Maschinenpistole M3 und M3A1



Eine M3, auch "Grease Gun" (Fettpresse) oder "Cake Decorater" (Sahnespritze) genannt

Wie alle anderen Maschinenpistolen, die vor oder im Zweiten Weltkrieg in Dienst gestellt worden sind, verdanken auch die amerikanischen Maschinenpistolen ihre Existenz den Grabenkämpfen an den Fronten des Ersten Weltkriegs. Bereits 1917 machten amerikanische Militärdienststellen Versuche mit der Vorläuferin der M3, der sogenannten "Tommy Gun", offiziell als M1 Maschinenpistole bekannt, die allerdings im Endeffekt erst 1928 als Ordonnanzwaffe der US Army eingeführt wurde. Anfang des Jahres 1941, also noch vor Kriegseintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg, wuchs die Gewissheit im US-Army Ordnance Board (dem Waffenamt des Verteidigungsministeriums), dass in zukünftigen Konflikten die Maschinenpistole eine wichtige Rolle spielen würde. Zwar verfügten die Streitkräfte bereits über große Stückzahlen der Maschinenpistole M1 (Thompson) und hatten noch weitere in Auftrag gegeben, doch mussten die Verantwortlichen erkennen, dass diese Waffe für den rauen Kriegseinsatz im Prinzip zu gut verarbeitet und außerdem zu teuer war. Eine MP des damals ordonnanzmäßig eingeführten Modells kostete 209 Dollar (MPi Thompson 1928 A1) und war mit der Holzschäftung und dem aufwendig zu fertigenden System ungeeignet für eine massive Steigerung der Produktionszahlen. Aus diesem Grund ließ man im Hinblick auf die in Europa eingesetzten MP 38 und Sten-MPis an einer importierten Sten eine Konstruktionsstudie durchführen, die zum Ziel hatte, eine amerikanische Version dieser Maschinenpistole zu entwickeln. Die neue Waffe musste folgenden Kriterien entsprechen: Ganzmetall, umrüstbar von Kaliber .45 auf 9 mm, schnell demontierbar und von den Produktionskosten nicht teurer als die britische Sten. George J. Hyde, ein aus Deutschland stammender Ingenieur, machte schließlich mit einer Weiterentwicklung einer von ihm 1935 entworfenen und vom Ordnance Board damals abgelehnten Waffe das Rennen. Da das erste fertige Versuchsmodell zu dem Zeitpunkt abgegeben wurde, als Japan mit dem Angriff auf Pearl Harbour die USA mit in den Zweiten Weltkrieg riss, verwundert es nicht, dass die Militärs dieses Projekt forcierten und schließlich das Ergebnis als Maschinenpistole M3 zur neuen Ordonnanzwaffe erklärten.

Bedingt durch die Produktionsvereinfachungen (nur der Lauf, der Verschlussblock und Teile des Abzugs wurden noch maschinell bearbeitet, die restlichen Blechteile gestanzt oder gepresst) hatte die neue Waffe eine gewisse Ähnlichkeit mit ihren Vorbildern, der MP 38 und der Sten. Wo bei der M1 noch ein Holzkolben war, ragte nun über dem Pistolengriff eine Metallstrebe mit einer Profildraht-Schulterstütze heraus. Die nur für Dauerfeuer eingerichtete Waffe hatte nicht einmal Sicherheitseinrichtungen, denn diese waren alle der Vereinfachung der Produktionsabläufe zum Opfer gefallen. Daher war es kein Wunder, dass diese Waffe schnell den Spitznamen "Grease Gun", also "Fettspritze" weghatte, denn sie sah eher wie ein Werkzeug als wie eine Waffe aus. Mitunter ging die Abneigung der G.I.'s gegen die M3 soweit, dass auf dem europäischen Kriegsschauplatz viele Soldaten entweder ihre Thompson-M1 behielten oder sich mit den deutschen MP 38/MP 40 ausstatteten. Im Pazifik allerdings, wo keine anderen Waffen zur Verfügung standen, erwiesen sich die M3 in den Dschungelgefechten schnell als unentbehrlich. Besonderen Anklang fand diese Waffe allerdings bei den Fahrern der Transporteinheiten und den Panzerbesatzungen, denn eine Waffe dieser Größe ließ sich leicht verstauen und bot mehr Feuerkraft als die Pistolen, mit denen sie üblicherweise ausgerüstet waren.
Abgesehen vom gewöhnungsbedürftigen Äußeren war die M3 trotz alledem eine sehr präzise und auch robuste Waffe. Ihr Funktionsprinzip als Rückstosslader und der unverriegelte Verschluss ließen sie spezielle Prüfungen gegen Staub, Nässe, Sand und Schlamm problemlos überstehen, und auch die Tatsache, dass sie trotz der einfachen Bauweise sehr präzise schoss, machten sie im für Waffen sehr undankbaren Pazifikraum mit tropischen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit bei den amerikanischen Soldaten sehr beliebt. Ein weiterer Vorteil war die Umrüstbarkeit auf das Kaliber 9 mm: Viele der eigentlich für den Pazifikraum vorgesehenen Waffen wurden als 9 mm-Waffen mit Fallschirmen über von der Wehrmacht besetzten Gebieten abgeworfen, um Widerstandskämpfer und Partisanen zu unterstützen. Dies wurde besonders in Italien und Dänemark praktiziert.

