MLRS

Multiple Launch Rocket System


Ein MLRS (MARS) der Bundeswehr

Geschichte

Die US Army stellte 1976 das Konzept für einen Mehrfach-Raketenwerfer auf. Das im selben Jahr eingerichtete Programmbüro beim Army Missile Command schrieb schon ein Jahr später einen Wettbewerb zur Produktion aus. An ihm beteiligten sich Boeing und LTV-Aerospace (später Loral Vought Systems). Das Projekt trug zunächst die Bezeichnung GSRS (General Support Rocket System). Andere Länder bekundeten ebenfalls Interesse, so dass im Juli 1979 ein Memorandum of Understanding (MoU = Kooperationsvertrag) zwischen der US Army sowie den Staaten Großbritanniens, Deutschlands und Frankreichs unterzeichnet wurde. Im Juli 1982 trat auch Italien diesem Kooperationsvertrag bei. Im November 1979 wurde der Projektname auf den auch noch heute bestehenden Namen MLRS (Multiple Launch Rocket System) geändert.
Die US Army wählte im April 1980 nach Tests von Prototypen die Vought Corporation als Hauptauftragnehmer aus. Als Munitionstyp wurde zunächst die M42 Dual Purpose Submunition festgelegt. Die Fähigkeit vorhandene Streuminen einzusetzen wurde den anderen NATO-Partnern überlassen. Außerdem legte man Pläne für endphasengelenkte Gefechtsköpfe fest, welche von allen beteiligten Nationen gemeinsam entwickelt werden sollten. Durch die relativ problemlose Zusammenarbeit aller am Projekt beteiligter Staaten konnte die erste US Army Einheit schon Ende März 1983 vollständig ausgerüstet werden. Noch im selben Jahr und den darauffolgenden Jahren stattete die US Army auch Einheiten in Übersee (8th ID in Deutschland und 2nd ID in Korea) mit MLRS aus.
Die Hauptverantwortung für die Produktion der europäischen MLRS übertrug man an die European Production Group mit Hauptsitz in München. Mitte 1989 lieferte LTV die ersten MLRS aus, die fähig waren die Army Tactical Missile (ATAMCS) zu verschießen. Dazu mussten einige Änderungen an den Basisfahrzeugen vorgenommen werden, um diese taktische ballistische Rakete verwenden zu können. Die europäischen Produktionsstätten lieferten alle gefertigten MLRS zwischen 1990 und 1994 an die Betreiberländer aus. Die von Deutschland entwickelte Minenausstoßrakete AT-2 testete man erfolgreich im Oktober 1994.
Heute betreiben weltweit 14 Staaten (+1, Ägypten hat bestellt) ca. 1.450 MLRS. Zehn davon sind NATO-Staaten. Im Laufe einiger Umstrukturierungen liegt die Produktion heutiger MLRS in den USA in der Verantwortung von Lockheed Martin Missiles and Fire Control. Da auch noch andere Länder ihr Interesse bekunden, hält Lockheed Martin die Produktionslinie weiterhin offen.



Technik

Der Mehrfach-Raketenwerfer MLRS ist ein hochmobiles, autonomes und allwetterfähiges Waffensystem zur Bekämpfung von Flächenzielen. Er dient der Artillerie für den artilleristischen Feuerkampf in der Tiefe, der Bekämpfung von Truppenansammlungen, Flugabwehrstellungen und leicht gepanzerten Verbänden. Durch ein hohes Maß an Automatisierung besitzt das System die sog. „Shoot and scoot“-Fähigkeit (Schießen und verschwinden). Dies versetzt das System in die Lage zu überleben, während es selbst gerade Feuerunterstützung bietet. Dabei soll es die Rohrartillerie unterstützen, nicht ersetzen. Durch seine Mobilität ist es in der Lage auch bei offensiven Operationen den eigenen Verbänden zu folgen und jederzeit Feuerunterstützung zu gewähren. Das Fahrzeug wird von einer 3-köpfigen Besatzung bedient, dem Kommandanten, dem Richtschützen und dem Fahrer.

