Dunkerque-Klasse

Schlachtschiffe


Die Dunkerque im Mai 1937 (Picture from www.warship.get.net.pl)

Frankreich wurde im Washingtoner Flottenabkommen von 1922 eine Schlachtschifftonnage von insgesamt 175.000 ts zugesprochen. Nach dem Abkommen verpflichtete sich jeder Staat zehn Jahre lang keine Neubauten zu beginnen. Da Frankreich zu diesem Zeitpunkt aber noch über drei Schlachtschiffe der Danton-Klasse (18.360 ts Standardverdrängung) verfügte, die noch aus der Zeit der Vor-Dreadnoughts stammte, wurde es Frankreich gestattet 1927 sowie 1929 einen Ersatzneubau mit je 35.000 ts Verdrängung zu beschaffen. Weiterhin durfte Frankreich das 1924 durch Strandung verloren gegangene 23.000 ts Schlachtschiff France durch einen Neubau ersetzen.
1926 begann man mit der Ausarbeitung der Neubauten. Zunächst wollte man anstatt der zwei 35.000 ts Schiffe vier 17.500 ts Schiffe bauen. Sie sollten über 30,5 cm Geschütze in Vierlingstürmen verfügen, die beide auf dem Vorschiff vorgesehen waren, und ca. 35 kn Höchstgeschwindigkeit haben. Ihr Aufgabenspektrum reichte von der Niederkämpfung von "Washington-Kreuzern" (maximal 10.000 ts und 20,3 cm Hauptartillerie) bis hin zu Geleitschutz und Aufklärung.
Nachdem bekannt wurde, dass man in Deutschland an Ersatzbauten mit 28,0 cm Geschützen arbeitete, distanzierte man sich von dieser Idee und kam zur Überlegung, ob man nicht anstatt vier 17.500 ts Schiffe drei 23.333 ts Schiffe bauen sollte. Da Frankreich mit der Hilfe Großbritanniens ein Abkommen mit Italien ausarbeitete, wonach beide Staaten je drei Schiffe mit 23.333 ts bauen durften, wurde dieser Plan weiter verfolgt.



Die Strasbourg im Bau. (Picture from www.warship.get.net.pl )

