Panzerkampfwagen IV (Sd.Kfz. 161)



Eine frühe Ausführung des Panzerkampfwagen IV mit 7,5 cm "Stummelkanone"

Die Entwicklung des Panzerkampfwagen IV (VK.2001) begann bereits 1934/35. Der sogenannte Bataillonführerwagen (BW) sollte zur Unterstützung des ebenfalls damals geplanten Hauptkampfpanzers, dem leichteren Panzer III, dienen, eine 7,5 cm KwK erhalten und eine Höchstgeschwindigkeit von 35 km/h haben. Auf den Erfahrungen mit dem Neubaufahrzeug (NbFz.) basierend, konstruierten Rheinmetall-Borsig, MAN und Krupp Prototypen. Während sich das Fahrgestell des Rheinmetall-Prototyps (VK.2001 (Rh)) stark an das des NbFz. anlehnte, entwickelte Krupp ein Fahrwerk mit acht kleinen Laufrollen, die paarweise auf blattgefederte Rollenwagen montiert waren. Vier Stützrollen hielten die Kette, der Antrieb war wie bei allen deutschen Kampfpanzern vorne. Ausführliche Tests der Prototypen endeten zugunsten der Kruppversion VK.2001 (K) und im Oktober 1937 begann die Fertigung der Ausf. A bei Krupp-Gruson.
Im Frühjahr stellte man die Produktion auf die Ausführung B um, die nun anstatt des 250 PS starken Maybach HL 108 TR Motors den Maybach HL 120 erhielt. Er hatte 300 PS und blieb mit geringen Veränderungen der Motor aller späteren Ausführungen des Panzer IV. Vom Oktober 1938 bis zum August 1939 wurde dann die Ausführung C gebaut. Bei dieser Version hatte der Funker anstatt eines MG 34 nur einen Sehschlitz zur Verfügung. Als Nächstes erschien die Ausführung D mit geänderter Wannenfront. Auch war nun wieder das MG für den Funker vorhanden. Außerdem wurde die Walzenblende nach außen verlegt. Diese Version wurde im September 1940 durch die Ausführung E, die nun erstmals einen Gepäckkasten an der Turmrückseite hatte, abgelöst. Außerdem hatte der Pz. IV Ausf. E eine am Bug auf 60 mm und an der Seite auf 40 mm verstärkte Panzerung.


Von der nächsten Version, der Ausführung F wurden vom Waffenheeresamt 650 Stück bestellt, von denen allerdings 460 Stück schon gebaut waren, als im Februar 1943 endlich die längere 7,5 cm L/43 verfügbar war. Die Ausf. F hatte neue geschweißte Leiträder, eine auf 400 mm verbreiterte Kette und eine nach vorne verlegte Kommandantenkuppel, die nun nicht mehr in die Turmwand einschnitt. Ab der Ausf. F wurde der Panzer IV nicht mehr nur von Krupp sondern auch von den Nibelungenwerken und Vomag gebaut. Die Panzer IV Ausf. F mit der kurzen Kanone erhielten die Bezeichnung F1, die 170 Fahrzeuge der Ausf. F mit der neuen Kanone die Bezeichnung F2. Diese längere Kanone war notwendig geworden da die kurze "Stummelkanone" der frühen Versionen (Sd.Kfz. 161) den stärker bewaffneten alliierten Panzern, allen voran dem T-34, nicht gewachsen war. Waren die deutschen Panzer III und IV 1939 noch die modernsten der Welt, so konnte der Panzer III selbst mit der langen 5 cm Kanone nichts gegen den T-34 ausrichten. Mit einer stärkeren Kanone oder eine dickeren Panzerung konnte er aber nicht mehr versehen werden. Der Panzer IV hatte aufgrund des stärkeren Fahrwerks und des größeres Turms noch Entwicklungspotential. War der "IV" im Polenfeldzug nur in geringen Stückzahlen vorhanden, wurde er im Frankreichfeldzug häufiger eingesetzt und bewährte sich dort. Mit der neuen KwK konnte er nun auch mit den frühen Versionen des T-34 mithalten. Nach der Ausf. F2 folgte die Ausf. G, die ebenfalls die L/43 erhielt. Diese beiden Versionen wurden unter der Bezeichnung Sd.Kfz. 161/1 zusammengefasst.


Eigentlich war geplant die Fertigung der Panzer IV nun durch die Produktion der PzKpfw. V "Panther" und PzKpfw. VI "Tiger" zu ersetzen. Da die Fertigung der "Großen Katzen" aber nur sehr langsam anlief, wurde der "IV" weitergebaut. So wurde er zum wichtigsten Panzer der deutschen Wehrmacht, und als der am meisten Gefertigte bildete er deren Rückgrat. Ab August 1942 stand dann endlich die stärkere 7,5 cm KwK 40 L/48 zur Verfügung mit der sämtliche Panzer IV nachgerüstet wurden. Die ab April 1943 gefertigte Ausf. H erhielt von vornherein die auf 48 Kaliberlängen verlängerte Kanone, genauso wie auch die Ausführung J (Sd.Kfz. 161/2). Beide Versionen hatten serienmäßig 5 mm dicke Kettenschürzen und oftmals auch dünne Panzerplatten am Turm, die gegen Hohlladungsgeschosse, wie sie beispielsweise von der amerikanischen Bazooka verschossen wurden, schützen sollten. Frühere Versionen wurden ebenfalls damit nachgerüstet. Auch wurde teilweise ein "Fliegerbeschußgerät" (MG 34) an der Kommandantenkuppel angebracht und einige dieser Fahrzeuge erhielten auch eine Zimmeritbeschichtung. Des weiteren war die Frontpanzerung durch zusätzliche Panzerplatten auf 80 mm erhöht worden. Die Sehschlitze für den Richtschützen entfielen.

