M551 Sheridan



Ein M551 Sheridan der 82. Luftlandedivision (Fort Polk, Louisiana, USA im Oktober 1996) (Picture by US Army)

Der nach dem amerikanischen Generalleutnant Philip H. Sheridan benannte M551 Sheridan wurde in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts für die US Army entwickelt. Das leichte und auch luftverlastbare Panzerfahrzeug (Armoured Reconnaissance Airborne Assault Vehicle) lässt sich schnell in jedes Krisengebiet bringen und die starke Bewaffnung machen den M551 zu einem sehr effektiven Aufklärungsfahrzeug, welches sich auch gegen stark gepanzerte Feindkontakte zur Wehr setzten kann. In der Praxis stellten sich jedoch viele Nachteile ein, die im folgenden noch beschrieben werden.



Technik

Von der Konfiguration her ist der Sheridan bis auf die 152 mm Kanone M81, die auch Flugkörper verschießen kann, ein relativ gewöhnlicher Panzer mit einem in der Wannenmitte sitzenden Turm aus gewalztem Panzerstahl. Auch das über normale Drehstäbe gefederte Fahrwerk stellt keine neue Innovation dar, allerdings besteht die Wanne aufgrund der Forderung nach Luftlandefähigkeiten aus einer leichten Aluminiumlegierung. Der Turm, der einen Drehkopfdurchmesser von 1,90 m besitzt, lässt sich mittels eines Elektromotors um 360° drehen und beherbergt den Kommandanten, den Richtschützen sowie den Ladeschützen. Die sich hinten rechts am Turm befindende Kommandantenkuppel hat eine geteilte Lukenöffnung, die sich in zwei Richtungen öffnen lässt und beim Ein- oder Ausstieg unter Gefechtsbedingungen eine höhere Sicherheit bietet. Unter Luk kann der Kommandant die Umgebung durch 10 Winkelspiegel beobachten, die sich bei Bedarf durch ein Infrarotsichtgerät ersetzen lassen, welches Sicht bei Nacht und/oder Nebel ermöglicht. Ein Laserentfernungsmesser des Typs AN/VVG-1 steht dem Kommandanten ebenfalls unabhängig vom gewählten Sichtmodus (Winkelspiegel oder IR-Gerät) zur Verfügung. Vorne rechts im Turm sitzt der Richtschütze. Seine Hauptaufgabe besteht neben der Handhabung des Koaxialmaschinengewehrs in der Bedienung des Zielgerätes M127E1, welches mittlerweile das Vorgängermodell M119 ersetzt hat. Des weiteren bringt der "Gunner" die ebenfalls verschießbaren Flugkörper vom Typ MGM-51 "Shillelagh" mit Hilfe eines elektronischen Feuerleitsystems ins Ziel. Das M127E1 hat nun auch einen Laserfilter um die Augen des "Gunners" zu schützen, der den Panzer durch die Luke des Kommandanten betritt. Der Ladeschütze hat die Aufgabe die Kanone mit den 22 kg schweren Granaten oder dem MGM-51 Shillelagh zu laden. Sein Platz im Turm befindet sich hinten links und ist durch eine eigene Luke zu erreichen. Neben der eigentlichen Bewaffnung verfügt der Sheridan noch über zwei Nebelwurfanlagen, die mit jeweils vier Rauchgranaten geladen werden. Diese Selbstschutzanlagen sind auf der Außenseite des Turmes, jeweils links und rechts, montiert und versetzen den Kommandanten in die Lage seinen Panzer innerhalb von 10 Sekunden vollständig einzunebeln. Außen am Turm befindet sich auch die Reservemunition für die beiden Maschinengewehre in Form von Gurtkästen.
Im Gegensatz zum Turm besteht die Wanne wie bereits erwähnt aus einer Aluminiumlegierung. Vorne in der Mitte der Wanne befindet sich der Platz des Fahrers, der über drei Winkelspiegel nach außen blickt, wobei wahlweise anstatt der Spiegel auch ein Infrarotsichtgerät montiert werden kann. Hinten im Rumpf sitzt ein 300 PS starker V6 Detroit Dieselmotor, der über ein Allison TG-250-2A Getriebe seine Kraft auf die hinten am Laufwerk sitzenden Antriebsräder überträgt. Die Kette läuft über fünf große Laufrollen und eine vordere Umlaufrolle. Stützrollen auf denen die Kette aufliegt sind keine vorhanden. Das geringe Gewicht der Wanne ermöglicht zwar die Möglichkeit einer Luftlandung des M551, denn er kann an einer Traube aus mehreren Fallschirmen aus einem C-5B Galaxy oder C-17A Globemaster III Transportflugzeug abgeworfen werden, aber ein ausreichender Panzerschutz lässt sich durch die leichte Alu-Legierung nicht realisieren. Zwar sind Mannschaft und Aggregate vor MG-Feuer und Granatsplittern geschützt, doch der dünne Aluminiumrumpf, in dessen Zellen Schaumgummi eingearbeitet ist, um den Panzer bedingt schwimmfähig zu machen, gewährleistet keine Sicherheit gegen Panzerabwehrwaffen und im Vietnamkrieg konnte in der dichten Dschungelvegetation hinter jedem Baum ein Vietcong mit RPG lauern. Eine weitere Bedrohung stellen Minen dar und während des Vietnamkrieges weigerten sich viele Besatzungen innerhalb des Panzers zu fahren, den eine Mine konnte leicht die dünne Bodenpanzerung durchdringen und im Inneren explodieren. Hinzu kommt noch die Gefahr, dass dabei auch die empfindliche 152 mm Munition entzündet wird.