Technik

Nachdem man sich für die 23.333 ts Einheiten entschlossen hatte, begann man verstärkt diesen Plan auszuarbeiten. Hierbei konzentrierte man sich bei der Hauptbewaffnung hauptsächlich auf die 30,5 cm und 33,0 cm Kaliber. Im Dezember 1930 wurde dann der Entwurf für ein 23.333 ts schweres Schiff mit 213,00 m Länge vorgelegt. Es sollte ca. 30 kn schnell sein und mit acht 30,5 cm Geschützen in zwei Vierlingstürme auf dem Vorschiff bewaffnet sein und bis zu 230 mm Seitenpanzerung aufweisen.
Für diesen Entwurf gab es jedoch keine Mehrheit, da man die Bewaffnung von nur 30,5 cm als Antwort auf die 28,0 cm Bewaffnung der deutschen Neubauten der Deutschland-Klasse als zu schwach ansah, zudem wurde der zu geringe Panzerschutz und die daraus resultierende Standfestigkeit bemängelt. Daraufhin wurde die Bewaffnung auf 33,0 cm geändert und der Panzerungsschutz verbessert, was eine Anhebung der Verdrängung zur Folge hatte. 
Erst am 19. Juli 1931 erteilte das französische Parlament seine Einwilligung zum Bau des ersten Schiffes, weil es für manche Abgeordnete lange Zeit unverständlich war, warum man auf ein 10.000 ts schweres Schiffe mit einem 23.333 ts schweren Antwortbau antworten musste. Nachdem am 27. April 1932 der vorletzte Entwurf vorgelegt wurde, der nun die 33,0 cm Hauptbewaffnung aufwies, wurde dem Schiff der Name Dunkerque zugeteilt. Nach nochmaliger Überarbeitung des Entwurfes konnte dann am 24. Dezember 1932 mit den Vorarbeiten und zwei Monate später mit der Kiellegung begonnen werden. 
Weil das Marinearsenal in Brest, auf dem die Dunkerque gebaut werden sollte, nicht lang genug war, um den gesamten Schiffskörper auf einmal zu bauen, wurde dieser nur bis zur Spante 189 gebaut und danach ausgedockt. Das restliche 17,00 m lange Vorschiff wurde dann anschließend in einem Schwimmdock angefügt. Nach der Indienststellung am 1. Mai 1937 wurde die Dunkerque den üblichen Probefahrten unterzogen, die sich jedoch fünfzehn Monate lang hinzogen, so dass sie erst im September 1938 voll einsatzfähig war.
Auch ihrem Schwesterschiff Strasbourg erging es nicht besser. Aufgrund der immer noch schlechten Haushaltslage Frankreichs scheute das Parlament zunächst die Zustimmung für ein zweites Schlachtschiff. Die Gründe, warum man schließlich doch noch den Bau bewilligte, sind zum einen die Aufrüstung Deutschlands und zum anderen das Bestreben Italiens zur neuen größten Macht im Mittelmeer zu avancieren. Dies zeigte sich durch die Modernisierung zweier alter Schlachtschiff der Covour-Klasse und durch den geplanten Neubau zweier 35.000 ts Schlachtschiffe. So begann man am 25. November 1934 mit der Kiellegung der Strasbourg. Da die Bauarbeiten nur schleppend vor sich gingen, konnte sie erst am 24. April 1939 in Dienst gestellt werden. 
Mit der Indienststellung der Dunkerque und Strasbourg verfügte die französische Flotte nun über zwei moderne Schlachtschiffe mit rund 215,00 m Länge und 31,10 m Breite, der Tiefgang betrug ca. 8,50 bis 9,00 m. Besonderes Merkmal der Dunkerque-Klasse war die auf dem Vorschiff angeordnete Hauptartillerie. Dies hatte mehrere Gründe, so konnte zum Beispiel die Bemessung des Seitenpanzers verkürzt werden, was eine Gewichtsreduzierung bedeutete. Weiteres Gewicht wurde durch die Verwendung der Hauptartillerie in Vierlingstürmen gespart, so dass man unter Beachtung der bestmöglichsten Schiffsform trotz der schwachen Antriebsanlage von nur 105.000 PS eine beachtliche Geschwindigkeit von 29,5 kn erreichte. Ein weiteres Merkmal dieser Schiffe ist der Turmmast, der sieben Plattformen hoch war. Auf ihnen waren drei Entfernungsmessgeräte übereinander angeordnet, die auf einer 360° Achse unabhängig von einander gedreht werden konnten und zusammen ein beträchtliches Gewicht von 85 t hatten.
Der 16 m hohe hintere Kommandostand bereitete sehr schnell Komplikationen, da er die gleich Höhe wie der Schornstein aufwies. So wurde die Bedienung durch die Rauchgase stark beeinträchtig. Dieses Problem konnte durch die 1938 durchgeführte Erhöhung des Schornstein nur teilweise gelöst werden.
Da die Strasbourg später gebaut wurde, hatte sie einen etwas verstärkten Panzerschutz, um sie den Änderungen im Seekrieg anzupassen. So kommt es, dass sie eine Standardverdrängung von 26.870 ts aufwies, wohin gegen die Dunkerque nur 26.082 ts verdrängte. Aber nicht nur in der Panzerung unterschieden sich die beiden Schiffe, so hatte die Strasbourg auch ein zweites Brückenstockwerk bekommen. Durch das etwas größere Gewicht stieg natürlich auch ihr Tiefgang um einige Zentimeter.



