Willys Overland MB (Jeep)



Willys im Museum für Militär- und Zeitgeschichte Stammheim

Entwicklung

 

Als im Jahre 1940 der Kriegsbeitritt der USA nahezu unausweichlich war, entschied das Ordonance Technical Committee (Technischer Ausschuss der Feldzeugtruppe), dass ein geländegängiges Fahrzeug für die Fortbewegung der Soldaten in schlammigem Gelände und den Transport dieser zu entfernten Einsatzorten gebaut werden müsste. Am 27. Juni 1940 wurde die Ausschreibung für den späteren "Jeep" herausgegeben. 135 Hersteller wurden angeschrieben. Jeder sollte innerhalb von 75 Tagen 70 Fahrzeuge liefern. Aufgrund der hohen Anforderungen nahmen allerdings nur drei Firmen teil: Bantam, Willys Overland und Ford. Folgende Anforderungen wurden an den Prototypen gestellt, der binnen 49 Tagen fertig gestellt werden sollte: Bei einem Höchstgewicht von 590 kg eine Nutzlast von 272 kg, der Motor musste ein Drehmoment von 11,7 mkp (115 Nm) entwickeln, der Radstand durfte höchstens 2 m, die Spur 1,19 m betragen. Willys musste allerdings, da die Achsen nicht rechtzeitig geliefert werden konnten, die Frist auf 120 Tage verlängern lassen, wobei jeder zusätzliche Tag 5$ Strafe kostete. Zuerst sollte Bantam den Auftrag bekommen, die den Wagen in nur 5 Tagen entwickelten und in den vorgegebenen 49 Tagen den Bau des Prototypen durchzogen. Der Chefkonstrukteur von Willys, Barney Roos, empfand die Vorlagen als nicht einhaltbar und so einigte man sich später, als keiner der drei die Vorgaben einhalten konnte, auf folgende Eckpunkte:

 

  • Eine Höchstgeschwindigkeit auf ebener Straße von nicht weniger als 88 km/h bei einer Motordrehzahl, die die der Höchstleistung nicht übersteigt.
  • Eine Mindestgeschwindigkeit von nicht mehr als 5 km/h.
  • Die Fähigkeit, Wasserläufe mit mindestens 480 mm Wassertiefe zu durchqueren, mit einer Geschwindigkeit von mindestens 5 km/h, ohne dass das Wasser auf das Fahrzeug eine Wirkung zeigte.
  • Für die Reifen der Antriebsräder werden Gleitschutzketten gefordert, die beim Befahren gefährlichen Terrains häufig benutzt werden. Die Konstruktion des Wagens soll ein zufriedenstellendes Aufziehen und Verwenden der Gleitschutzketten gestatten.
  • Das Gewicht des vollausgerüsteten Wagens, jedoch ohne Kraftstoff, Gleitschutzketten und Nutzlast soll 950 kg nicht übersteigen bei Zweiradlenkung und 987 kg bei Vierradlenkung und es sollen alle Anstrengungen unternommen werden, die sich mit ingenieurmäßigem Vorgehen vereinbaren lassen, das Gewicht zu verringern.
  • Die Nutzlast soll 363 kg betragen bei voller Besatzung und mit Rädern vom Militärtyp.
  • Der vordere Böschungswinkel muss mindestens 45° betragen, der hintere 35°, wobei das Fahrzeug voll ausgerüstet, beladen und waagerecht stehen muss.

Die drei Wettbewerber schafften das Gewichtslimit und so begann die Schlacht zwischen den 4.500 Fahrzeugen (je Firma 1.500) im Testgelände. Es wurde im Querfeldein- sowie im Alltagsbetrieb getestet. Zahllose Prüfer suchten Fehler und Mängel. Aufgrund des 60 PS Willys Motor (die beiden anderen hatten 45 PS Traktormotoren) und der vergleichsweise unbedeutenden Fehler sowie der guten Verarbeitung wurde der Willys Quad als Sieger gekürt.
Im Jahre 1941 wurden dann 18.600 Stück des verbesserten Modells A (MA) hergestellt. Allerdings waren die Armee und auch Willys selbst noch nicht zufrieden damit und erstellten eine Liste mit folgenden Änderungen:

  • Ein verbesserter Luftfilter im Ansaugtrakt.
  • Eine größere Lichtmaschine für die 6V Anlage, die einen Höchststrom von 40 Ampere abgab. Dies war die Einheits-QMC (Quatermaster Corps-) Baugruppe, die mit dem standardisierten, einheitlichen Regler betrieben wurde. Änderungen dieser Art waren nötig, um die Kompatibilität mit anderen Fahrzeugen zu gewährleisten. Notfalls konnten Fahrzeuge so ausgeschlachtet werden.
  • Der Tank musste im Volumen auf 54 Liter vergrößert werden. Dies war nur schwer zu lösen. Schließlich vergrößerte man den Tank so, dass er nicht mehr innerhalb des Rahmens lag.
  • Die Ingenieure des Heeres einigten sich auf "sealed beam" Scheinwerfer mit 127 mm Durchmesser, in denen Zweifaden-Glühbirnen leuchteten.
  • Anstelle der Batterie, die der Willys bisher hatte, forderte die Standardisierung die 2-H-Batterie, die in allen Fahrzeugen eingebaut war.
  • Die Handbremse wurde in die Mitte verlegt, um auch vom Beifahrer betätigt werden zu können.
  • Der Schalthebel, der bisher über Gestänge am Lenkrad schaltete, wurde so gebaut, dass er direkt ins Getriebe eingriff.
  • Die Spurstangen, die ohnehin schon hoch lagen wurden zum Schutz noch höher gelegt.
  • Die Schläuche der hydraulischen Bremsen sollten zusätzlichen Schutz erhalten.
  • Um die Kopffreiheit des Fahrers zu erhöhen, wurden statt einem Rohrspriegel zwei eingebaut.
  • Die Laschen der Blattfedern sollten durch Dichtungen geschützt werden.
  • Das Fahrzeug sollte Pioniergerät tragen können.
  • Die Beleuchtungseinrichtung wurden den gängigen Militäranlagen angepasst. Dazu gehörten der Tarnscheinwerfer und die Tarnbrems-, Rücklichter.
  • Die Armee forderte eine Anschlussmöglichkeit für einen Nebenantrieb über Zapfenwelle.

Aus diesen Angaben entwickelte Roos den Willys Modell B (MB) der später im Krieg berühmt wurde.



