AK-74

Avtomat Kalashnikov


AK-74 mit Bajonett

Entwicklung

Während des Vietnamkrieges erbeuteten die Vietnamesen einige der damals noch neuen M16 samt der dazugehörigen Munition. Diese Waffen gelangten schließlich in die Sowjetunion, wo sie von den dortigen Waffenkonstrukteuren untersucht wurden. Daraufhin machten sich die Waffenkonstrukteure daran nun selber eine Waffe in einem kleineren Kaliber als 7,62 x 39 mm zu entwickeln.
Die Ziele dieses Projektes waren:

 

  • Reduzierung des Rückstosses
  • Reduktion des Gewichtes der Munition
  • Erhöhung der Mündungsgeschwindigkeit, um eine gestrecktere Flugbahn zu erreichen
  • Die Präzision der Waffe zu verbessern

 

Bei der Parade anlässlich der Oktoberrevolution sah man dann erstmals das Ergebnis dieser Entwicklung in der Öffentlichkeit. Luftlandetruppen waren damit ausgerüstet. Das führte bei Beobachtern anfangs zur Annahme, dass die Waffe nur für Spezialformationen bestimmt war. Dies war jedoch falsch, denn im Laufe der Zeit ersetzte die neue Waffe im Kaliber 5,45 x 39 mm sämtliche AKM und AKMS in der ganzen Armee.



Technik

Das AK-74 benutzt dieselbe Technik wie das ältere AKM und ist auch in der Handhabung identisch. Ein Soldat, der auf der AKM ausgebildet ist, kann also auch problemlos mit der neuen Waffe umgehen.
Wie schon das AKM wird auch das AK-74 in Blechprägetechnik hergestellt, um eine möglichst kostengünstige Fertigung zu erreichen. Die Waffe verfügt über einen Drehkopfverschluss mit zwei Verriegelungswarzen.
Gefüttert wird es mit 30er-Magazinen. Anfangs waren diese aus auffälligem orangefarbenem Plastik und mit Stahleinlagen verstärkt. Nach den ersten Erfahrungen im Afghanistankrieg wurde dann schwarzer Kunststoff verwendet, da dieser zum Beispiel in der Nacht weniger auffällig ist.



Gegenüber der AKM wurden folgende Teile abgeändert:

  • Der Verschlusskopf wurde auf die kleinere Patrone angepasst
  • Der Verschlussträger wurde leichter gemacht
  • Auszieher und Schlagbolzen wurden überarbeitet
  • Der Gasüberströmkanal wurde modifiziert
  • Die Verschlussfeder wurde abgeändert
  • Der Gehäusedeckel wurde verbessert

Weiter wurden Schulterstütze und Handschutz ergonomischer gestaltet als dies bei der AKM der Fall war. Durch die kleinere Patrone und den speziellen Mündungsfeuerdämpfer steigt die Waffe auch bei Feuerstössen kaum und lässt sich auch von unerfahrenen Rekruten gut beherrschen. Unter dem Lauf kann ein 40 mm Granatwerfer vom Typ BG-15 oder das neuere Modell GP-25 montiert werden.
Der Hauptunterschied zur alten Waffe AKM besteht in der Patrone, deren Geschossdurchmesser 5,45 mm beträgt. Entwickelt wurde diese Patrone von einem Konstrukteursteam unter Leitung von Viktor M. Sabelnikow im Klimowsker Forschungsinstitut. Im Vergleich zur 7,62 mm Patrone M43 ist das Geschoss um einiges leichter. Das Gewicht der Patrone 7N6 beträgt 10,75 g, während die Patrone M43 gut 18,2 g schwer ist. Die Geschosse sind bei der 7N6 3,4 g schwer und bei der M43 7,55 g schwer.
Im Tombakmantel der 7N6 befindet sich zuvorderst ein gut 5 mm langer Hohlraum. Hinter dem Hohlraum sitzt ein kleiner Bleikern, der wiederum von einem 4,18 mm dicken und 15 mm langen Stahlkern gefolgt wird. Schlägt das Geschoss nun auf ein Ziel auf, so rutscht der Bleikern nach vorne. Durch die Verlagerung des Schwerpunktes überschlägt sich das Geschoss, was zu einer großen Wunde führt.
Beim Aufschlag auf ein hartes Ziel wie z.B. eine Stahlplatte wird der Geschossmantel einfach abgestreift und der harte Geschosskern schlägt durch.
Die Patrone mit der Bezeichnung 7N6 durchschlägt gut 10 mm Stahl. 1980 wurde die Patrone 7N10 mit gesteigerter Durchschlagskraft eingeführt. Aus dem 415 mm langen Lauf der AK-74 erreicht das Geschoss eine Mündungsgeschwindigkeit von 895 bis 900 m/s. Nach 550 m beträgt die Geschwindigkeit noch etwa 440 m/s. Wie es typisch ist für russische Munition, besteht die Hülse aus lackiertem Stahl.



