Rigid Raider

Rigid Raider Mk.1 und Rigid Raider Mk.2


Rigid Raider Mk.1 der Royal Marines während einer Übungsfahrt.

Das britische Verteidigungsministerium formulierte Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts eine Forderung für ein neues Sturmboot mit dem man, neben dem Anlanden von Soldaten an eine feindliche Küste, auch Lasten transportieren kann, und das auch als Patrouillenboot nutzbar ist. Die britische Firma RTK Marine kam dieser Forderung mit dem Rigid Raider Boot entgegen, welches ursprünglich für zivile Einsatzwecke, wie bspw. als Tauchunterstützungsboot oder als Rettungsboot in Küstennähe, entwickelt worden war.
Dieses Boot wird in der Version Mk.1 und Mk.2 in der Royal Army, der Royal Navy und dem Royal Marine Corps verwendet. Gehört es sowohl in der Royal Army, wo es Teil der Pionierausrüstung ist, als auch im Royal Marine Corps zur Standardausrüstung um Truppen oder Versorgungsgüter an eine (gegnerische) Küste zu bringen, nutzt es in der Royal Navy der Special Boat Service. Seit 1985 werden die Mk.1 Boote für den normalen Truppen- und Lastentransport gegen die größeren Mk.2 Boote ausgetauscht. Die Mk.1 Boote sollen nur noch zum Transport kleinerer Einheiten genutzt werden. Die Mk.1 und Mk.2 Rigid Raider ergänzen hierbei die bereits vorhandenen Schlauchboote (RIB - Rigid Inflatable Boats). Sie werden in der Royal Army (RA) von zwei Soldaten des Pionierkorps bedient, in der Royal Navy (RN) wie auch im Royal Marine Corps (RM) von je zwei Sturmbootführern. Der Unterschied besteht darin, dass die Sturmbootführer dafür ausgebildet worden sind unabhängig von klimatischen Bedingungen ihre Boote unauffällig an ein Ziel zu fahren, Soldaten abzusetzen oder aufzunehmen und unauffällig wieder zu verschwinden oder bei einer Landung unter Feindeinwirkung einen Landepunkt zu finden und anzufahren von wo aus sich die abzusetzenden Soldaten in einer guten Position befinden und sich das Boot absetzen kann ohne beschädigt oder zerstört zu werden.
RTK Marine stellt die Mk.1 und die Mk.2 Version mit verschiedenen Antrieben her: den 5,2 m Rigid Raider Mk.1, ein Boot der Dory 17 Klasse, gibt es variabel mit einem 140 PS Außenbordmotor oder mit zwei Außenbordmotoren je 40 PS, den größeren 6,5 m Rigid Raider Mk.2, auch Beach Raider oder large Rigid Raider, gibt es mit einem internen 240 PS Diesel oder zwei je 140 PS starke Außenbordmotoren. Von den britischen Streitkräften wird für den Mk.1 der 140 PS Außenbordmotor und für den Mk.2 Rigid Raider der 240 PS Turbo-Diesel Motor verwendet.
Die Farbe ist NATO Grün, sowohl für die Mk.1 als auch Mk.2 Boote, einige Mk.1 Boote der RN, welche keine Mk.2 Boote besitzt, wurden in den britischen Standardtarnfarben für Fahrzeuge, Dunkelgrün mit schwarzen Streifen, ausgeliefert.