Panzerung

Die militärischen Forderungen sahen vor, dass eine Immunität gegen 28,0 cm Geschosse auf eine mittlere Kampfentfernung von 13 bis 30 km bestand. Zudem sollten Bomben bis 500 kg aus maximal 3.000 m Höhe keinen Schaden an den wichtigen Kampfwertfaktoren hervorrufen. Der Unterwasserschutz war gegen 300 kg Gefechtsladungen bei einer Eintauchtiefe ab 3,50 m unter Wasserlinie gefordert.
So erhielten die Schiffe einen 126,00 m langen Seitenpanzer der 5,75 m hoch war. Bei der Dunkerque wies er 225 mm Stärke auf und war um 11,3° nach innen geneigt, so dass er einem 283 mm Panzer gleich kam. Die Strasbourg erhielt einen 283 mm starken und um 11,5° geneigten Panzer, um sich den immer größer werdenden Kampfentfernungen anzupassen. Der Seitenpanzer verjüngte sich nach unten hin auf 141 mm und war nicht auf der Außenhaut angebracht, sondern lag Innen. Der Raum, der zwischen dem Seitenpanzer und der Außenhaut entstand, war mit wasserresistentem Schaumstoff aufgefüllt, der verhindern sollte, dass große Wassermenge in das Innere des Schiffes eindrangen. Dadurch konnte man jedoch ein in Schräglage geratenes Schiff nicht mehr Gegenfluten. Den Abschluss der Zitadelle bildeten die Panzerquerschotts, die auf der Dunkerque vorne eine Dicke von 210 mm und achtern von 180 mm hatten. Bei der Strasbourg waren sie vorne 260 mm bzw. achtern 210 mm achtern. Den Horizontalschutz bildeten zwei Panzerdecks. Das Hauptpanzerdeck hatte eine Dicke von 125 mm und schloss bündig an die Oberkante des Seitenpanzers an. Das untere Panzerdeck besaß im Zitadellenbereich eine Stärke von 40 mm. Es wurde achtern mit 100 mm weitergeführt und bildete den einzigen Schutz des Achterschiffs. Das Vorschiff besaß gar keine Panzerung und es bestand die Gefahr, dass es bei einem Treffer mit Wasser volllief und dass das Schiff somit kopflastig wurde, was unweigerlich einen Geschwindigkeitsverlust mit sich brachte.
Der Unterwasserschutz wurde von einem 30 bis 50 mm starken Torpedoschott übernommen.
Die Barbetten der Hauptartillerie waren mit 310 mm (340 mm Strasbourg) gepanzert und die Panzerung der 13,0 cm Türme betrug 120 mm. Während die Stirn- und Deckenpanzerung der Hauptartillerie bei der Strasbourg verstärkt wurde, wurde aus Gewichtsgründen die hintere Panzerung von 345 mm auf 252 mm abgeschwächt. Auf der Dunkerque betrug die Stirnpanzerung 330 mm und die Deckenpanzerung 150 mm, bei der Strasbourg war sie mit 360 mm an der Stirn und 260 mm an der Decke ausgelegt.



Antriebsanlage

Die Dunkerque-Klasse wurde mit einer 105.000 PS starken Dampfanlage ausgestattet, die nur rund 7 % des Gesamtgewichtes des Schiffes ausmachte. 
Sie bestand aus sechs stehenden Kesseln, die zu je zweien nebeneinander in drei Kesselräumen aufgestellt waren. Die engrohrigen Kessel waren ölbefeuert und hatten eine Betriebstemperatur von 350° C bei 25,7 atü Betriebsdruck. Alle sechs Kessel der Dunkerque wurden von Indret hergestellt. Bei der Strasbourg waren vier von Chantiers de l` Atlantique und zwei von Ateliers et Chantiers de la Loire. Die sechs Kessel trieben vier Turbinensätze an, die in zwei Turbinenräume aufgeteilt waren. In diesen waren je zwei Sätze nebeneinander angeordnet und trieben je eine Welle an. Die Turbinen- und Kesselräume waren so angeordnet, dass das Risiko eines unglücklichen Treffers, der zum Gesamtausfall geführt hätte, nur sehr gering war. So kam vom Vorschiff her gesehen zuerst der vordere Kesselraum, dann der vordere Turbinenraum, danach kamen die zwei hinteren Kesselräume und schließlich der hintere Turbinenraum. Die fünfgehäusigen Turbinen (Bauart Parson) des vorderen Turbinenraumes trieben über ein Rädergetriebe die beiden äußeren Wellen an. Der hintere Turbinenraum trieb die beiden inneren Wellen an, die im Gegensatz zu den äußeren parallel zueinander verliefen. An den Enden der Wellen waren bei der Dunkerque dreiflügelige Schrauben mit 4,20 m Durchmesser, auf der Strasbourg waren vierflügelige mit 4,045 m Durchmesser montiert.
An jedem Turbinensatz waren zu dem noch zwei Turbogeneratoren installiert von denen jeder 450 kW Leistung brachte. Weiterhin gab es noch drei Dieselgeneratoren mit je 400 kW und zwei Hilfsdieselgeneratoren mit je 100 kW, was eine Gesamtleistung von 5.000 kW ergab.



