JaPz K "Kürassier"



Kürassier der KFOR auf Verladerampe (Copyright des Photos liegt beim www.bmlv.gv.at/waffen/)

Geschichte und Technik

Die Taktik des Jagdpanzers besteht darin, feindlichen Panzern aufzulauern. Er wartet bis der Feind in Reichweite ist, visiert zum entscheidenden Schuss und bekämpft weitere Ziele aus seiner Deckung oder verschwindet danach. Ähnlich wie ein Scharfschütze. Daraus ergibt sich eine Forderung nach großer Geschwindigkeit, geringer Fahrzeughöhe und großer Feuerkraft.
Das österreichische Bundesheer arbeitete seit 1963 an einer Verbesserung des AMX-13, den sie in den Jahren 1957/58 angeschafft hatte. Der AMX-13 der Österreicher besaß eine 75 mm Kanone, die einen Durchschlag von 120 mm aufwies. Diese 120 mm bezogen sich auf eine Entfernung von 500 m und einem Winkel von 90°. Ähnlich wie die Franzosen, die in ihre AMX-13 später eine 90 mm oder 105 mm Selbstladekanone einbauten, suchte auch das österreichische Bundesheer eine neue kräftigere Panzerkanone. Letztendlich entschied man sich für die M57 105 mm Kanone von GIAT, die zunächst in den FL-10 Turm des AMX-13 eingebaut werden sollte. Diese Kanone hatte einen Durchschlagsleistung von 320 mm auf 2.500 m. Jedoch entsprach das Fahrwerk nicht den Erwartungen der Militärs. Folglich wurde auf das Fahrgestell des Saurer Schützenpanzers zurückgegriffen, welches modifiziert wurde. Der Fahrer sitzt vorne Links, der Motor befindet sich im Heck. Die Bezeichnung der ersten beiden Prototypen lautete 4KH6FA- FL10. Der Kürassier war geboren. Diese Version währte jedoch nicht lange, da der FL-10 Turm als Folge der Erprobungen gegen den FL-12 Turm getauscht wurde. 1967 wurde der erste Prototyp der Truppenüberprüfung unterzogen. Ihm folgte 1969 ein zweiter Prototyp, welcher eine verkürzte Wanne aufwies. Bei diesem Prototyp waren bereits einige Bauteile des Turms in der endgültigen Ausführung (Kommandantenkuppel, Nebelwurfanlage). Nach Abschluss der Erprobung wurde dem serienreifen Fahrgestell schlussendlich der FL-12 Turm aufgesetzt. Das serienreife Fahrgestell, besteht aus 5 drehstabgefederten Laufrollen und drei Stützrollen, wobei die erste und fünfte Laufrollen hydraulische Stoßdämpfer besitzen. Im Zuge der Vereinheitlichung der Ausstattung der Panzerfahrzeuge wurde die Systemkette von DIEHL eingeführt.
Alle österreichischen Fahrzeuge der Panzerfamilie Kürassier und Saurer SPz wurden mit den selben Farben der deutschen Bundeswehr und der der US Army Europe versehen. Das Tarnschema ist etwas feiner als das des Leopard 2.



Wiegeturm

Der Wiegeturm besteht aus 2 Grundelementen: dem Drehteil und dem Kippteil. Das Drehteil steuert die Rotation in der Horizontalen, in diesem Fall beträgt sie 360°. Das Kippteil steuert die Bewegungen in der Vertikalen. Bei einem Wiegeturm ist die Kanone zur Horizontalen und Vertikalen starr eingebaut, lediglich ein Rohrrücklauf ist gewährleistet. Der große Vorteil des Wiegeturm ist, dass sich Ladeautomaten problemlos einbauen lassen. Ein gewisser  Nachteil ergibt sich durch die geringe Hebung und Senkung des Turmes, was sich auf den Feuerbereich in der Vertikalen niederschlägt. Zum Vergleich: Die Kanonen des Kürassiers und des AMX-13 haben einen Schwenkbereich von -6° bis +13° und die Hauptwaffe des M60A3 von -9° bis +20°.
Der FL-10 Turm wurde für den AMX-13 mit der 75 mm Waffe konzipiert. Der Kommandant hat seinen Arbeitsplatz in der linken Turmhälfte, der Richtschütze in der rechten Turmhälfte, getrennt durch die Panzerkanone. Im Heck des Panzers befindet sich die Auswurföffnung für die Munitionshülsen. Die Unterschiede ergeben sich im Bereich der Kanone M.57 und des Ladeautomaten. Der angeführte Turm wurde im ersten Prototypen verwendet. Beim zweiten Serienfahrzeug wurde der Turm durch den geräumigeren FL-12 getauscht. Der Kippteil des FL-12er Turms wurde in Österreich leicht modifiziert, anstatt der Gussteile werden Walzbleche verwendet.
Anfänglich wurde der Schießscheinwerfer am Dach montiert, später jedoch aus Gründen der Verkleinerung der Silhouette links neben die Primärwaffe gesetzt. Diese Modifikation belief sich auf die österreichischen Modelle des Kürassiers und des Kürassiers A1. Nach der Umrüstung zum A2 wurde das Wärmebildgerät in die Halterung des Scheinwerfers eingebaut.Viele exportierte Exemplare besitzen heute noch den IR- und Weißlichtscheinwerfer auf der Dachoberseite. Der Turm befindet sich bei Marschposition auf 12 Uhr.



