Heckler & Koch G41



Das G41A2 mit Bajonett und 4-fach vergrößerndem Zielfernrohr (Picture by www.hkpro.com)

Heckler & Koch knüpfte mit dem HK33 im Kaliber 5,56 mm x 45, das zu Beginn der 70er Jahre auf den Markt kam, an die Entwicklung des G3 an. Damit hatte sich das schwäbische Unternehmen in Oberndorf am Neckar wie die belgische FN, deren CAL etwa im gleichen Zeitraum fertig gestellt war, weit vorgewagt. Denn die Streitkräfte der meisten größeren Staaten wollten erst die Erfahrung der USA mit dieser Patrone abwarten, bevor sie sich festlegten. Der Export des HK33, einer Version des G3, die entsprechend des kleineren Kalibers verändert wurde, erwies sich jedoch als gutes Geschäft und zeigte, dass Heckler & Koch den richtigen Weg beschritten hatte. Ende der 70er Jahre wurden Waffen mit einem Begrenzer zur Abgabe von 3-Schuss-Feuerstößen immer populärer. Damals arbeitete Heckler & Koch bereits am G11, dass zum Verschießen hülsenloser Munition eingerichtet war. Zweifellos war man der Meinung, dass es trotzdem kein Fehler sein könne, eine neue Waffe im Kaliber 5,56 mm x 45 zu konstruieren, die über einen Schusszahlbegrenzer verfügt. Im Prinzip stellt das G41 eine auf dem Grundprinzip des HK33 basierende Waffe mit zahlreichen Verbesserungen dar. Wobei das HK33 wiederum ein G3 mit kleinerem Kaliber ist. Somit stand nun einerseits eine Waffe zur Verfügung, die sich auf dem Weltmarkt absetzen ließ. Andererseits konnte man auf diese Konstruktion zurückgreifen, um sie der Bundeswehr als Ordonnanzgewehr anzubieten, falls sich das G11 als Fehlschlag erweisen sollte. Gleichgültig welche Überlegung letztendlich den Ausschlag gab, das G41 wurde gefertigt. Wie sich zwischenzeitlich zeigte, handelt es sich dabei um ein Gewehr, das größte Beachtung verdient. Wie das G3 und das HK33 besteht das G41 aus verschiedenen Baugruppen, die durch Haltebolzen fest miteinander verbunden sind.



Die Baugruppen

 Das Gehäuse

Das Gehäuse wird wie beim G3 aus geprägtem Stahlblech gefertigt, verbindet Rohr, Lade- und Visiereinrichtung miteinander und nimmt den Verschluss auf. Am vorderen Teil des Gehäuses ist der Magazinschacht mit Magazinhalter und an der rechten Seite die Öffnung für den Hülsebauswurf mit Hülsenabweiser angebracht. Im Durchladerohr gleitet der Spannhebel, mit dem der Verschluss zurückgezogen und in hinterster Stellung festgelegt werden kann. Im Lauf wird die Patrone gezündet und dem Geschoss Bewegung, Richtung und Drall gegeben. Ausgestattet ist der Lauf mit sechs von links nach rechts verlaufenden Zügen mit einer Dralllänge von 178 mm auf das NATO- Standardgeschoss SS 109 abgestimmt oder 305 mm Dralllänge für die M193 Patrone. Der Lauf enthält die Züge um ein Überschlagen des Projektils zu verhindern, wenn es denn Lauf verlässt. Der Drall verursacht eine geringe Abweichung des Geschosses nach der Seite, nach der die Drehung erfolgt. Bei Rechtsdrall also nach rechts. Unterschiede in der Dralllänge ändern nicht nur die Umdrehungsgeschwindigkeit des Geschosses, sondern auch die Reibung im Lauf. Er wird nicht mehr im klassischen Span abhebenden Ziehverfahren gefertigt, sondern erhält durch Kalthämmern um einen Kaliberdom ein kissenförmiges polygonales Innenprofil. Der kalt gehämmerte Lauf ist extrem widerstandsfähig und verschleißfest, da infolge des Hämmerverfahrens das Material stark verdichtet wird. Ein Polygonlauf weist keine scharfe Kanten auf, an denen sich Rückstände festsetzen können. Aufgrund der besseren Liderung des Geschosses und des damit einhergehenden geringeren Gasschlupfes bewirkt das Polygonprofil eine höhere Mündungsgeschwindigkeit und damit eine höhere Mündungsenergie. Darüber hinaus sind Lebensdauer und Korrosionsbeständigkeit von Polygonläufen höher als bei herkömmlich gefertigten Läufen, selbst wenn diese verchromt sind. Der auf der Rohrmündung aufgeschraubte Mündungsfeuerdämpfer unterdrückt das Mündungsfeuer und schützt die Rohrmündung vor Beschädigungen. Aufgrund guter Erfahrungen mit Tragegriffen bei Sturmgewehren, wie etwa beim FN FAL oder M16, wurde das G41 ebenfalls mit einem solchen ausgerüstet. Der Handgriff, der sich über dem Schwerpunkt der Waffe befindet, lässt sich bei Bedarf einfach umklappen, so dass er die Dioptervisiereinrichtung freigibt. Das G41 hat wie das G3 und HK33 eine Visiereinrichtung bestehend aus einem feststehenden Korn und dem auf 1-4 einstellbaren, drehbaren Trommelvisier mit drei Diopterbohrungen. Die Zahlen 2-3-4 entsprechen den Entfernungen 200-300-400 Meter; bei Entfernungen unter 200 Meter ist die Einstellung 2 zu wählen, soweit nicht mit der Einstellung 1 (V-Kimme, Grobvisier) geschossen wird. Dies ist der Fall beim Sturmabwehrschießen, Schießen vom Schützenpanzer, auf nahe, sich schnell bewegende Ziele, bei eingeschränkter Sicht etwa im Wald oder bei Dunkelheit, oder auf Flugziele wie etwa Helikopter. Für Entfernungen jenseits der 400 m Marke wird ein Zielfernrohr mit sechs Einstellmöglichkeiten von 100 m bis 600 m auf der Visierschiene angebracht. Das Gewicht des Zielfernrohrs beträgt 650 g.