Schnitt durch die Hauptspantenebene mit Panzerung. Die Seitenpanzerung der Strasbourg wurde auf 283 mm im Gegensatz zu den 255 mm der Dunkerque gesteigert und die Neigung wurde um 0,2 ° erhöht.

Gewichtsverteilung: Dunkerque Strasbourg
Schiffskörper 7.011 t (22,80 %) 7.040 t (22,30 %)
Panzerung 11.040 t (35,90 %) 11.789 t (37,30 %)
Maschinen 2.214 t (7,20 %) 2.214 t (7,00 %)
Bewaffnung 4.858 t (15,80 %) 4.858 t (15,40 %)
Ausrüstung 2.767 t (9,00 %) 2.809 t (8,90 %)
Brennstoff (75 % Füllung) 2.860 t (9,30 %) 2.860 t (9,10 %)
Konstruktionsverdrängung 30.750 t (100,00 %) 31.570 t (100,00 %)

(je nach Quelle können sich die Werte etwas unterscheiden)

 



Das Heck der Dunkerque mit den Hangar- und Katapultanlagen, sowie den 13,0 cm Vierlingstürmen. (Picture from www.warship.get.net.pl )

Bewaffnung

Schiffsartillerie

Bei der Bewaffnung der Dunkerque-Klasse bediente man sich bei den schon im ersten Weltkrieg entworfenen Schlachtschiffen der Normandie- und Lyon-Klasse, die mit 34,0 cm Vierlingstürmen ausgestattet werden sollten. Warum man sich für den Vierlingsturm entschied, hatte mehrere Gründe. Zunächst konnte man auf die technischen Erfahrung zurückgreifen, die man bis dahin gesammelt hatte, was eine schnellere Entwicklung erlaubte und vor allem die Kosten niedrig hielt. Ein weiterer großer Vorteil war die enorme Gewichtsersparnis des Vierlingsturms. Man hatte errechnet, dass zwei 33,0 cm Vierlingsturm ein Gewicht von 4.620 t hatte. Drei Drillingstürme des gleichen Kalibers hätten eine Gewichtserhöhung um 1.300 t mit sich gebracht, vier Zwillingstürme wären sogar 1.720 t schwerer gewesen. 
Die Vierlingstürme waren eigentlich zwei halbe Zwillingstürme in einer Barbette, da in der Mitte des Turmes eine Trennwand verlief. In jeder der beiden Hälften eines Turmes waren zwei Rohre auf einer Doppelwiege gelagert. Durch die Lagerung auf Doppelwiegen konnte man das Gewicht weiter senken, jedoch konnte dadurch der Erhöhungswinkel nicht für jedes Rohr einzeln geändert werden, sondern immer nur paarweise.
Die Dunkerque-Klasse verfügte über insgesamt acht 33,0 cm Geschütze SK L/52 Mod. 31 in zwei Vierlingstürmen mit einem Höhenrichtbereich von -5° bis +35°. Um die Gefahr zu minimieren, dass bei einem unglücklichen Treffer beide Türme ausfielen, waren sie in überdurchschnittlich großem Abstand zu einander aufgestellt. So maß die kürzeste Strecke zwischen den schweren Barbetten immer noch 26,80 m. Die 33,0 cm Geschütze verschossen maximal zwei 570 kg schwere Granaten pro Minute, mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 850 m/s bis zu 41.500 m weit. Das ergab ein Salvengewicht von 4.560 kg pro Salve.
Als Nebenartillerie waren die Schiffe mit sechszehn 13,0 cm Geschützen SK L/45 Mod. 32 bewaffnet. Diese wurden in drei Vierlingstürme und zwei Zwillingstürme aufgeteilt, wobei man bei den Zwillingstürmen nicht wirklich von Türmen sprechen kann, da sie über keine Barbetten verfügten und ihre Panzerung sehr gering war. 
Die Zwillingstürme waren jeweils zu beiden Seiten des Schiffes hinter den Turmaufbauten installiert. Die Vierlingstürme waren achtern aufgestellt, da das Vorschiff von der Hauptartillerie in Besitz genommen wurde. Während je ein Turm schräg vor dem Hangar positioniert war, war der dritte Turm über dem Hangar installiert worden. Die Anordnung der beiden seitlichen Vierlingstürme war ungünstig gewählt worden, da ihr Bestreichungswinkel durch den Hangar stark eingeschränkt wurde. 
Alle Rohre waren aus Gewichtsgründen wie bei der Hauptbewaffnung in Zwillingswiegen gelegt worden und die Vierlingstürme waren ebenso wie die Türme der Hauptbewaffnung durch eine Trennwand zweigeteilt. Die 13,0 cm Geschütze konnte bis zu 10 Schuss der 29,5 kg schweren Granaten pro Minute verschießen. Bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 840 m/s erreichte die Geschosse eine maximale Reichweite von bis zu 20.800 m. Da die Nebenartillerie zugleich die Aufgabe der schweren Flak übernehmen musste, hatte sie einen relativ hohen Richtbereich. Dieser betrug bei den Vierlingstürmen -10° bis +75°, bei den Zwillingstürmen sogar -10° bis +80°. Dennoch konnten sie ihre Aufgabe als schwere Flak nur unzureichend erfüllen, da sie für diese Aufgabe eine zu geringe Schussfolge hatten. Weiterhin waren gerade die Vierlingstürme mit einer Seitenschwenkgeschwindigkeit von nur 6°/s zu langsam um schnelle Ziele zu verfolgen.