Bordwaffen

Die Primärwaffe ist die 105 mm Panzerkanone M57 vom französischen Hersteller GIAT. Sie ist direkt mit dem Wiegeturm verbunden, lediglich der Rücklauf der Kanone ist gewährleistet, um die Hülse nach außen zu befördern und um eine neue Granate zu laden. Gespeist wird die Kanone durch zwei  Ladetrommeln welche je 6 Granaten aufnehmen können. Aus welchem der beiden Magazine die Munition entnommen wird, wird durch den Richtschützen bzw. auch durch den Kommandanten geregelt. Dadurch kann ein Splitting der Munitionsarten vorgenommen werden, um sich an wechselnde Ziele anzupassen. Das Nachladen der Magazine erfolgt nur von außen.
Als Koaxialmaschinengewehr ist bei den österreichischen Exemplaren das MG 74Pz im Einsatz. Es ist, in Fahrtrichtung gesehen, rechts montiert und wird vom Richtschützen bedient. Der Lauf kann von Innen gewechselt werden und der Munitionsvorrat beläuft sich auf 2.000 Schuss.
Es besteht zudem die Möglichkeit ein Flugabwehrmaschinengewehr Browning M2 an der Kommandantenkuppel mitzuführen. Die nötige Lafettenkonstruktion ist allerdings nur beim SK105 A2-S in Verwendung.
Nebelwerfer im Kaliber 70 mm sind zum Selbstschutz vorhanden. Die Werfer sind jeweils zu 3 Stück seitlich auf dem Drehteil montiert. Der Abschuss erfolgt nach vorne.



Bezeichnung: 10,5 cm PzK M57
Hersteller: GIAT
Rohrlänge: 4.620 mm (44Kaliber)
Gesamtgewicht: 1.210 kg
Kaliber: 105 mm
Zahl der Züge, Drall: konstanter Rechtsdrall, 32
Richtbereich Seite: 360°
Richtbereich Höhe: -6° bis +13°
Feuerrate: 10 bis 12 Schuss/min
Munitionsarten: - SprGrPatr (Sprenggranate)
- L-HLGrPatr OE-105-F1
- Pfeilgranate (APFDS) ab A1
- Tandem Holladungsgranate ab A2
Munitionsvorrat: 12 feuerbereit in den Trommeln + 31 gestaut

Versionen

SK105 Serienversion

Ursprünglich war der Kürassier mit einem 6FA Turbodiesel ausgerüstet, welcher 300 PS bei 2.500 U/min leistete. An den Seiten des Turmkippteiles waren bzw. sind Befestigungsriemen für die Verstauung von persönlicher Ausrüstung, Tarnmaterial usw. vorhanden. Der Schießscheinwerfer, welcher später links neben die Hauptwaffe versetzt wurde, befindet sich am Turmdach.



Der Auswurf einer Granatpatronenhülse (Copyright des Photos liegt beim www.bmlv.gv.at/waffen)