 

 Der Verschluss

Erneut fand das bewährte Grundsystem des G3 mit beweglich abgestütztem Rollenverschluss Verwendung, diesmal ausgelegt für die Patrone 5,56x 45 mm. Die Verschlussbaugruppe des G41 besteht aus folgenden Bestandteilen: Verschlussträger mit Schließfederrohr, dem Verschlusskopf mit Verriegelungsrollen und Auszieher, dem Steuerstück, dem Schlagbolzen und der Schlagbolzenfeder. Der Verschluss hat die Aufgabe die Patrone zuzuführen, beim Schießen in Verbindung mit der Patronenhülse das Patronenlager nach hinten abzuschließen, die Patrone zu zünden, das Rohr nach dem Schuss zu entriegeln, die Hülse auszuziehen und auszuwerfen sowie den Schlaghebel und die Schließfeder zu spannen. Bei der Schussabgabe werden zwei Stützrollen am Verschlusskopf über die Schrägflächen am Steuerstück im Verschlussträger nach außen in entsprechende Ausnehmungen im Kurvenstück des Laufes gedrückt. Sie stützen den Verschluss gegen die Rückstosskräfte ab. Bei der Schussabgabe wirkt der Rückdruck auf die Stirnseite des Verschlusskopfes, wobei das Steuerstück zurückgedrückt wird. Erst dann können die Stützrollen aus dem Kurvenstück austreten. In Verbindung mit der  Masseträgheit des Verschlussträgers, auf den zusätzlich die Kraft der Schließfeder wirkt, wird der Rücklauf des Verschlusses so lange verzögert, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat und der Gasdruck im Lauf abgesunken ist. Der zurücklaufende Verschluss spannt den Schlaghebel und die Schließfeder. Die Patronenhülse wird ausgezogen und ausgeworfen. Nachdem der Verschluss gegen die Puffereinrichtung gelaufen und abgebremst worden ist, bringt ihn die Schließfeder wieder nach vorn, wobei eine Patrone aus dem Magazin ausgestoßen und zugeführt wird. Das G41 weist einige innovative Merkmale auf. So wirkt das nach vorne über dem Verschluss hinausragende Schließfederrohr, das im Durchladerohr gleitet, als Ausgleichsgewicht und dämpft den Rückstoss. Das Patronenlager erhielt zwölf Druckausgleichsrillen, um ein Gleiten der Hülse unter Gasdruck zu erleichtern. Weiterhin wurde das G41 mit einer Schließhilfe ausgestattet, mit deren Hilfe der Verschluss nahezu geräuschlos geschlossen werden kann. Weitere Verbesserungen sind ein Verschlussfangstück, das den Verschluss bei leer geschossenem Magazin in hinterster Stellung festhält sowie ein Staubschutzdeckel am Hülsenauswurffenster.

