Province-Klasse (Projekt 1940)

Schlachtschiffe


Seitenansicht der geplanten Province-Klasse, so ähnlich sollte sie einmal Aussehen.

Nachdem auf der ganzen Welt wieder der Bau von Schlachtschiffen vorangetrieben wurde und Deutschland im Sommer 1939 zwei weitere neue Schlachtschiffe auf Kiel legte, befürchte Frankreich, dass es von anderen Nationen überflügelt werden könnte. Aufgrund des neuen Flottenabkommen vom 30. Juni 1938, das Großbritannien, die USA, Frankreich, Italien, Deutschland und die Sowjetunion unterschrieben hatten und das von nun an eine maximale Standardverdrängung von 45.000 ts (altes Abkommen maximal 35.000 ts) erlaubte, beschloss man in Frankreich diese auch nach Möglichkeit auszunutzen. 
Um die Schlagkraft zu erhöhen, war ein dritter schwerer Turm eingeplant, was die Verdrängung unweigerlich nach oben trieb. Die militärischen Forderungen sahen entweder neun 38,0 cm oder 40,6 cm Geschütze in drei Drillingstürmen oder aber zwölf 38,0 cm Geschütze in drei Vierlingstürmen vor. Die Nebenartillerie und Flakbewaffnung sollte der der Gascogne entsprechen und bei der Panzerung forderte man einen ähnlichen Panzerschutz wie ihn die Richelieu-Klasse erhalten hatte. Des Weiteren verlangte man eine Geschwindigkeit von ca. 30 kn, damit sicher gestellt werden konnte, dass die neuen Schlachtschiffe mit den bereits bestehen Verbänden und Kampfgruppen schritt halten konnten. 
So plante nämlich Frankreich zwei Schlachtschiffverbände aufzustellen. Der ersten Verband sollte aus der Richelieu, Jean Bart und Clémenceau bestehen und der zweite Verband aus der Gascogne und den zwei neuen Folgebauten.
Die am 1. April 1940 in das französische Parlament eingereichten Vorschläge wurden schließlich am 15. April 1940 von der Mehrheit der Abgeordneten akzeptiert. Jedoch stimmten sie nur unter der Bedingung zu, dass durch die zwei neuen Schlachtschiffe die zwei veralteten Schlachtschiffe Paris und Courbet ersetzt werden sollten. Am 15. Mai 1940 schlug dann der Marineadmiralstab dem Verteidigungsminister die Namen Alsace, Normandie, Flandre und Bourgogne zur Vergabe vor. 
Schon früh begann man mit der Überlegung wo die Schiffe gebaut werden sollten, da das "Salou"-Baudock in Brest für Schiffe dieser Größe nicht mehr ausreichte und das Trockendock Nr. 9 in Laninon (Brest) wies zwar die notwendige Größe auf, war jedoch weit vom Arsenal entfernt, was zu zusätzlichen Problemen führen musste. Schließlich musste man sich für St. Nazaire entscheiden, wo man nach Fertigstellung des Flugzeugträgers Joffre das Helgen Nr. 1 für das erste Schiff benutzen konnte. Das zweite Schiffe wäre dann wohl auf dem "Caquot"-Baudock gebaut worden, nachdem von dort die Gascogne ausgedockt worden wäre. Jedoch konnte mit der Ausdockung der Joffre ohne kriegsbedingte Verzögerungen erst im dritten oder vierten Quartal des Jahres 1940 gerechnet werden. Die Gascogne war zu dieser Zeit noch nicht einmal begonnen, so dass man frühestens gegen Ende 1942 mit dem Bau des neuen Schlachtschiffes beginnen konnte. So konnte man mit der Fertigstellung der zwei neuen Schlachtschiffe nicht vor 1946 bzw. 1949 rechnen.
Zu einer Entscheidung welcher Entwurf nun den Zuschlag bekommt und welche Namen verwendet werden, kam es jedoch nicht mehr, denn mit dem Sieg Deutschlands über Frankreich starb dieses Projekt. 
Es ist jedoch anzunehmen, dass wohl der dritte Entwurf mit 45.000 ts und zwölf 38,0 cm Geschützen in drei Vierlingstürmen den Zuschlag bekommen hätte. Es war zwar der größte Entwurf, dennoch hätte er die im Flottenabkommen erlaubte Begrenzung nicht überschritten und durch die Verwendung des 38,0 cm Geschützes in Vierlingstürmen wären keine Entwicklungskosten angefallen, mit denen man bei der Verwendung von noch zu entwickelten 40,6 cm Geschützen bzw. den Einbau im noch nicht vorhanden Drillingsturm rechnen musste.



Die Entwürfe der Province-Klasse

Vorschlag: Alternative I Alternative II Alternative III
Typ: Schlachtschiff Schlachtschiff Schlachtschiff
Länge: 252,00 m 256,00 m 255,00 m
Breite: 35,00 m 35,50 m 35,50 m
Wasserverdrängung: 40.000 ts (Standard) 45.500 ts (im Einsatz) 42.500 ts (Standard) 47.800 ts (im Einsatz) 45.000 ts (Standard) 51.500 ts (im Einsatz)
Leistung: 170.000 PS/ 125.000 kW 190.000 PS/ 139.706 kW 220.000 PS/ 161.765 kW
Geschwindigkeit: 31,0 kn 31,0 kn 32,0 kn
Primärbewaffnung: 9 Geschütze 38,0 cm SK (wahrscheinlich SK L/45 M 1935) in drei Drillingstürmen 9 Geschütze 40,6 cm SK in drei Drillingstürmen 12 Geschütze 38,0 cm SK (wahrscheinlich SK L/45 M 1935) in drei Vierlingstürmen
Sekundärbewaffnung: 9 Geschütze 15,2 cm SK L/55 M1930 in Drillingstürmen (wie Gascogne) 9 Geschütze 15,2 cm SK L/55 M1930 in Drillingstürmen (wie Gascogne) 9 Geschütze 15,2 cm SK L/55 M1930 in Drillingstürmen (wie Gascogne)
Flugabwehrkanonen: 16 Geschütze 10,0 cm L/48 M 1937 in Doppeltürmen
12 Geschütze 37 mm L/48 M 1935 in Doppellafetten
36 Maschinenkanonen 13,2 mm in Vierlingslafetten
(wie Gascogne)
16 Geschütze 10,0 cm L/48 M 1937 in Doppeltürmen
12 Geschütze 37 mm L/48 M 1935 in Doppellafetten
36 Maschinenkanonen 13,2 mm in Vierlingslafetten
(wie Gascogne)
16 Geschütze 10,0 cm L/48 M 1937 in Doppeltürmen
12 Geschütze 37 mm L/48 M 1935 in Doppellafetten
36 Maschinenkanonen 13,2 mm in Vierlingslafetten
(wie Gascogne)

Eine Skizzenzeichnung der Province-Klasse von oben.


 

Text by Wotan; Korrektur: british steel, UncleK. Letztes Update:  3. October 2007