SK105 A1

Bei der Version A1 ist im Bereich der Kraftübertragung die Installierung eines Automatikgetriebes aufzuzeigen. Es handelt sich dabei um ein elektrohydraulisches Getriebe mit sechs Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang. Der 7FA 6-Zylinder-Reihenmotor des SK105 A1 war bzw. ist auch im Schützenpanzer Saurer (7FA Version bzw. Leondinas) in Verwendung. Im Bereich der Wanne wurden Verbesserungen vorgenommen, welche Wartungsarbeiten erleichterten. Eine ABC-Schutzeinrichtung wurde ebenfalls eingebaut, der Fahrer erhielt ein Nachtsichtgerät und eine Feuerunterdrückungsanlage wurde installiert. Im hinteren Bereich des Turmkippteiles wurden zudem Staukörbe montiert. Als wichtigster Verbesserungspunkt ist allerdings die Anpassung der Ladetrommeln und der Panzerkanonen für den Verschuss von Pfeilmunition zu erwähnen. Jedoch blieb das Problem der sehr beschränkten Nachtkampffähigkeiten weiter bestehen. Die vorhandenen Infrarot-/Winkelzielfernrohre, Laserentfernungsmesser und die Infrarot-/Weißlichtscheinwerfer gewährleisteten keine große Überlebenschance im modernen Gefechtsfeld. Dieses Manko konnte auch durch die Einführung der Pfeilmunition nicht wettgemacht werden. Auf diesen Stand wurden 286 Fahrzeuge gebracht.



SK105 A2 (Copyright des Photos liegt beim www.bmlv.gv.at/waffen)

SK105 A2

Der Panzer erhielt im Jahr 1998 eine weitere Kampfwertsteigerung indem ein Feuerleitrechner, kombiniert mit einem Wärmebildgerät vom israelischen Hersteller ELBIT, installiert wurde. Weiters wurde die Möglichkeit geschaffen, die Fahrzeuge mit Kettenschürzen aus Keramikverbundplatten auszurüsten. Im Bereich der Munition wurde eine neue Tandemhohlladungsgranate getestet und die Ladeeinrichtung und das Feuerleitsystem für diesen Munitionstyp eingestellt. 152 Fahrzeuge erhielten diese Kampfwertsteigerung



SK105 A2S

Variante des A2 Kürassier welche bei der brasilianischen Marine eingesetzt wird. Wichtige äußere Unterscheidungsmerkmale gegenüber dem österreichischen Gegenstück sind das zusätzliche Browning M2 Maschinengewehr mit 300 Schuss an der Kommandantenkuppel und die Zusatzpanzerungen im Bereich der Turmfront.



SK105 Super Kürassier (Prototyp)

Der Super Kürassier wurde 1981 gebaut und war für die damalige Zeit eine sehr ansprechende Überlegung als Kampfwertsteigerung des Kürassier. Er enthielt wie der A2 ein Wärmebildgerät und einen Feuerleitrechner. Zusätzlich war das Turmkippteil auf zwei Achsen voll stabilisiert, darin inkludiert die Kanone, die Ladeeinrichtung und sämtliche Zielerfassungssysteme. Dies ermöglichte ein Abfeuern der Kanone und das Nachladen unter Stabilisierung. Dadurch entstand eine extrem hohe Feuerfolge, welche bist heute von Turmpanzern nicht erreicht worden ist. Das System hatte daher so große Feuerraten, da konventionelle Turmpanzer wie zum Beispiel der M60, Leopard 2 oder die russischen Selbstlader wie der T-72 beim Laden die Kanone in die Ladestellung fahren müssen. Dies entfällt beim Wiegeturm des Kürassier.
Im Frontbereich des Turmkippteils wurde ausserdem eine Zusatzpanzerung angebracht, welche durch ihre markante Form heraussticht.



SK105 A3 (Prototyp)

Ein weiterer Prototyp war der SK105 A3 im Jahre 1986. Er legte im Bezug auf Feuerkraft noch eine Schaufel zu, denn es wurde die M68 Kanone des M60A3(Ö) eingebaut. Um das Problem des Umkippens des Panzers beim Abfeuern der Kanone auf 9 bzw. 3 Uhr Stellung zu verhindern, wurde eine neue Mündungsbremse und eine neue Rohrrücklaufeinrichtung konstruiert. Wie der "Super Kürassier" hatte der SK105 A3 einen voll stabilisierten Turmkippteil. Die Elektronik und die Feuerleitanlagen entsprachen ebenfalls dem "Super Kürassier". Die Ladeeinrichtung, insbesondere die Ladetrommeln, wurden an die Munition der M68 Kanone angepasst, ebenfalls wurde ein automatisches Munitionsauswahlsystem eingerichtet. Somit war es möglich die ganze Munitionspalette des M60 zu verwenden. Im Bereich des Panzerschutzes wurde für den Turm eine neue Panzerung entworfen, die den selben Schutz bot wie die Panzerung des M60.