Abschuss einer Shillelagh. (Picture by US Army)

Bewaffnung

Die Hauptbewaffnung des Sheridan ist die 152 mm M81 Kanone, welche von der Abteilung Aeroneutronics der Ford Motor Company aufgrund eines Beschluss des Pentagon vom 11. Juni 1959 entwickelt wurde. Die Entwicklungsarbeiten dauerten allerdings bis 1964. Dieses 152 mm Doppelzweckgeschütz verfügt über ein gezogenes Rohr und ist in der Lage sowohl infrarotgelenkte Panzerabwehrlenkraketen des Typs MGM-51 Shillelagh als auch herkömmliche drallstabilisierte Granaten im Kaliber 152 mm zu verschießen. Der Shilllelagh verfügt über einen Hohlladungsgefechtskopf und kann bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 314 m/s selbst schwerste Panzer in einer Entfernung von mehr als 2.500 Meter zerstören. Man wollte damit eine wirksame Panzerabwehrwaffe gegen die russischen T-54/T-55 entwickeln, die dem M48 in punkto Feuerkraft überlegen waren. Die herkömmliche Munition besitzt eine 3,2 kg schwere Treibladung sowie eine elektrische Zündkapsel, die Hohlladungsgranate hat ein Gewicht von 2,5 kg. Um der MGM-51 beim Abschuss keinen Drall zu geben, wird die Rakete mit einer Keilnut im Rohr geführt, so dass sich der Drall des Rohres nicht auf die Rakete überträgt. Nach Verlassen des Rohres klappen am Heck automatisch Stabilisierungsflügel aus. Im Flug wird die Shillelagh mit einem halbautomatischen Infrarotleitsystem gesteuert, der Schütze muss lediglich die Visiermarke auf dem Ziel halten. Da die Kanone in zwei Ebenen stabilisiert ist, kann auch während der Fahrt mit dem Shillelagh gefeuert werden. Die Kanone hat eine Gewicht von 498 kg und ist damit nicht schwerer als die 76 mm Kanone des M4A3 Sherman Panzers. Der Verschluss ist eine Konstruktion der Firma Allision und wird elektrisch betätigt. Es handelt sich um ein abtrennbares Bodenstück mit einer Metallringabdichtung. Zum Öffnen betätigt der Ladeschütze den Öffnerknopf, das Bodenstück dreht sich um 30° und schwenkt anschließend um 60° nach links aus der Zuführlinie heraus. Nach dem Laden schließt das Bodenstück analog in umgekehrter Reihenfolge. Bei Ausfall der Elektrik ist jedoch auch eine Bedienung von Hand möglich. An der Rohrwiege ist die Rücklaufeinrichtung befestigt, die aus einem kombinierten Hydraulik-Federsystem besteht. Die Munition wird elektrisch gezündet. Lange Zeit gab es aber erhebliche Probleme mit der verbrennenden Treibladung. Sie brannte nicht vollständig ab, so dass brennende Treibladungsreste nach dem Öffnen des Verschlusses in den Kampfraum gelangten. Das Rohr wurde stark mit Restteilen der Ladung verschmutzt und setzte dabei das Feuerleitsystem außer Kraft, da die Pulverrückstände in die Elektrik eindrangen und sie zerstörten. Außerdem neigten die Treibladungen über einen längeren Zeitraum dazu übermäßig Luftfeuchtigkeit aufzunehmen, was die Problematik verstärkte. Später bekam man dies durch konstruktive Änderungen in den Griff. Unter anderem wurde die Zusammensetzung der Pulverladungen verändert und das Rohr wurde mit einem Rauchabzug in der Mitte des Laufes ergänzt. Neben dem MGM-51 Shillelagh sind an herkömmlicher Munition die Hohlladungsgranate M-409-HEAT-MP, die Nebelgranate M-410-WP und die Panzergranate M-411-TP für den Kampfeinsatz der 152 mm M81 vorgesehen. Die Panzergranate ist vermutlich aber nur zum Übungsschießen verwendet worden. Für das Erreichen einer ausreichend hohen Anfangsgeschwindigkeit ist das Rohr der M81 ohnehin zu kurz, die HEAT Munition erreicht beispielsweise eine Mündungsgeschwindigkeit von 734 m/s. Insgesamt führt der Sheridan 20 konventionelle 152 mm Granaten sowie 10 Shillelagh mit.