Das in den USA M270 bezeichnete Fahrzeug besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten

 

 M993 Ketten-Fahrgestell


Als Trägersystem dient das leicht gepanzerte M993 Ketten-Fahrgestell, welches eine gestreckte Version des M2/M3 Bradley ist und zu 80% die selben Bauteile besitzt. 
Die Besatzung sitzt vorne nebeneinander in einer Kabine aus Aluminium-Panzerplatten und Panzerglas zum Schutz vor Handwaffen und Granatsplittern. 
Der Fahrer sitzt links und lenkt das Fahrzeugs mittels eines Steuerhorns. Auf Grund des Automatikgetriebes entfällt eine Kupplung, so dass sich im Fußraum des Fahrers nur ein Gaspedal und die Bremse befinden. Ein Armaturenbrett unterhalb der Panzerglasscheibe enthält alle wichtigen Instrumente zum Betrieb des Fahrzeugs. Zwischen Fahrer und Richtschütze befindet sich der Gangwahlhebel, die Feststellbremse und ein Hebel zur Verriegelung der Naben des jeweils ersten, fünften und sechsten Laufrollenpaares. Diese Verriegelung stabilisiert das Fahrzeug zusätzlich beim Abfeuern der Raketen. 
In der Mitte sitzt der Richtschütze, welcher über das vor ihm angebrachte FCP (Fire Control Panel) Wetter-, Kommunikations- und Feuerauftragsdaten eingeben kann. Ganz rechts befindet sich der Sitz des Kommandanten. Dieser lässt sich bei Bedarf nach oben klappen, so dass der Kommandant auf einer darunter befindlichen Fläche stehen kann, um aus einer Dachluke schauen zu können. Im Rücken der Besatzung ist Platz für Kommunikationsgeräte, Munition für die Handwaffen und persönliche Ausrüstung.
Das M13A1 Filtersystem schützt die Crew vor ABC-Einwirkungen. Außerdem verfügt die Kabine über ein Überdrucksystem, welches vor toxischen Rückständen, die beim Abschuss der eigenen Raketen entstehen, schützt. Der Motor und seine Anbauteile befinden sich direkt hinter der Kabine. Zur Wartung der Motorkomponenten kann die Kabine nach vorne gekippt werden. Auf der rechten Seite knapp hinter der Kabine befinden sich der Kühlluftgrill und der Auspuff des Motors. Hinter einer großen Klappe auf der linken Seite der Motoreinhausung sind das Luftansaug- und Filtersystem sowie der Treibstofffilter untergebracht.




Das Fire Control Panel in der Mitte des Führerhauses

 M269 LLM (Launcher-Loader Module)

 

Die andere Hauptkomponente ist das M269 LLM (Launcher-Loader Module) welches am Heck des Fahrzeuges angebracht ist. Es besteht aus einer mechanischen und einer elektrischen Komponente. Die mechanische Komponente besteht wiederum aus Basis, Turm und Rahmen. Die Basis verbindet das LLM mit dem Ketten-Fahrgestell. Basis und Turm beinhalten die elektrischen und hydraulischen Systeme zum Richten des LLM. Der Rahmen hält die Raketenstartbehälter in Position, richtet sie aus und schützt sie vor äußeren Einflüssen. Außerdem nimmt der Rahmen noch die zwei Ladeausleger und -kräne auf, was der Crew eine autonome Be- und Entlademöglichkeit verschafft. 

