Flugzeugträger Shinano



Der Flugzeugträger Shinano gezeichnet vom Künstler S. Fukui. (Picture by Naval Historical Center)

Nach dem Kriegsausbruch im Pazifik am 7. Dezember 1941 zeigte sich sehr schnell, dass die Schlachtschiff ihre Rolle als wichtigstes Kriegsschiff der Marine an die Flugzeugträger verloren hatten. So hatten zum Beispiel die japanischen Schlachtschiffe bei der Schlacht von Midway nicht einmal die amerikanischen Flugzeugträger zu Gesicht bekommen. Die Schlacht von Midway wird auch als Wendepunkt im Krieg zwischen Japan und den USA betrachtet, da die Japaner vier Flugzeugträger einbüßen mussten und somit ihre Vorherrschaft auf See verloren.
Um den Mangel an Flugzeugträgern so schnell wie nur möglich auszugleichen, wurde am 30. Juni 1942 ein Programm gestartet, das den Bau sämtlicher Schlachtschiffe einstellte und die Fertigstellung von Flugzeugträgern vorantrieben. So wurde ein Baustop für das bereits zu 40 Prozent fertiggestellte dritte Schlachtschiff der Yamato-Klasse, die Shinano verhängt. Man beschloss diese in einen Flugzeugträger umzubauen. Nach ihrem Stapellauf war die Shinano der größte Flugzeugträger der Welt, der erst durch die USS Enterprise (CVN-65) in den 60er Jahren übertroffen wurde. Dennoch konnte dieses Schiff nicht die Niederlage Japans verhindern.



Technik

Am 4. Mai 1940 wurde die Shinano (mit der Baunummer 110) als drittes Schiff der Yamato-Klasse in der Marinewerft Yokosuka auf Kiel gelegt. Im Dezember 1941 wurden die Bauarbeiten wieder gestoppt, da nun Flugzeugträger wichtiger geworden waren als Schlachtschiffe. Man sah für den zu 40 % fertiggestellten Rumpf nur einen Verwendung, den Abbruch. Dennoch überlegte man auch, den Rumpf, der immer noch einige Umbauten zuließ, zu einem Flugzeugträger umzubauen. Als am 6. Juni 1942 die Schlacht von Midway ausgetragen wurde, bei der die Japaner vier Träger verloren, beschloss man das Schiff als Ersatz zum Träger umzubauen. Bereits im September des gleichen Jahres waren die Pläne für den Umbau fertig und bewilligt. Da der Rumpf der Shinano schon zum großen Teil fertig war, unterschied er sich hier kaum von dem der Yamato oder Musashi, nur die wesentlich größeren Aufbauten veränderten die Abmessungen. So war die Shinano 266,00 m lang und an der breitesten Stelle 38,90 m breit. Sie hatte eine Seitenhöhe von 24,81 m und einen mittleren Tiefgang von 10,80 m, bei einer Konstruktionsverdrängung von rund 66.950 ts. Da man sich bei der Shinano anscheinend am Flugzeugträger Tahio anlehnte, wurde auch sie als Inseltyp gebaut. Die Insel war dabei auf einer Konsole aufgestellt, die um 28° nach außen geneigt war und eine Breite von ca. 6 m aufwies. Aus der Insel mündete der um 26° nach aussen geneigte Schornstein der Shinano.
Der Schlachtschiffrumpf erlaubt es nur ein Hangardeck mit einer Länge von 211,00 m und einer Breite von 21,50 m einzubauen. Das rund 4,80 m hohe Hangardeck lag ca. 4,60  m über dem Hauptdeck des Rumpfes und bot Platz für 47 Flugzeuge. Wegen ihrer enormen Ausmaße sollte die Shinano noch weitere Ersatzteile sowie Treibstoff für andere Flugzeugträger mitführen, damit diese länger auf See bleiben konnten. Über dem Hangardeck war das Flugdeck, welches vor und nach dem Hangardeck auf Stützen gestellt war. Um auf das Flugdeck zu gelangen waren zwei unterschiedlich große Aufzüge an beiden Enden des Hangardecks vorhanden. Die Munition, sowie Bomben und Torpedos für die Flugzeuge wurden über kleinere Aufzüge in den Barbetten ins Hangardeck gebracht. An den Seiten des Hangardecks gab es große auf Rollen gelagerte verschließbare Blenden, mit denen man das Hangardeck durchlüften konnte.
Auf dem Flugdeck, das wegen Holzmangel mit einem mit Sägemehl vermischten Zement überzogen war, stand Backbord achtern ein 17 m langer Kran, mit dem man den hinteren Aufzug beschicken könnte. Bei Bedarf konnte der Pfosten des Kranes niedergelegt werden. Die Shinano verfügte über keine Katapulte zum Start, somit mussten die Flugzeuge durch die eigene Motorenleistung gegen den Wind starten. Zur Landung hatten die Piloten nicht weniger als elf Landeseile achtern und fünf Landseile vorne. Die vorderen Landeseile wurden jedoch nur montiert, wenn ein Landen von Achtern nicht möglich war, dazu musste der Träger allerdings mit dem Wind fahren.



