Heckler & Koch USP

(Universal-Selbstlade-Pistole)


USP Expert im Kaliber 9 mm Parabellum

Im Juli 1989 begann man bei Heckler & Koch eine neue Pistole zu entwickeln. Die Pistole sollte einfach zu bedienen sein, und sowohl für militärische wie auch zivile Aufgaben verwendbar sein und in verschiedenen Kaliber angeboten werden (9 mm Parabellum, .40 S&W und .45 ACP). Sprich die neue Waffe sollte dem Anspruch einer universal einsetzbaren Pistole gerecht werden, daher auch der Name USP (Universal-Selbstlade-Pistole). Ein wesentlicher Faktor bei der Entwicklung war eine Ausschreibung des US-Militärs für eine extra für Spezialeinsätze zugeschnittene Pistole im Rahmen des SOCOM Projekts (Special Operations Command). Da man die neue Waffe in den USA auch zivil vermarkten wollte, wurden die ersten Auflagen im Kaliber .40 S&W gefertigt.



Technik

Der Griff der USP besteht aus Polyamid dem Glasfiberanteile beigemischt werden. Die Mischung aus Polyamid und Glasfiberanteilen sorgt für eine große Widerstandskraft gegen die verschiedensten Einflüsse wie Chemikalien, Verschleiß und Strahlung bei hohen und niedrigen Temperaturen. Durch den verwendeten Kunststoff kann das Griffstück sehr kostengünstig hergestellt werden, da es nicht mehr maschinell nachbearbeitet werden muss. Dies geschieht in einem speziellen Verfahren, das „injection molded polyamide“ Verfahren genannt wird. Hierbei wird der Kunststoff in die gewünschten Formen eingespritzt. Vergleiche mit Aluminium zeigten eine höhere Standzeit in der Zerreisprobe.
Beim Verschluss der USP griff man zum altbewährten Verschlusssystem von John Moses Browning zurück. War man von H&K Rollenverschlüsse (P9) oder gasgebremste Systeme (P7) gewohnt, so lässt sich in Punkto Herstellungskosten und Robustheit aber nichts an Brownings genialer Idee rütteln, zumal H&K das System ausreichend modifizierte. Heckler & Koch erntete zwar einiges an Kritik für diesen scheinbaren "Rückschritt" in der Verschlusstechnik jedoch beweist die Praxis das Gegenteil. Die Pufferstange erhielt eine zweite Feder zum Abbremsen des Rückstosses und das System erhielt einen neuen Namen: „gepufferter Browning-Verschluss“. Anders als beim ursprünglichen Browning System greift bei der USP der Block des Patronenlagers in das Auswurffenster ein und der Lauf wird mittels einer Rampe auf der Pufferstange nach unten abgekippt, nicht mittels Kettenglied und Verschlusswarzen. Ein System das z.B. auch bei den Glock Pistolen Verwendung findet.
Durch den Einsatz von Kunststoff beträgt das Gewicht der USP in 9 mm Parabellum 720 Gramm. Den größten Gewichtsanteil trägt das aus einem Stück Schmiedestahl gefräste Verschlussstück. Da Kunststoff gegen Rost immun ist, mussten nur noch die Metallteile der Waffe speziell bearbeitet werden und man versah die Metalloberflächen mit einer extrem widerstandsfähigen Oxidschicht. Das Magazin wiegt etwa 50 Gramm und fällt nach Betätigen des Magazinhalters dem Schützen bequem in die Hand. Das Magazin der 9 mm Version fasst 15, das der .40 S&W Version 13 Patronen, während die Ausführung im Kaliber .45 ACP nur noch 12 Patronen aufnimmt. Die Visierung besteht beim Standardmodell aus einem offenen Balkenvisier mit Kontrastpunkten. Die Schienen im Griffstück dienen zur Aufnahme von Licht- oder Laserzielgeräten, auch hieran merkt man, dass die USP auch für militärische Zwecke gedacht ist. Schützen in Deutschland müssen jedoch aufgrund der Gesetzeslage auf solchen Zubehör leider verzichten. Durch den Einsatz der so genannten „Rastplatte“ lässt sich die USP auf vielfältigste Art modifizieren. Die Rastplatte ist das Verbindungsstück zwischen dem Sicherungshebel und dem restlichen System der Waffe. Durch einsetzen einer anderen Rastplatte kann die USP schnell den Bedürfnissen des Schützen angepasst werden:

 

Rastplatte 1+2     Beinhaltet die Stellungen „Sicher“, „Feuer“ und „Entspannen“.
Rastplatte 3+4     Beinhaltet die Stellungen „Feuer“ und „Entspannen“.
Rastplatte 5+6     Diese Versionen sind DAO (Double Action Only) Waffen mit zusätzlicher Sicherung.
Rastplatte ohne Nummern     Diese finden in der USP Compact (P10) und in der P8 der Bundswehr Verwendung, da hier der Sicherungshebel tiefer liegt. Die Funktionen 3+4 sind jedoch geblieben.
Ohne Rastplatte     Ohne Rastplatte handelt es sich bei der USP um eine reine DAO Waffe, die weder über eine Sicherung noch eine Entspannvorrichtung verfügt.
Die einzelnen Abzugsvarianten unterscheiden sich wie folgt:
 
Single Action (SA)     Vor dem Schuss ist der Hahn der Waffe bereits in gespannter Position. Beim Betätigen des Abzuges wird nun der Hahn freigegeben, schlägt auf den Schlagbolzen und dieser zündet die Patrone. Beim Schuss muss der Schütze nur eine recht geringe Kraft aufbringen und kann somit präzisere Schüsse als beim DA Schuss abgeben.
Double Action (DA, Spannabzug)     Vor dem Schuss ist der Hahn der Waffe entspannt. Beim Betätigen des Abzuges wird der Hahn gespannt und anschließend freigegeben, der Hahn schlägt auf den Schlagbolzen und zündet die Patrone.
Double Action Only (DAO)     Diese Abzugsart findet meist in Selbstverteidigungspistolen Anwendung, da es bei diesen Waffen eher um Sicherheit und schnelle Schussbereitschaft geht als um präzise Schüsse. Die Abzugskraft ist zwar erhöht, aber die Waffe auch vor unbeabsichtigter Schussabgabe besser geschützt. Die Waffe kann nur im DA Modus abgeschossen werden und nach jedem Schuss wird der Hahn auch wieder automatisch entspannt.




Der Polygonlauf mit O-Ring und die Pufferstange der USP Expert

Bei vielen Schützen erntet man oft ein müdes Lächeln wenn man mit einer „Plastikpistole“ schießt. Sprüche wie „Hey, hier riecht’s verschmort. Ist das deine?“ muss man sich öfters anhören. Die Vergleiche mit Ganzstahlwaffen wie z.B. dem Colt M1911 oder der SIG Sauer P225 muss die USP aber nicht scheuen. Bei Funktionstests wurde eine USP mit 20.000 stark geladenen .40 S&W Patronen abgefeuert, die Fehlerquote lag bei 0. Bei Temperaturtests wurde die USP bis –42°C gekühlt, geschossen, wieder abgekühlt, schnell auf 67°C erwärmt und wieder geschossen. Dies geschah mehrmals und es traten dabei keinerlei Mängel auf. Auch die von der NATO vorgeschriebenen Schlamm- und Regentests zeigten keinerlei negative Auswirkungen auf die Funktionalität der Waffe. Die Falltests mit einem mit Dummies gefüllten Magazin und einer speziellen Zündkapsel direkt auf den Hahn der Waffe führten nicht zu einer Zündung, anschließende Schusstests wurden ohne Störungen durchgeführt. Die Schussleistung der USP ist sehr gut. Bei einem weiteren Test stecke ein .40 S&W Projektil ca. 30 mm tief im Lauf und wurde mit dem nächsten Schuss mit hinaus geschossen. Die entstandene Aufbauchung wurde mittels einer Feile entfernt und die Waffe dann eingespannt erneut geschossen. Ergebnis bei 10 Schuss auf 25 m: Streukreis 60 mm.