In der elektrischen Komponente sind alle Systeme zur Hauptstromversorgung, Kommunikation und Feuerkontrolle zusammengefasst. Das Feuerkontrollsystem (FCS) arbeitet mit allen anderen Komponenten des Werfers zusammen und überwacht, koordiniert und steuert alle elektrischen Geräte während eines Abschusses. Die wichtigsten Elemente des FCS sind dabei das Fire Control Panel (FCP) und das Stabilization Reference Package/Positioning Determing System (SRP/PDS). Über das FCP in der Mitte der Kabine können manuell Daten eines Feuerauftrages eingegeben werden. Auch der Empfang digitaler Feuerauftragsdaten ist möglich. Im hinteren Bereich des LLM befindet sich das SRP, welches im Prinzip eine nordorientierte kreiselgestützte Trägheitsplattform darstellt. Das SRP ermittelt die Position des Werfers um Längs-, Quer- und Hochachse. Das PDS benutzt zwei Drehgeber der Antriebsräder und die Daten des SRP um daraus ständig die eigene Position des Werfers zu ermitteln. Das Zusammenspiel aller Komponenten erlaubt somit die genaue Überwachung der Position und Ausrichtung des Werfers sowie die nötige Stabilisierung beim Schießen.  Jeder M270 kann jeweils zwei LPC’s (Launch Pod Container) oder zwei GMLA’s (Guided/Missile Launch Assembly) mit sich führen, nicht jedoch einen Mix aus beiden. Ein LPC enthält jeweils sechs 227 mm Raketen der Munitionsfamilie MFOM (MLRS Family of Munitions), ein GMLA jeweils eine 604,7 mm Rakete der Munitionsfamilie AFOM (ATAMCS Family of Munitions). Die Raketen werden mitsamt dem Container verladen, gelagert und aus ihm heraus verschossen. In den Abmessungen gleichen sich die Container beider Raketenfamilien. Ein Container ist 4,04 m lang, 1,05 m breit und 0,84 m hoch. Unten am Container befinden sich abnehmbare Gleitkufen. Werden diese zum Beladen des Werfers entfernt, beträgt die Höhe 0,72 m. Mit MFOM Raketen beladen wiegt ein LPC 2.270 kg, mit AFOM beladen wiegt ein GMLA 2.095 kg. Oberhalb der Schwerpunktachse jedes Containers befindet sich ein Querstab, welcher in den Beladekran eingehängt wird. 



Munitionstypen

Das Waffensystem MLRS verschießt zwei Munitionsfamilien; MFOM und AFOM. Zur Liste mit den einzelnen Munitionsarten geht es hier

 

 MFOM


Die MFOM basiert auf der drallstabilisierten frei fliegenden M26 Rakete. Diese hat ein Kaliber von 227 mm bei einer Länge von 3,94 m und einem Gewicht von 307 kg. Ihre Reichweite beträgt zwischen 10 und 32 km. Auch kleinere Entfernungen (min. 5 km) sind möglich, dies verschlechtert jedoch extrem die Blindgängerrate. Eine M26 besteht aus dem Gefechtskopf, der Antriebseinheit und vier Stabilisierungsflügeln. Der Antrieb erfolgt per Feststoff-Raketenmotor welcher vom FCS gezündet wird. Die Feuerdaten werden kurz vor dem Abschuss über ein Kabel an den in der Spitze der Rakete befindlichen Zünder übermittelt. Die erste Stabilität erhält die Rakete beim Verlassen des Rohres durch kleine abwerfbare Kufen welche innerhalb des Rohres spiralförmig geführt werden. Nach dem Abschuss entfalten sich die vier Stabilisierungsflossen und geben der Rakete durch Drehung gegen den Uhrzeigersinn die nötige Richtungsstabilität.
Zwischen dem M445 Zeitzünder in der Nase und dem Antrieb sitzt der Gefechtskopf, der standardmäßig 644 Stück M77 DPICM (Dual Purpose Improved Conventional Munition) Submunition enthält, welche sich um eine zentrale Ausstoßladung gruppiert. Der M445 Zeitzunder zündet zum entsprechend programmierten Zeitpunkt die zentrale Ausstoßladung die daraufhin die Submunition über dem Zielgebiet verteilt. Ein am Kopf der Submunition angebrachtes Reibungsband richtet diese beim freien Fall senkrecht aus. Die M77 Submunition explodiert beim Aufschlag. Sie enthält eine ummantelte Hohlladung mit eingebautem Abstandsmaß die es ihr ermöglicht ca. 100 mm Panzerstahl zu durchschlagen. Die Fragmente der Ummantelung wirken auch noch gegen Weichziele innerhalb eines Radius von 4 Metern.

