Sturmgeschütz III

(Sd.Kfz. 142)


Ein StuG III der Ausführung G mit Saukopfblende im Panzermuseum Munster

Schon im Jahr 1935 forderte General von Manstein ein Infanterieunterstützungsfahrzeug. Dieses Fahrzeug sollte ein Feldgeschütz mitführen und neben Unterstützung der Infanterie auch in der Lage sein, gegen gepanzerte Fahrzeuge zu kämpfen. Außerdem wurde verlangt, dass dieses Fahrzeug der Besatzung rundum Schutz bietet und die Silhouette möglichst niedrig ausfällt, um aus getarnten Stellungen heraus feuern zu können. Am 15. Juni 1936 bekam Daimler Benz den Auftrag einen solchen Kasemattenpanzer zu entwickeln. Als Bewaffnung war eine 75 mm Kanone vorgesehen. Da Daimler bereits den Panzer III fertigte, entschloss man sich ihn als Ausgangsbasis zu verwenden. Um eine niedrige Silhouette zu erhalten, bekam das anfangs als "Sturmartillerie" bezeichnete Fahrzeug keinen Turm. Ein fester Aufbau, der die 7,5 cm Sturmkanone L/24 beherbergte, wurde auf des nahezu unveränderte Fahrwerk des Panzer III aufgesetzt. Die ersten fünf Prototypen wurden 1937 bei Alkett gebaut und hatten das Fahrwerk des Panzerkampfwagen III Ausf. B. Sie wurden in Kummersdorf und auf anderen Versuchsgeländen ausgiebig getestet.
Im Januar 1940 startete mit der Ausf. A der "Gepanzerten Selbstfahrlafette für Sturmgeschütz 7,5 cm Kanone" (Sd.Kfz. 142) die Serienproduktion. Sie erhielt das Fahrgestell des PzKpfw III Ausf. F. Die Wanne des PzKpfw III wurde der Auslegung des StuG III angepasst und die Frontpanzerung wurde von 30 mm auf 50 mm erhöht. Der Maybach 12-Zylinder Otto-Motor und das Fahrwerk waren jedoch identisch mit denen im Panzer III. Ausf. F. Das Laufwerk bestand aus sechs Laufrollen und drei Stützrollen auf jeder Seite. Die Laufrollen wurden durch Drehstäbe gefedert, wobei die jeweils Erste und Letzte zusätzlich Schwingarme mit Stossdämpfern besaßen. Generell waren die Fahreigenschaften des Laufwerks, das sich durch relative Anspruchslosigkeit in Betrieb und Instandsetzung auszeichnete, durchaus zufriedenstellend. Allerdings erhöhten die quer eingebauten Drehstäbe die Silhouette. Ein massives Heckleitrad, das acht radial angeordnete, kreisförmigen Durchbrüche zur Gewichtsreduzierung hatte, hielt die 36 cm breite Kette auf ihrer Bahn. Der Einstieg in das Fahrzeug geschah durch drei Luken im Dach des Aufbaus. Die vierköpfige Besatzung besteht aus Geschützführer, Richtkanonier, Ladekanonier und Fahrer. Geschützführer und Ladekanonier sitzen im hinteren Teil des Aufbaus, während Fahrer und Richtkanonier vorne sitzen. Zur Orientierung steht dem Fahrer eine gepanzerte Sichtklappe zur Verfügung. Der Richtschütze zielt durch eine kleine Öffnung in der Frontplatte. Die Sturmartillerie-Batterien 640, 659, 660 und 665 wurden mit den 30 bei Alkett gebauten Ausführungen A ausgerüstet. Drei dieser StuG's wurden im Frankreichfeldzug versuchsweise eingesetzt und bewährten sich hervorragend.
Logischerweise begann man, aufgrund seiner guten Eigenschaften, das Sturmgeschütz nun in Massenproduktion zu fertigen. Von der nächsten Version, der Ausführung B, wurden 320 Stück gebaut. Das Fahrgestell basiert nun auf dem PzKpfw III Ausf. H. Auch wurde die 36 cm breite Kette durch eine neue 40 cm breite Ausführung ersetzt. Dazu musste die vordere Stützrolle weiter vorne montiert werden, um die Kette in der Nähe des Antriebsrades zu stützen. Leit- als auch Antriebsrad wurden ebenfalls verändert.
Anfang 1941 wurde dann die Ausf. C des StuG III eingeführt. Nun ragte die Beobachtungs- und Zieleinrichtung durch einen Spalt im Fahrzeugdach heraus. Die Form des Fahrerraumdaches wurde vereinfacht um eine wirkungsvollere Silhouette zu schaffen, die nun nicht mehr so viele Kugelfänge aufwies. Sonst gab es noch einige kleinere Änderungen im Innenraum. Die Ausführung D glich der Ausf. C weitgehend.
Im Herbst 1941 kam dann die Ausf. E, die wieder einige Verbesserungen aufwies.  Die 9 mm starken, angewinkelten Seitenplatten wurden entfernt und die senkrechten Panzerplatten von 30 mm Stärke waren nun sichtbar. Der gepanzerte Kasten für die Funkausrüstung an der linken Seite wurde nach vorn verlängert und an der rechten Seite wurde ein zweiter Kasten hinzugefügt. Bei Führungsfahrzeugen beinhaltete er ein zweites Funkgerät, in der normalen Ausführung diente der Kasten als Stauraum für weitere Munition.