Technik

Mk.1 und Mk.2

Der Rumpf des Rigid Raider ist zweischalig aus Glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) aufgebaut. GFK wird zur Herstellung von Bootsrümpfen immer häufiger verwendet und kann durch entsprechende Pressverfahren in Form gebracht werden. Als Matrixwerkstoff wird bei GFK meist ein Duromer, bei Bootsrümpfen oft Epoxid (EP) verwendet. Auch bei den Rigid Raider Booten von RTK kommt dieser Werkstoff zum Einsatz. Zu Beginn der Herstellung einer solchen Rumpfwanne wird der Verstärkungsstoff, die Glasfasern, in Form von Matten oder Geweben auf eine negative oder auch positive Form des Rumpfes gebracht. Darauf erfolgt das Aufgießen des Epoxidharzes und der Formungsvorgang durch Pressen. Nach dem Aushärten ist der Glasfaserkunststoff sehr hart, nicht mehr verformbar (Die Reißdehnung bei GFK mit EP-Matrix und 60% Faseranteil liegt bei 3,5%) und absolut wasserdicht. Die Oberseite des Rumpfes ist zu Sitzplätzen, dem Platz für den Steuerstand, Haltepunkten für die Benzintanks sowie dem Boden ausgeformt. Um ein Rutschen auf dem möglicherweise nassen Deck zu verhindern und dadurch die Unfallgefahr zu mindern, sind die Sitzplätze und der Boden größtenteils durch eine Riffelung, durch die das Wasser abfließen kann, rutschfest gemacht worden. Das zweite aus GFK bestehende Rumpfelement, die Unterseite des Rumpfes, hat als einziger Teil des Bootes Kontakt mit dem Wasser. Das Unterteil ist schräg geformt und in der Mitte befindet sich eine Erhebung, welche das Boot beim Fahren schneller Kurven am Kentern hindert. Die Beschläge sowohl auf der Ober- als auch auf der Unterseite werden mit Platten aus rostfreiem Stahl oder Hartholz an der jeweiligen Gegenseite zu Verstärkung und somit zur Lebensdauerverlängerung verschraubt und verklebt. Bevor beide Teile des Rumpfes mittels Verkleben zusammengefügt werden, wird der Hohlraum im Bootskörper mit dem schwimmfähigen Duroplast Polyurethan (PUR) ausgeschäumt. Dieser normalerweise als Wärmedämmstoff eingesetzte Duromerwerkstoff verbessert nicht nur die Schwimmfähigkeit und den Auftrieb, sondern verstärkt außerdem die Ladefläche, so dass ein Frachtstück oder ein anderer Gegenstand nicht in den Hohlraum, welcher ohne den PUR-Schaum da wäre, stoßen könnte.
An allen vier Ecken des sich zum Bug hin verjüngenden Rumpfes befinden sich Aufhängepunkte, um das Boot als Außenlast unter einem Hubschrauber zu transportieren, es an oder von Bord eines Mutterschiffes zu bringen oder um es abzuschleppen bzw. ein anderes Boot mit ihm schleppen. Der komplette Bootsrand, inklusive der Rampe und der Aussparung am Heck für den Motor sind zur Verminderung der Schäden durch einen Zusammenstoss, sei es mit einem anderen Boot oder wenn der Rigid Raider an Bord eines Schiffes gehievt wird und dabei gegen die Außenwand prallt, mit einem dicken, schwarzen Gummirand versehen.
Backbord und Steuerbord befinden sich beim Mk.1 Sitzplätze für je drei Passagiere, welche aus der Hülle ausgeformt sind. Hinter dem Steuerstand sind auf den beiden je 20 Liter fassenden Benzintanks die beiden Sitze für die Besatzung. Auf den vorderen sechs Sitzen haben sechs oder im Notfall acht Soldaten in normaler bzw. in Tropenausrüstung Platz. Bei arktischer Kampfausrüstung reduziert sich die Kapazität auf fünf Mann. Zudem befindet sich im vorderen Bootsbereich am oberen Rand des Rumpfes ein Aluminiumrahmen, in welchen Handgriffe und Haken, zum Befestigen von Haltebändern welche u.a. zur Fixierung der sechs Holzpaddel dienen, ausgeformt sind. Auf die bestehenden Sitzplätze kann ein Speerholzrahmen aufgesetzt werden, dieser bietet eine bessere Sitzgelegenheit als die Originalsitze, wird aber weniger verwendet. Die weißen Benzintanks bestehen aus weichem Kunststoff und werden mit elastischen Bändern im hinteren Drittel des Bootes, hinter der Steuerkonsole auf der Back- bzw. Steuerbordseite fixiert. Der Treibstoff wird dann mit einer Handpumpe zum Außenbordmotor gepumpt. Ebenfalls im hinteren Teil des Bootes befindet sich der Steuerstand. Er umfasst ein Lenkrad (Steuerrad), wie man es vom Auto her kennt und Instrumente.  Die Instrumente beschränken sich auf ein Motordrehzahlmesser, einen Öldruckanzeiger sowie einen Kompass. Auf der linken Seite, an der man hinter die Steuerkonsole kommt, ist der Gashebel.
Sowohl die Lenkbewegungen als auch die Geschwindigkeitsregulierung bzw. Zugabe werden durch, wasserfest isolierte, freiliegende Bodenzüge übertragen. Unterhalb des Instrumentenbord mit dem Steuerrad, befindet sich ein verschließbarer Stauraum für Werkzeug, Ersatzteile und Zubehörteile. Stauraum für persönliche Ausrüstung ist dort nicht vorgesehen. Unter dem Stauraum befindet sich ein offenes Fach in dem die elektrische Verkabelung zusammenläuft und auch die Batterie untergebracht ist.