 

 AFOM

 

Die AFOM basiert auf der M39 ATAMCS, einer taktischen ballistischen trägheitsgesteuerten Rakete der US-Army. Ihr Kaliber beträgt 604,7 mm bei einer Länge von 3,96 m und einem Gewicht von 1.670 kg. In der Grundausführung (Block I) beträgt ihre Reichweite zwischen 25 und 165 km. Sie besteht aus vier Hauptkomponenten: dem GCS (Guidance and Control System) in der Raketenspitze, dem Gefechtskopf dahinter, der Antriebseinheit sowie der Steuereinheit am Ende.
Die GCS besitzt Trägheitssensoren und Elektroniken für einen automatischen Flug bis zum Ziel sowie sämtliche Elektroniken zur Kommunikation zwischen Werfer und Rakete. Sie kann abweichend von der Zielachse abgefeuert werden, da die Steuerung umgehend den Lenkbefehl zum Ziel erteilt. Wie bei der M26 wird die M39 ebenfalls von einem Feststoffantrieb angetrieben. Der Gefechtskopf trägt 950 baseballgroße APAM (Anti Personnel and Antimaterial) M74 Granaten. Durch den M219A2 Zeitzünder ausgelöst, werden die Ummantelungen des Gefechtskopfes abgesprengt. Durch Zentrifugalkräfte und die Luftreibung wird die M74 Submunition über dem Ziel ausgestoßen und verteilt. Kleine Drallflügel versetzen die Submunition in Rotation, was gleichzeitig deren Kontaktzünder aktiviert. Beim Auftreffen auf ein Ziel zerlegt sich die M74 in eine große Anzahl Splitter die gegen Weichziele wirksam sind. Alle M270 Werfer sind in der Lage die ATAMCS Block I Rakete zu verschießen. Die anderen Sorten der AFOM Familie können nur von modifizierten M270 oder von M270A1 verschossen werden.



Der M270A1

Mit der Einführung neuer Munitionsarten für den MLRS stiegen auch die Ansprüche an das FCS die Daten der entsprechenden Raketen zu verarbeiten. Des Weiteren wollte man die Überlebensfähigkeit und Einsatzdauer des gesamten Systems verbessern. Studien hatten ergeben, dass bis zum Jahr 2003 ca. 80% aller Hard- und Softwareteile nicht mehr verfügbar sein werden. Das relativ zeitintensive Be- und Entladen des Werfers setzte die Besatzung unnötigen Risiken aus. Zwei Hauptverbesserungen wurden deshalb 1998 beim neuen M270A1 der US Army eingeführt:

 

 IFCS (Improved FCS)

 

Alte Hard- und Softwarebausteine wurden durch kostengünstige, wartungsarme, frei auf dem Markt erhältliche Ware ersetzt. Ein GPS-System unterstützt nun das alte Trägheitsnavigationssystem. Durch die neue Software ist es nun auch möglich Wetterdaten knapp über dem Boden bis in 100 m Höhe zu erfassen, um so die gegenwärtigen Werte noch kurz vor dem Abschuss mit einfließen zu lassen. Dies steigert zusätzlich die Genauigkeit der abgeschossenen Rakete. Sämtliche Raketensorten lassen sich mit der neuen Software verschießen, mit genügend Spielraum für weitere Entwicklungen. 
Die Fähigkeit, Fehler schneller und besser zu erfassen hat sich ebenfalls gesteigert, ebenso wie die Fähigkeiten den Anforderungen des künftigen digitalen Schlachtfeldes zu genügen. Der Wartungskostenanteil der Elektronik hat sich insgesamt um 40% reduzieren lassen.