 

Bis Juli 44 wurden 3.775 Panzer IV der Ausführung H gebaut. Danach erfolgte die Produktion der Ausf. J, die nur bei den Nibelungenwerken gebaut wurde und noch einmal eine verstärkte Panzerung hatte. Der Kraftstoffvorrat war nun auf 680 Liter erhöht worden und eine zusätzliche Untersetzung der Seitenrichtmaschine des Turmes ermöglichte bei dieser Version auch eine Drehung des Turmes in Schräglage. Anstatt der 5 mm dicken Blechschürzen wurden nun auch oft Schürzen aus Drahtgeflecht verwendet die den gleichen Effekt hatten. Die Ausf. J war fast 5 t schwerer als die Ausf. D, was vom Fahrwerk aber mühelos verkraftet wurde. Aufgrund der Kinderkrankheiten der Nachfolger und den vehementen Rohstoffproblemen, die eine Ablösung durch ein anderes Muster verhinderten, wurde der Pz. IV somit den ganzen Krieg über produziert und von den Truppen eingesetzt. Mit den Verbesserungen der letzten Ausführungen war er in den Händen einer erfahrenen Besatzung auch zu Ende des Krieges noch eine ernstzunehmende Bedrohung für die alliierten Panzerkampfwagen. Zu einer weiteren Erhöhung der Kampfkraft des Panzer IV wurde sogar der Einbau der 7,5 cm KwK 42 L/70 aus dem Panther in Erwägung gezogen, doch war dies wegen einer Überlastung des Fahrgestells nicht möglich.
Das Fahrwerk des Panzer IV war darüber hinaus auch der Ausgangspunkt für viele andere Fahrzeuge, wie dem Flakpanzer IV, dem Nashorn, dem StuG IV oder dem Jagdpanzer IV. Auch wurde für die geplante Invasion Englands, der Operation Seelöwe, einige Pz. IV zu Unterwasserpanzern umgerüstet indem sämtliche Luken und Öffnungen mit Kautschuk verklebt und mehrere Sauerstoffflaschen mitgeführt wurden. Die Auspuffanlage erhielt ein Rückschlagventil und einen langen Schlauch, der als Schnorchel diente. Diese Panzer sollten von Prähmen des Typs B vor der Küste Englands abgesetzt werden und dann am Meeresgrund zur Küste fahren. Da die Operation Seelöwe nach dem Angriff auf die Sowjetunion fallengelassen wurde, setzte man diese Fahrzeuge im Juni 1941 an der Ostfront ein, und durchtauchte mit ihnen große Flüsse.


Während des Krieges gingen auch einige Pz. IV an Verbündete Deutschlands, wie Finnland, Ungarn oder Rumänien. Nach dem Krieg wurden einige von der Sowjetunion und anderen Ländern, die den Pz. IV benutzten oder erbeutet hatten, in den Nahen Osten verkauft. Die Ausf. H wurde von Syrien bis 1967 benutzt und im Sechs-Tage-Krieg auf den Golan-Höhen gegen Israel eingesetzt.



Ab der Ausführung H erhielt der Panzer IV eine lange 7,5 cm KwK L/48 und Kettenschürzen, die gegen Hohlladungsgeschosse schützen sollten.

Bezeichnung des Fahrzeugs: Panzerkampfwagen IV Ausf. J (Sd.Kfz. 161)
Typ: VK.2001 (K)
Hersteller: Nibelungenwerke
Baujahr: 1944-45
Motor: Maybach HL 120 TRM
Zylinderzahl, Anordnung: 12, V Form
Hubraum (ccm): 11.952
Drehzahl (U/min): 3.000
Höchstleistung (PS): 300
Leistungsgewicht (PS/t): 12
Höchstgeschwindigkeit (km/h): Straße 38/Gelände 16
Federung: Rollenwagen mit Blattfedern
Länge über alles (mm) : 5.890
Breite über alles (mm): 3.290
Höhe über alles (mm): 2.680
Bodenfreiheit (mm): 400
Kettenbreite (mm): 400
Gefechtsgewicht (t): 25
Bodendruck (kg/cm²): 0,89
Kraftstoffvorrat (l): 680
Kraftstoffverbrauch (l/100km): Straße 227
Fahrbereich (km): 320
Watfähigkeit (mm): 1.200
Besatzung: 5
Panzerung Wanne: Fahrerfront 50+30
Bug 50+30
Seite 30
Heck 53
Decke 18
Boden 30
Panzerung Turm: Front 50
Seite 30
Heck 30
Decke 10
Blende 50
Hauptbewaffnung: 1 75 mm KwK 40 L/48 (87)
Nebenbewaffnung: 3 7,92 mm MG 34 (incl. 1 Fliegerbeschussgerät) (3.150 Schuss = 21 Gurtsäcke zu 150 Schuss)

Produktionszahlen

Ausführung Stückzahl
A 35
B 42
C 134
D ca.230
E ca.220
F1 ca.460
F2 ca.190
G ca.1.700
H 3.775
J ca.1.750
Gesamt ca.8.500

Panzerkampfwagen IV Ausf. G im Panzermuseum Munster


 

Text by UncleK. Letztes Update:  7. September 2007