Linke Seite eines Rigid Raider Mk.1 im Schnitt (Skizze; Vorbildähnlich!)

Besonderheiten des Rigid Raider Mk.2

Der Mk.2 Rigid Raider ist mit einer Länge von 7,42 m 1,84 m länger als ein Rigid Raider Mk.1, in ihm finden 8 Soldaten Platz. Die Außenhülle, welche auf dem Wasser liegt, ist anders geformt, der Effekt bleibt jedoch der gleiche wie beim Mk.1. Eine NATO 1t Standardtransportpalette (1 x 1,2 m) passt zwischen die ein- und ausbaubaren Sitzreihen aus Aluminium, die mit Segeltuch bezogen sind. So werden bei einer anderen Deckkonstruktion weder Sitzplätze noch Tankhalterungen von der Rumpfschale geformt, denn der Hülle schließt im Boot gerade ab. Der rutschfeste Belag wurde an der Rampe gegen drei Ovale aus Hartgummi ausgetauscht die von der Backbord- bis zur Steuerbordseite der Rampe reichen und einen besseren Ausstieg gewährleisten, da man jetzt zum Rausspringen einen besseren Stand hat. Die Mk. 2 Version hat außerdem ein anderes Antriebssystem, einen 240 PS Innenbord Dieselmotor. Das Aggregat ist im Heck des Bootes untergebracht, zwischen ihm und der Steuerkonsole, die fast identisch ist mit der der Mk.1 Version, befinden sich zwei Hartschalensitze. Diese wurden notwendig, da mit der höheren Geschwindigkeit des Bootes die Sicherheit für die Besatzung im Falle eines Unfalls bei hoher Geschwindigkeit, sonst nicht mehr gewährleistet werden kann. Durch die Hartschalensitze wird dem Rückgrat mehr Schutz gegeben. Die Mk.2 Boote haben auch ein Funkgerät und eine dazugehörende Antenne, außerdem sind auch Positionslichter montiert.