Um die M3 einzusetzen, musste der G.I. folgende Schritte durchführen: Hatte er eine M3 mit dem 30 Schuss-Magazin geladen, zog er den - recht ungünstig vor dem Abzug platzierten - Spannhebel durch und konnte nun die nur auf Dauerfeuer eingerichtete Waffe abschießen. Da die Kadenz mit 400 s/min allerdings recht niedrig war, konnte man mit ein wenig Übung sogar Einzelfeuer schießen. Die Patronen wurden nach dem Abfeuern durch eine Auswurföffnung oben auf dem Gehäuse ausgeworfen. Diese Öffnung besaß einen Klappdeckel, der gleichzeitig als Sicherung diente: Die Waffe wurde durch das Schließen des Deckels gesichert. Ein Sicherungsstift greift in den Verschluss und blockiert diesen. Auch dann, wenn der Abzug durchgezogen wird, kann kein Schuss brechen. Wird allerdings dieser Deckel geöffnet, ist die Waffe sofort entsichert. In dieser Stellung kann sich allerdings dann auch bei Erschütterungen ein Schuss lösen, zum Beispiel, wenn die Waffe auf den Boden fällt.
Obwohl die M3 mit einem Preis von 33,33 Dollar gegenüber der 209 Dollar teuren M1 geradezu ein Schnäppchen war und ohne großen Aufwand produziert werden konnte, wurde 1944 die Waffe noch einmal verbessert, um den Preis zu senken und den Produktionsaufwand abermals zu verringern. Die neue M3 A1 war mit einem Mündungsfeuerdämpfer ausgestattet und verlor den Spannhebel. Der Klappdeckel wurde so vergrößert, dass der Soldat nun einfach mit einem Finger in eine Vertiefung im Verschluss fassen konnte und somit die Waffe durch Zurückziehen des Verschlussblocks durchladen konnte. Einige weitere kleinere Änderungen wurden noch durchgeführt, und im Endeffekt lag dann der Preis der M3 A1 zwischen 21 und 22 Dollar.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die M3 in Lizenz in China, Argentinien, Portugal und Taiwan hergestellt. Zum Teil standen in manchen Ländern die Waffen aus US-Produktion noch Ende der Achtziger im Dienst, während sich die M3 A1 damals noch in geringen Stückzahlen bei der Militärpolizei und der Nationalgarde der USA im Dienst befand. Als Ordonnanzwaffe wurde die M3 allerdings 1957 mit Einführung des Sturmgewehrs M14 abgelöst, ebenso wie das Selbstladegewehr M1 Garand und der M1 Carbine.



G.I.'s im Koreakrieg; der vordere Soldat schießt mit einer Maschinenpistole M3A1

Bezeichnung der Waffe: M3 M3 A1
Hersteller: Diverse Hersteller Diverse Hersteller
Länge: 570 mm 575 mm
Gewicht: 3,7 kg 3,3 kg
Lauflänge: 200 mm 203 mm
Zahl der Züge: 4 4
Drall/Dralllänge: Rechtsdrall Rechtsdrall
Kaliber: .45 oder 9 mm .45 oder 9 mm
Mündungsgeschwindigkeit: 270 - 280 m/s (.45) 270 - 280 m/s (.45)
Mündungsenergie des Projektils: 504 J (.45), 490 J (9 mm Para) 504 J (.45), 490 J (9 mm Para)
Feuerrate: theoretisch 400 s/min, praktisch 90 - 120 Schuss/min theoretisch 400 s/min, praktisch 90 - 120 Schuss/min
effektive Schussweite: 100 - 200 m (verschiedene Angaben) 100 - 200 m (verschiedene Angaben)
größte Schussweite: 1600 m (9 mm Para) 1600 m (9 mm Para)
Munitionszufuhr/Magazingröße: Stangenmagazin mit 30 Schuss Stangenmagazin mit 30 Schuss
Stückpreis: 33, 33 $ 21,50 $


 

Text by Landser 95. Letztes Update:  7. September 2007