Mitte der 90er Jahre wurde bei der Bundswehr die altgediente P1 (Walther P38) durch eine neue Pistole ersetzt. Die neue Bundeswehrpistole mit der Bezeichnung P8 ist eine USP im Kaliber 9 mm Parabellum, einem Lauf mit Feld-Zugprofil und einem transparenten Magazin. Der Sicherungshebel wurde etwas modifiziert und hat die Stellungen (von oben nach unten gesehen) „Feuer“, „Sicher“, „Entspannen“. Das Bundsverteidigungsministerium orderte insgesamt 20.720 P8 Pistolen. Neben der SOCOM ist die P8 übrigens die einzige USP Variante mit einem herkömmlichen Feld-Zugprofil im Lauf. Alle anderen Versionen besitzen einen Lauf mit Polygonprofil, der ebenfalls einen sechsfachen Rechtsdrall besitzt. Der Polygonlauf ist im Prinzip ein abgerundetes Vieleck, das in sich gedreht durch den ganzen Lauf geht. Diese Läufe sind wesentlich gasdichter, haben somit eine höhere Mündungsgeschwindigkeit, höhere Lebenserwartung, das Hartverchromen innen entfällt und sie sind fast sprengsicher und leichter zu reinigen. Wenn man sich ein Geschoss nach Verlassen des Polygonlaufes ansieht, findet man keine Einkerbungen vor, sondern nur eine art Sechseckprofil.



Auf diesem Bild ist die Rastplatte 1+2 deutlich zu erkennen.

Bezeichnung der Waffe: USP 9 mm Para USP .40 S&W USP .45 ACP
Länge: 194 mm 194 mm 200 mm
Breite: 32 mm 32 mm 32 mm
Höhe: 136 mm 136 mm 141 mm
Gewicht (leer): 720 g 780 g 786 g
Gewicht (geladen): 950 g 1042 g 1143 g
Lauflänge: 108 mm 108 mm 112 mm
Visierlinie: 158 mm 158 mm 161 mm
Zahl der Züge, Drall: 6, Rechtsdrall (Polygonlauf) 6, Rechtsdrall (Polygonlauf) 6, Rechtsdrall (Polygonlauf)
Kaliber: 9 mm Parabellum .40 Smith & Wesson .45 Automatic Colt Pistol
Mündungsgeschwindigkeit V0: 355 m/s 320 m/s 250 m/s
Mündungsenergie E0: 504 J 597 J 468 J
Magazingröße: 15 Patronen 13 Patronen 12 Patronen
Abzugskraft: Single Action: ca. 20 N,
Double Action: ca. 50 N
Single Action: ca. 20 N,
Double Action: ca. 50 N
Single Action: ca. 20 N,
Double Action: ca. 50 N
Stückpreis: ca. 690 EUR ca. 690 EUR ca. 690 EUR

USP Compact

Ende 1996 präsentierte H&K eine kompaktere Version der USP. Griffstück und Lauf wurden gekürzt und die Waffe wurde auch um 2 mm schmaler. Das Magazin wird nun nicht mehr aus dem üblichen Kunststoff sondern aus 0,8 mm starkem Stahlblech gefertigt, dies vergrößert das Volumen im Griff, erhöht aber auch das Gesamtgewicht der Waffe. Die 9 mm Parabellum Version fasst 13 Patronen. Die Compact ist in 9 verschiedenen Abzugsicherungsvarianten lieferbar, je nach dem welche Rastplatte eingesetzt wurde (siehe oben). Gemäß den geltenden Richtlinien für Pistolen wurde die USP Compact auch für einen möglichen Einsatz bei der Polizei getestet. In Deutschland dürfen Pistolen nur bei der Polizei eingeführt werden, wenn sie exakt diesem Leitbild und den dort gestellten Forderungen entsprechen. Die Zertifizierung der USP Compact erfolgte im Beschussamt Ulm und verlief erfolgreich. Die Pistole erhielt die offizielle Bezeichnung P10 und die ersten 400 Modelle wurden Ende 1997 an die saarländische Polizei ausgeliefert. H&K stellt somit 3 der bisher 10 offiziellen Dienstpistolen von Polizei, Bundeswehr und BGS her:

 

P1     Walther P38
P2     SIG 210
P3     Astra 600/43
P4     Walther
P5     Walther
P6     SIG-Sauer P225
P7     H&K PSP
P8     H&K USP
P9     Walter P99
P10   H&K USP Compact



USP Compact im Kaliber .40 S&W (Picture by www.hkpro.com)