Die verschiedenen Munitionssorten

  • 7N6 Standardpatrone
  • 7T3 Leuchtspurgeschoss, grüne Spitze
  • 7T3M verbessertes Leuchtspurgeschoss, grüne Spitze
  • 57-N-231U, Unterschallgeschoss für Verwendung mit Schalldämpfer
  • 7N10 Patrone mit gesteigerter Durchschlagskraft, 16mm Stahl auf 100m
  • 7KH3 Platzpatrone
  • 7KH4 Exerzierpatrone

AK-74M

Nach den Erfahrungen im Afghanistankrieg (1979-1989) zeigte sich, dass man das AK-74 noch weiter verbessern konnte. Das Ergebnis war die AK-74M (M für modernisiert). Gegenüber dem ursprünglichen AK74 wurden folgende Punkte verbessert:

 

  • Verstärkter Systemkasten
  • Klappbare Schulterstütze aus Kunststoff statt Metall
  • Steigerung der Lebensdauer des Laufes bei Verwendung der Munition 7N10
  • Nur noch ein Modell mit klappbarer Schulterstütze statt zwei Modellen
  • Standardmäßige Montageschiene für Optiken auf der linken Gehäuseseite
  • Neuer Mündungsfeuerdämpfer, der sich zur Reinigung entfernen lässt

 

Aufgrund der schwierigen finanziellen Lage der Sowjetunion Ende der 80er Jahre verzögerte sich die Einführung der neuen Waffe. Auch heute noch sind die Vorgängermodelle AK-74 und AKS-74 von der AK-74M nicht vollständig ersetzt worden. Auf Basis des AK-74M wurde auch die AK-100-Waffenfamilie entwickelt.



AK-74 in fremden Diensten

Verglichen mit der AKM ist das AK-74 nicht so verbreitet. Rumänien, Bulgarien, Polen und die DDR stellten es in Lizenz her. 



Die Versionen

  • AK-74 Standardausführung
  • AKS-74 Für Fallschirmjäger mit nach links abklappbarer Schulterstütze
  • AKS-74U Kurzversion für Spezialeinheiten
  • AK-74M modernisierte Version des AKS-74, Montageschiene für Optiken serienmäßig
  • RPK-74 lMG-Version mit Zweibeinstütze und schwererem Lauf

AK-74 und RPK-74 (Picture by DoD)

Bezeichnung der Waffe: AK-74 AKS-74 AKS-74U RPK-74
Hersteller: Izmash Waffenfabrik, GUS Izmash Waffenfabrik, GUS Izmash Waffenfabrik, GUS Izmash Waffenfabrik, GUS
Länge: 940 mm 940 mm 730 mm 1060mm
Länge geklappt:   736 mm 490 mm  
Gewicht ohne Magazin: 3,15 kg 3,15 kg 2,48 kg 4,6
Lauflänge: 415 mm 415 mm 200 mm 590 mm
Zahl der Züge: 4 4 4 4
Drall: rechts rechts rechts rechts
Kaliber: 5,45 x 39 mm 5,45 x 39 mm 5,45 x 39 mm 5,45 x 39 mm
Mündungsgeschwindigkeit: 900 m/s 900 m/s 800 m/s 960 m/s
Feuerrate: 600 Schuss/Min. 600 Schuss/Min. 800 Schuss/Min. 600 Sch./Min.
effektive Schussweite: 500 m 500 m 500 m 500 m
Visier Schussweite: 1.000 m 1.000 m 400 m 1.000 m
Magazingröße: 30 Schuss Magazin 30 Schuss Magazin 30 Schuss Magazin 30, 40 Schuss Magazin,
75 Schuss Trommel
Stückpreis: ab 300 US $ ab 300 US $ ab 300 US $ ab 300 US $

AKS-74U



Interne Links zum Thema

Bildergalerie



Weiterführende Literatur/Links

Günter Wollert, Reiner Lidschun, Wilfried Kopenhagen, Schützenwaffen heute, Brandenburgisches Verlagshaus
Visier Spezial Nr. 25 "Kalaschnikow"
www.milparade.com 



 

Text by Kampfhamster; Korrektur: Kreuz As, bill kilgore, UncleK, imi-uzi. Letztes Update: 29. June 2009