 

 IMLS (Improved Mechanical Load System)

 

Diese Maßnahme soll die Zeiten zum Zielen sowie zum Be- und Entladen verkürzen. Erreicht wird dies durch ein schnelleres Antriebssystem der Waffenanlage, welches zudem gleichzeitig in Azimut und Höhe verfahren kann. Die Zeit zum Schwenken von der verzurrten Position bis zum ungünstigsten Abschusswinkel wird um 80% verkürzt (von 93 auf 16 Sekunden). Dadurch wird außerdem die Nachladezeit um 30 bis 40% gesenkt. Diese Zeitersparnis reduziert das Risiko der Besatzung sich Feindfeuer preiszugeben und erhöht deren Überlebenschancen.

Die Verbesserungen des M270A1 lassen sich problemlos auf die vorher gebauten M270 anwenden, so dass jedes ältere Fahrzeug auf den Standard des M270A1 gebracht werden kann.



Ein MARS-Werfer der Bundeswehr. Die Stange rechts im Bild ist die Halterung für die Rundum-Kennleuchte (RKL), welche im zivilen Straßenverkehr eingesetzt wird.

Die Bundeswehr und MARS (Mittleres Artillerie Raketen System)

Deutschland bestellte 154 M270 Raketenwerfer (RakW) und versah sie mit dem Namen MARS. Ausgeliefert wurden diese zwischen 1990 und 1993. Die Option auf 50 weitere RakW wurde nicht wahrgenommen.
Verwendet werden die MARS als Divisionsartillerie zum Feuerkampf in der Tiefe des feindlichen Raumes gegen Truppenansammlungen. Außerdem führte die Bundeswehr zwischen 1993 und 1995 zusätzlich zur M26 Basisrakete noch die im eigenen Land entwickelte Minenausstoßrakete AT-2 ein. Diese dient dem Kampf mit Sperren auf große Entfernungen (bis 40 km) im Gefechtsstreifen der Division. Jede Rakete tragt 28 Panzerabwehrminen AT-2, die in einer Höhe von ca. 1.200 m ausgestoßen werden und an einem Fallschirm zu Boden sinken. Beim Aufprall auf den Boden richtet sich die Mine automatisch aus und schärft sich. Nach einer einstellbaren Zeit vernichtet sich die Mine selbst, es sei denn sie wird vorher von einem Fahrzeug ausgelöst. Die Mine ist in der Lage bis zu 14 cm starke Panzerungen zu durchschlagen. Ein einzelner Werfer kann innerhalb einer Minute 336 Minen über eine Fläche von 1.000 mal 5.000 Meter verteilen. Die Streufeldgröße und -dichte ist beliebig programmierbar. ATAMCS Raketen wurden bis heute von der Bundeswehr nicht beschafft.
Im Laufe der Zeit variierte die Stärke eines Raketenartilleriebataillon zwischen 16 und 24 Fahrzeugen. Heute sind nur noch drei RakArtBtl mit jeweils 24 Fahrzeugen aktiv im Einsatz. 10 weitere Fahrzeuge befinden sich bei den Artillerieschulen, der Rest wird eingemottet oder wahrscheinlich in absehbarer Zeit an andere Staaten verkauft. 22 MARS wurden zu luftverlastbaren LVB-Versionen umgebaut, jedoch braucht man drei Transall, um nur ein einzelnes zerlegtes Fahrzeug samt Personal zu transportieren. Dies belastet sehr die Kapazitäten der Luftwaffe und erscheint äußerst unpraktikabel.



