und das laut ihm aufgrund des geringeren Gewichts und der höheren Beweglichkeit sogar in einigen Fällen dem Tiger II vorzuziehen sei. Am 27.2.1944 gab er den Befehl, dass der schwere Panzerjäger Panther von nun an als Jagdpanther zu bezeichnen sei. Gefertigt wurde der Jagdpanther allerdings doch nicht von Daimler-Benz, sondern von der Mühlenbau und Industrie AG (MIAG), Braunschweig und der Maschinenfabrik Niedersachsen-Hannover (MNH). Die Serienproduktion startete bei MIAG im Februar 1944. Die ersten Jagdpanther waren an den geschweißten Rohrkragen und der zweiteiligen Fahrersichtöffnung zu erkennen. Auch kam zu Beginn meist eine Pak 43 mit einteiligem Rohr zum Einsatz. In der Abschlussausführung erhielt der Jagdpanther dann einen geschraubten Kragen, eine einteilige Fahrersichtöffnung und meist auch eine Pak 43 mit zweiteiligem Rohr. Eine Mehrladetrommel für die Pak 43/3 befand sich in Entwicklung und der Einbau der 12,8 cm Pak 80 L/55 wurde ebenfalls geprüft.
Bis Kriegsende wurden 384 Jagdpanther gebaut, die als hervorragende Einheiten bis Kriegsende in einigen Heeres-Panzerabteilungen zum Einsatz kamen. Mit der überragenden Pak 43 und der starken Panzerung, sowie der hohen Mobilität war der Jagdpanther der wohl beste schwere Jagdpanzer des Krieges. Bei den Alliierten genoss er einen großen Respekt und oftmals konnte ein einzelnes Fahrzeug oder eine kleine Gruppe von Jagdpanthern den Vormarsch der alliierten Panzer vorübergehend zum stoppen bringen, da der Pak 43 kein Feindpanzer widerstand. Höchstens beim JS-2 war die Abschusswahrscheinlichkeit etwas geringer. Doch aufgrund schwerer Bombenangriffe auf die MIAG-Werke in Braunschweig und den Wannenzulieferer, das Eisenwerk Kirchmöser in Brandenburg, wurde die Fertigung oft verzögert. So hatten die deutschen Ingenieure wieder ein Fahrzeug geschaffen, dass eine technische Meisterleistung darstellte, aber nie in den benötigten Stückzahlen zum Einsatz kam.



Jagdpanther mit einteiligem Rohr und verschweißter Blende. Man beachte die neben dem Laufwerk liegende Munition für die Pak 43.

Bezeichnung des Fahrzeugs: Panzerjäger Panther "Jagdpanther" (Sd.Kfz. 173)
Typ: VK.3002 (MAN)
Hersteller: MIAG, MNH
Baujahr: 1944-45
Motor: Maybach "HL 230 P30"
Zylinderzahl, Anordnung: 12, V Form 60°
Hubraum (ccm): 23.095
Drehzahl, normal/maximal (U/min): 2.500/3.000
Höchstleistung (PS): 600/700
Leistungsgewicht (PS/t): 15,4
Höchstgeschwindigkeit (km/h): Straße 55/Gelände 45,7
Dauergeschwindigkeit (km/h): Straße 33/Gelände 25
Getriebe: ZF "AK 7-200"
Anzahl der Gänge: 7/1
Federung: Drehstäbe, quer in Doppelanordnung
Länge über alles (mm) : 9.870
Breite über alles (mm): 3.270/3.420 mit Schürzen
Höhe über alles (mm): 2.715
Bodenfreiheit (mm): 560
Spurweite (mm): 2.610
Kettenbreite (mm): 660
Anzahl der Glieder pro Kette: 86
Gefechtsgewicht (t): 45,5
Bodendruck (kg/cm²): 0,89
Kraftstoffvorrat (l): 720
Kraftstoffverbrauch (l/100km): Straße 280/Gelände 700
Fahrbereich (km): Straße 250/ Gelände 100
Steigfähigkeit: 30°
Steigfähigkeit in losem Sand: 26°
Kletterfähigkeit (mm): 900
Grabenüberschreitfähigkeit (mm): 1.900
Watfähigkeit (mm): 1.550
Besatzung: 5
Hauptbewaffnung: 1 8,8 cm Pak 43/3 L/71 (57)
Nebenbewaffnung: 1 MG 34 (600)
Sonstige Waffen: 1 Nahkampfgerät (Dachplatte) 26 mm
2 9 mm MP 40 (600 Schuss)
Produktionszahlen: 1944: 212
1945: 172

Gesamt: 384

Panzerung: Dicke Neigung Durchgangsstrecke
Bug, oben 80 mm 35° 140 mm
Bug, unten 60 mm 35° 105 mm
Seite, oben 45 mm 60° 52 mm
Seite, unten 40 mm 90° 40 mm
Heck 40 mm 60° 46 mm
Boden, vorn 25 mm  
Boden, hinten 7 mm  
Motorraumabdeckung 15 mm  
Geschützblende 80 mm    
Turmdach 17 mm  
Kettenschürze 5 mm 90° 5 mm


Ein weiterer Jagdpanther der letzten Fertigung mit geschraubtem Kragen und geteiltem Rohr. Das Fahrzeug ist im Panzermuseum Thun in der Schweiz ausgestellt.

Der im Panzermuseum Munster ausgestellte Jagdpanther frontal von vorne gesehen.

Jagdpanther im Technikmuseum Sinsheim: Motorraumabdeckung mit der Motorluke und den Ansaugschächten.

Auf diesem Bild ist die hinten am Aufbau angebrachte Klappe, die zum Ausbau der Geschützes dient, zu erkennen. Des Weiteren ist rechts davon die Kartuschenauswurfluke zu sehen.

(Picture by www.ww2incolor.com)


 

Text by uncleK. Letztes Update: 27. May 2010