Zobel

leichter Panzerspähwagen


Der einzige Zobel, der gebaut wurde, ist heute in der Wehrtechnischen Studiensammlung in Koblenz zu bewundern.

Die Zobel-Story, oder wie daraus ein Fennek wurde

Ein neuer Panzerspähwagen für die Bundeswehr

Mitte der 80er Jahre wurde von der Panzeraufklärungstruppe ein neues Fahrzeug gefordert. Dieses Fahrzeug sollte das Nachfolgefahrzeug des Spähpanzer Luchs bei der Panzeraufklärungstruppe werden, aber auch als Aufklärungsfahrzeug in den Panzer- und Panzergrenadierbataillonen dienen.
Die wesentlichen Anforderungen, die an das neue Fahrzeug gestellt wurden, waren:

 

  • leises wendiges Fahrzeug mit niedriger Silhouette und drei Mann Besatzung
  • Spähaufklärung bis zu einer Dauer von sieben Tagen
  • großer Fahrbereich
  • hohe Fahrgeschwindigkeit
  • Rückwärtsfahrhilfe
  • Beobachtungsmöglichkeit bei Nacht und bei eingeschränkter Sicht (auf- und abgesessen)
  • Schwimmfähigkeit
  • Notwehrwaffe gegen ungepanzerte Ziele
  • Panzerabwehrhandwaffe
  • Schutz rundum gegen Infanteriewaffen bis Kaliber 7,62 mm SMK ab 30 m
  • ABC-Schutzbelüftung
  • Schnellvernebelungsanlage
  • Datenübertragung

Erste Planungen gingen von einem Bedarf von 1.714 Stück aus. Das Angebot von entsprechenden Fahrzeugen wurde im Rahmen einer Marktsichtung betrachtet, um nach Möglichkeit eine kostenaufwendige nationale Eigenentwicklung zu vermeiden. Als Ergebnis konnte 1986 das Véhicule Blindé Légère (VBL) der französischen Firma Panhard bei der Wehrtechnischen Dienststelle in Trier vorgestellt werden. Das VBL entsprach aber in keinster Weise den Forderungen, die an ein neues Fahrzeug gestellt wurden. Parallel zur Marktsichtung wurden die Forderungen an einen Spähwagen konkretisiert und in Entwürfe für das erste Phasendokument 'Taktische Forderung' (TaF) eingearbeitet. Studien wurden durch die Firmen Gesellschaft für Systemtechnik (GST), Daimler Benz (DB), Thyssen- Henschel (THK) und MaK erstellt.

 

Als Ergebnis der Vorphase wurde in der TaF festgehalten:

 

  • Auf dem Markt sind verschiedene Fahrzeuge verfügbar, die aber erst einer Anpassentwicklung bedürfen.
  • Das Konzept Zobel der Firma GST erfüllt die Forderungen an einen Spähwagen am besten.

 

Die militärischen Forderungen wurden wie folgt präzisiert und ergänzt:

 

  • Einbau Fahrzeugnavigationsanlage
  • Bewaffnung: MG
  • Einbau eines Wärmebildgerätes
  • Einbau eines Entfernungsmessers
  • Ausstattung mit Bodensensoren zur Überwachung von Räumen.

 

Aufgrund der neuen Heeresstruktur 2000 war mittlerweile nur noch ein Gesamtbedarf von 800 Spähwagen notwendig, da im Rahmen dieser neuen Struktur nur die Panzeraufklärungstruppe mit einem neuen Fahrzeug ausgestattet werden sollte. Der Spähwagen sollte in das System “Aufklärungsmittel Heer” eingebunden werden.

Der weitere Zeitplan sah vor, dass das Vorhaben mit einer vergleichenden Bewertung des Experimentalfahrzeugs Zobel der Firma GST und anderen am Markt verfügbaren Fahrzeug fortgeführt werden sollte.
Die dafür notwendige TaF wurde am 10.Oktober 1988 genehmigt. Das nächste Phasendokument, die 'militärisch, technische, wirtschaftliche Forderung', kurz MTWF, war für 1989 geplant, die Auslieferung sollte im Jahr 1994 beginnen.




Der Zobel setzt sich durch...