Doch der M551 litt wie schon erwähnt unter vielen Mängel, die meist erst beim Einsatz in Vietnam in Erscheinung traten. Bemerkenswert war der hohe Wartungsaufwand des Geschützes. Der Verschluss musste regelmäßig in kurzen Abständen geöffnet und gereinigt werden da, er sehr stark korrosionsanfällig war. Es gibt Berichte darüber, dass komplette Geschütze gewechselt werden mussten, weil die Besatzung den Verschluss wenige Tage verschlossen gelassen hatte und das Bodenstück bis auf die Dichtungsringe völlig festgerostet war. Besonders kritisch ist für die Besatzung auch die sehr hohe Belastung des Panzers beim Rücklauf, wenn mit HEAT Granaten geschossen wird. Berichten zufolge kann sich der Sheridan dabei bis zur zweiten Laufrolle aufbäumen, was dann nicht selten zu Beschädigungen an der Ausrüstung führt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Chassis einfach zu leicht für die schwere 152 mm Kanone ist.

Zusätzlich zur Kampfwagenkanone ist im Turm ein M240 oder ein M73 7,62 mm Maschinengewehr als Koaxialbewaffnung in der Kanonenblende eingebaut, das sich wie die Kanone +19,5° heben und -8° senken lässt, und vom Richtschützen bedient wird. Auf dem Dach des Turms ist zusätzlich noch ein schweres M2 MG von Browning im Kaliber 12,7 mm zur Luftabwehr installiert. Es wurde in Vietnam aber hauptsächlich gegen feindliche Infanterie eingesetzt. Die Reservemunition der MGs wird in Gurtkästen an den Außenseiten des Panzerturms mitgeführt. Als die M551 Sheridan erstmals zum Einsatz kamen, bemängelten viele Kommandanten, dass sie keinen Panzerschutz hatten, wenn sie das M2 bedienten. Daraufhin bauten viele Panzerbesatzungen die MG- Schilder des M113 ein. Später wurde ein Rüstsatz entwickelt, der bei der Truppe als Vogelkäfig bezeichnet wurde und dem Kommandanten nun einen zuverlässigen Rundumschutz bot.