Flakbewaffnung

Weiterhin verfügte die Dunkerque über zehn (bzw. acht bei Strasbourg) 37 mm Geschütze L/60 Mod. 25 in Doppellafetten. Diese verschossen 750 g schwere Geschosse mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 810 m/s rund 8.000 m weit. Die Lafette hatten einen Höhenrichtbereich von -15° bis +79°, jedoch mit einer Kadenz von nur 30 Schuss pro Minute waren sie für die Flugabwehr nur bedingt tauglich.
Später wurden die Mod. 25 Geschütze durch die etwas leichteren 37 mm L/60 Mod. 33 Geschütze ersetzt. Hierbei änderte sich lediglich der Höhenrichtbereich auf -10° bis +80°.
Als leichte Flak verwendete man die 13,2 mm FlaMG Hotchkiss Mod.29 in Vierlingslafetten. Wie die 37 mm Geschütze verfügten auch die 13,2 mm Maschinengewehre über keinen Schutz für die Bedienungsmannschaft. Die Reichweite betrug ca. 6.000 m und die maximale Rohrerhöhung lag bei +90°. Das Hotchkiss MG hatte eine Kadenz von 70 Schuss pro Minute, so dass sich bei der gesamte Lafette eine rechnerische Kadenz von 280 Schuss pro Minute ergibt.

Bordflugzeuge

Die Schiffe der Dunkerque-Klasse waren die ersten Schlachtschiffe die für die mitgeführten Bordflugzeuge einen Hangar besaßen. Als optimaler Platz für den Hangar und die Katapultanlage bot sich natürlich das Achterdeck an, weil des dort die Hauptartillerie nicht behinderte und absolut sicher vor deren Gasdruck war. 
Die bis zu drei Lorie-130 M Wasserflugzeuge wurden mit Hilfe eines 22,085 m langen und 1,394 m breiten Katapults gestartet. Das Katapult selbst befand sich auf einem ca. zwei Meter hohen Sockel, der einen Durchmesser von etwa fünf Meter hatte. Auf diesem Sockel konnte das Katapult um 360° gedreht werden und bis zu 3,3 t schwere Flugzeuge starten. Um die Flugzeuge in die ca. 13,00 m lange und 7,60 m breite Hangarhalle zu bringen, wurden sie auf dem Katapult auf einen Karren gestellt. Diesen schob man dann auf eine Hebebühne, wo er dann auf die Höhe des Hangarbodens abgelassen wurde. Auf Schienen wurden dann die Flugzeuge nach Demontage der Flügel in die Halle geschoben. Dort war ein Doppelstocklift eingebaut, wie er auf dem Flugzeugträger Béarn vorhanden war. So konnten in dem 10,00 m tiefen Hangar zwei Flugzeuge verstaut werden.
Um die Flugzeuge wieder an Bord zu bekommen, war ein Wippkran backbordseitig neben dem Hangar vorgesehen, der eine Tragkraft von bis zu 4,5 t hatte. 