Bezeichnung der Waffe: USP Compact 9 mm Para USP Compact .40 S&W USP Compact .45 ACP
Länge: 173 mm 173 mm 180 mm
Breite: 34 mm 34 mm 34 mm
Höhe: 127 mm 127 mm 128,5 mm
Gewicht (leer): 630 g 695 g 708 g
Gewicht (geladen): 890 g 930 g 968 g
Lauflänge: 91 mm 91 mm 96 mm
Visierlinie: 136 mm 136 mm 143 mm
Zahl der Züge, Drall: 6, Rechtsdrall (Polygonlauf) 6, Rechtsdrall (Polygonlauf) 6, Rechtsdrall (Polygonlauf)
Kaliber: 9 mm Parabellum .40 Smith & Wesson .45 Automatic Colt Pistol
Mündungsgeschwindigkeit V0: 355 m/s 320 m/s 250 m/s
Mündungsenergie E0: 504 J 597 J 468 J
Magazingröße: 13 Patronen 10 Patronen 8 Patronen
Abzugskraft: Single Action: ca. 20 N,
Double Action: ca. 50 N
Single Action: ca. 20 N,
Double Action: ca. 50 N
Single Action: ca. 20 N,
Double Action: ca. 50 N
Stückpreis: ca. 690 EUR ca. 690 EUR ca. 690 EUR

USP Match & USP Custom

Anfang 1997 stellte H&K die Modelle USP Match und USP Custom vor. Die USP dient als Basiswaffe, dazu kommt ein überarbeiteter Matchabzug mit Triggerstopp, ein Polygonlauf der mittels einem O-Ring im Verschluss zentriert wird und somit die Präzision steigert. Anstelle der starren Visierung mit Balkenkorn wurde eine verstellbare Sportvisierung der italienischen Firma L.P.A. montiert. Der markanteste Teil ist das 360 Gramm wiegende Zusatzgewicht, welches an den Montageschienen des Griffstückes mittels zweier Imbusschrauben festgeschraubt ist. Soll die Match zerlegt werden muss das Laufgewicht entfernt werden. Das Magazin der Sportmodelle erhielt einen größeren Magazinschuh zur Griffstückverlängerung und zur besseren Handhabung. Die Match und die Custom Modelle werden in einem abschließbaren Aluminiumkoffer und mit zwei Ersatzmagazinen geliefert. Wer "Tomb Raider" im Kino gesehen hat, wird die Stainless Version der USP Match sicherlich kennen. Durch das Laufgewicht liegt die Match ruhig in der Hand und auch der Rückstoss ist sehr angenehm. Leider kann die Match mit dem Laufgewicht nicht in Holstern geführt werden, weswegen man z.B. beim IPSC Schiessen das Gewicht entfernen muss.



USP Match Stainless im Kaliber 9 mm

Bezeichnung der Waffe: USP Match 9 mm Para USP Match .40 S&W USP Match .45 ACP
Länge: 240 mm 240 mm 240 mm
Breite: 32 mm 32 mm 32 mm
Höhe: 145 mm 145 mm 150 mm
Gewicht (leer): 1.120 g 1.180 g 1.180 g
Lauflänge: 153 mm 153 mm 152 mm
Visierlinie: 167 mm 167 mm 171 mm
Zahl der Züge, Drall: 6, Rechtsdrall (Polygonlauf) 6, Rechtsdrall (Polygonlauf) 6, Rechtsdrall (Polygonlauf)
Kaliber: 9 mm Parabellum .40 Smith & Wesson .45 Automatic Colt Pistol
Magazingröße: 15 Patronen 13 Patronen 12 Patronen
Abzugskraft: Single Action: ca. 17 N,
Double Action: ca. 50 N
Single Action: ca. 17 N,
Double Action: ca. 50 N
Single Action: ca. 17 N,
Double Action: ca. 50 N
Stückpreis: ca. 1.000 EUR ca. 1.000 EUR ca. 1.000 EUR

