Liberator



erster, handgefertigter Prototyp (Picture by Ralph Hagan)

Geschichte

Was haben die Liberator Pistole und Autoscheinwerfer gemeinsam? Sie kommen aus derselben Fabrik. Die Guide Lamp Gesellschaft hatte von Waffen keine Ahnung, wohl aber davon Metall in kurzer Zeit mittels prägen, pressen und stanzen in komplizierte Formen zu bringen. Daher beauftragte 1942 das Amt für strategische Kriegsführung der USA die Guide Lamp Div. mit der Konstruktion eines "Leuchtpatronenabschussgerätes" im Kaliber .45. Die Produktion lief an und man prägte 1 Millionen Stück in 11 Wochen. 300 Personen fertigten alle 6,6 Sekunden eine Pistole. Das dürfte wohl der einzige Fall in der Geschichte sein, in der eine Waffe schneller produziert wurde, als sie geladen werden kann. Das dauert nämlich selbst bei geübten Schützen 10 Sekunden.



Konzeption & Einsatz

Leuchtpatronenabschussgerät wurde als Tarnbezeichnung ausgewählt. In Wirklichkeit handelte es sich um ein simples Mordgerät mit einer Reichweite von weniger als 10 Meter. Dieses sollte zusammen mit 10 Schuss Reservemunition und einer einem Comic ähnlichen Bedienungsanleitung in einem wasserdichten Beutel über vom Feind besetzten Gebiet abgeworfen werden. Die Bedienungsanleitung war so ausgelegt, dass Menschen jeder Sprache, ja sogar Analphabeten diese verstehen konnten. Die Pistole diente einzig und allein um Partisanen und Widerstandskämpfer auszurüsten. Die Gerüchte, die Pistole wäre vom Auslandsgeheimdienst OSS in Auftrag gegeben worden, da dieser neue Bewaffnung gebraucht hätte, stimmen nicht. Einzig die US Army war daran beteiligt und der OSS hat die Pistolen erst bei Abschluss der Produktion zu Gesicht bekommen. Auch über den Einsatz beim OSS ist nichts bekannt. Dieser hatte bessere und zuverlässigere Waffen als die Liberator. Im allgemeinen wurde diese Waffe nur als letztes Mittel zur Selbstverteidigung genutzt. Der Schütze setzte sich sehr hoher Gefahr aus, denn wenn die Patrone nicht zündete, am Ziel vorbeigeschossen oder das Ziel nicht kampfunfähig gemacht wurde, bestand keine Möglichkeit eines zweiten Schusses. Daher steht die Pistole in dem Ruf, eine der schlechtesten Waffen der Welt zu sein. Ein kleiner Teil wurde über Frankreich abgeworfen. Die meisten kamen jedoch im asiatischen Raum über von japanischen. Truppen besetzten Gebieten zum Abwurf.



Technik

Bei der Liberator handelt es sich um eine glattläufige Einzelladerpistole. Der Verschlussblock wird manuell betätigt. Der hohle Griff ermöglicht den Transport von 10 Patronen und wird durch eine Schiebeplatte verschlossen. Zum Laden einer Patrone wird das Schlagstück nach hinten gezogen und dann um 90° gedreht. Danach muss die Verschlussplatte hochgeschoben werden und erst dann kann eine Patrone geladen werden. Nun wird das Schlagstück in Spannposition zurückgedreht und die Pistole ist schussbereit. Nach dem Schuss muss die Hülse mit einem Stift oder ähnlichem Gegenstand herausgedrückt werden. Ein Auszieher ist nämlich nicht vorhanden.
Es wurde auch eine zweischüssige Liberator entwickelt. Nach dem Krieg tauchten Versionen mit Schalldämpfer auf, es ist jedoch nicht mehr zu klären, ob diese in Serie gebaut wurden oder Produkt eines findigen Bastlers waren.



Das Innenleben einer Liberator (Picture by Ralph Hagan)

Der glatte Lauf ohne Züge und Felder (Picture by Ralph Hagan)

Bezeichnung der Waffe: Liberator
Hersteller: Guide Lamp Division of General Motors, Detroit Michigan USA
Länge: 141 mm
Gewicht ungeladen: ca. 450 g
Lauflänge: 102 mm
Zahl der Züge: keine
Kaliber: .45 ACP
praktische Feuerrate: 3 Schuss/min
effektive Schussweite: max. 10 m
Stückpreis: 2,10 US $ (im wasserdichten Säckchen)
Produktionszahlen: 1.000.000

Letzte gebaute Serienwaffe; Text auf dem Griffstück: 1.000.000 Liberator, 1942 Guide Lamp GMC., Fred B. Thacker, US Army 0360133 (Picture by Ralph Hagan)


Die rechte Seite der Liberator (oben) und mit geöffnetem Schlagstück (unten) (Pictures by Ralph Hagan)

Waffe der Serienproduktion (Maßband in Zoll zum Größenvergleich 1 Zoll = 2,54 cm) (Picture by Ralph Hagan)


Weiterführende Literatur/Links

Ian V. Hoggs & John Weeks, Pistolen aus aller Welt, Motorbuch Verlag
Liberator Webseite von Ralph Hagan



 

Text by Kreuz As. Letztes Update:  7. September 2007