Tankgewehr M1918



Das Mauser Tankgewehr im Oberndorfer Waffenmuseum

Überblick

1914 erstarrte die Offensive der Kaiserlichen Armee vor Paris an der Marne im Stellungskrieg, und die Strategen auf beiden Seiten übertrafen sich in dem Einsatz von Giftgas, Scharfschützen, Artillerie und Maschinengewehren.
Besonders die Tanks, die ab 1916 auf Seiten der Entente eingesetzt wurden, beeinflussten den Kriegsverlauf entscheidend. Sie konnten anfangs mühelos die feindlichen Gräben überwinden und MG-Nester ausschalten, dienten als Deckung für die nachrückende Infanterie und waren dabei fast unverwundbar. Einzelne Ausfälle gab es nur durch Treffer der Artillerie. Auf deutscher Seite wurde diese Waffe das erste Mal im Jahr 1914 ins Auge gefasst, aber als unnötig verworfen, und es dauerte vier Jahre bis die Kaiserliche Armee mit dem A7V Sturmpanzerwagen 1918 ihren ersten "Tank" ins Gefecht führte.
Das deutsche Heer hatte keine geeigneten Tankabwehrwaffen, das MG 08 mit Stahlkernmunition durchschlug die Panzerung nur mit viel Glück und auch nur nach konzentriertem Beschuss, aber selbst dann war der Ausfall nicht gewährleistet. Die Soldaten behalfen sich mit den sogenannten "Geballten Ladungen", mehrere an einer Stielhandgranate befestigte Handgranaten-Köpfe, doch der Einsatz der Geballten Ladung versprach auch nicht immer Erfolg und war zudem für den Werfer nicht ungefährlich.
Anfang Oktober 1917 beauftragte die Gewehr-Prüfungskommission die Firma Mauser mit der Entwicklung des TuF MGs, eines Schweren Maschinengewehres gegen Tanks und Flieger, lies das genaue Kaliber offen, schlug jedoch eines im Bereich von 13 bis 15 mm vor. Mauser entwickelte zusammen mit der Firma Polte die 13 x 92 mm Mauser Patrone mit Halbrand, aus der 1919 die .50 BMG (Browning Machine Gun, 12,7 x 99 mm) hervorging. Bei deren Entwicklung fanden auch erbeutete deutsche Tankbüchsen Verwendung. Das TuF MG wurde von der MAN weiterverfolgt, aber bis Kriegsende wurde nur ein Prototyp hergestellt.
Im November 1917 beschloss das Heereswaffenamt den Mauserwerken einen Auftrag für einen mit dem TuF MG kalibergleichen, aber schneller verfügbaren, Einzellader zu erteilen. Im Januar 1918 erfolgten erste Schussversuche mit einem ersten Prototypen, und im Mai 1918 waren die Mauserwerke zur Serienproduktion bereit.



Technik

Das Mauser Tankgewehr ist ein Zylinderverschluss-Repetierer mit einem Verschlusssystem ähnlich dem 98er System. Um die Ausbildung zu vereinfachen wurden alle Bedienelemente wie beim Mauser Gewehr 98 (G98) angeordnet. Das Tankgewehr entsprach bis auf die Dimensionen, den Pistolengriff und das massive Zweibein am Vorderschaft dem G98, was auch die entsprechend kurze Entwicklungszeit von nur vier Monaten erklärt.
Es existierten zwei verschiedene Versionen, das kurze Modell mit einem kürzeren, aber dickeren und somit schwereren Lauf, von dem nur etwa 300 Stück produziert wurden, und das normal lange Modell von dem es eine nachgewiesene Produktionszahl von ungefähr 16.500 gab. Wegen dem sehr hohen Gasdruck der 13 mm Mauser Patrone wurde der Lauf und die Systemhülse sehr massiv gearbeitet und am Verschluss Gasentlastungsbohrungen, die jedoch aus ungeklärten Gründen nicht bei jedem T-Gewehr vorhanden sind, und ein zusätzliches Warzenpaar vor dem Kammerstengel angebracht. Die Hülse hat einen Durchmesser von 6 cm. Der Lauf und der Verschluss sind getrennt, der Lauf wurde in das System eingeschraubt und dann durch drei Schrauben und einen Ring am Schaft befestigt. Der Schaft bestand bis auf einige Ausnahmen bei frühen T-Gewehren aus 2 Teilen. Der untere Teil des Kolbens war angeleimt. Der Schaft reicht bis zu dem ersten Drittel des Laufs. Am Beginn des Vorderschafts wird der Lauf mit einem Ring am Schaft befestigt, an dem auch per Bajonettverschluss das Zweibein angebracht wurde. Insgesamt war der Schaft 105 cm lang und an der breitesten Stelle 8 cm breit.
Diese für eine Infanteriewaffe gigantischen Abmessungen erklären auch warum beim T-Gewehr ein Pistolengriff am Schaft angeschraubt wurde, mit ca. 8 cm Durchmesser war der Schaft für den Schützen einfach zu groß. Hinzu kam der mörderische Rückstoss, der durch das Zweibein und das hohe Gewicht etwas gemildert wurde. Hätte dann auch noch der Schütze das Gewehr nicht richtig fassen können, wäre es nicht bei den üblichen blauen Flecken geblieben.