USP Expert

Auf der IWA 1998 wurde zum erstenmal die USP Expert präsentiert. Wie alle USP Modelle wird sie in den drei Kalibern hergestellt und nutzt das Griffstück der USP. Der Sportabzug und der Triggerstop stammt vom USP Match Modell, ebenso der O-Ring. Die Visierung, mit einer Visierlänge von 189 mm, liegt nur 6 mm über der Schlittenoberseite und ermöglicht eine schnelle Zielauffassung. Die Expert wurde in erster Linie für das IPSC Schiessen konzipiert und muss laut den dort geltenden Regeln in ein Behältnis von 255 x 150 x 45 Millimeter passen. Diese Maße werden von H&K nahezu ausgeschöpft, die USP Expert ist 224 mm lang. Die enorme Magazinkapazität von 18 Schuss in 9 mm Para ist für das IPSC Schiessen ideal. Das Verschlussstück ragt 19 mm über das Griffstück hinaus. Wird streng nach IPSC Regel geschossen muss der USP Hahn gegen einen speziellen Hahn ohne Sporn ausgetauscht werden, dieser Hahn wird mitgeliefert. Ein Magazintrichter (Jetfunnel) bei der 9 mm Parabellum Version sorgt für einen schnellen und einfachen Magazinwechsel, bei den Versionen in .40 S&W und .45 ACP ist dieser aufgrund der großen Magazine nicht von Nöten. Die Expert wird in einem abschließbaren Aluminiumkoffer und mit zwei Ersatzmagazinen geliefert.



Die wesentlichen Baugruppen der USP Expert im Kaliber 9 mm Parabellum

Bezeichnung der Waffe: USP Expert 9 mm Para USP Expert .40 S&W USP Expert .45 ACP
Länge: 224 mm 224 mm 222 mm
Breite: 39,5 mm 39,5 mm 38 mm
Höhe: 149 mm 149 mm 147 mm
Gewicht (leer): 865 g 875 g 850 g
Lauflänge: 132 mm 132 mm 132 mm
Visierlinie: 190 mm 190 mm 190 mm
Zahl der Züge, Drall: 6, Rechtsdrall (Polygonlauf) 6, Rechtsdrall (Polygonlauf) 6, Rechtsdrall (Polygonlauf)
Kaliber: 9 mm Parabellum .40 Smith & Wesson .45 Automatic Colt Pistol
Mündungsgeschwindigkeit V0: 355 m/s 320 m/s 250 m/s
Mündungsenergie E0: 504 J 597 J 468 J
Magazingröße: 18 Patronen 16 Patronen 12 Patronen
Abzugskraft: Single Action: ca. 15 N,
Double Action: ca. 45 N
Single Action: ca. 15 N,
Double Action: ca. 45 N
Single Action: ca. 15 N,
Double Action: ca. 45 N
Stückpreis: ca. 1.200 EUR ca. 1.200 EUR ca. 1.200 EUR

SOCOM (Mark23)

