Iowa-Klasse

Schlachtschiffe


USS New Jersey (Picture by US Navy)

Die vier Schiffe der Iowa-Klasse (BB-61 bis BB-64) sind die größten je gebauten Schlachtschiffe des US-Navy. Auch sonst stellen sie eine Klasse für sich dar, eben echte Superlative. So waren sie die letzten noch im Dienst befindlichen Schlachtschiffe und nahmen an so vielen Konflikten teil, wie kaum eine andere Schiffsklasse.
Möglich wurde ihr Bau durch zwei Dinge: Der Erhöhung der nach dem Flottenabkommen von Washington festgelegten maximalen Konstruktionsverdrängung von 35.000 ts (35.560 t) auf 45.000 ts (45.720 t) Ende der 30er Jahre und dem „Flottenvermehrungsgesetz“ vom 17. Mai 1938, welches eine 20%ige Vermehrung der amerikanischen Flotte vorsah. Dieses Gesetz wurde am 9. Dezember durch das „zweite Ozean-Flottenbaugesetz“ überboten. Durch die Entwicklung in Europa (Besetzung Frankreichs) und den sich abzeichnenden Konflikt mit Japan, beschloss der Kongress eine Steigerung um 70%! Es sollten 17 Schlachtschiffe, 6 Schlachtkreuzer, 13 Flugzeugträger und etliche kleinere Einheiten gebaut werden. Insgesamt 2.411.000 ts. Eine gewaltiges Vorhaben. Wegen der Trägerschlachten im Pazifik wurden diese Pläne allerdings bald umgeändert und man verlagerte den Schwerpunkt auf den Bau von Flugzeugträgern. Von den 6 geplanten Schiffen der Iowa-Klasse wurden nur 4 fertiggestellt. Die Nachfolgebauten der Montana-Klasse wurden komplett gestrichen und durch die Flugzeugträger der Midway-Klasse ersetzt.
Allerdings verlor das Schlachtschiff während des Pazifikkriegs nicht völlig an Bedeutung. Bei der Eroberung der Inseln (Inselspringen) bereiteten sie durch intensives Artilleriefeuer die eigentliche Einnahme durch die Marineinfanterie vor.
Mehr symbolisch als Nachruf an eine vergangene Epoche wurde an Bord der BB-63 Missouri am 2. September 1945 die japanische Kapitulation unterzeichnet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dann Pläne erörtert die Schiffe zu schnellen Raketenstartrampen umzubauen. Dabei war geplant die drei schweren Artillerietürme auszubauen und durch Startrampen für ballistische Flugkörper zu ersetzen. Dies wurde jedoch abgelehnt. Die Schlachtschiffe der Iowa-Klasse wurden nach dem Koreakrieg eingemottet und erst 1968 wieder reaktiviert für den Krieg in Vietnam. Man hatte damals eine einfache Rechnung aufgestellt: Sieben Vollsalven der New Jersey entsprachen der Bombenlast von 60 Schlachtflugzeugen. Die Kosten zur Reaktivierung der New Jersey beliefen sich allerdings auf nur 22 Mio. US-Dollar, dies entspricht den Kosten für 9 Schlachtflugzeuge. Wenn man die „Unangreifbarkeit“ eines solch großen Schlachtschiffes im Verhältnis zu der eines Flugzeugs setzt, dann wird es ebenfalls schnell einleuchten, warum man die Schiffe aus alten Tagen wieder in den aktiven Dienst gestellt hat. Im Laufe der Zeit wurden sie dann mit modernsten Flugabwehrwaffen und Marschflugkörpern versehen und bei zahlreichen Konflikten eingesetzt. Zuletzt bei der Operation Desert Storm 1991. 
Sogar Hollywood hat den „Wert“ dieser Schiffsklasse erkannt: Einmal in einem Musikvideo der Sängerin Cher ("If I could turn back time") und in dem Actionfilm „Alarmstufe Rot“ mit Steven Seagal und Tomy Lee Jones.