Der geöffnete Verschluss des Tankgewehres, gut zu sehen das zusätzliche Verschlusswarzenpaar vor dem Kammerstengel

Die Munition des Tankgewehres 13 mm Mauser (roter Pfeil), zum Vergleich die 8x57 IS (grüner Pfeil) (Picture by Tony William www.quarry.nildram.co.uk)

Einsatz

Das Tankgewehr war keine einfach zu führende Waffe, mit einem Gewicht von fast 16 kg (kurz: 16,6 kg) ohne Zweibein, 18 kg (kurz 18,6 kg) mit gusseisernem Original-Zweibein, und 17 kg (kurz 17,6 kg) mit dem Zweibein des MG 08/15 und einer Länge von 168 cm in der Standard- und 158 cm bei der "Kurz"-Version. Das bei Mauser und bei der Truppe als "Elefantenbüchse" bezeichnete Tankgewehr hatte, wie oben schon erwähnt, einen mächtigen Rückstoss und brach bei manchem ungeübten Schützen das Schlüsselbein. 
Bedient wurde das Tankgewehr von zwei Soldaten. Der erste Schütze trug eine Tasche mit 12 13 mm Mauser Patronen und das T-Gewehr, das er primär bediente. Der andere Schütze trug zwei Segeltuchtaschen mit je 20 Patronen, eine Kiste mit 72 Patronen und das Zweibein. Die Schützen wechselten sich normalerweise beim Schiessen ab, doch nach zwei bis drei Schuss klagten die meisten über Kopfschmerzen und Schwindelgefühle. Oft wurde auch die Uniform an der Schulter zusätzlich ausgepolstert.
Gezielt wurde über ein Dachkorn und eine Schiebekimme wie beim G98 mit 500 m als maximale Einstellung. Die ersten Tankgewehre hatten noch eine Schiebekimme mit 2.000 m maximaler Einstellung, nach 150 m lies die Durchschlagskraft aber rapide nach. Unter 50 m durchschlug die 13 mm Mauser 25 mm Stahl (bei einem Auftreffwinkel von 90°) bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 785 m/s. Die ersten britischen Mark 1 Tanks hatten zum Vergleich eine 5 bis 14 mm starke Panzerung. Doch selbst bei einem Durchschlag war das Ausschalten des Tanks längst nicht gewährleistet, denn dazu musste der Fahrer oder ein kritisches System wie die Munition oder der Kraftstofftank getroffen werden, und ein britischer Mark 1 Tank hatte bis zu 12 Mann Besatzung. Ein weiteres Problem für die Tankgewehrschützen stellte die nachrückende Infanterie dar, der die Schützen fast schutzlos ausgeliefert waren. Bei Kriegsende waren so nur 1% der ausgeschalteten britischen Tanks von Tankgewehren abgeschossen worden. Dennoch wurde das Tankgewehr von den Alliierten in seiner Wirkung gefürchtet und überschätzt.
Nachdem durch den Versailler Vertrag dem deutschen Heer der Besitz von Panzerabwehrwaffen verboten wurde, beschlagnahmten die Alliierten einen Grossteil des Tankgewehrbestandes, der Reichswehr gelang es aber einige wenige in ihren Arsenalen vor den Prüfungskommissionen zu verbergen. Diese wurden im Geheimen weiterentwickelt, und teilweise noch beim Angriff auf Polen 1939 verwendet.
Das Tankgewehr war unhandlich und nicht sehr wirksam, aber es war die erste leichte Panzerabwehrhandwaffe der Welt. Und sie hatte eine enorme psychologische Wirkung auf beiden Seiten, kam aber, wie viele Entwicklungen, zu spät und war zu schwach um den Kriegsverlauf zu beeinflussen.



Ein deutscher Soldat irgendwo an der Westfront im Jahr 1918

Daten des Tankgewehr M1918
Bezeichnung der Waffe: M1918
Hersteller: Mauserwerke Oberndorf am Neckar
Länge: 168 cm, Kurz 158 cm
Breite: 8 cm
Höhe: ca. 26cm
Gewicht ohne Zweibein: 15,8 kg, Kurz 16,6 kg
Lauflänge: 96 cm, Kurz: 86 cm
Zahl der Züge: 4
Kaliber: 13 x 92 mm HR
Mündungsgeschwindigkeit: 805 m/s
Mündungsenergie des Projektils: 17.000 J
effektive Schussweite: 150m
größte Schussweite: 8.000m
Munitionszufuhr/Magazingröße: Einzellader

Ein Tankgewehr im National Museum of Military History Diekirch (Luxemburg)

Die Besatzung eines britischen Tanks begutachtet ein Mauser Tankgewehr. Man beachte die Größe der Waffe. (Picture by Men against Tanks, John Weeks, 1975)



Interne Links zum Thema

Bildergalerie



Weiterführende Literatur/Homepages

Wolfgang Kern, Das Mauser Tankgewehr M1918, www.leuchtpistolen.de

Waffenmuseum in Oberndorf, www.waffenmuseum-oberndorf.de

Special thanks to Tony Williams for providing the ammunition picture. He is Author of the Book "Rapid Fire: the Development of Automatic Cannon, Heavy Machine Guns and their Ammunition for Armies, Navies and Air Forces". More Details



 

Text by Bill Kilgore. Letztes Update:  7. September 2007