 

 Das Griffstück

Das Griffstück nimmt das Abzugsgehäuse und die darin enthaltene Abzugseinrichtung auf, und ist mittels Haltebolzen am Gehäuse verbunden. Der Abzugsmechanismus ist im Gegensatz zum G3 dahingehend geändert, dass der Feuerwahlhebel die Abgabe von Einzelschüssen, Feuerstößen von 3 Schuss oder Dauerfeuer ermöglicht. Der Feuerwahlhebel ist auf der linken Seite des Gehäuses angeordnet und dient gleichzeitig als Sicherungshebel. Anders als beim G3 sind die verschiedenen Feuermodi nicht durch die Buchstabenbezeichnungen S-E-F (S = Sicher, weiß; E = Einzelfeuer, rot; F = Feuerstoss/ Dauerfeuer, rot) oder die Zahlenbezeichnungen 0-1-20 (0 = Sicher, weiß; 1 = Einzelfeuer, rot; 20 = Feuerstoss/ Dauerfeuer, rot) gekennzeichnet, sondern durch Symbole, die Projektile darstellen.

 

 Das Bodenstück

Das Bodenstück nimmt den Verschlusspuffer, der nach dem Schuss den Rücklauf des Verschlusses bremst, und das Führungsrohr mit Schließfeder auf. Die Schulterstütze ermöglicht die Handhabung der Waffe, ihr Einziehen in die Schulter und das Befestigen des Trageriemens. Sie besteht bei den Versionen G41 und G41A2 aus bruchsicherem Kunststoff, dem gleichen Material wie das des Handschutzes. Bei den Versionen G41A1, G41A3 und G41K ist eine einschiebbare Schulterstütze aus Metall vorhanden. Werkstoffbedingt sind diese Versionen auch etwas schwerer.

 

 Der Handschutz

Der Handschutz umschließt das Rohr von unten und schützt die Hand beim Feuern vor Verbrennungen des erhitzten Rohres. Im Gegensatz zu frühen Versionen des G3, wo der Handschutz noch aus Holz gefertigt wurde, besteht er beim G41 aus bruchfestem Kunststoff.

 

 Das Magazin

Bei der Auslegung des Magazins legte man auf die NATO-Standardisierung einen hohen Wert und stellte somit eine hohe Kompatibilität sicher. Das Magazingehäuse entspricht STANNAG 4179 (Standard Agreement), wobei die Abmessungen des 30-Schuss M16-Magazins zugrunde liegen und ebenfalls 30 Patronen des NATO-Kalibers 5,56 x 45 mm aufgenommen werden können. Damit gestattet das G41 die Verwendung sowohl von M16- als auch anderer NATO-Standardmagazine, wie beispielsweise die des britischen L85. Das Magazin besteht aus dem Magazingehäuse aus Aluminium, Zubringer, Magazinfeder und Magazinboden.

Neben den Hauptgruppen gibt es natürlich auch noch einige Anbauteile für das G41. Hierzu zählt neben einem Bajonett und diversen Zielfernrohren beispielsweise auch ein Tragegriff sowie ein Zweibein.

 

 Der Trageriemen

Der Trageriemen wird mit dem vorderem Karabinerhaken in den Ösenbolzen am Handschutz eingehängt, mit dem hinteren Karabinerhaken wird der Trageriemen bei der Version mit feststehender Schulterstütze links in eine Bohrung eingehängt, bei einschiebbarer Schulterstütze links in eine Öse am Gehäuse.

 

 Das Zweibein

Das Zweibein aus Aluminium mit einem Gewicht von 220 Gramm lässt sich bei Bedarf anklappen und wird vor dem Handschutz unter dem Rohr angebracht. Es wird nur in Ausnahmefällen, etwa beim Scharfschützeneinsatz oder zur Stabilisierung der Waffe bei Feuerunterstützung verwendet.