Mitte des Jahres 1991 suchte das SOCOM (Special Operations Command) eine spezielle Waffe für ihre Einheiten und stellte dafür ein Pflichtenheft aus. Bei der Waffe sollte es sich nicht um eine Zweit- oder Verteidigungswaffe handeln, sondern um eine Angriffswaffe. Hier einige Forderungen des Pflichtenheftes: Kaliber .45 ACP; Abzug SA (Single Action) 1,36 bis 2,27 kg, DA (Double Action) 3,6 bis 6,4 kg, Entspannhebel und Sicherung, automatische Schlagbolzensicherung, mindestens 10 Patronen Magazinkapazität, Lebensdauer von mindestens 30.000 Schuss, ein Schalldämpfer sollte montierbar sein, Länge max. 250 mm. Im März 1992 sollten die Test der neuen Waffe beginnen. Heckler & Koch und Colt beteiligten sich an den Ausschreibungen, jedoch konnte Colt den gesetzten Termin weder zeitlich noch finanziell einhalten, so das die SOCOM eine Terminverschiebung um einige Monate zuließ.
H&K setzte von Anfang an auf den neu entwickelten Kunststoff, der allerdings noch weitere Forderungen erfüllen musste. Ist eine herkömmliche Pistole auf etwa 10.000 Schuss ausgelegt, so wurde bei der SOCOM Pistole die Lebensdauer mit 30.000 Schuss angesetzt. Weder Salzwasser, Wüstensand, Sonnenglut oder andere Umweltfaktoren durften Einflüsse auf die SOCOM nehmen. Bei H&K hatte man nun ein Jahr Zeit die Waffe zu entwickeln, am Stichtag dem 28. August 1992 lagen 30 Musterwaffen vor. Die Waffe wurde den widrigsten Situationen wie chemische Bäder, Temperaturen von 73°C bis –50°C ausgesetzt, Falltests aus über einem Meter Höhe, 96 Stunden andauernde Salznebelberieselung und ein 96 Stunden dauernder Brandungstest mit Salzwasser und Sand. Alle 30 Testwaffen überstanden die Tests. Anschließend folge ein Extremtest: 30.000 Schuss +P Munition und 6.000 Schuss Überdruckpatronen schaffen es nicht die Waffen zu zerstören. Man war nun von der Qualität der Waffen überzeugt. Die SOCOM ist 245 mm lang, 35 mm Breit und 150 mm hoch. Links besitzt die Waffe einen zusätzlichen Entspannhebel und eine beidseitige Sicherung. Die Sicherungs- und Entspannhebel sowie der große Abzugsbügel wurden so konzipiert, dass sie sogar mit Polarhandschuhen zu bedienen sind. Das Magazin fasst 12 Patronen und der Lauf mit Feldzugprofil mit Rechtsdrall ist 149 mm lang. Die Firma „Insight Technology“ entwickelte eng mit H&K zusammen die Zieleinheit LAM (Laser Aim Modul). Dieses Modul wird auf die Schiene des Griffstückes aufgesetzt und mittels einer Rändelschraube im Abzugsbügel fixiert. Das Gerät ist mit zwei Mignonzellen ausgerüstet und wiegt nur 205 Gramm, ist 6 cm lang, 4,5 cm hoch und 2 cm breit. Darin befindet sich eine Taschenlampe und ein 5 mW Laser der Klasse 3A, sowie ein IR-Laser dessen Licht nur mit einer speziellen Brille sichtbar wird.
Am 3. Januar 1994 erfolgte die Vertragsunterzeichnung und weitere 30 Modelle wurden mit den geforderten Änderungen zur Verfügung gestellt. Ende 1996 wurde die Waffe endgültig übernommen. Denn auch nach einer weiteren Schusstestserie von 60.000 Schuss mussten nur einige wenige Einzelteile ausgetauscht werden. Die Gesamtfehlerquote der Waffe lag beim Dauerbeschusstest bei 0,6 Promille. Um auf dem zivilen Sektor Fuß zu fassen, stellt H&K die SOCOM unter der Bezeichnung „Mark 23“ her.
Die Vorliebe der Amerikaner für die Colt 1911A1 Modelle ist nach wie vor ungebrochen. Viele Spezialeinheiten wollen die SOCOM Waffe nicht und vertrauen lieber auf ihre alten Modelle die sie "cocked and locked" (durchgeladen und gesichert) tragen. Die SOCOM ist auch recht groß und unhandlich ausgefallen, was nicht der Fehler von Heckler & Koch ist. Eine Waffe die 30.000 Schuss aushalten soll, ist eben etwas schwerer gebaut, zumal die SOCOM wie oben erwähnt auch keine Zweit- sondern eine Angriffswaffe darstellt. Ein deutscher Bundeswehrsoldat witzelte einmal: "Die spinnen die Amis, sollen die doch gleich ne MP5k nehmen."



Hier ein Bild der zivilen Version der SOCOM, der HK Mark 23

Bezeichnung der Waffe: SOCOM (Mark 23)
Länge: 245 mm
Höhe: 150 mm
Gewicht (leer): 1.210 g
Gewicht (geladen): 1.460 g
Lauflänge: 149 mm
Zahl der Züge, Drall: 6, Rechtsdrall (Polygonlauf bei der Mark 23)
Kaliber: .45 Automatic Colt Pistol (ACP)
Mündungsgeschwindigkeit V0: 270 m/s
Mündungsenergie E0: 545 J
effektive Schussweite: 50 m
maximale Schussweite: 1.341 m
Magazingröße: 12 Patronen
Stückpreis: 1.400 EUR



Interne Links zum Thema

Bildergalerie

Patrone 9 mm Parabellum



Weiterführende Literatur/Links

Handbuch/Manual zu dieser Waffe bei www.gunmanuals.ch
Explosionszeichnung zu dieser Waffe beim Schützenverein Mittleres Erzgebirge e.V.



 

Text by The Dude. Letztes Update:  7. September 2007