Tiger Ausf. E

Panzerkampfwagen VI (Sd.Kfz. 181)



Die Auswertung der vorliegenden Kriegserfahrungen und Hitlers Forderungen nach mehr Panzerdurchschlagsleistung führten im Mai 1941 zum Bedarf zweier neuer Panzerfahrzeuge: dem Wagen 4501, Typ Porsche mit 8,8 cm Kanone, sowie dem Wagen 3601 Typ Henschel mit der Waffe 0725 mit konischem Rohr. Porsche entwickelte daraufhin den Porschetyp 101, der die offizielle Bezeichnung "Panzerkampfwagen VI, VK.4501 (P) Tiger " hatte. Der "Tiger (P)" wog 59 t und hatte zwei von Porsche konstruierte Motoren Typ 101 mit je 320 PS. In den gemeinsam mit Krupp entwickelten Turm wurde die 8,8 cm KwK L/56 eingebaut.
Zwischenzeitlich baute Krupp die ersten Fahrgestelle des Panzerkampfwagens VK.3601 (H). Er sollte ein voraussichtliches Gewicht von 36 bis 40 t haben und 40 km/h schnell sein. Aufgrund des Rohstoffmangels wurde aber auf Befehl Hitlers die Verwendung von Rohren konischer Bohrung untersagt, da für deren Munition der knappe Rohstoff Wolfram benötigt wurde. Aufgrund der höheren Leistung einer Kanone mit konischer Bohrung im Vergleich zu herkömmliche Geschützen hätten die Kaliber geringer bleiben können, und die Panzer kleiner konstruiert werden können. Somit musste der von Professor Porsche in Zusammenarbeit mit Krupp entwickelte Turm für den VK.4501 (P) auch für den VK.3601 übernommen werden, da eine Neuentwicklung zeitlich nicht realisierbar war. Das Panzerkastenoberteil der Wanne des VK.3601 war aber zu schmal, um den Turm mit der 8,8 cm Kanone aufnehmen zu können. Deshalb entstand der VK.4501 (H), bei dem das Panzerkastenoberteil nun über das Laufwerk hing.
Da schwere Panzer vor allem an der Ostfront dringend benötigt wurden, gingen der VK.4501 von Porsche und Henschel ohne vorherige Erprobung in die Serienfertigung. Laut Hitler sollte die Erprobung zeitgleich mit dem Fronteinsatz erfolgen. Als Hitler die ersten Tiger an seinem Geburtstag 1942 vorgestellt wurden, war offensichtlich, dass die Sympathien bei Porsche lagen. Doch während Porsche Schwierigkeiten mit den Motoren hatte, lief bei Henschel im August 1942 die Serienproduktion des "Panzerkampfwagens VI - Tiger E" an. Zeitgleich wurden Porsche- und Henschel-Tiger in Kummersdorf getestet. Bei Vergleichsfahrten am 27.07.1942 in schwierigem Gelände versagte der Porsche-Tiger. Porsche erhielt daraufhin drei weitere Monate für Versuche.
Der erste Einsatz von Henschel-Tigern erfolgte am 29.8.1942 bei Leningrad. Der schlecht vorbereitete Angriff und die sorgfältig platzierte Pak des Gegners, sowie offenes und schlammiges Gelände führten zu Ausfällen aller vier eingesetzten Fahrzeuge, von denen drei geborgen werden konnten. Der Tiger wurde darauf als nicht truppenbrauchbar bezeichnet. Eine von Speer einberufene Tiger-Kommission entschied im Oktober 1942 welcher Tiger nun endgültig gebaut werden sollte. Die Vergleichsfahrten zeigten eine eindeutige Überlegenheit des Henschel-Tigers,  für den man sich auch entschied. Trotz der anfänglichen Zweifel und der überdurchschnittlichen Größe bewährte sich der Tiger im Kampfeinsatz, was nicht zuletzt an der starken Panzerung und der 8,8 cm KwK L/56, die aus der 8,8 cm Flak entwickelt worden war, lag. Vor allem während der Ardennenoffensive und den Kämpfen in der Normandie erwarb sich der Tiger seinen Ruf als unbezwingbare Kampfmaschine. So gelang es einem Tigerkommandanten an einem Tag 38 T-34 abzuschießen und SS-Hauptsturmführer Michael Wittmann setzte mit seinem Tiger in zwei Jahren weit über 100 Feindfahrzeuge außer Gefecht, was ihn zum erfolgreichsten Panzerkommandant im Zweiten Weltkrieg machte. Doch der Tiger war keineswegs unverwundbar. Ein T-34/85 konnte die Seitenpanzerung des Tigers noch bei einer Entfernung von 1.500 m durchschlagen, vorrausgesetzt die Panzergranate traf senkrecht auf. Um den Nachteil der zwar dicken aber senkrecht stehenden Panzerplatten zu minimieren versuchten die Tigerbesatzungen deshalb ihr Fahrzeug schräg zum Gegner zu stellen. In dieser Position war der Tiger praktisch unverwundbar.
Das Design des Tigers ist im Vergleich zum Panzerkampfwagen V "Panther" ein Schritt zurück. Der Tiger besitzt keine schrägen Flächen, seine Panzerung besteht nur aus der Dicke des Stahls. Außerdem sind die Panzerplatten noch nicht in verzahnter Anordnung verschweißt. Der Turm das Tigers hat eine runde Form, die anfangs, als der Tiger noch schwächelte, als "Konservendose" bezeichnet wurde. Generell erinnert seine Wanne mehr an den Pz. IV als an den Panther. Mit diesem hat er aber das Schachtellaufwerk gemeinsam. Im Einsatz war der Tiger nach der Behebung von anfänglichen Kinderkrankheiten zuverlässiger als der Panther. So konnte beim Panther im kalten russischen Winter Schlamm zwischen den Laufrädern festfrieren und den Einsatz verhindern. Dieses Problem trat bei Tiger nicht auf. Auch hatte er keine Probleme mit dem Vorgelege wie der Panther. Allerdings war ein Tiger mit einem Stückpreis von 250.800 RM doppelt so teuer wie ein Panther, der 117.100 RM kostete. Und obwohl der Tiger zu einer Legende wurde und von den ehemaligen Tigerleuten als der einzig wahre Kampfpanzer bezeichnet wird, stellten sich auch damals schon vereinzelte Experten die Frage, ob die Tiger I und II mit ihrer teuren Fertigung und Entwicklung nicht lieber einer verstärkten Pantherfertigung- und entwicklung den Vortritt hätten lassen sollen, zumal die Ressourcen zu dieser Zeit sehr knapp waren. Auch war der Panther mit der besseren Frontpanzerung versehen und er hatte auch noch mehr Entwicklungspotential was die Konstruktion des Schmalturms zeigte. Die 8,8 cm KwK 36 des Tigers und die 7,5 cm KwK 42 des Panthers waren sich in punkto Leistung ähnlich und der 85 mm Kanone das T-34 um einiges überlegen. Da der Tiger zu breit war, wurden zum Transport per Eisenbahn eine schmälere Verladekette aufgezogen und die äußeren Stützräder entfernt. Bei den ersten Tigern war eine Tauchanlage mit Schnorchel vorhanden, die den Panzer für bis zu 2 Stunden in 4 m Tiefe tauchen lassen konnte. Sie wurde später nicht mehr eingebaut. Nach ca. 800 gebauten Tigern tauschte man die Gummireifen durch gummigefederte Stahlräder aus. Diese neuen Laufräder benötigten nun nicht mehr so viel des wertvollen Gummis und außerdem war der Verschleiß um einiges geringer. Somit mussten die Räder zu Reparaturzwecken nicht mehr so oft aus- und eingebaut werden, was bei dem Schachtellaufwerk des Tigers einen ziemlichen Auswand darstellte. Des weiteren wurden im Laufe der Fertigung der Maybach HL 210 durch den HL 230 ausgetauscht (700 statt 650 PS) und die Kommandantenluke verändert. Zudem erhielten die späten Tiger einen Zimmeritanstrich gegen Hafthohlladungen. Insgesamt wurden 1.350 Tiger I gebaut.