Messgeräte

Auf der Dunkerque, wie auf der Strasbourg, gab es unzählige Entfernungsmessgeräte, so waren für die schwere Artillerie ein 12,00 m Gerät im Vormars installiert, welche 1940 durch ein 14,00 m Gerät ersetzt wurde. Die zwei Türme der Hauptartillerie besaßen ebenfalls ein eigenes 12,00 m Gerät und ein 8,00 m Gerät war achtern installiert.  Für die Nebenartillerie waren ein 6,00 m Gerät und zwei 5,00 m Geräte im Vormars verbaut. Jeder Vierlingsturm hatte ebenfalls ein 6,00 m Gerät und achtern war ebenfalls noch ein 6,00 m Gerät für die Nebenartillerie vorhanden. Zudem gab es noch vier 3,00 m Geräte für die Navigation, so wie einige 1,00 m Geräte (Dunkerque zwei und Strasbourg vier). 1942 erhielt die Strasbourg noch eine D.E.M.-Luftüberwachungsantenne.



Das Vorschiff der Strasbourg mit Blick auf die Hauptartillerie und die Brücke. Deutlich ist die paarweise Zusammenfassung der Geschütze zu erkennen. (Picture from www.warship.get.net.pl)

Geschichte der Dunkerque

Die Dunkerque wurde am 1. Mai 1937 in Dienst gestellt, mit anschließenden Probefahrten. Vom 17. bis zum 23. Mai 1939 nahm sie an der internationalen Flottenparade teil, die zur Krönung König George V. veranstaltet wurde. Im Oktober 1939 begleitete die Dunkerque zusammen mit zwei Kreuzern und acht Großzerstörern den Konvoi KJ. 3 und wurde anschließend Ende November auf die zwei in den Atlantik durchgebrochenen deutschen Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau angesetzt. Dieser Einsatz wurde erfolglos abgebrochen. Im Dezember 1939 sicherte sie einen Goldtransport nach Kanada und auf dem Rückweg begleitete sie einen Truppentransport, der nach England ausgelaufen war. 
Am 5. April 1940 wurde sie zusammen mit weiteren französischen Einheiten ins Mittelmeer nach Mers el Kebir (Oran) verlegt, um dort die britischen Streitkräfte zu unterstützen. 
Dort wurde sie, zusammen mit anderen französischen Schiffen, von der britischen "Force H" bei der Operation "Catapult" von der Hood, Braham und Resolution am 3. Juli 1940 angegriffen und schwer beschädigt, blieb jedoch fahrtüchtig. Drei Tage später erfolgte der erneute Angriff der britischen Streitkräfte durch den Flugzeugträger Ark Royal. Dabei traf ein Flugzeugtorpedo das längsseits gegangene Wachboot und brachte dessen Wasserbombenvorrat zur Explosion, was ein gewaltiges Loch in das Vorschiff der Dunkerque riss. Nachdem sie notdürftig repariert wurde, schleppte man sie am 19. Februar 1942 nach Toulon.
Da man eine Beschlagnahme durch die Deutschen fürchtete, beschloss man das Schiff kampfunfähig zu machen. Am 27. November 1942 wurden durch mehrere Sprengladungen die Turbinen, Optiken und Nachtrichteinrichtungen sowie Entfernungsmessanlagen, usw. zerstört.
Von 1943 an begannen italienische Bergungstrupps mit der Zerlegung des Schiffes um Rohstoffengpässe auszugleichen. Diese Arbeiten wurden bis zum Kriegsende weiter durchgeführt.
1945 wurden die Reste der Dunkerque in die Bucht von Brégaillon geschleppt und am 15. September 1955 als Hulk Q56 aufgelegt. Letztendlich wurde sie am 30. September 1958 zum Schrottwert von 226 Millionen französischen Francs verkauft und dort bis 1959 abgebrochen.



