Dragunov SWD



Dragunov SWD

Die vor und im Zweiten Weltkrieg entwickelten Scharfschützengewehre entsprachen Mitte der 1950er Jahre nicht mehr den gewachsenen Anforderungen. Diverse Entwicklungsbüros, darunter auch Simonow, konnten bis Anfang 1960 ebenfalls keinen befriedigenden Ersatz bieten. Schließlich aber fiel die Entscheidung auf eine Neukonstruktion von Jewgeni Fjedorowitsch Dragunov (1920-1991), einem ambitionierten und begeisterten Sportschützen. Der halbautomatische Gasdrucklader verfügt über ein 10-Schuss Magazin. Die optische bzw. mechanische Visierung ist für Entfernungen bis 1.300 m ausgelegt. Dragunovs Scharfschützengewehr, Snaiperskaja wintowka Dragunova oder kurz SWD, wurde 1963 in der russischen Armee eingeführt und gehört seitdem zur Grundausstattung bei der Truppe. In den darauf folgenden Jahren wurden auch sämtliche Verbündete des Warschauer Pakts mit diesem Scharfschützengewehr ausgerüstet. In China, Polen, Bulgarien sowie in Rumänien entstanden modifizierte Waffen in eigener Herstellung. In Yugoslawien stand das SWD für eine eigene Entwicklung dortiger Ingenieure Pate. Die Waffe ist optisch ähnlich, aber technisch in vielerlei Hinsicht verändert worden, so dass von einer eigenen Konstruktion ausgegangen werden kann. Eingeführt wurde sie dort unter dem Namen "Zastava 76" im Kaliber 8 x 57 IS. 



Technik

Das System des SWD basiert auf dem der Kalashnikov und hat mit diesem auch die Robustheit gemeinsam. Die Teile des Verschlusses sind jedoch nicht austauschbar, jedoch hat die gleiche Funktionsweise Vorteile für den Schützen in der Ausbildung, denn er muss sich so nur eine Funktionsweise verinnerlichen. Die Waffe ist ausgelegt auf die alte aber kraftvolle russische Randpatrone 7,62 x 54 mm R, wie sie bereits im Mosin Nagant Karabiner Verwendung fand. Versionen im Kaliber .308 Winchester sind ebenfalls im Umlauf, hauptsächlich auf chinesischer Seite. Für die russischen Versionen wurde eine spezielle Patrone der 7,62 x 54 mm R entwickelt, die Leistung und Genauigkeit steigern soll. Wie bereits erwähnt ist das Verschlussprinzip dem des AK-47 ähnlich. Nach dem Schuss wird ein Teil der Pulvergase über eine Laufbohrung abgezapft und wirkt auf einen Gaskolben. Der Kolben bewegt den Verschluss, welcher entriegelt, die Patronenhülse auszieht, auswirft und Schließfeder sowie Schlagstück spannt. Durch die nach vorne gedrückte Schießfeder wird auch die nächste Patrone zugeführt. Nach Abgabe des letzten Schusses verbleibt der Verschluss in hinterster Stellung. Die Waffe verfügt auch über einen Gasdruckregler, der Ladehemmungen vermeiden soll. Er kann auf zwei verschiedene Drücke eingestellt werden, wobei die erste Stellung für die gereinigte Waffe, die zweite für den Einsatz nach längerem Schiessen gedacht ist. An der Mündung des hartverchromten Laufes sitzt ein Mündungsfeuerdämpfer mit 5 Längsschlitzen. Des weiteren besteht die Möglichkeit ein Bajonett aufzupflanzen. Da sich dieses aber nachteilig auf die Präzision auswirkt, dürften die Schützen davon wenig Gebrauch machen - außer zu Propagandazwecken oder im Nahkampf, wobei letzterer von einem Scharfschützen generell vermieden werden sollte. Das PSO-1 Zielfernrohr hat eine Visierschussweite von 1.300 m. Dies wird, oder besser wurde, von der roten Armee auch als Einsatzschussweite bezeichnet. Realistisch sind aber eher 800 m, da die ballistischen Eigenschaften der 7,62 x 54 R mit denen der 7,62 x 51 mm zu vergleichen sind. Die Optik verfügt über eine vierfache Vergrößerung und ist mit einer Skala zum Entfernungsschätzen sowie einer Infrarotaufklärungshilfe ausgestattet. Dabei wird durch einen Kippschalter ein olivgrüner Filter vorgeschaltet, der aktive Infrarotlichtquellen sichtbar macht. Zum Schiessen bei Dunkelheit lässt sich das Absehen beleuchten; das Blickfeld beträgt 6°. Alternative Zielfernrohre sind das NSP-3 und das PGN-1, wobei sich alle Modelle ohne Werkzeug leicht und schnell montieren lassen.



Schematische Darstellung Absehen des PSO 1 Zielfernrohres

Während des Einsatzes der russischen Armee in Afghanistan beklagten sich einige der mit dem Dragunov bewaffneten Soldaten darüber, dass die Waffe zu sperrig sei um sie wirkungsvoll vom Schützenpanzer aus einsetzen zu können. Auch war oft der ohnehin begrenzte Stauraum nicht ausreichend für die lange Waffe. Man forderte eine klappbare Schulterstütze um diese Probleme zu beheben. Der Konstrukteur schlug dagegen vor den Lauf zu verkürzen, weil er befürchtete, dass die Genauigkeit der Waffe unter dem etwas instabileren Klappschaft leiden könnte. Letztendlich entschied man sich bei der Armee für eine Version mit kürzerem Lauf und Klappschaft (nur 875 mm). Eingesetzt wird sie vor allem bei den Fallschirmjägern und motorisierter Infanterie. Dragunov erlebte die endgültige Version (SWDS), die 1994 vorgestellt wurde, aber nicht mehr. Bei diesem Gewehr stimmen nur noch rund 70% der Teile mit dem Original-Dragunov überein.



Dragunov rumänischer Fertigung mit Zubehör

Bezeichnung der Waffe: Dragunov SWD (Snaiperskaja wintowka Dragunova)
Hersteller: diverse russ. Betriebe
Länge: 1.225 mm
Gewicht: 4.550 g
Lauflänge: 620 mm (verchromt)
Zahl der Züge, Drall: 4, Rechtsdrall
Dralllänge: 320 mm
Kaliber: 7,62 x 54 mm R
Mündungsgeschwindigkeit: 830 m/s
effektive Feuerrate: 3 bis 6 Schuss/min
effektive Schussweite: 800 m
Munitionszufuhr/Magazingröße: 10 Schuss

Dragunov SWDS mit Kunststoff-Handschutz, kurzem Lauf und Klappschaft (picture by world.guns.ru )

Ein ungarischer Soldat mit dem Dragunov während einem Manöver in North Carolina im Sommer 1996



Interne Links zum Thema

Bildergalerie



Weiterführende Literatur/Homepages

Handbuch/Manual zu dieser Waffe bei http://www.gunmanuals.ch/



 

Text by Kreuz As. Letztes Update:  7. September 2007