Mitte 1989 konnte wie geplant der Vergleich des Zobel mit dem auf dem Mark verfügbaren VBL von Panhard erfolgen. Der Zobel wurde hier eindeutig Sieger. Die Firma MaK, die in der Zwischenzeit eine Kooperation mit Panhard eingegangen war, bot daraufhin eine verbesserte Version des VBL an. Auch diese Version wurde mit dem Zobel verglichen, mit dem selben Ergebnis. Ende Januar 1990 konnte die Bewertung abgeschlossen werden. Der Zobel der Firma GST war in nahezu allen Belangen überlegen, das VBL lag im Erfüllungsgrad der TaF deutlich zurück.




... geht auch hoffnungsvoll in die 2. Runde

Die politischen Umwälzungen 1989/90 hatten aber zur Folge, dass das gesamte Spähwagenvorhaben noch einmal grundsätzlich überdacht wurde. Die Klärung dieser Frage dauerte bis ins Jahr 1991, dann stand aber fest, dass man auch in Zukunft Spähwagen brauchen würde. Um Kosten zu sparen, da es wider erwarten nicht zu einer deutsch/französischen Zusammenarbeit gekommen war, wurden aber folgende Kostenreduzierungsmaßnahmen angestrebt:

 

  • Beschaffung zunächst nur eines Loses von 336 Stück im Planungszeitraum bis 2001 mit Option auf ein zweites Los von 380 Stück nach 2001.
  • Ausschreibung der Serie nach Auswahl des Serienfahrzeugs

 

Als Ergebnis von Konzept- und Definitionsphase wurde das Konzept Zobel für die weitere Entwicklung festgeschrieben, MTWF 7/92. Folgende Funktionseinheiten wurden auch im Hinblick auf mögliche neue Aufgaben festgelegt:

 

  • Schwimmfähiges, voll geländegängiges, lufttransportfähiges (Transall) Basisfahrzeug, das einen logistisch unabhängigen Einsatz bis zu sieben Tagen ermöglicht
  • Elevierbare Beobachtungseinrichtung, die die Beobachtung aus dem Fahrzeug bei Tag, Nacht und eingeschränkter Sicht sicherstellt
    Bewaffnung mit lafettierter, unter Panzerschutz zu bedienender, Granatmaschinenwaffe 40 mm zur Selbstverteidigung sowie Panzerfaust 3
  • Funkgeräteausstattung, die die Verbindung von Spähwagen untereinander sicherstellt und den Informationsaustausch mit den Gefechtsständen der Panzeraufklärungstruppe gewährleistet, einschließlich der Möglichkeit von Datenein- und ausgabe mittels Kurzzeitübertragung
  • Schutz rundum gegen 7,62 mm SMK ab 30 m

Vier Truppenversuchsmuster sollten in den Jahren 1993 und 1994 beschafft und auf die Serie angerechnet werden. Das MTWF wurde genehmigt (1992) und das Vorhaben Spähwagen wechselte zum Heeresamt.
Nach der endgültigen Entscheidung das Vorhaben auf Basis des Zobel weiterzuführen, erfolgte die Angebotsaufforderung im Oktober 1992. Andere Konzepte als der Zobel waren zu berücksichtigen, wenn sie die wesentlichen Forderungen erfüllten und eine Realisierung der Serie möglich erschien.

 

Folgende fünf Firmen gaben daraufhin ein Angebot ab:

  • DAF SP/ Wegmann
  • Industriewerke Saar
  • Kraus-Maffei/Mercedes
  • MaK/Panhard
  • Thyssen-Henschel



...und verliert durch politischen K.O. in der 3. Runde

Die Angebote wurden ausgewertet und im Juli lagen die Ergebnisse vor. Eigentlich hätten nun auf Basis dieser Ergebnisse die Vertragsverhandlungen beginnen können, aber es bot sich überraschend die Möglichkeit mit den Niederländern eine Kooperation einzugehen. In bilateralen Expertengesprächen zeigte sich, das es weitgehende Übereinstimmung der konzeptionellen und taktisch-operativen Rahmenbedingungen bezüglich eines zu bauenden Spähwagens gab. Abweichende Vorstellungen bestanden in folgenden allerdings wesentlichen Forderungen:

 

  • Schwimmfähigkeit
  • Rückwärtsfahrhilfe
  • ABC-Sammelschutz
  • Ballistischer Schutz

Die niederländische Seite sah die drei erstgenannten Forderungen für ihr Fahrzeug nicht als notwendig an und wollte einen geringeren ballistischen Schutz. Mitte 1993 wurde dann aber folgender Kompromiss erzielt: Die Niederlande stimmten den Forderungen nach ballistischem Schutz gegen Hartkernmunition und ABC-Sammelschutz zu und Deutschland verzichtete auf die Schwimmfähigkeit und die Rückwärtsfahrhilfe.
Aufgrund der geänderten Forderungen war eine neue Ausschreibung notwendig. Sie sollte auf der Basis der deutschen Ausschreibung von 1993 stattfinden, aber mit dem Unterschied, dass nur die zwei bestplatzierten Anbieter von damals zur Abgabe eines Angebots aufgefordert werden sollten. Die Firmen DAF/Wegmann und Krauss-Maffei/Mercedes gaben daraufhin Ende März 1994 jeweils ein neues Angebot ab. Der Sieger ist bekannt, es handelt sich um die Firma Wegmann mit dem Fennek.