Die frühen Ausführungen des StuG III hatten die kurze 7,5 cm Sturmkanone L/24 zur Infanteriebekämpfung.

War das Sturmgeschütz ursprünglich als offensive Waffe zu Unterstützung von Infanterieangriffen geplant worden, so wurde es mit zunehmender Zahl an Feindpanzern immer öfter als Jagdpanzer verwendet. Reichte die 7,5 cm L/24 Stummelkanone zur Bekämpfung von MG-Nestern und sonstigen Infanteriehindernissen vollkommen aus, so hatte sie für die Panzerbekämpfung aber zu wenig Durchschlagskraft aufgrund der geringen Mündungsgeschwindigkeit. Das StuG III Ausf. F bekam deshalb die Sturmgeschützkanone (StuK) 40 L/43. Während die KwK 40 die Rohrbremsen auf beiden Seiten des Rohres hatte, lagen sie beim StuK 40 über dem Rohr, um den Raum zur Seitenrichtung des Rohres in dem engen Aufbau des StuG III nicht zu verkleinern. Für die StuK 40 wurde eine geschweißte Blende mit 30 mm Frontpanzerung entworfen. Außerdem wurde die Ausf. F mit einem Ventilator im Heck ausgerüstet. Dazu musste der hintere Teil des Daches angehoben werden. Mit der L/43 Kanone wurde die Feuerkraft des StuG III erheblich verbessert, und Ziele konnten nun auch schon auf größere Entfernungen bekämpft werden. Die Versionen ab der Ausführung F hatten die Kennnummer Sd.Kfz. 142/1 und wurden wegen ihrer Sturmkanone 40 oft auch als StuG 40 bezeichnet. Nachdem schon über 300 Fahrzeuge der Ausf. F gebaut waren, wurde diese Version noch einmal verbessert und in Ausführung F/8 umbenannt. Die Ausf. F/8 basierte auf dem Fahrgestell des PzKpfw III Ausf. J und hatte eine überarbeitete Triebwerksabdeckung und einen geänderten hinteren Bereich der Wanne. Die gegossenen Motorluftschächte liefen nun längs anstatt quer über das Fahrzeug und die Wannenheckplatte wurde neu entworfen, um die verschraubte Flanschverbindung über dem oberen Teil der Panzerplatte zu beseitigen. Außerdem wurde die Kaliberlänge der Kanone auf 48 vergrößert. Die neue Kanone hatte die Bezeichnung 7,5 cm StuK 40 L/48. Diese Kanone hatte auf eine Entfernung von 1.000 m eine Durchschlagsleistung von 85 mm Panzerblech bei einem Auftreffwinkel von 60o. Zusätzlich zu den 50 mm starken Bugplatten wurden noch 30 mm dicke Zusatzpanzerplatten an der Front von Wanne und Aufbau hinzugefügt. Darüber hinaus wurden die Dachplatten über dem Fahrer und die rechts davon herausragende Platte unmittelbar an der Kanone erhöht um die gleiche Höhe wie bei den Seiten- und Frontplatten des Aufbaues zu erreichen. Einige Fahrzeuge der Ausf. F wurden später mit der L/48 Kanone nachgerüstet, blieben aber sonst unverändert. Generell wurden viele Fahrzeuge der früheren Versionen später nachgerüstet und erhielten die lange StuK 40. Einige Fahrzeuge der Ausf. F/8 waren auch mit einem klappbaren Schild auf dem Dach ausgerüstet, das dem Ladeschützen beim Bedienen des ebenfalls angebrachten MG 34 Deckung bot. Ab 1943 erhielten die StuG III Kettenschürzen zum Schutz vor Hohlladungsgeschossen.
Die letzte Version des StuG III war die Ausführung G, die ab Dezember 1942 gefertigt wurde. Diese Version geht ursprünglich auf die Ausf. F/8 zurück, wurde aber immer wieder Änderungen unterzogen. Das Fahrgestell wurde unverändert von dieser vorherigen Version übernommen. Die ersten Ausf. G hatten noch eine 50 mm Bugpanzerung, die durch Anschrauben oder Verschweißen zusätzlicher 30 mm Panzerplatten verstärkt wurde. Während der Produktion führte man dann eine 80 mm Bugpanzerung ein. Am Aufbau wurde durch Anschrauben von 30 mm starken Platten die 50 mm Grundpanzerung auf 80 mm Dicke angehoben, so konnte die alte Fahrerblende weiterverwendet werden. Spätere Fahrzeuge erhielten dann eine von vornherein 80 mm dicke rechte Frontplatte. Der Hauptteil des Aufbaus wurde verbreitert und reichte nun bis über die Ketten. Das Dach erhöhte man im hinteren Teil und eine neue zylindrische Kommandantenkuppel wurde eingebaut. Sie hatte im oberen Teil acht Winkelspiegel. Die Luke selbst war zweiteilig um den Gebrauch des Scherenfernrohrs ohne das Öffnen der gesamten Hauptluke zu ermöglichen. Die ersten Baulose hatten noch die binokulare Beobachtungseinrichtung für den Fahrer. Der Ventilator wurde während der Produktion vom mittleren Teil der hinteren Dachplatte zur senkrechten Heckwand des Aufbaues über der Triebwerksabdeckung verlegt. Das klappbare Schild für das MG des Ladeschützen war beim StuG III standardisiert worden. Es besaß nun auch eine Halterung an der Oberkante um das Maschinengewehr auch zur Fliegerabwehr benutzen zu können. Im Februar 1944 wurde auch eine Saukopfblende (Topfblende) für die StuK eingeführt. Außerdem erhielten die frühen StuG Ausf. G drei Nebelwurfbecher auf jeder Seite. Kettenschürzen wurden während der Produktion ebenfalls zum Standard, genauso wie die Zimmeritbeschichtung.
Die StuG III Ausf. G wurden bis 1945 hergestellt, als das Fahrzeug aus dem sie ursprünglich entworfen wurden, der Panzer III, schon nicht mehr gebaut wurde. Der Vorteil der Sturmgeschütze III war ihr niedriger Preis und die Tatsache, dass sie im Gegensatz zum Panzer III eine 75 mm Kanone aufnehmen konnten. Beides hatte seine Ursache in dem festen Aufbau, der die Herstellung der Sturmgeschütze leichter machte als die der Kampfpanzer.