Die USS Missouri im pazifischen Raum im Jahre 1944 (Picture by US Navy)

Technik

Die Schiffe der Iowa-Klasse nehmen in der Geschichte des amerikanischen Schlachtschiffbaus eine Sonderstellung ein. Wie erwähnt waren es die letzten, die man baute und darüber hinaus auch die schnellsten. Mit 33 Knoten Geschwindigkeit waren sie ein echtes Unikum und, wie 25 Jahre vorher die britische Queen Elizabeth Klasse, wohl als „schnelle Eingreiftruppe“ gedacht. Zudem war von Anfang an geplant, die Iowa-Klasse als schwere Eskorte für die Träger der Essex-Klasse zu verwenden. Darum wendete man sich von früheren Plänen ab, die ein Schlachtschiff mit 12 40,6 cm Geschützen, aber nur einer Geschwindigkeit von 27 kn, vorsahen, und baute ein schnelles Schiff mit der selben Waffenkonfiguration wie bei den beiden Vorgängerklassen. Im Gegensatz zur South Dakota-Klasse war die Panzerung aber nicht innen, sondern außen, direkt hinter dem Schiffskörper, angebracht worden. Auf eine Schrägstellung hatte man komplett verzichtet und verjüngte die Seitenpanzerung, ähnlich wie bei der Yamato-Klasse, fast bis zum Schiffsboden. Großen Wert legte man auf die Horizontalpanzerung. Diese hatte die Aufgabe steil einfallende Granaten und Bomben abzufangen und die lebenswichtigen Einrichtungen des Schiffs zu schützen. Zusammenaddiert ergab sich eine Stärke von insgesamt 355 mm Panzerstahl, ein beachtlicher Wert. Als Unterwasserschutz hatte man einen dreifachen Schiffsboden mit 4 Torpedoschotts zum Schutz vor Minen und Torpedotreffern installiert. Eine Maßnahme gegen diese effektiven Waffen sollte sich im Krieg mehrmals als folgerichtig und sinnvoll erweisen. Die Antriebsanlage bestand aus vier Dampfturbinen, die auf vier Schraubenwellen wirkten. Befeuert wurden die 8 Kessel durch Öl und sie lieferten bis zu 212.000 WPS, die für eine konstruktionsbedingte Geschwindigkeit von 33 kn ausreichten. Gesteuert wurde mit zwei parallelen Rudern. Das Ruderhaus war in einem Panzerkasten eingebettet um es gegen besonders unglückliche Treffer zu schützen.
Wenn man den beachtlichen Bau und Materialaufwand bedenkt, den ein solches Schiff mit sich bringt, dann ist es sehr erstaunlich zu hören, dass die Bauzeiten der vier Schiffe zwischen 32 und 41 Monaten liegt. Wohlgemerkt unter Kriegsbedingungen und enormen Anforderungen aller drei Armeeteile. Die Baukosten beliefen sich pro Schiff auf etwas mehr als 100 Mio. US$.



Gewichtsverteilung (offiziell)

  Gewicht/(Anteil am Gesamtgewicht)
Schiffskörper 13.500 ts (28,9 %)
Panzerung 18.700 ts (41,6 %)
Maschinen 2.500 ts (5,5 %)
Bewaffnung 10.800 ts (24,0 %)
Konstruktionsverdrängung 45.000 ts

Rechnet man die Einzelposten der Tabelle zusammen, so erreicht man bereits 45.500 ts. Diese offiziellen Werte aus dem WW2 besaßen jedoch einen rein theoretischen Charakter, denn so wurde die Grenze von 45.000 ts mehr oder weniger eingehalten. Die wahre Verdrängung lag aber bei 57.216 ts und nach sämtlichen Modernisierungen stieg sie auf 57.500 ts an.