Interessant ist aber noch, dass Kraus-Maffei/Mercedes zwei Fahrzeuge angeboten hatte. Die Konzepte hatten den Namen K1 und K2. Bei dem K1 Konzept handelte es sich um ein Weiterentwicklung des Konzepts von 1993. Beim K2 Konzept dagegen handelte es sich um ein völlige Neuentwicklung auf Basis eines Unimogs. K2 kann daher als Vater des Dingo angesehen werden.

So ist der Zobel niemals über den Stand eines einzelnen Experimentalfahrzeugs hinausgekommen und das, obwohl er ein hervorragendes Fahrzeug mit ausgezeichneten Eigenschaften war.



Auf diesem Bild ist gut die niedrige Silhouette des Zobel zu erkennen, der Propf auf der Heckscheibe sollte als Schiessöffnung für Handfeuerwaffen dienen.

Bezeichnung des Fahrzeugs: Zobel
Typ: Experimentalstudie eines leichten gepanzerten Spähfahrzeugs
Entwicklung: Gesellschaft für Systemtechnik mbH, Essen (GST)
Hersteller: Industriewerke Saar (IWS)
Baujahr: 1989
Motor: DB OM 603A Viertakt Turbodiesel
Zylinderzahl, Anordnung: 6 Reihe
Hubraum: 2.996 cm³
Bohrung x Hub: 87 x 84 mm
Drehzahl: 4.600 U/min
Max Drehmoment: 265 Nm bei 2.400 U/min
Höchstleistung: 143 PS/105 kW
Gemischaufbereitung: Vorkammereinspritzung durch Bosch Sechsstempelpumpe und Garret Abgasturbolader
Getriebe (Gänge): ZF 4 HP 22 Hydrodynamisches Planetengetriebe mit permanentem Allradantrieb ( 4/1 )
Kupplung: Hydrodynamischer Drehmomentwandler mit Überbrückungskupplung
Kraftübertragung: Permanentallradantrieb mit 100% unter Last schaltbaren Differentialsperren in Verteiler- und Achsgetriebe, Planetengetriebe im Radkopf
Fahrgestell: selbsttragende Panzerwanne, Einzelradaufhängung
Federung / Dämpfung: Hydropneumatische Federung und Dämpfer
Höchstgeschwindigkeit (v/r): 125/45 km/h
Lenkung: Servolenkung auf Vorderräder, Allradlenkung
Lenkradius: 12 m (9,5 m mit Allradlenkung)
Bremse: Scheibenbremse, pneumatisch- hydraulisch betätigt
Länge über alles: 4.690 mm
Breite über alles: 2.300 mm
Höhe über alles: 1.830 mm
Bodenfreiheit min/max: 250/600 mm
Bereifung: Michelin 12.5 R 20 XL oder Conti 305/55 R 675 mit Notlaufeigenschaften
Gefechtsgewicht: 5.310 kg
Kraftstoffvorrat: 125 l
Kraftstoffverbrauch: Straße 15,6 l/100 km
Fahrbereich: Straße 800 km
Steigfähigkeit: 100%
Kletterfähigkeit: 400 mm
Schwimmfähigkeit: 10 km/h über 2 vorn angebrachte starre Propeller, Steuerung über Drehzahländerung, Hauptschwimmrichtung Fahrzeugheck voraus
Besatzung: 3
Panzerung: Rundum gegen Beschuss durch 7,62 mm SMK ab 30 m Entfernung
Hauptbewaffnung: je nach Auftrag und Ausrüstung
Sekundärbewaffnung: je nach Auftrag und Ausrüstung
Produktionszahlen: 1

Frontansicht. Auffällig die Anordnung der beiden Propeller für Wasserfahrt an der Fahrzeugvorderseite.


 

Text by Delta,Paladin; Korrektur: Styx, Dirk, UncleK. Letztes Update:  7. September 2007