Geschichte der Strasbourg

Am 24. April 1939 wurde die Strasbourg in Dienst gestellt und ab dem 7. Oktober 1939 zusammen mit britischen Einheiten in der "Force X" gegen deutsche Einheiten im Atlantik eingesetzt. Am 25. Oktober gelang es ihr schließlich den deutschen Frachter Santa Fé aufzubringen.
Im April 1940 wurde sie dann zusammen mit ihrem Schwesterschiff der Dunkerque nach Mers el Kebir (Oran) verlegt, wo sie am 3. Juli 1940 von britischen Streitkräften der "Force H" angegriffen wurde und nur geringe Schäden erhielt. Sie konnte die offene See erreichen und am nächsten Tag in Toulon einlaufen. Während dieser Fahrt nach Toulon wurde die Straßbourg erfolglos vom britischen Flugzeugträger Ark Royal angegriffen.
Nachdem sie in Toulon eingelaufen war, unternahm sie keine größeren Fahrten mehr. Am 27. November 1942 versenkte die Besatzung der Strasbourg ihr Schiff im nur vierzehn Meter tiefen Hafen selbst, um der vermuteten Beschlagnahmung zu entgehen.
Genauso wie die Dunkerque wurde auch die Strasbourg von italienischen Bergungsteams als Rohstoffquelle genutzt, so wurde die Strasbourg am 18. Juli 1943 gehoben und mit der Rohstoffgewinnung begonnen. Im März 1944 erfolgte die Rückgabe an die französischen Streitkräfte und diese schleppten das Schiff in eine Bucht bei Saint Mandriers. Dort wurde die Straßbourg am 18. August 1944 von acht amerikanischen Bomben getroffen und sank erneut.
Am 1. Oktober 1945 wurde sie wieder gehoben und diente bis ins Jahr 1951 als Versuchsobjekt für Unterwassersprengversuche. Am 22. März 1955 wurde sie dann schließlich als Hulk Q45 aufgelegt und am 27. Mai 1955 für 467 Millionen französische Francs Schrottwert verkauft. Ihr Abbruch dauerte bis ins Jahr 1956.



Die Strasbourg nach ihrer Selbstversenkung in Toulon. (Picture from www.warship.get.net.pl)