Panzerung

Man übernahm für die Panzerung der Shinano die bereits fertigen Schutzsysteme der Yamato-Klasse, nur die Panzerungsdicke wurde geändert. Voraussetzung war, dass bei einem Beschuss durch 203 mm Granaten oder durch Bomben von 800 kg Abwurfgewicht aus einer Höhe von 4.000 m kein Schaden an den wichtigen Kampfwertfaktoren zu verzeichnen sein sollte. Um dies zu erreichen, musste ein gepanzertes Flugdeck, als auch ein gepanzertes Hangardeck eingeplant werden. Darum wurden die Panzerungsdicken (hauptsächlich Seitenpanzerung und Panzerdeck) reduziert. So wurde die Seitenpanzerung auf 160 mm gesenkt und die Zitadellenpanzerung auf 75 mm festgelegt. Während bei der Böschung des Panzerdecks die 230 mm starke Panzerung beibehalten wurde, nahm man auf der waagerechten Länge die Hälfte der Panzerung ab, so dass sie nur noch 100 mm stark war. Das Flugdeck hatte eine Panzerung von 20 bis 75 mm und das Hangardeck war 12 bis 18 mm stark gepanzert. Weiterhin wurden die Panzerquerschotts vorn und achtern auf bis zu 230 mm verschwächt.
Von einem 25 bis 70 mm starken und ca. 2.400 t schweren Zementmantel wurden die Flugbetriebstofftanks im Vorschiff und Achtern umhüllt. Um zu vermeiden, dass diese durch Splitter oder andere äußere Einwirkung zu schweren Bränden führten, wurden sie außerhalb der Zitadelle eingebaut. Insgesamt betrug das Gesamtpanzerungsgewicht der Shinano 17.694 t im Gegensatz zu den 22.895 t der Yamato oder der Musashi. 



Antriebsanlage

Die Shinano besaß die gleiche Antriebsanlage wie alle Schiffe der Yamato-Klasse. Sie sollte über zwölf engrohrige, ölbefeuerte Kampon Kessel mit einem Betriebsdruck von 25 atü und einer Betriebstemperatur von 326° C befeuert werden. Es waren jeweils vier Kessel in drei Reihen hintereinander angeordnet. Die Kessel trieben vier Turbinensätze mit jeweils einer Hoch- und Niederdruckturbine, sowie einer Marschturbine. Die Gesamtleistung der Antriebsanlage betrug rund 150.000 PS und sie trieb vier parallel zueinander verlaufende Wellen an, die auf dreiflügelige Schrauben mit einem Durchmesser von sechs Metern wirkten. Bei ihrer Indienststellung waren erst acht der zwölf Kessel in betriebsbereitem Zustand.
Die Stromversorgung übernahmen vier Turbogeneratoren und vier Dieselgeneratoren mit jeweils 600 kW Leistung, was eine Gesamtleistung von 4.800 kW bei 225 V Spannung ergibt.



Spantenschnitt durch den Flottenträger Shinano auf Höhe des Turms mit Panzerungswerten und farblich gekennzeichneten Umbauten.

Bewaffnung

Die Hauptbewaffnung der Shinano stellten natürlich ihre Flugzeuge dar. Trotz ihrer extremen Verdrängung von über 65.000 ts war es wegen ihres ursprünglichen Schlachtschiffrumpfes nur möglich gewesen ein Hangardeck einzuplanen. So konnte sie nur eine relativ kleine Zahl an Flugzeugen mitführen. Vorgesehen waren sowohl achtzehn Jagdflugzeuge vom Typ Mitsubishi A6M, sowie die gleiche Anzahl an Bombern vom Typ Aichi B7A Ryusei. Hinzu kamen noch sechs Nakajima C6N Saiun Aufklärungsflugzeuge und fünf Reserveflugzeuge (zwei Jäger, zwei Bomber, 1 Aufklärer), was eine Gesamtzahl von 42 Flugzeugen (plus fünf Reserve) ergab. Zudem sollte die Shinano noch eine große Menge an Ersatzteilen und Vorräten für andere Träger mitführen.
Die Flakbewaffnung war für den pazifischen Seekrieg entsprechend stark ausgeprägt. Sie war wie bei den meisten japanischen Trägern seitlich des Flugdecks in Gondeln und Galerien untergebracht. Als schwere Flak dienten sechszehn 127 mm L/40 Type 89 Geschütze in Zwillingslafetten, mit einer Höchstschussweite von 14.700 m und einer Mündungsgeschwindigkeit von 880 bis 910 m/s. Der maximale Richtbereich war von -10 bis +90 ° und es konnten vierzehn der ca. 23 kg schweren Granaten pro Minute verschossen werden. Als leicht Flak diente genauso wie bei der Yamato-Klasse die 25 mm L/60 Type 96 Maschinenkanone. Insgesamt waren 102 Geschütze in 34 Drillingslafetten vorgesehen, die ebenfalls wie die Type 89 einen maximalen Höhenrichtbereich von -10 bis +90° hatten. Bei 85° Rohrerhöhung wurde eine Reichweite von 5.500 m erreicht, die Höchstschussweite der ca. 250 g schweren Geschosse lag bei 7.500 m, wobei eine Kadenz für jedes Rohr von bis zu 220 Schuss pro Minute möglich war. Zudem waren zwölf Type 5 Raketenstartgeräte zur Flugabwehr vorgesehen. Beim Type 5 Raketenstarter handelte es sich um ein mit achtundzwanzig 120 mm Raketen bestücktes Gerät, das auf einer veränderten 25 mm Drillingslafette installiert und um 360° drehbar war. Das System war eine reine Sperrfeuerwaffe und funktionierte ähnlich dem U.P.-Gerät der britischen Royal Navy. Zur Abwehr von Flugzeugen wurden 22,5 kg schwere Raketen ohne Lenksystem auf eine effektive Kampfentfernung von 1.000 bis 1.500 m verschossen, die Höchstschussweite betrug bis zu 4.500 m.
Zum bestimmen der Kampfentfernung standen acht 2,65 m Entfernungsmessgeräte für die schwere Flak zur Verfügung. Weiterhin verfügte die Shinano über ein Type 13 Luftraumüberwachungsradar, welches Flugzeugverbände auf ca. 54 sm ausmachen könnte. Einzelne Flugzeuge konnte auf bis zu ca.26 sm ausgemacht werden, dabei entstanden aber Messungenauigkeiten von -/+ 3.000 m und bis zu -/+ 10°. Das Type 21 Seeraum- und Luftraumüberwachungsradar, von dem zwei vorhanden waren, konnte Flugzeugverbände auf ca. 65 sm ausmachen und einzelne Flugzeuge in ca. 38 sm Entfernung.