Unterschiede der deutschen und USA-Versionen

Nummernschilder und Warntafeln entsprechen den geltenden deutschen Bedingungen für den Straßenverkehr. Eine orangene Rundumkennleuchte sowie rot-weiß gestreifte Warntafeln vorn und hinten werden im zivilen Straßenverkehr angebracht. Die Heizungen sind durch Produkte einer deutschen Firma ersetzt worden. Geändert wurden die Waffenhalter für die drei Besatzungsmitglieder, um das G3 bzw. die Uzi aufzunehmen zu können. Die Kommunikations- und Feuerleitanlagen entsprechen den Richtlinien zum Einsatz im Feuerleitsystem ARES und ADLER. Später wurden alle MARS auf deutsche Ketten von Diehl umgerüstet. Bei diesen Ketten lassen sich, im Gegensatz zu den amerikanischen Ketten, die Kettenpolster beliebig vertauschen. Sie sind allerdings auch etwas breiter als die amerikanischen, so dass seitliche Schürzen notwendig wurden, um für die entsprechende Sicherheit zu sorgen. Für Übungszwecke besitzen die MARS große abnehmbare Abdeckklappen welche die Waffenschächte am Heck des Fahrzeuges bedecken. Die Ansaug- bzw. Ausblasrohre der Überdruckanlage wurden geringfügig geändert.
Auch die Bundeswehr befasst sich mit Maßnahmen zur sog. Kampfwerterhaltung (KWE). Dabei fasst man ähnliche Verbesserungen wie beim M270A1 der Amerikaner ins Auge, übernimmt aus Kostengründen aber nicht die amerikanische Lösung, sondern steuert eine günstigere nationale Lösung mit gleichen Leistungsdaten an. Die Verbesserungen betreffen ebenfalls das FCS und das MLS. Zusätzlich plant die Bundeswehr die Beschaffung der in Gemeinschaftsarbeit bis 2003 zu entwickelnden Lenkrakete GMLRS mit 60 km Reichweite.



Der typische Ablauf eines Feuerauftrags

Ein voll mit Raketen ausgestatteter RakW MARS wartet vorzugsweise versteckt in einem Bereitstellungsraum (z.B. einem Waldstück) auf den Feuerbefehl und die Auftragsdaten des Feuerleitstandes ARES. Bei den ersten ausgelieferten MARS waren die Geräte zum Empfang digitalisierter Auftragsdaten noch nicht vorhanden. Somit funkte der Feuerleitstand die Daten per Sprechfunk an den entsprechenden RakW. Der Richtschütze musste diese Daten wiederholen und mühsam per Hand in das FCP eingeben. Mit der Einführung der digitalen Empfangs- und Verarbeitungsgeräte ließen sich die Daten des Feuerauftrags direkt als Paket an das FCP senden. Dies verkürzt im Gegensatz zur manuellen Eingabe enorm die Zeit zwischen Eingang der Feuerdaten und dem Feuern aus der Abschussposition. Meistens sind vorher vermessene oder ausgewählte Abschusspositionen der Besatzung bekannt, so dass bei Eingang dieser Koordinaten der RakW unverzüglich diese Position anfährt. Sollte es durch rutschige Bodenverhältnisse zu einem Schlupf der Ketten kommen, würden die Drehgeber des PDS dem FCS falsche Daten zur Positionsermittlung liefern. Zur Kompensation dieses Fehlers führt man vor bevorstehenden Feueraufträgen noch eine Kalibrierfahrt durch.
Normalerweise werden die Raketen seitlich zur Fahrtrichtung abgeschossen, so dass der Fahrer bei Ankunft an der Abschussstelle das Fahrzeug mit Hilfe der Anzeigen auf dem FCP grob ausrichtet. Durch die trägheitsgestützte Kreiselanlage kennt der RakW seine exakte Ausrichtung, der Fahrer hat somit kein Problem, die vom FCS errechnete Ausrichtung des Fahrzeugs einzuhalten. Steht das Fahrzeug in der richtigen Position geht alles weitere sehr schnell. Der Fahrer aktiviert zusätzlich zur Feststellbremse die Verriegelung der Naben der Laufrollenpaare 1, 5 und 6 zur Stabilisierung beim Abschuss der Raketen. Außerdem schaltet er die ABC- und Überdruckanlage der Kabine ein. Der Richtschütze gibt gleichzeitig per FCP das Signal zum automatischen Schwenken und Ausrichten der Waffenanlage. Alle Besatzungsmitglieder schließen von innen zusätzlich noch die jalousieartigen Panzerungslamellen, welche sich vor den frontalen Panzerglasscheiben befinden. Hat die Waffenanlage die Abschussposition erreicht kann über einen zu entsichernden Knopf der erste Abschuss ausgelöst werden. Die maximale Ladung von zwölf M26 Raketen kann dabei einzeln, in Gruppen oder komplett auf einmal verschossen werden.
Während des gesamten Abschussvorgangs richtet sich die Waffenanlage ständig neu aus, um Fehler der Innenballistik (z.B. Abgangsfehler) zu korrigieren. Fehler der Außenballistik (Wind) mindern meteorologische Daten, welche die Feuerleitstelle an den RakW drei mal täglich sendet. 
Zwischen dem Empfang der Feuerdaten und dem Abschuss der ersten Rakete vergehen in der Regel ca. zwei Minuten, je nach Entfernung zur Feuerposition und Trainingsstand der Besatzung. Um alle 12 Raketen komplett in der kürzest möglichen Zeit zu verschießen benötigt der RakW ca. 55 Sekunden.