Das Schnellfeuergewehr G41 steht in mehreren Modifikationen zur Verfügung. Sie unterscheiden sich in der Schulterstütze, die entweder fest oder einschiebbar ist, dem Lauf und somit in dem zugehörigen Patronentyp. So können, abhängig von der jeweiligen Version, NATO-Patronen des Typs SS 109 oder des Typs M193, die amerikanische Standardpatrone im Kaliber 5,56 x 45 mm, sowie mit entsprechender Zusatzausrüstung auch Gewehrgranaten verschossen werden. Die Patrone M193 hat eine höhere Mündungsgeschwindigkeit als die SS 109 von 945 m/s gegenüber 910 m/s. Diese Werte ändern sich allerdings je nach Windrichtung und Windstärke. Die Modelle G41 und G41A2 sind mit dem Standardlauf von 450 mm Länge und 178 mm Dralllänge ausgerüstet. Die Modelle G41A1 und G41A3 haben einen Lauf mit einer Dralllänge von 305 mm, der für M 193 Patrone ausgelegt ist. Mit festem Kolben produziert werden die Versionen G41 und G41A1, mit einschiebbarer Metallschulterstütze die Ausführungen G41A2 und G41A3. Vom Modell G41A2 gibt es außerdem eine spezielle Karabinerversion mit kurzem Lauf, die man als G41K bezeichnet. Des weiteren gibt es noch die Version G41TGS. Hierbei handelt es sich um ein Modell, das mit einem HK79 40 mm Granatenabschussgerät unter dem Lauf ausgerüstet ist. Mit ihm können 40 x 46 mm Granaten verschossen werden. Auf dem Gehäuse ist beim Bogenschießen bei Entfernungen über 150 Meter zusätzlich ein großes Leitvisier an der Waffe angebracht. Für den Nahkampf lässt sich oberhalb des Laufes ein Bajonett aufpflanzen, wie es auch für das HK Gewehr G3 benutzt wird. Zusammengefasst ergibt das folgende Versionen:

 

  • G41 kurze Dralllänge, feste Schulterstütze
  • G41A1 lange Dralllänge, feste Schulterstütze
  • G41A2 kurze Dralllänge, einschiebbare Schulterstütze
  • G41A3 lange Dralllänge, einschiebbare Schulterstütze
  • G41K kurzer Lauf, kurze Dralllänge, einschiebbare Schulterstütze
  • G41TGS HK79 Granatgerät unter dem Lauf angebracht.

 

Die Bundeswehr beschaffte bereits eine geringe Stückzahl dieser Waffe. Ursprünglich sollten nach der Einführung des G11 als Ordonnanzgewehr die nicht zu den Kampftruppen gehörenden Verbände mit dem HK G41 ausgerüstet werden. Nachdem es nicht zur Einführung des G11 kam, da sich die gesamte politische Weltlage in den 80ern veränderte und die Bedrohung durch den sowjetischen Machtblock aufgehört hatte zu existieren und somit die Regierungen ihre Verteidigungshaushalte drastisch kürzten, wurde auch die Beschaffung des HK G41 in größeren Stückzahlen abgelehnt. Stattdessen wurde dann das HK G36 als neue Ordonnanzwaffe bei der Bundeswehr eingeführt.



G41TGS (Picture by www.hkpro.com)

Bezeichnung der Waffe: G41 G41A2 G41A3
Hersteller: Heckler&Koch, Oberndorf/Neckar Heckler&Koch, Oberndorf/Neckar Heckler&Koch, Oberndorf/Neckar
Länge: 997 mm 800 mm (Schulterstütze eingeschoben),
985 mm (Schulterstütze ausgezogen)
800 mm (Schulterstütze eingeschoben),
985 mm (Schulterstütze ausgezogen)
Breite: 72 mm 72 mm 72 mm
Höhe einschließlich Magazin: 214 mm 214 mm 214 mm
Gewicht: 4,10 kg, (Magazin 130 g, Zweibein 220 g) 4,25 kg, (Magazin 130 g, Zweibein 220 g) 4,25 kg, (Magazin 130 g, Zweibein 220 g)
Lauflänge: 450 mm 450 mm 450 mm
Zahl der Züge, Drall: 6 Züge, Rechtsdrall 6 Züge, Rechtsdrall 6 Züge, Rechtsdrall
Dralllänge: 178 mm 178 mm 305 mm
Kaliber: 5,56 x 45 mm NATO (SS 109) 5,56 x 45 mm NATO (SS 109) 5,56 x 45 mm NATO (M193)
Mündungsgeschwindigkeit: 910 m/s 910 m/s 945 m/s
Feuerrate: 900 Schuss/min 900 Schuss/min 900 Schuss/min
Visierlinie: 566 mm 566 mm 566 mm
Munitionszufuhr/Magazingröße: gebogenes Stangenmagazin 30 Patronen gebogenes Stangenmagazin 30 Patronen gebogenes Stangenmagazin 30 Patronen

G41TGS mit HK 79 Granatwerfer und hochgeklapptem Granatvisier. (Picture by www.hkpro.com)


 

Text by Sir Henry. Letztes Update:  7. September 2007