Der Stapellauf der USS Missouri am 19.1.1944 in New York (Picture by US Navy)

Bewaffnung

Das nach dem Washingtoner-Flottenvertrag höchstzulässige Kaliber von 40,6 cm (16 inch) der Vorgängerklassen wurde beibehalten, ebenfalls die Anordnung mit zwei Drillingstürmen vorne und einem achtern. Die eingebauten Geschütze waren jedoch etwas moderner als die Vorgängermodelle der South Dakota Klasse. Im Vergleich zur Mark 6 Kanone der South Dakota Klasse hatten die Geschütze der Iowa-Klasse ein längeres Rohr und kürzere Ladezeiten. Für das 16 inch Mark 7 Geschütz gab es zwei verschiedene Standardgranaten: zum einen ein 2.700 Pfund schweres panzerbrechendes Projektil (Armor Piercing) und zum anderen ein 1.900 Pfund schweres HC-Projektil (High Capacity). Das AP-Projektil durchschlug 32 Fuß, sprich knapp zehn Meter, an Stahlbeton und auf kurze Distanzen über 80 cm Panzerstahl. Auf eine Entfernung von 40 km konnten bei einem Eindringwinkel von 53,25° und einer Auftreffgeschwindigkeit von 514 m/s noch 37 cm Stahl durchschlagen werden. Das HC-Geschoss hatte einen Hochexplosivsprengkopf von 154 Pfund. Die Reichweite der 40,6 cm Geschütze betrug bei der Standardtreibladung von 660 Pfund 38 km, bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 820 m/s. Die 1.700 Tonnen schweren Türme konnten um maximal 12° je Sekunde gedreht werden, wobei jeder Turm um insgesamt 300° drehbar war. Mindestens 77 Mann waren zur Bedienung eines Turmes notwendig und jedes Geschütz konnte pro Minute zwei Schuss abgeben.
Als Sekundärbewaffnung waren, ebenfalls wie bei den beiden Vorgängerklassen, 20 12,7 cm (5 inch) L/38 Mehrzweckgeschütze in Doppellafetten rund um die Aufbauten herum verteilt. Hinzu kam noch eine große Anzahl an 40 und 20 mm Flugabwehrgeschützen. Allerdings wurde die Flakbewaffnung immer wieder geändert und zudem unterscheidet sie sich auch bei allen vier Schiffen. So hatte die Missouri von Anfang an 49 2 cm Maschinenkanonen und 20 4 cm Flakvierlinge. Bei der Wisconsin waren ebenfalls 80 Flak's im Kaliber 4 cm vorhanden, während die New Jersey 64 4 cm Kanonen, sprich 16 Vierlinge hatte, und die Iowas sogar nur 60 Flugabwehrkanonen vom Kaliber 4 cm besaß.
Ab Mitte der Fünfziger Jahre führten Iowa und Wisconsin 40,6 cm Atomgranaten mit. Die atomare Artilleriegranate W-23 "Katie" war im Prinzip eine auf das 16 inch Kaliber umgestellte W-19 Granate (11 inch). Mit einer Sprengkraft von 15 bis 20 kT entsprach sie in etwa der Hiroshima-Bombe. Von Oktober 1956 bis Oktober 1962 wurden nur 50 solcher Granaten produziert.
Mit der Wiederindienststellung der Iowa-Klasse zu Beginn der Achtziger erfolgte eine ganze Reihe an Modifikationen im Bereich der Bewaffnung: Die Zahl der 12,7 cm Doppellafetten wurde auf sechs Stück reduziert, um nun spezielle Startcontainer für insgesamt 32 Tomahawk Cruise Missiles unterbringen zu können. Zudem sind 16 Startrohre für den Seezielflugkörper Harpoon vorhanden und im Bereich der Aufbauten wurden vier radargesteuerte 20 mm Gatlingkanonen Phalanx CIWS installiert.
Natürlich besaßen die vier Schlachtschiffe der Iowa-Klasse auch Bordflugzuge und später Helikopter. Obwohl die Schiffe schon mit Radar ausgerüstet waren, hatten die Flugzeuge die Hauptaufgabe der Aufklärung und Artilleriebeobachtung. Aber sie wurden auch für Seenotrettungsaufgaben und ähnliches eingesetzt. Die ersten Aufklärungsflugzeuge waren zwei oder drei OS-2U Kingfisher, die von einem Katapult am Heck des Schiffes gestartet wurden. Dort befand sich auch ein Kran der die Wasserflugzeuge nach der Landung wieder an Bord holte. Allerdings war dieser Vorgang nicht ungefährlich, da das Schlachtschiff dazu gestoppt werden musste, und in diesem Moment ein leichtes Ziel für U-Boote und Feindflugzeuge darstellte. Ab Ende 1944 wurde die Kingfisher dann durch die Seahawk ersetzet. Im Jahre 1948 wurden dann sämtliche Bordflugzeuge und Katapulte von den vier Schlachtschiffen entfernt. Für Unterstützungs- und Seenotrettungsflüge waren während des Korea- und Vietnamkriegs verschiedene Helikopter an Bord. Auch nach der erneuten Indienststellung zu Anfang der 80er Jahre konnte die Schiffe der Iowa-Klasse bei Bedarf Helikopter aufnehmen und so kamen bei den modernisierten Schiffen der Iowa-Klasse folgende Typen zum Einsatz: UH-1 Iroquois, H-2 Seasprite, CH-46 Sea Knight, CH-53 Sea Stallion und SH-60B Seahawk. Ende 1986 wurde dann erstmals auf der USS Iowa das neue Pioneer RPV System eingesetzt, das eine Bodenkontrollstation, zwei mobile Kontrollsysteme und acht Pioneer Aufklärungsdrohnen beinhaltet. Wie schon bei den Wasserflugzeugen des WW2 ist die Hauptaufgabe der Drohnen wieder die Aufklärung, die Suche nach Verunglückten und die Zielzuweisung bzw. -markierung. Das Pioneersystem kombiniert geringe Kosten und eine kompakte Bauweise mit guten Stealtheigenschaften und der Tatsache, dass keine Piloten abgeschossen werden können.