Verwendung

Der Kürassier steht nicht nur im Dienst des österreichischen Bundesheeres, sondern wurde auch nach Argentinien, Brasilien, Bolivien, Botswana, Marokko und Tunesien exportiert. Er dient in den verschiedenen Staaten als Jagdpanzer, auch Panzerjäger genannt, leichter Panzer oder Aufklärungspanzer.

 

 Österreich

133 SK105 A1 (eingemottet),

152 SK105 A2,

36 Bergepanzer,

18 Pionierpanzer

Ausgerüstete Verbände: Aufklärungsbatallion 1, Aufklärungsbatallion 2, Aufklärungsbatallion 3, Panzertruppenschule Bergepanzer: diverse Batallione in welchen Saurer Schützenpanzer und Kürassier vorhanden sind.

 

 Brasilien 

18 SK105 A2-S + 1 Bergepanzer

Ausgerüstete Verbände: Fuzileiros Navais 

 

 Argentinien

112  +8 Bergepanzer

Ausgerüstete Verbände: 9th und 10th Tank Cavalry Regiment ( je 41 ), 4th Mountain Cavalry Regiment (13) und 3th Light Cavalry Regiment (17 ) 

 

 Bolivien

36 + Bergepanzer 

 

 Botswana

20 SK105 A1 + 2 Bergepanzer  

 

 Marokko

111 

 

 Tunesien

42

 

Sämtliche Angaben über die Anzahl der Fahrzeuge variieren leicht von Quelle zu Quelle.



JaPz K "Kürassier" bei einem Manöver (Copyright des Photos liegt beim www.bmlv.gv.at/waffen)

Bezeichnung des Fahrzeugs: "JaPz K ""Kürassier""" "JaPz K A1/A2 ""Kürassier"""
Typ: Jagdpanzer Jagdpanzer
Hersteller: Steyr Daimler Puch Steyr Daimler Puch
Baujahr: ab 1969 19?? bis 1998
Motor: wassergekühlter 6FA Turbodiesel wassergekühlter 7FA Turbodiesel
Zylinderzahl, Anordnung: 6, 90° V-Form 6, 90° V-Form
Drehzahl: 2.500 U/min 2.400 U/min
Höchstleistung: 300 PS 320 PS
Leistungsgewicht: 18,1 PS/t 17,8 PS/t
Höchstgeschwindigkeit: 68 km/h 68 km /h
Länge über alles: 7.770 mm 7.770 mm
Breite über alles: 2.500 mm 2.500 mm
Höhe über alles: 2.529 mm
(2.880 mm mit am Dach montierten IR-Scheinwerfer)
2.59 mm
Bodenfreiheit: 400 mm 400 mm
Spurweite: 2.120 mm 2.120 mm
Kettenbreite: 380 mm 380 mm
Gefechtsgewicht: 17,5 t 17 t
Bodendruck: 0,68 kg/cm² ?
Kraftstoffvorrat: 420 l ?
Kraftstoffverbrauch: 84 l/100 km ?
Fahrbereich: 500 km ?
Steigfähigkeit: 75 % 75 %
Kletterfähigkeit: 800 mm 800 mm
Grabenüberschreitfähigkeit: 2.400 mm 2.400 mm
Watfähigkeit: 1.000 mm 1.000 mm
Besatzung: 3 3
Panzerung: geschweißter Stahl, bis 40 mm geschweißter Stahl, bis 40 mm,
zusätzlich Kettenschürzen
Wanne:    
Fahrerfront 20 mm 20 mm
Seite 14 mm 14 mm
Heck 8 mm 8 mm
Turm:    
Front 40 mm 40 mm
Seite 20 mm 20 mm
Heck 10? mm 10? mm
Dach 10? mm 10? mm
Hauptbewaffnung: 1 10,5 cm PzK M57 L/44 (12+31) 10,5 cm PzK M57 L/44 (12+31)
Sekundärbewaffnung: 1 7,62 mm MG 74Pz (2.000)
6 70 mm Nebelwerfer
1 7,62 mm MG 74Pz (2.000)
6 70 mm Nebelwerfer
Produktionszahlen: ? ?

Eine Reihe abgestellter JaPz K A1. Der Wiegeturm ist gut zu erkennen.




Weiterführende Literatur/Homepages

Das Österreichische Bundesheer 2000 (ISBN 3-7059-0073-0)

Die Panzerfahrzeuge des österreichischen Bundesheeres 1918-1988 (ISBN 3-900310-51-3)

Österreichisches Bundesheer http://www.bmlv.gv.at/



 

Text by Verci, UncleK. Letztes Update:  7. September 2007