Eine frühe Version des Panzerkampfwagen Tiger Ausf. E (Sd.Kfz. 181)

Bezeichnung des Fahrzeugs: Panzerkampfwagen VI "Tiger I" (Sd.Kfz. 181)
Typ: VK.4501 (H)
Hersteller: Henschel
Baujahr: 1942-44
Motor: Maybach HL 210 P 45, Maybach HL 230 P 45 (ab Fahrgestell Nr. 250.251)
Zylinderzahl, Anordnung: 12, V Form 60°
Hubraum (ccm): 21.353
Drehzahl, normal/maximal (U/min): 25.00/3.000
Höchstleistung (PS): 650 (HL 210), 700 (HL 230)
Leistungsgewicht (PS/t): 11,4
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 45,4
Dauergeschwindigkeit (km/h): Straße 40/Gelände 20 bis 25
Getriebe: Maybach OVLAR "OG 401216 A"
Anzahl der Gänge V/R: 8/4
Federung: Drehstäbe, quer
Länge über alles (mm) : 8.450
Breite über alles (mm): 3.705
Höhe über alles (mm): 3.000
Bodenfreiheit (mm): 470
Spurweite (mm): 2.822/2.622 bei Verladekette
Kettenbreite (mm): 725/520 bei Verladekette
Anzahl der Glieder pro Kette: 96
Gefechtsgewicht (kg): 56.900
Bodendruck (kg/cm²): 1,04
Kraftstoffvorrat (l): 534 (in vier Behältern)
Kraftstoffverbrauch (l/100km): Straße 535/Gelände 935
Fahrbereich (km): Straße 100/Gelände 60
Steigfähigkeit: 35°
Kletterfähigkeit (mm): 790
Watfähigkeit (mm): 1.200
Besatzung: 5
Hauptbewaffnung: 1 8,8 cm KwK 36 L/56 (92)
Nebenbewaffnung: 2 7,92 mm MG 34 (3.920)
Produktionszahlen: 1942: 78
1943: 649
1944: 623
Gesamt: 1350

Panzerung

  Dicke Neigung Durchgangsstrecke
Fahrerfront 100 mm 81° 101 mm
Bug 100 mm 10° 576 mm
Seite 60 mm 90° 60 mm
Heck 80 mm 81° 81 mm
Decke 25 mm  
Boden 25 mm  
Geschützblende 110 mm 90° 110 mm
Turmfront 100 mm 80° 101 mm
Turmseite 80 mm 90° 80 mm
Turmheck 80 mm 90° 80 mm
Turmdecke 25 mm 0-9° >160 mm

Ein Tiger in der Abschlussausführung. Die signifikantesten Änderungen im Vergleich zu den frühen Versionen sind das Stahllaufwerk und die geänderte Kommandantenkuppel.


Weiterführende Literatur/Links

Walter J. Spielberger, Der Panzerkampfwagen Tiger und seine Abarten, Motorbuch Verlag
Egon Kleine/Volkmar Kühn, Tiger - Die Geschichte einer legendären Waffe, Motorbuch Verlag
Roger Ford, Tiger-Panzer, Nebel Verlag
Tigerpanzer, www.tigerpanzer.de



 

Text by uncleK. Letztes Update:  7. September 2007