Werksfoto des ersten Willys Quad

Technik

Der Motor war ein Willys Modell 441 oder 442 "Go-Devil" Vierzylinder-Otto-Reihenmotor mit Wasserkühlung, der per L-Kopf seitengesteuert wurde. Er besaß vier Zylinder und hatte bei 4.000 Umdrehungen pro Minute eine Nennleistung von 60,8 PS (44,7 kW). Sein Hubraum betrug ca. 2,2 l. Er erreichte bei 2.000 U/min ein Drehmoment von 14,3 mkp (140 Nm) und hatte eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 105 km/h auf der Straße und bis zu 80 km/h im Gelände. Seine Zündfolge war 1-3-4-2. Die Motoren von Ford waren praktisch identisch, jedoch wurde der Deckel der Pleuellager mit Stehbolzen statt Schrauben befestigt. Die Pleuelstangen waren dadurch austauschbar. Der Leiterrahmen des Fahrgestells wurde von Midland Steel gefertigt. Das Fahrgestell besaß mit "U"-Federbügeln festgeschraubte Halbelliptik-Blattfedern vorn und hinten und verschraubte Federlager. Die vordere Feder links besaß zum Ausgleich der höheren Last (Motor, Tank, Fahrer) eine andere Federkonstante als die rechte Feder und wurde durch ein gelbes "L" gekennzeichnet. Alle Ford- und Willys-Modelle ab Seriennummer 146774 erhielten unter der linken Vorderfeder zusätzlich eine Feder zum Ausgleich des Gegendrehmoments (Diese konnte bei früheren Modellen nachgerüstet werden). In den Willys wurden hydraulische Stoßdämpfer eingebaut. An allen Reifen befanden sich hydraulische Bendix-Servobremsen und an der Antriebswelle zur Hinterachse befand sich eine mechanische Feststellbremse. Diese saß hinter dem Untersetzungsgetriebe und war überwiegend als Außenbandbremse ausgebildet. Die Räder erhielten geteilte "Combat"-Felgen und 6" x 16" Sechslagen-Reifen, welche meistens Geländeprofil hatten (Für die Marine-Version wurde kein geländegängiges Profil benötigt). Der Luftdruck auf allen Reifen betrug 2 bis 2,4 bar. Das Getriebe, welches ein Borg und Beck Modell 11123 war, besaß eine trockene Einscheibenkupplung. Der Durchmesser der drei Kupplungsscheiben betrug 200 mm. Das Schaltgetriebe war ein Warner Gear Modell t-84-J mit drei Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang. Es gab einen gesonderten Schalthebel zur Zu- und Abschaltung des Vorderradantriebes.
Er besaß eine 6V-Anlage, wobei die Masse am Minuspol lag. Die Scheinwerfer waren Sealed-Beam-Scheinwerfer an Schwenkarmen zur Motorraumbeleuchtung. An der Lichtmaschine konnte die Keilriemenspannung verringert werden. Dadurch spritzte der Lüfter bei Wasserfahrten kein Wasser über den Motorblock. Bei späteren Versionen wurde neben dem Beifahrersitz ein Anschlusskasten für das Funkgerät angebaut. Die Scheibenwischer, welche an der Oberseite der Fenster angebracht waren, wurden in frühen Versionen per Hand vom Beifahrer bewegt. Bei späteren Versionen wurde ein Elektromotor installiert. Das Fenster konnte im ganzen nach vorne umgeklappt werden, jedoch konnten auch, wenn das Verdeck verwendet wurde, die einzelnen Scheiben hochgeklappt werden. Die Verdeckstangen mussten, bevor das Verdeck aufgebaut werden konnte, nach hinten in eine Verankerung gezogen werden und konnten erst dann hochgeklappt werden. Es gab zwei Verdeckstangen, wobei die hintere das Verdeck an der Rückseite stütze und die vordere die Kopffreiheit des Fahrers erhöhte. Das Verdeck wurde durch Druckknöpfe an der Rückwand und an der Fensteroberkante befestigt. Es konnte unter dem Beifahrersitz verstaut werden. An den hinteren Ecken und hinter beiden "Türen" besaß der Jeep Hebegriffe, die benutzt werden konnten, um den Jeep über Baumstämme zu heben oder über Hindernisse zu tragen. Die vorderen Kotflügel konnten auch als Hebegriffe verwendet werden. Es gab einige Verstaufächer, die man am Jeep verwenden konnte. So gab es einen Werkzeugkasten in der hinteren linken Wand und das Fach für das Verdeck unter dem Beifahrersitz. Um wichtige Papiere und Marschbefehle sicher verstauen zu können, gab es in dem wasserdichten Fahrersitz einen Reißverschluss, damit man die Papiere dort verstauen konnte. Die hintere Rückbank war umklappbar, um dem MG-Schützen eine gute Standfläche zu bieten.



MG-Version des MB in Arromanches in der Normandie

Versionen

Natürlich gab es zahlreiche Versionen des Willys, die durch ihre jeweiligen Besitzer verändert wurden, jedoch auch viele, die werksgefertigt waren oder zumindest oft auftauchten. Die drei häufigsten Ausführungen waren natürlich zuerst die Standardversion, dann die mit dem 12,7 mm Browning M2 ausgestatteten MG-Versionen und die Funkversion, welche an der langen Antenne und dem Zusatz "S" auf dem Kennzeichen leicht zu erkennen ist. Während des Krieges wurden viele Jeeps mit dem so genannten Kabelschneider ausgestattet. Dieser war dazu da, Drähte und Seile zu kappen, welche die Deutschen über die Straßen spannten, um die Fahrer zu köpfen. Eine weitere Version war die zumeist von "Popsky´s Privatarmee" eingesetzte Art mit zwei Brownings auf der Motorhaube.
Die Briten begannen auch damit den Jeep als Krankenwagen umzubauen, dabei wurde eine Trage zwischen Rückwand und Motorhaube angebaut (der Beifahrersitz fiel weg) und zwei Tragen über dieser ersten und über dem Fahrer angebracht. Somit blieb nur noch Platz für den Fahrer und einen Sanitäter der sich an der Seite festhielt. Eine spätere Krankenversion hatte zwei Tragen auf der Motorhaube und zwei auf der Rückbank (alle mit der Kopfseite in Richtung Fahrer), wobei der Beifahrersitz für den Sanitäter frei blieb.
Die wahrscheinlich ausgefallenste Version, die jedoch oft verwendet wurde, war, dass der Jeep als Lokomotive eingesetzt wurde. Dabei wurden die Achsen auf Schienenbreite verlängert und Eisenbahnräder statt der Autoreifen angebracht. Diese "Lok" konnte einen Zug mit 25 Tonnen ziehen. Dabei schaffte er im Bereich des höchsten Drehmoments etwa 30 km/h. Zu den unbekannteren und selten eingesetzten Versionen gehört auch, dass der Jeep als Tischkreissäge verwendet wurde. Dabei wurde ein Riemen zwischen einem der Räder und der Achse der Säge angebracht. Wenn nun also der Fahrer Gas gab, konnte man zum Beispiel Holzstämme oder Ähnliches zu kleinen Holzscheiten verarbeiten. Zu diesen relativ geringen Umbauten kamen auch noch einige Prototypen. Ford zum Beispiel entwickelte auf Basis des Jeeps ein Amphibienfahrzeug, das jedoch wegen seiner schlechten Bedienbarkeit und Flexibilität nie eingesetzt wurde. Willys Overland selbst entwickelte noch einige Panzer die den Motor des Jeeps oder das ganze Fahrgestell besaßen. Diese konnten sich jedoch gegen die "richtigen" Panzer nicht durchsetzten, da auf Grund der geringen Motorstärke von 60 PS keine schwere Panzerung eingesetzt werden konnte. Von all diesen Prototypen gab es einige Stück, die jedoch nie über die Truppenerprobung hinaus verwendet wurden.