Frontansicht eines StuG III Ausf. G (WTS Koblenz); man beachte MG-Schild und Zimmeritbeschichtung

Bezeichnung des Fahrzeugs: Sturmgeschütz III (40) Ausf. G (Sd.Kfz. 142/1)
Entwicklung: Daimler-Benz, Krupp
Hersteller: Alkett, MIAG
Baujahr: 1936-1945 (alle Varianten)
Motor: Maybach HL 120 TRM
Zylinderzahl, Anordnung: 12, V Form
Hubraum (ccm): 11.952
Drehzahl (U/min): 3.000
Höchstleistung (PS): 300
Leistungsgewicht (PS/t): 12,55
Höchstgeschwindigkeit (km/h): Straße 40/Gelände 24
Getriebe: ZF SSG 77 Aphon
Anzahl der Gänge V/R: 6/1
Länge über alles (mm) : 6.770
Breite über alles (mm): 2.950
Höhe über alles (mm): 2.160
Bodenfreiheit (mm): 385
Spurweite (mm): 2510
Kettenbreite (mm): 400
Gefechtsgewicht (t): 23,9
Bodendruck (kg/cm²): 0,96
Kraftstoffvorrat (l): 310
Kraftstoffverbrauch (l/100km): Straße 200/Gelände 320
Fahrbereich (km): Straße 155/Gelände 96
Steigfähigkeit: 30°
Kletterfähigkeit (mm): 600
Grabenüberschreitfähigkeit (mm): 1.900
Watfähigkeit (mm): 800
Besatzung: 4
Panzerung (mm): Front 50+30
Seite 30
Heck 50
Decke 30
Boden 16
Aufbau-Front 50+30
Aufbau-Seite 30
Aufbau-Heck 30
Aufbau-Decke 11
Hauptbewaffnung: 1 75 mm StuK 40 L/48 (54)
Nebenbewaffnung: 2 7,92 mm MG 34 (600)

Produktionszahlen:

Ausgührung Stückzahl
Ausf. A ca.30
Ausf. B ca.320
Ausf. C ca.50
Ausf. D ca.150
Ausf. E ca.270
Ausf. F ca.360
Ausf. F/8 ca.330
Ausf. G ca.7.720
Gesamt: ca.9.230

Ein StuG III Ausf. G ohne Saukopfblende

Das StuG III wurde auch an Finnland exportiert.


Weiterführende Literatur/Links

Walter J. Spielberger, Sturmgeschütze, Motorbuch Verlag
Walter J. Spielberger, Der Panzerkampfwagen III und seine Abarten, Motorbuch Verlag



 

Text by UncleK. Letztes Update: 27. May 2010