Geschichte und TechnikDie Taktik des Jagdpanzers besteht darin, feindlichen Panzern aufzulauern. Er wartet bis der Feind in Reichweite ist, visiert zum entscheidenden Schuss und bekämpft weitere Ziele aus seiner Deckung oder verschwindet danach. Ähnlich wie ein Scharfschütze. Daraus ergibt sich eine Forderung nach großer Geschwindigkeit, geringer Fahrzeughöhe und großer Feuerkraft. WiegeturmDer Wiegeturm besteht aus 2 Grundelementen: dem Drehteil und dem Kippteil. Das Drehteil steuert die Rotation in der Horizontalen, in diesem Fall beträgt sie 360°. Das Kippteil steuert die Bewegungen in der Vertikalen. Bei einem Wiegeturm ist die Kanone zur Horizontalen und Vertikalen starr eingebaut, lediglich ein Rohrrücklauf ist gewährleistet. Der große Vorteil des Wiegeturm ist, dass sich Ladeautomaten problemlos einbauen lassen. Ein gewisser Nachteil ergibt sich durch die geringe Hebung und Senkung des Turmes, was sich auf den Feuerbereich in der Vertikalen niederschlägt. Zum Vergleich: Die Kanonen des Kürassiers und des AMX-13 haben einen Schwenkbereich von -6° bis +13° und die Hauptwaffe des M60A3 von -9° bis +20°. BordwaffenDie Primärwaffe ist die 105 mm Panzerkanone M57 vom französischen Hersteller GIAT. Sie ist direkt mit dem Wiegeturm verbunden, lediglich der Rücklauf der Kanone ist gewährleistet, um die Hülse nach außen zu befördern und um eine neue Granate zu laden. Gespeist wird die Kanone durch zwei Ladetrommeln welche je 6 Granaten aufnehmen können. Aus welchem der beiden Magazine die Munition entnommen wird, wird durch den Richtschützen bzw. auch durch den Kommandanten geregelt. Dadurch kann ein Splitting der Munitionsarten vorgenommen werden, um sich an wechselnde Ziele anzupassen. Das Nachladen der Magazine erfolgt nur von außen.
VersionenSK105 SerienversionUrsprünglich war der Kürassier mit einem 6FA Turbodiesel ausgerüstet, welcher 300 PS bei 2.500 U/min leistete. An den Seiten des Turmkippteiles waren bzw. sind Befestigungsriemen für die Verstauung von persönlicher Ausrüstung, Tarnmaterial usw. vorhanden. Der Schießscheinwerfer, welcher später links neben die Hauptwaffe versetzt wurde, befindet sich am Turmdach.
SK105 A1Bei der Version A1 ist im Bereich der Kraftübertragung die Installierung eines Automatikgetriebes aufzuzeigen. Es handelt sich dabei um ein elektrohydraulisches Getriebe mit sechs Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang. Der 7FA 6-Zylinder-Reihenmotor des SK105 A1 war bzw. ist auch im Schützenpanzer Saurer (7FA Version bzw. Leondinas) in Verwendung. Im Bereich der Wanne wurden Verbesserungen vorgenommen, welche Wartungsarbeiten erleichterten. Eine ABC-Schutzeinrichtung wurde ebenfalls eingebaut, der Fahrer erhielt ein Nachtsichtgerät und eine Feuerunterdrückungsanlage wurde installiert. Im hinteren Bereich des Turmkippteiles wurden zudem Staukörbe montiert. Als wichtigster Verbesserungspunkt ist allerdings die Anpassung der Ladetrommeln und der Panzerkanonen für den Verschuss von Pfeilmunition zu erwähnen. Jedoch blieb das Problem der sehr beschränkten Nachtkampffähigkeiten weiter bestehen. Die vorhandenen Infrarot-/Winkelzielfernrohre, Laserentfernungsmesser und die Infrarot-/Weißlichtscheinwerfer gewährleisteten keine große Überlebenschance im modernen Gefechtsfeld. Dieses Manko konnte auch durch die Einführung der Pfeilmunition nicht wettgemacht werden. Auf diesen Stand wurden 286 Fahrzeuge gebracht.
