Heckler & Koch G3




Das Gewehr G3  blickt auf eine lange Entwicklungszeit zurück, denn in Grundzügen war bereits 1945 ein Vorgängermodell von den Mauserwerken entwickelt worden. Der neuartige, beweglich abgestützte Rollenverschluss, den das G3 mit der MP5 und der H&K P9s teilt, wurde damals von dem Ingenieur Ludwig Vorgrimmler entwickelt. Nachdem Deutschland besiegt war, konnte Vorgrimmler mit Duldung der französischen Behörden, in deren Besatzungszone damals Oberndorf lag, als Angestellter der Firma Manurhin tätig sein. Einige Jahre später wechselte er dann nach Spanien zur dortigen Entwicklungsstelle für Wehrmaterial (CETME). Dort entwickelte er dann zusammen mit anderen deutschen Waffentechnikern den Vorläufer des G3. 
Dieses Gewehr war zuerst, wie der Prototyp des Dritten Reichs, auf die Kurzpatrone 7,92 x 33 eingerichtet, wenig später wurde aber für den Prototyp der CETME  eine spezielle Patrone mit dem gleichen Kaliber, allerdings einem leichteren Geschoss entwickelt. Über den Umweg einer modifizierten 7,62 x 51-Patrone (CETME/NATO, ebenfalls 7,62 x 51, aber auch hier geringeres Geschossgewicht) wurden dann ab 1956 die als Modell A bezeichneten Sturmgewehre produziert.
1958 kamen dann über ein niederländisches Unternehmen die Lizenzrechte nach Deutschland, wo gerade ein Nachfolgemodell des damaligen Bundeswehr-Sturmgewehres FN-FAL (G1) gesucht wurde. Die Fabrique Nationale (FN) wollte die Lizenzfertigung in der BRD nicht erlauben, und aus diesem Grund trat Heckler & Koch auf den Plan. Zusammen mit Waffeningenieuren der CETME passten sie das damals in Spanien als Modell 58 bezeichnete Sturmgewehr an die NATO-Patrone 7,62 x 51 an, und somit war das G3 geboren. Für Heckler und Koch war dieses Gewehr eine wahre Goldgrube, denn in Spitzenzeiten war das G3 in 47 Ländern der Erde als Ordonnanzwaffe eingeführt. Den Rang als erfolgreichste westliche Infanteriewaffe teilte sie das Gewehr bis in die 80er Jahre mit seinem Vorgänger, dem FN-FAL (G1).
Die schwedische Zivilverteidigung ist beispielsweise mit dem G3A4 und dem G3 TGS, bzw. den von Bofors in Lizenz gefertigten G3 Versionen AK4 (G3A3), AK4B (G3A3 mit 4fach ZF) und AK4C (G3A3 mit HK79 40 mm Granatgerät) ausgerüstet. Etwa 200.000 AK4 der verschiedenen Versionen befinden sich, wie in der Schweiz, in den Häusern von Privatpersonen. Da Schweden ein großes Land mit verhältnismäßig kleiner Bevölkerung ist, wurde eine derartige Institution notwendig, da eine große Streitmacht für den V-Fall zu groß und zu teuer wäre. Die Waffe wird aufgrund ihrer Effektivität im Häuserkampf auch weiterhin bei der Zivilverteidigung im Dienst bleiben.
Vom Typ her sind die Gewehre der G3-Baureihe Rückstoßlader mit feststehendem Lauf und beweglich abgestütztem Rollenverschluss. Die Waffe hat 6 Baugruppen, in die sie ohne Einsatz von Werkzeug, nur durch Herausdrücken von Haltebolzen von Hand zerlegt werden kann. Baugruppe 1 umfasst das Gehäuse mit Zug/Felder-Lauf und Visiereinrichtung, Baugruppe 2 ist der komplette Verschluss, Baugruppe 3 das Griffstück mit Abzug und Sicherungseinrichtung, Baugruppe 4 die Schulterstütze mit der Schließfeder und der Führungsstange, Baugruppe 5 der Handschutz und Baugruppe 6 das Magazin.



Es existieren verschiedene Versionen des G3, die sich wie folgt unterscheiden:

  • G3: Die Ursprungsversion des G3, die mit einem hölzernen Handschutz und einer festen hölzernen Schulterstütze ausgestattet war und nur eine einfache Klappkimme als Visiereinrichtung hatte.
  • G3A1: Die A1 Version hatte eine feststehende Holzschulterstütze, Holzhandschutz, Klappkimme, und ein feststehendes Rohr.
  • G3A2: Mit dieser Version wurde die mittlerweile bei allen heute gebräuchlichen Ausführungen vorhandene Trommelvisierung eingeführt. Diese Visierung hat ein Grobvisier (V-Kimme, für Entfernungen bis 100 m sowie Schießen bei eingeschränkter Sicht) und 3 Diopterbohrungen für die Schussentfernungen 200 m, 300 m und 400 m. Darüber hinaus verfügt das A2 über einen schwarzen Kunststoffhandschutz und eine einschiebbare Schulterstütze mit konvexem Schulterstück.
  • G3A3: Das heute noch gebräuchliche Sturmgewehr der Bundeswehr. Hier wurde erstmals ein freischwingendes Rohr eingeführt.
  • G3A4: Die Fallschirmjäger-Variante des G3A3 mit einschiebbarer neuer verstärkter Schulterstütze mit konkaven Schulterstück.
  • G3A3 ZF: Bei diesen Gewehren wurde werkseitig ein Zielfernrohrsatz mitgeliefert, Montage und Anschießen erfolgt jedoch durch den Schützen. Andere Abzugsschekelfeder mit geringerem Abzugswiderstand.
  • G3 SG1: Das erste wirkliche Scharfschützengewehr der Bundeswehr. Hier wurden erstmals an ausgesuchten Waffen die Änderungen durchgeführt, die aus dem G3 ein Präzisionsgewehr machen. Ein klappbares Zweibein, ein fein einstellbarer Match-Abzug (Abzugsgewicht liegt zwischen 1.200 und 1.500 g) und ein 1,5 bis 6-fach vergrößerndes Zielfernrohr machen aus dem Standardgewehr erstmals eine Waffe für Scharfschützen. Auch kommt hier ein Lauf ausgesuchter Qualität zum Einsatz, der schwerer als andere G3 Läufe ist. Die Abzugseinrichtung ist allerdings, im Gegensatz zum G3A3 ZF, nur für Einzelfeuer ausgelegt. Das SG1 wurde bei der Bundeswehr nie eingeführt.
  • G3 TGS: Bezeichnung für diverse G3 Varianten mit dem HK79 40 mm Granatgerät (wird nicht von der BW verwendet). Es wird unter anderem von Norwegen, Schweden und Dänemark genutzt.

Die Funktion- und das Konstruktionsprinzip des G3 waren bestimmend für weitere Waffenentwicklungen der Firma Heckler & Koch. Ob es nun weitere Sturmgewehre (HK 33, HK 41), Maschinengewehre (HK 21 oder HK 11), Präzisionsgewehre (HK PSG1), Maschinenpistolen (HK MP5) oder sogar Pistolen (HK P9s) waren, der Rollenverschluss des G3 hat sich bisher in vielen Varianten bewährt.



G3 SG-1 (Picture by www.securityarms.com)

Bezeichnung der Waffe: Gewehr G3A3 Gewehr G3KA4
Hersteller: Heckler und Koch, Oberndorf am Neckar Heckler und Koch, Oberndorf am Neckar
Länge: 1.025,7 mm Schulterstütze eingeschoben; 711,2 mm
Schulterstütze ausgezogen: 895,35 mm
Breite: 57,91 mm 57,91 mm
Höhe: 209,8 mm 209,8 mm
Gewicht: 4.410 g (Magazin in der Waffe und leer) 4.090 g (Magazin in Waffe und entladen)
Lauflänge: 449,8 mm 315 mm
Zahl der Züge: 4 4
Drall/Dralllänge: Rechtsdrall, Dralllänge 305 mm Rechtsdrall, Dralllänge 305 mm
Kaliber: 7,62 x 51mm NATO 7,62 x 51mm NATO
Mündungsgeschwindigkeit: 800 m/s 800 m/s
Mündungsenergie des Projektils: 2.890 J bis 3.352 J 2.890 J bis 3.352 J
Feuerrate: praktisch: Einzelfeuer ca. 40 Schuss/min,
Dauerfeuer ca. 100 Schuss/min,
theoretisch: 600 Schuss/min
praktisch: Einzelfeuer ca. 40 Schuss/min,
Dauerfeuer ca. 100 Schuss/min,
theoretisch: 600 Schuss/min
effektive Schussweite: 400 m 400 m
größte Schussweite: 3.500 m 3.500 m
Munitionszufuhr/Magazingröße: gerades Stahlblech- oder Aluminiummagazin mit 20 Schuss (Es gibt auch 5 Schuss Magazine, die aber keine reguläre Anwendung im G3 finden, sondern nur beim PSG-1 verwendet werden.) gerades Stahlblech- oder Aluminiummagazin mit 20 Schuss (Es gibt auch 5 Schuss Magazine, die aber keine reguläre Anwendung im G3 finden, sondern nur beim PSG-1 verwendet werden.)

G3A4 mit einschiebbarer Schulterstütze (Picture by www.securityarms.com)



Interne Links zum Thema

zur Patrone 7,62x51 mm



Weiterführende Literatur/Links

Handbuch/Manual zu dieser Waffe bei www.gunmanuals.ch
Explosionszeichnung zu dieser Waffe beim Schützenverein Mittleres Erzgebirge e.V.



 

Text by Landser 95. Letztes Update:  7. September 2007