Geschichte der Shinano

Als die Shinano am 8.11.1944 zu Wasser gelassen wurde, war sie der größte Flugzeugträger der Welt. Dennoch war ihr Dasein nur von kurzer Dauer. Am 28. November 1944 lief sie aus Yokosuka zu ihrer ersten Probefahrt nach Kure aus, wo sie endgültig fertiggestellt werden sollte. Am nächsten Tag wurde sie ca. 160 Seemeilen südöstlich vom Kap Muroto vom amerikanischen U-Boot USS Archerfish mit sechs Torpedos angegriffen, von denen vier trafen. Da nur ein Teil der Besatzung an Bord war und noch nicht alle Wasserschotts im Rumpf eingebaut waren, konnte das Schiff nicht vor dem Untergang gerettet werden. Über 500 Seeleute fanden den Tod.



Eine der wenigen Fotografien, die es von der Shinano gibt.

Schiffsname: IJN Shinano
Typ: Flugzeugträger
Hersteller: Marinewerft Yokosuka
Stapellauf: 16384
Indienststellung: 16395
Länge: 266,00 m
Breite: 38,90 m
Seitenhöhe: 24,81 m
Tiefgang: 10,80 m normal,
11,67 m maximal bei 70.756 ts
Wasserverdrängung: 66.948 ts normal,
70.756 ts maximal
Antrieb: 4 Satz Getriebeturbinen von Marinewerft Kure
Leistung: 150.000 PS/ 110.294,12 kW normal,
165.000 PS/ 121.323 kW maximal
Geschwindigkeit: 27 kn
Treibstoffreserven: 8.763 t
Fahrbereich: 10.000 sm bei 18 kn
Panzerung: Wasserlinie: 160 mm
Hauptdeck: 20 bis 75 mm
Unterdeck: 100 mm
Turm:? mm
Flugabwehrbewaffnung: 16 Geschütze 127 mm L/40 Type 89 in Zwillingslafetten,
102 Maschinenkanonen 25 mm L/60 Type 96 in Drillingslafetten,
12 Startgeräte Type 5 für je 28 Flugabwehrraketen 120 mm
Flugdeck: 252,00 m x 40,00 m
Hangardeck: 211,00 m x 4,60 m x 21,50 m
Aufzüge: 2
Katapulte: keine
Vorrat an Flugbenzin: ? Liter
Flugzeuge: 18 Mitsubishi A6M 18 Aichi B7A Ryusei 6 Nakajima C6N Saiun + Reserve: 2 Mitsubishi A6M, 2 Aichi B7A Ryusei, 1 Nakajima C6N Saiun
Beiboote: 2 Motorpinassen 1 Motorboot 1 Verkehrsboot 4 Motorlaunches 1 Motorarbeitsboot 4 Kutter 1 Dingi
Besatzung: 2,4
Schiffe der Klasse: 1
Baukosten: ?

Die Shinano wurde am 29. November 1944 von der USS Archerfish versenkt.



Interne Links zum Thema

Yamato-Klasse

Bildergalerie



Weiterführende Literatur/Links

Model of Sea & Sky, Modell der Shinano, village.infoweb.ne.jp/~seasky/BiShinano1.htm



 

Text by Wotan, Korrektur: UncleK. Letztes Update:  3. October 2007