SK105 A2Der Panzer erhielt im Jahr 1998 eine weitere Kampfwertsteigerung indem ein Feuerleitrechner, kombiniert mit einem Wärmebildgerät vom israelischen Hersteller ELBIT, installiert wurde. Weiters wurde die Möglichkeit geschaffen, die Fahrzeuge mit Kettenschürzen aus Keramikverbundplatten auszurüsten. Im Bereich der Munition wurde eine neue Tandemhohlladungsgranate getestet und die Ladeeinrichtung und das Feuerleitsystem für diesen Munitionstyp eingestellt. 152 Fahrzeuge erhielten diese Kampfwertsteigerung SK105 A2SVariante des A2 Kürassier welche bei der brasilianischen Marine eingesetzt wird. Wichtige äußere Unterscheidungsmerkmale gegenüber dem österreichischen Gegenstück sind das zusätzliche Browning M2 Maschinengewehr mit 300 Schuss an der Kommandantenkuppel und die Zusatzpanzerungen im Bereich der Turmfront. SK105 Super Kürassier (Prototyp)Der Super Kürassier wurde 1981 gebaut und war für die damalige Zeit eine sehr ansprechende Überlegung als Kampfwertsteigerung des Kürassier. Er enthielt wie der A2 ein Wärmebildgerät und einen Feuerleitrechner. Zusätzlich war das Turmkippteil auf zwei Achsen voll stabilisiert, darin inkludiert die Kanone, die Ladeeinrichtung und sämtliche Zielerfassungssysteme. Dies ermöglichte ein Abfeuern der Kanone und das Nachladen unter Stabilisierung. Dadurch entstand eine extrem hohe Feuerfolge, welche bist heute von Turmpanzern nicht erreicht worden ist. Das System hatte daher so große Feuerraten, da konventionelle Turmpanzer wie zum Beispiel der M60, Leopard 2 oder die russischen Selbstlader wie der T-72 beim Laden die Kanone in die Ladestellung fahren müssen. Dies entfällt beim Wiegeturm des Kürassier. SK105 A3 (Prototyp)Ein weiterer Prototyp war der SK105 A3 im Jahre 1986. Er legte im Bezug auf Feuerkraft noch eine Schaufel zu, denn es wurde die M68 Kanone des M60A3(Ö) eingebaut. Um das Problem des Umkippens des Panzers beim Abfeuern der Kanone auf 9 bzw. 3 Uhr Stellung zu verhindern, wurde eine neue Mündungsbremse und eine neue Rohrrücklaufeinrichtung konstruiert. Wie der "Super Kürassier" hatte der SK105 A3 einen voll stabilisierten Turmkippteil. Die Elektronik und die Feuerleitanlagen entsprachen ebenfalls dem "Super Kürassier". Die Ladeeinrichtung, insbesondere die Ladetrommeln, wurden an die Munition der M68 Kanone angepasst, ebenfalls wurde ein automatisches Munitionsauswahlsystem eingerichtet. Somit war es möglich die ganze Munitionspalette des M60 zu verwenden. Im Bereich des Panzerschutzes wurde für den Turm eine neue Panzerung entworfen, die den selben Schutz bot wie die Panzerung des M60. VerwendungDer Kürassier steht nicht nur im Dienst des österreichischen Bundesheeres, sondern wurde auch nach Argentinien, Brasilien, Bolivien, Botswana, Marokko und Tunesien exportiert. Er dient in den verschiedenen Staaten als Jagdpanzer, auch Panzerjäger genannt, leichter Panzer oder Aufklärungspanzer.
➲ Österreich 133 SK105 A1 (eingemottet), 152 SK105 A2, 36 Bergepanzer, 18 Pionierpanzer Ausgerüstete Verbände: Aufklärungsbatallion 1, Aufklärungsbatallion 2, Aufklärungsbatallion 3, Panzertruppenschule Bergepanzer: diverse Batallione in welchen Saurer Schützenpanzer und Kürassier vorhanden sind.
➲ Brasilien 18 SK105 A2-S + 1 Bergepanzer Ausgerüstete Verbände: Fuzileiros Navais
➲ Argentinien 112 +8 Bergepanzer Ausgerüstete Verbände: 9th und 10th Tank Cavalry Regiment ( je 41 ), 4th Mountain Cavalry Regiment (13) und 3th Light Cavalry Regiment (17 )
➲ Bolivien 36 + Bergepanzer
➲ Botswana 20 SK105 A1 + 2 Bergepanzer
➲ Marokko 111
➲ Tunesien 42
Sämtliche Angaben über die Anzahl der Fahrzeuge variieren leicht von Quelle zu Quelle.
Das Österreichische Bundesheer 2000 (ISBN 3-7059-0073-0)
Die Panzerfahrzeuge des österreichischen Bundesheeres 1918-1988 (ISBN 3-900310-51-3)
Österreichisches Bundesheer http://www.bmlv.gv.at/ Text by Verci, UncleK. Letztes Update: 7. September 2007 |