Nachladevorgang

Sind alle Raketen komplett verschossen, fährt der RakW schnellstens einen vorher festgelegten Punkt zum Nachladen an. An diesem Punkt liegen entweder zwei neue LPC auf dem Boden oder auf der Ladefläche eines Versorgungs-LKW.
Die Besatzung entlädt die leeren LPC auf den Boden und übernimmt die neuen LPC. Dies erledigen normalerweise alle drei Besatzungsmitglieder, das Be- und Entladen ist aber auch mit nur einem Soldaten möglich. Zunächst werden die LPC über einen großen, horizontal schwenkbaren Hebel am Heck des Fahrzeuges mechanisch entriegelt. Zum Entladen hebt eine im Ladebaum jedes Waffenschachtes befindliche Seilwinde den LPC ein paar Zentimeter von seinen Zentrierdornen ab. Dann fährt der Teleskopladebaum mit dem LPC aus dem Waffenschacht. Dabei schwenkt eine Schutzklappe nach oben und gibt dem Teleskopladebaum den Weg frei. Ist der LPC vollständig aus dem Waffenschacht gefahren senkt man ihn bis zu Boden ab, wonach ein Soldat die Seilwinde ausklinkt. Ist dies mit beiden leeren LPC geschehen, rollt der RakW zu den knapp daneben liegenden vollen LPC und startet den Beladevorgang in umgekehrter Reihenfolge. Sind die beiden vollen LPC verstaut ist der RakW umgehend wieder feuerbereit.



Ein Bediener beim Einhängen des Ladehakens. Eine Querstrebe befindet sich genau oberhalb der Schwerpunktlage des Raketenbehälters. In diese Querstrebe wird der Ladehaken eingehängt.