Die Iowa beim Feuern einer Salve (Picture by US Navy)

USS Missouri und USS Iowa vor Japan am 20. August 1945. Die starke während des Weltkriegs vorhandene Flakbewaffnung ist gut zu erkennen. (Picture by US Navy)

Schiffsname (Typschiff): USS Iowa (BB-61)
Typ: Schlachtschiff
Hersteller: New York Navy Yard
Stapellauf: 27. August 1942
Indienststellung: 22. Februar 1943
Länge: 270,5 m
Breite: 33 m
Tiefgang: 8,8 bis 11 m
Wasserverdrängung: 57.216 ts (57.500 ts nach Modernisierungen)
Antrieb: 4 Dampfturbinen
Leistung: 200.000 PS/ 148.000 kW
Anzahl der Schrauben: 4
Geschwindigkeit: 33 kn
Fahrbereich: 15.000 sm bei 12 kn
Rumpfpanzerung: Gürtelpanzerung: 40 bis 310 mm
Deckpanzerung: 355 mm
Turmpanyerung: Front: 432 mm + 64 mm
Gürtel: 241 mm
Oben:184 mm
Hauptartillerie: 9 Geschütze 40,6 cm (16") L/50 Mark 7 in drei Drillingstürmen
Nebenartillerie: 20 Geschütze 12,7 cm (5") L/38 in 10 Zwillingstürmen
Flugabwehrkanonen: 60 bis 80 Maschinenkanonen 40 mm, 49 Maschinenkanonen 20 mm, ab Mitte der 80er: 4 Gatlingkanonen 20 mm Phalanx CIWS
Flugkörper: 32 RGM-109 Tomahawk 16 RGM-84D Harpoon (ab Mitte der 80er)
Flugzeuge/ Hubschrauber: 2 bis 4 Wasserflugzeuge (OS-2U Kingfisher oder SC Seahawk), ab dem Koreakrieg 2 bis 4 Bordhubschrauber (unter anderem H-2 Seasprite, CH-46 Sea Knight, SH-60B Seahawk), ab 1986 8 Pioneer Aufklärungsdrohnen
Besatzung: 1.921 bis 2.978
Schiffe der Klasse: 4
Baukosten: ca. 100 Mio. US$

Der Rumpf der nicht fertiggestellten Kentucky (BB-66) wurde im Januar 1950 zu Wasser gelassen. (Picture by US Navy)


 

Text by Leo, UncleK. Letztes Update:  3. October 2007