Schiffsname: Dunkerque Strasbourg
Typ: Schlachtschiff Schlachtschiff
Hersteller: Arsenal de Brest Ateliers & Chantiers de la Loire & Penhoêt, St. Nazaire
Stapellauf: 2.10.1935 24.04.1939
Indienststellung: 1.05.1937 24.04.1939
Länge: 215,14 m 215,50 m
Länge auf Wasserhöhe: 209,00 m 209,00 m
Breite: 31,10 m 31,10 m
Tiefgang: 8,57 m konstruktiv,
9,71 m maximal (bei 34.940 ts)
8,73 m konstruktiv,
9,89 m maximal (bei 35.807 ts)
Wasserverdrängung: 23.333 ts offiziell,
26.082 ts leer,
30.265 ts konstruktiv,
34.940 ts voll
23.333 ts offiziell,
26.870 ts leer,
31.072 ts konstruktiv,
35.807 ts voll
Kesselanlage: 6 Kessel von Indret 4 Kessel von Chantiers de l` Atlantique
2 Kessel von Ateliers et Chatiers de la Lorie
Leistung: 105.000 PS/ 77.206 kW normal, 113.420 PS/ 83.397 kW maximal 105.000 PS/ 77.206 kW normal, 131.960 PS/ 97.029 kW maximal
Antriebsanlage: 4 Satz Rädergetriebeturbinen (Parsons) von Chantiers de l` Atlantique 4 Satz Rädergetriebeturbinen (Parsons) von Chantiere de l` Atlantique Penhoêt
Turbinensatz: ? ?
Vortriebsanlage: vier Wellen mit dreiflügeligen Schrauben vier Wellen mit vierflügeligen Schrauben
Durchmesser der Schrauben: 4,20 m 4,045 m
Geschwindigkeit: 30,38 kn 30,90 kn
Treibstoffreserven: 3.700 t normal, 5.775 t maximal 3.700 t normal, 6.045 t maximal
Fahrbereich: 7.850 sm bei 15 kn,
6.300 sm bei 20 kn,
2.450 sm bei 28 kn
7.850 sm bei 15 kn,
6.300 sm bei 20 kn,
2.450 sm bei 28 kn
Primärbewaffnung: 8 Geschütze 33,0 cm SK L/52 Mod. 31 in Vierlingstürmen (800 Schuss) 8 Geschütze 33,0 cm SK L/52 Mod. 31 in Vierlingstürmen (800 Schuss)
Sekundärbewaffnung: 16 Geschütze 13,0 cm SK L/45 Mod. 32 in drei Vierlings- und zwei Zwillingstürmen (2.000 Schuss) 16 Geschütze 13,0 cm SK L/45 Mod. 32 in drei Vierlings- und zwei Zwillingstürmen (2.000 Schuss)
Flugabwehrkanonen: 10 Geschütze 37 mm L/60 Mod. 25 in Doppellafetten (4.700 Schuss) 1938/39 ersetzt durch 10 Geschütze 37 mm L/60 Mod. 33 in Doppellafetten (8.015 Schuss) 32 Maschinengewehre 13,2 mm Hotchkiss Mod. 29 in Vierlingslafetten (102.090 Schuss) 8 Geschütze 37 mm L/60 Mod. 25 in Doppellafetten (3.760 Schuss) 1938/39 ersetzt durch 10 Geschütze 37 mm L/60 Mod. 33 in Doppellafetten (8.015 Schuss) 32 Maschinengewehre 13,2 mm Hotchkiss Mod. 29 in Vierlingslafetten (102.090 Schuss)
Torpedorohre: - -
Flugzeuge: 3 Loire-130 M 3 Loire-130 M
Besatzung: 1,381 1,302
Beiboote: 15 verschiedener Größen 15 verschiedener Größen
Anker: Bug 3 und Heck 1 Bug 3 und Heck 1
Schiffe der Klasse: 2 2
Baukosten: ? ?

Panzerung

Panzerung: Dunkerque Strasbourg
Rumpf    
Gürtelpanzer: 225 mm 283 mm
Außenhaut: - mm - mm
Panzerdeck: 115 - 125 mm Hauptpanzerdeck
40 mm Unteres Panzerdeck
115 - 125 mm Hauptpanzerdeck
40 mm Unteres Panzerdeck
Oberdeck: - mm - mm
33,0 cm Turm    
Front: 330 mm 360 mm
Decke: 150 mm 260 mm
Seite: 250 mm 250 mm
Rücken: 335 - 345 mm  242 - 252 mm 
13,0 cm Turm (Vierling)    
Front: 135 mm 135 mm
Decke: 90 mm 90 mm
Seite: 90 mm 90 mm
Rücken: 80 mm 80 mm
13,0 cm Turm (Zwilling)    
Front: 20 mm 20 mm
Decke: 20 mm 20 mm
Seite: 20 mm 20 mm
Rücken: 20 mm 20 mm
Vorderer Kommandoturm:    
Decke: 130 - 150 mm 130 - 150 mm
Seite: 130 - 270 mm 130 - 270 mm
Verbindungsschächte 160 mm 160 mm
Achterer Kommandoturm    
Decke: 130 - 150 mm 130 - 150 mm
Seite: 130 - 270 mm 130 - 270 mm
Verbindungsschächte 160 mm 160 mm

Die Strasbourg (vorne) und die Dunkerque (rechts hinten) im Hafen von Brest kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. (Picture from www.warship.get.net.pl)


Weiterführende Literatur/Links

poln. Privatseite über Schlachtschiffe, www.warship.get.net.pl
Seite über Kriegsschiffe, usw., www.voodoo.cz



 

Text by Wotan; Korrektur: british steel, UncleK. Letztes Update:  3. October 2007