Bezeichnung des Fahrzeugs: M270/M270A1; MLRS/MARS
Typ: Mehrfach-Raketenwerfer auf Selbstfahrgestell Kette
Hersteller: Lockheed Martin Missiles and Fire Control
Baujahr: ab 1982 (M270), ab 2000 (M270A1)
Motor: Cummins VTA-903T-500, Wassergekühlter 4-Takt Dieselmotor mit Direkteinspritzung, Abgasturbolader und Ladeluftkühlung, 2 Ein- und Auslassventile sowie ein Einspritzelement pro Zylinder
Zylinderzahl, Anordnung: 8, V-90°
Drehzahl: 2.600 U/min
Leerlaufdrehzahl: 775 bis 825 U/min
Hubraum: 14,8 l
Verdichtung: 15,5:1
Höchstleistung: 500 PS
Max. Drehmoment: 141,67 Nm bei 2.350 U/min
Leistungsgewicht: 19,7 PS/t
Höchstgeschwindigkeit: Straße 64 km/h, Gelände 30+ km/h
Getriebe (Gänge): General Electric HMPT-500, hydromechanisches Automatikgetriebe, vollautomatisch, stufenlos verstellbares Übersetzungsverhältnis
Fahrtstufen: acht (Motor an, Neutral, Rückwärts, Wenden, 1.-3. Gang, 1. Gang, Anschleppen und Abschleppen)
Ölmenge Motor/Getriebe: 21 l/53 l
Steuerung: Hydrostatisch per Steuerhorn
Federung: Drehstabfederung
Stoßdämpfer: Jeweils an den vorderen beiden Laufrollen und an der hintersten pro Seite
Stützrollen: 2 Doppel- und 2 Einzelstützrollen
Länge über alles: 7.030 mm
Breite über alles: 3.030 mm minimal, 3.250 mm maximal
Höhe über alles: 2.770 mm, mit RKL 3.400 mm
Bodenfreiheit: 430 mm
Spurweite: 2.400 mm
Kettenbreite: 530 mm
Anzahl Kettenglieder links/rechts: 89/88
Länge Bodenauflage: 4.331 mm
Bodendruck: 0,52 kg/cm2
Zul. Gesamtgewicht: 25,31 t
Gefechtsgewicht mit M-77/AT-2: 24,56 t/23,95 t
Anhängelast: 22,68 t
MLC: 26
Kraftstoffvorrat: 617 l
Kraftstoffverbrauch: ~ 130 l/100km
Fahrbereich: 480 km Straße
Steigfähigkeit: 60 %
Querneigung: 40 %
Kletterfähigkeit: 760 mm
Grabenüberschreitfähigkeit: 2.310 mm
Watfähigkeit: 1.000 mm
ABC-Anlage: M13A1
Besatzung: 3 (Fahrer, Bediener, Kommandant)
Panzerung: geschweißtes Aluminium (Kabine Typ 7039, Fahrgestell Typ 5038) gegen Handfeuerwaffen bis 7,62 mm und Granatsplitter
Hauptbewaffnung: 2 Raketenstartbehälter mit je sechs 227 mm Raketen (MFOM) oder einer 604,7 mm (ATAMCS)
Sekundärbewaffnung: keine, Handwaffen (Uzi Fahrer, G3 (G36) Bediener u. Kommandant)
Produktionszahlen: ca. 1.450 in 14 (+1) Ländern (davon 10 NATO-Staaten)

Betreiberländer (Stück):

Land Stückzahl
USA 800+
Türkei 168
Deutschland 154
Großbritannien 63
Südkorea 58
Frankreich 56
Israel 48
Japan 54+, 63 geplant
Italien 22
Niederlande 22
Griechenland 36
Dänemark 8
Norwegen 12
Bahrein 9

Verwandte Fahrzeuge sind HIMARS und M4 Command and Control Vehicle (C2V), XM5 Electronic Fighting Combat Vehicle (EFCV).



Ein MLRS der US Army mit Wüstentarnanstrich



Interne Links zum Thema

Bildergalerie

Munition



Weiterführende Literatur/Links

David Miller, Moderne Gefechtswaffen, Motorbuch Verlag
Tom Clancy,  Armored Cavalry. Die verbundenen amerikanischen Panzereinheiten, Heyne Verlag
Soldat und Technik Bericht zum MARS/ MLRS
offizielle Herstellerseite, http://www.missilesandfirecontrol.com
Film zum Download: http://www.redstone.army.mil/history/systems/MLRS.html



 

Text by Dirk. Letztes Update:  7. September 2007