 - Der Jagdtiger war nicht nur der am stärksten bewaffnete, sondern auch der schwerste in Serie gefertigte Panzer des 2. Weltkrieges
Während des Zweiten Weltkriegs wurde in Deutschland auf Basis eines beinahe jeden neuen Panzerkampfwagens ein Jagdpanzer mit festem Aufbau entwickelt. Die Vorteile solcher Waffen waren die kostengünstigere Herstellung im Vergleich zum entsprechenden Kampfpanzer und die Möglichkeit eine stärkere Kanone einzubauen. Dementsprechend war es nicht verwunderlich, dass man neben Fahrzeugen wie dem Jagdpanzer IV, dem Hetzer oder dem Jagdpanther auch an einen Panzerjäger aus Basis des Tiger II-Fahrgestells dachte. Schon während der "Tiger B" sich noch bei Henschel in Entwicklung befand, begann man auf dessen Basis den "Jagdtiger" zu entwerfen. Da das Fahrzeug eine 12,8 cm Kanone in einem festen Aufbau beherbergen sollte, musste die Wanne um 260 mm verlängert werden. Der massiv gepanzerte Aufbau befand sich in der Wannenmitte und für die lange Kanone war eine Rohrabstützung erforderlich. Zudem musste einen neue Munitionslagerung entwickelt werden, denn für das 12,8 cm Geschütz wurde getrennte Munition verwendet. Dies war aufgrund des hohen Gewichts auch notwendig, denn mit 31,8 kg wog allein das Geschoss der 12,8 cm Panzergranate 43 mehr als eine komplette Patrone für die 8,8 cm KwK 43 und die Kartusche wog sogar 36,6 kg. Das Gefechtsgewicht des Jagdtigers betrug mit 40 Schuss Munition, 860 l Kraftstoff und fünf Mann Besatzung 75,2 t und damit war der "Panzerjäger Tiger" das schwerste im zweiten Weltkrieg im Truppengebrauch verwendete Panzerfahrzeug. Der Großteil des Gewichts entfiel auf die Panzerung, die allein an der Front der Wanne 150 mm und an der Panzerscharte das Aufbaus sogar 250 mm betrug. An den Seiten hatte der Jagdtiger immer noch eine Panzerung von 80 mm und die Panzerabwehrkanone wurde durch eine effektive Saukopfblende geschützt. Zudem war die 12,8 cm Pak 44 L/55 (später kam die ähnliche Pak 80 zum Einsatz) mit einer Mündungsgeschwindigkeit V0 von 920 m/s mit die stärkste Panzerjägerwaffe des Krieges. Als Sekundärwaffe war ein MG 34 in Kugelblende beim Funker angebracht. Die Antriebsaggregate wurden direkt vom Tiger II übernommen, so dass auch der Jagdtiger mit dem HL 230 von Maybach ausgerüstet war. War der Motor ursprünglich für ein ein Fahrzeug der Gewichtsklasse des Panthers ausgelegt worden, so kam er zwar mit dem 55 t schweren Tiger I noch gut zurecht, während es beim Tiger II schon viele Motorausfälle gab, doch mit dem über 75 t schweren Jagdtiger war er klar überfordert. Das Holzmodell des Jagdtigers wurde dem Führer am 20.10.1943 in Arys, einem Truppenübungsplatz in Ostpreußen, vorgeführt. Während die 12,8 cm Pak 44 bei Krupp im Bertha-Werk in Breslau gefertigt wurde, sollten die Nibelungenwerke der Steyr-Daimler-Puch AG in St. Valentin die Produktion des Jagdtiger übernehmen. Die Vorführung des ersten Produktionsmodells erfolgte am 20.4.1944. Im Oktober des selben Jahres unterbreitete man Hitler den Vorschlag die Produktion nach einer Stückzahl von 150 Fahrzeugen auslaufen zu lassen und diese Jagdtiger für spezielle Einsätze dem Generalinspekteur der Panzertruppe zur Verfügung zu stellen. Somit hätten die freien Fertigungskapazitäten für den Bau des Panther genutzt werden können. Hitler dagegen schlug im Dezember vor auf Basis des Jagdtigers einen Flammpanzer mit einem Strahl von 200 m Länge zu entwickeln und im Januar 1945 bestand er auf den unbedingten Weiterbau des Jagdtigers. Ursprünglich war eine Produktion von 50 Stück im Monat vorgesehen, doch, wie schon in den vorherigen Sätzen ersichtlich, wurde