Linke Seite eines Rigid Raider Mk.2 im Schnitt

Bewaffnung

Mk.1 und Mk.2

Die Rigid Raider Mk.1 wie auch Mk.2 sind nicht bewaffnet, es befinden sich auch keine Befestigungsmöglichkeiten für bspw. ein MG oder ein Raketenwerfersystem an Bord, aber es können von der Besatzung wie auch von den mitfahrenden Soldaten mitgeführte Handwaffen eingesetzt werden. Beim Transport von Soldaten an eine Küste oder auf einer Patrouillenfahrt verwandelt sich der Rigid Raider, Mk.1 wie Mk.2, in ein Kanonenboot; der MG-Schütze des Trupps liegt mit seinem feuerbereiten Maschinengewehr und einem weiteren Soldaten im Bug, die anderen Soldaten verteilen sich auf die Sitze wo sie kauernd, mit ihren Waffen in die Umgebung zielen. Beim Anlanden springen die Soldaten aus ihren Positionen, wobei der MG-Schütze der erste ist, der das Boot verlässt, so dass die Soldaten sich selbst wie auch das Boot einem möglichen gegnerischen Feuer nicht allzu lange aussetzten.



Geschichte/Einsatz

Der Mk.1 Rigid Raider wurde Anfang der 80er Jahre in die britischen Streitkräfte eingeführt. Im Falklandkrieg setzte der Special Boat Service (SBS) wie auch der Special Air Service (SAS) die Mk.1 Version ein. So beispielsweise bei der Infiltrierung der Salvador Gewässer am 25. Mai 1982, wo sich die Boote, getarnt mit Schilf und Grasbüscheln, in den Schatten der Kliffs verstecken konnten und die Kommandosoldaten die Umgebung aufklären konnten, um nach ihrer Rückkehr ihre Erkenntnisse dem Brigade Intelligence Staff mitzuteilen. 
Ein Mk.1 kann problemlos von einem Hubschrauber aufgenommen und abgesetzt werden, dazu schwebt ein Hubschrauber mit Außenlasthaken, z.B. ein Sea King, über dem Boot, an den Ladepunkten werden Tragseile festgemacht und der Hubschrauber kann an zunehmen, die Besatzung wird während des Aufnahmevorgangs über ein Seil oder per Seilwinde des Hubschraubers an Bord gebracht. Das Absetzen geschieht in umgekehrter Reihenfolge. Auf diese Art des Transports ist das 539. Sturmbootschwadron des Royal Marine Corps spezialisiert, welchem ein Teil der im RM vorhanden Rigid Raider unterstehen.



Anladen eines Infanterietrupps der Royal Army aus Mönchengladbach mit einem Rigid Raider Mk.2 während der Übung Lion Sun auf Zypern.

Schiffsname: Mk.1 Rigid Raider 5,2 m Mk.2 Rigid Raider 6,5 m
Typ: Boot für Küstenanlandungen und Inlandgewässer Patrouillen Boot für Küstenanlandungen und Inlandgewässer Patrouillen
Hersteller: RTK Marine RTK Marine
Jahr der Indienststellung: 1980 1985
Länge: 5,58 m 7,42 m
Breite: 2,1 m 2,55 m
Höhe: 1,12 m mit Steuerkonsole 0,87 m ohne Steuerkonsole 1,45 m mit Steuerkonsole 1,05 m ohne Steuerkonsole
Beam: 2,20 m 7,42 m
Gewicht: Leergewicht: 475 kg (mit Motor)
maximales Gewicht: 1.335 kg
Leergewicht: 2.050 kg
maximales Gewicht: 2.450 kg
Antrieb: 2 Außenbordmotoren oder 1 Außenbordmotor interner 6 Zylinder Dieselmotor mit Turbolader
Leistung: 2 x 40 PS bzw. 1 x 140 PS 240 PS
Geschwindigkeit (in Knoten kn): leer: 30 kn
beladen: 23 kn
leer: 38 kn
beladen: 33 kn
Aktionsradius: leer: 240 Sm
beladen: 200 Sm
240 Sm
Bewaffnung: Waffen der Besatzung Waffen der Besatzung
Besatzung: 2 + 6/8 2 + 10
Baukosten: 3.000 £ ?

Rigid Raider Mk.2 mit Infanterietrupp; am Bug 1 L86A1 (links) und ein L85A1 (rechts). (Übung Lion Sun auf Zypern)


 

Text by Father Christmas. Letztes Update:  3. October 2007