Die Lokomotiv Version des Jeeps im Tank Museum Brüssel. Dies ist allerdings kein MB, sondern der Nachfolger MC oder M38.

Einsatz

Als der Jeep fertig entwickelt war, befanden sich die USA noch nicht im Krieg, jedoch war es aber schon so gut wie sicher, dass die USA, im Falle des Kriegseintritts, auf Seiten der Sowjetunion und England kämpfen würden. Also statteten sie letztere bereits mit dem Willys aus. Dadurch war der Jeep schon bei Kriegseintritt der USA eines der berühmtesten Kriegsgeräte der Alliierten geworden. In den Jahren darauf gab es kaum eine wichtige Persönlichkeit, die die Schlachtfelder und Truppen nicht in einem Jeep aufgesucht hatte. Die flache Motorhaube wurde während des Krieges kurzerhand bei Bedarf in einen Esstisch oder Altar umgewandelt. Durch seine hohe Flexibilität stieg die Beliebtheit unter den Soldaten und irgendwann tat ihnen der Verlust eines Jeeps fast genau soviel leid wie der eines Kameraden. Der Jeep wurde je nach Einsatzgebiet und Kapazitäten oft mit einem 12,7 mm MG ausgestattet. Nicht selten nahmen statt den höchstzugelassenen vier Personen sieben oder mehr Soldaten Platz, wobei die meisten auf der Stoßstange oder der Seitenwand saßen. An so gut wie allen Fronten der USA und des Vereinigten Königreichs tauchte der Jeep auf.



Bezeichnung des Fahrzeugs: Willys Jeep
Typ: MB
Hersteller: Willys Overland
Baujahr: 1941-45
Motor: wassergekühlter Ottomotor
Zylinderzahl, Anordnung: Vier, Reihe
Hubraum: 2199 cm³
Drehzahl: 4.000 U/min
Höchstleistung: 60,8 PS
Höchstzugelassenes Gesamtgewicht: 1.656 kg
Höchstgeschwindigkeit: Straße 105 km/h Gelände 80 km/h
Getriebe (Gänge): 3-Gang plus Rückwärtsgang
Federung: Blattfeder
Länge über alles: 3.320 mm
Breite über alles: 1.570 mm
Höhe über alles: 1.830 mm
Bodenfreiheit: 220 mm
Spurweite: 1.230 mm
Radstand: 2.030 mm
Kraftstoffvorrat: 54 l
Kraftstoffverbrauch: Straße: 13 l/100 km
Gelände: 15 l/100 km
Fahrbereich: Straße: 420 km
Gelände: 360 km
Steigfähigkeit: 60%
Besatzung: 1 Fahrer, evtl. Schütze/Funker oder drei Mitfahrer
Bewaffnung: 12,7 mm MG Browning M2
Produktionszahlen: Willys: 361.349
Ford: 277.896




Interne Links zum Thema

Bildergalerie

Browning M2



Weiterführende Literatur/Links.

Michael Clayton, Der Jeep , MotorBuch-Verlag
Willys MB Fanpage, http://www.willysmb.de



 

Text by Mal O´Tannen. Letztes Update:  7. September 2007