Ein M551 steht auf einem "K-Loader" bereit um in eine C-5B Galaxy verladen zu werden. (Pope AFB, North Carolina 1988) (Picture by US Army)

Einsatz

Im Juli 1968 hatte der M551 seine Feuertaufe in Vietnam. Zu Beginn wurde er nur vom 11. gepanzerten Kavallerieregiment eingesetzt, doch zwei Monate später war auch das 3. Geschwader der 4. Kavalleriedivision mit dem Sheridan ausgerüstet und bis 1970 war der Panzer bei nahezu jeder Kavallerieeinheit zu finden. Während des Einsatzes in Vietnam kamen wie bereits erwähnt viele Mängel zu Vorschein, so dass der M551 in die zweite Reihe zurückgezogen wurde und nur noch bei gelegentlichen Aufklärungseinsätzen Verwendung fand. Bereits 1978 hat man damit begonnen das Fahrzeug aus den Verbänden herauszunehmen, doch 1989 in Panama sowie während der Operation Desert Shield kam der Sheridan noch einmal zum Einsatz. Das Hauptaufgabengebiet lag auch hier wieder in der schnellen Aufklärung. Heute verwendet nur noch die 82nd Airborne Division den M551 Sheridan, aber eine große Anzahl an M551 wurde auch zu Feindpanzerattrappen umgewandelt, die als OPFOR Einheiten im National Training Center in Fort Irwin, Kalifornien dienen. Etwa 330 Sheridans wurden optisch zu BMP-2 (Boyevaya Mashina Pyekhota) Schützenpanzern umgebaut, indem man sie mit dem Turm des M2 Bradley versah, da dieser dem des BMP am ähnlichsten ist. Weitere Fahrzeuge, die der Sheridan simuliert, sind der BMP-1 oder der T-80.



Und raus damit... Ein M551 kurz nach dem Abwurf aus einer C-5B Galaxy. Die ersten Tests mit Fallschirmabwürfen wurden 1973 abgebrochen, da an den Flügeln der Galaxy Stabilitätsprobleme aufgetreten waren. Erst in den 80er Jahren nahm das USAF Airlift Center die Versuche wieder auf. (Picture by US Army)

Bezeichnung des Fahrzeugs: M551 Sheridan
Typ: Armoured Reconnaissance Airborne Assault Vehicle
Hersteller: Allision Division of General Motors, Cleveland, Ohio, USA
Baujahr: 1966 bis 1970
Indienststellung: 1967
Motor: wassergekühlter Detroit Diesel-V6-53t mit 2 Turboladern
Zylinderzahl, Anordnung: 6, V-Anordnung
Drehzahl: 2.800 U/min
Höchstleistung: 300 PS
Leistungsgewicht: 18,9 PS/t
Höchstgeschwindigkeit: vorwärts 69 km/h,
rückwärts 16 km/h,
im Wasser 5,8 km/h
Getriebe: Allison TG-250-2A Getriebe (5 Vorwärtsgänge, 1 Rückwärtsgang)
Federung: Drehstabfederung
Länge über alles: 6,29 m
Breite über alles: 2,82 m
Höhe über alles: 2,27 m, mit Fla-MG: 2,95 m
Feuerhöhe: 1,90 m
Bodenfreiheit: 0,48 m
Gewicht: Leergewicht 13,6 t,
Gefechtsgewicht: 15,85 t
Kraftstoffvorrat: 598 l
Kraftstoffverbrauch: 107 l/100 km
Fahrbereich: 560 km
Steigfähigkeit: 60°
Querneigung: 40°
Kletterfähigkeit: 840 mm
Grabenüberschreitfähigkeit: 2.400 mm
Watfähigkeit: 1.200 mm
Besatzung: 4 (Kommandant, Fahrer, Richtschütze, Ladeschütze)
Panzerung: 40 bis 50 mm am Turm
Hauptbewaffnung: 152 mm Kanone/FK-Startgerät M81 (10 MGM-51 Shillelagh Raketen und 20 Schuss HEAT Munition)
Sekundärbewaffnung: 1 x 7,62 mm M240 MG (koaxial, 3.080 Schuss), 1 x 12,7 mm M2 FlaMG (1.000) 2 x 4 Nebelwurfbecher
Produktionszahlen: 1.662

Ein Sheridan der 82. Luftlandedivision während der Operation Desert Shield. (Picture by US Army)



Interne Links zum Thema

Der M551 als Feindpanzerattrappe



Weiterführende Literatur/Links.

Infos zur M81 Kanone von Kampfpanzer im Detail.



 

Text by UncleK, Sir Henry. Letztes Update:  7. September 2007