diese Produktionsrate aufgrund der alliierten Bombenangriffe und der Rohstoffengpässe nie erreicht. Bis Kriegsende konnten aber noch circa 70 Jagdtiger hergestellt werden. Aufgrund eines Engpasses bei der Versorgung mit 12,8 cm Kanonen sollten einige Jagdtiger auch mit der 8,8 cm Pak 43/3 ausgerüstet werden (Sd.Kfz. 185). Da der Jagdtiger in den Nibelungenwerken gefertigt wurde, versuchten die dortigen Ingenieure und Professor Porsche ein neues Laufwerk zu entwickeln. Anstatt der quer eingebauten Drehstabfederung baute man längs außen liegende Drehstäbe ein, die jeweils zwei nebeneinander liegende Laufräder federten. Durch dieses Laufwerk wäre die Wannenbearbeitungszeit mehr als halbiert worden und auch die Reparaturarbeiten wären leichter durchzuführen gewesen. Zehn Jagdtiger wurden versuchsweise mit diesem Fahrwerk ausgestattet. Darüber hinaus unternahm Krupp gegen Ende 1944 eine Studie zur Umbewaffnung aller deutschen Panzer, die vorschlug den Jagdtiger mit einer längeren 12,8 cm L/66 Kanone zu versehen. Sein Debüt hatte der Jagdtiger am 10.3.1945 am Brückenkopf Remagen. Die massive Panzerung und die leistungsstarke Kanone machten den Jagdtiger zu einer gefährlichen Waffe, da die Panzerjägerkanone 80 jeden Feindpanzer auf große Entfernung vernichten konnten. Das geringe Leistungsgewicht und die Anfälligkeit von Antrieb und Laufwerk führten aber zu vielen technischen Ausfällen. Das Fehlen eines drehbaren Turms und die beträchtliche Untermotorisierung waren auch die Ursache dafür, dass der Jagdtiger hauptsächlich als "fahrender Bunker" eingesetzt wurde und aus getarnten Stellungen heraus das Feuer eröffnete. Dies war aber aufgrund des Defensivkrieges, den Deutschland zu diesem Augenblick führte, nicht so ausschlaggebend.
 - Jagdtiger mit Porsche-Laufwerk
| Bezeichnung des Fahrzeugs: |
Panzerjäger Tiger "Jagdtiger" (Sd.Kfz. 186) |
| Typ: |
VK.4503 |
| Hersteller: |
Nibelungenwerke |
| Baujahr: |
1944-45 |
| Motor: |
Maybach "HL 230 P30" |
| Zylinderzahl, Anordnung: |
12, V Form 60° |
| Hubraum (ccm): |
23,095 |
| Drehzahl, normal/maximal (U/min): |
2.600/3.000 |
| Höchstleistung (PS): |
600/700 |
| Leistungsgewicht (PS/t): |
8,0/9,3 |
| Höchstgeschwindigkeit (km/h): |
Straße 41,5/Gelände 14,5 |
| Getriebe: |
Maybach OLVAR "B 401216" |
| Anzahl der Gänge V/R: |
8/4 |
| Federung: |
Drehstäbe, quer |
| Länge über alles (mm) : |
10,654 |
| Breite über alles (mm): |
3,625 |
| Höhe über alles (mm): |
2,945 |
| Bodenfreiheit (mm): |
490 |
| Spurweite (mm): |
2.790/2.610 bei Verladekette |
| Kettenbreite (mm): |
800/660 bei Verladekette |
| Gefechtsgewicht (t): |
75,2 |
| Bodendruck (kg/cm²): |
1,06 |
| Kraftstoffvorrat (l): |
860 Liter in sechs Tanks |
| Kraftstoffverbrauch (l/100km): |
Straße 800/Gelände 1.100 |
| Fahrbereich (km): |
Straße 170/Gelände 120 |
| Steigfähigkeit: |
35° |
| Kletterfähigkeit (mm): |
880 |
| Besatzung: |
6 |
| Hauptbewaffnung: |
1 12,8 cm Pak 44 L/55 (40) |
| Nebenbewaffnung: |
1 7,92 mm MG 34 (1.500) |
| Produktionszahlen: |
1944:48 1945:ca. 22 Gesamt: ca. 70 |
 - Jagdtiger mit fehlender rechter Kette (Picture by www.ww2incolor.com)
Panzerung
| |
Dicke |
Neigung |
Durchgangsstrecke |
| Fahrerfont |
150 mm |
40° |
233 mm |
| Bug |
100 mm |
40° |
156 mm |
| Seite oben |
80 mm |
90° |
80 mm |
| Seite unten |
80 mm |
65° |
88 mm |
| Heck |
80 mm |
60° |
92 mm |
| Decke |
40 mm |
0° |
|
| Boden vorne |
40 mm |
0° |
|
| Boden hinten |
25 mm |
0° |
|
| Turm Front |
250 mm |
75° |
259 mm |
| Turm Seite |
80 mm |
65° |
88 mm |
| Turm Heck |
80 mm |
60° |
92 mm |
| Turm Decke |
45 mm |
0° |
|
Text by uncleK. Letztes Update: 7. September 2007
|