Beretta 92




Die Firma Beretta fertigt seit dem Jahre 1915 Ordonnanzpistolen für die italienischen Streitkräfte. Bei sämtlichen Modellen handelt es sich um einfache Rückstosslader mit Masseverschluss, die bis zum Zweiten Weltkrieg in den Kalibern 7,65 mm Browning (7,65 x 17 mm) oder 9 mm kurz (9 x 17 mm) hergestellt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg forderten die reorganisierten italienischen Einheiten eine leistungsstärkere Seitenwaffe im Kaliber 9 mm Parabellum (9 x 19 mm), woraufhin Beretta die Selbstladepistole Modell 951 entwickelte, die 1951 bei der Armee Italiens eingeführt wurde. Das Modell 951 hat einen Fallblockverschluss, ein einreihiges Magazin mit einer Kapazität von 8 Schuss und einen Single Action-Abzug. 1976 begann dann die Serienproduktion des Nachfolgers Modell 92, das im Prinzip als ein auf den neuesten Stand der Technik gebrachtes Beretta Modell 951, angesehen werden. Es erhielt im Gegensatz zum Vorgänger ein zweireihiges 15-Schuss-Magazin, ein Abzugsystem mit Spannabzug (Double Action-Abzug) und eine andere manuelle Sicherung; die äußere Form, das Funktionsprinzip und der Sperrklinkenverschluss wurden beibehalten.



Technik

Wie bereits das Modell 951 verschießt auch die Beretta 92 die Patrone 9 mm Parabellum. Auch handelt es sich bei diesen Waffen, wie bei den allermeisten modernen Pistolen, um einen Rückstosslader mit kurz zurück gleitendem Lauf. Aber im Gegensatz zum Colt M1911A1 und der SIG-Sauer P220-Waffenfamilie, haben die Beretta-Pistolen keinen Browning-Verschluss. Stattdessen besitzen sie einen Sperrklinkenverschluss (Fallblockverschluss), der weitgehend der Schwenklaufverriegelung der Walther P38 entspricht. Bei diesem Verschlusssystem gleiten nach Schussabgabe Lauf und Verschluss gemeinsam zurück. Nach einem kurzen Rücklauf erreicht der Schwenkriegel des Laufes einen Ansatz im Griffstück und wird durch den Druck der unter dem Lauf liegenden Schließfeder nach unten abgeschwenkt, wo er zum Stillstand kommt. Die Verriegelungsansätze treten nun aus ihren Ausnehmungen im Verschluss, der sich so vom Lauf trennt und allein weiter zurückläuft. Sobald der Verschluss am Auswurffenster vorbeiläuft, wird die leere Patronenhülse vom Auszieher aus dem Lauf gezogen und aus der Waffe geworfen. Gleichzeitig spannt der Schlitten den Hammer neu. Wenn der Schlitten seine hinterste Position erreicht hat, läuft er wieder nach vorne. Hierbei schiebt er eine neue Patrone aus dem Magazin in das Patronenlager und verriegelt den Lauf, indem der Schwenkriegel wieder nach oben geschwenkt wird und die Verriegelungsansätze wieder in ihre Ausnehmungen gleiten. Nun bewegen sich Lauf und Verschluss wieder gemeinsam in die Ausgangsposition und die Waffe ist feuerbereit. Betätigt man jetzt denn Abzug schlägt der Schlaghebel auf den Schlagbolzen, der wiederum schlägt auf das Zündhütchen der Patrone, und diese wird gezündet. Ist die letzte Patrone verschossen, bleibt der Verschluss beim Rücklauf in der hintersten Position stehen, festgehalten vom Verschlussfanghebel. Nach dem Magazinwechsel muss man nur diesen Verschlussfanghebel nach unten drücken, so dass der Verschluss nach vorne gleitet und dabei auch gleich eine neue Patrone in das Patronenlager einführt.
Das Balkenkorn ist in der Nähe der Laufmündung auf einer Brücke angeordnet und bildet mit einer U-Kimme die Visiereinrichtung. Sowohl auf den beiden Stegen der Kimme als auch auf dem Korn befinden sich weiße Tritium-Leuchtpunkte, die einen Nachteinsatz möglich machen.
Das Modell 92 bildet das Grundmuster für einer ganze Palette von Modell-Varianten, wobei das Modell 92 S eine der ersten Weiterentwicklungen darstellt. Zur Erhöhung der Sicherheit verlegte man bei der Beretta 92 S die manuelle Sicherung aus dem Griffstück in den Verschluss, wo sie als Entspannhebel für den Schlaghebel dient. Zum Sichern der Waffe wird der Hebel entspannt und der Schlagbolzen abgeschwenkt, so dass er die Patrone nicht mehr zünden kann. Sowohl das Modell 92 als auch das Modell 92 S wurde bei den Streitkräften und der Polizei Italiens eingeführt und auch an einige weitere Staaten exportiert, bevor 1986 die Produktion zugunsten des Modells 92 FS eingestellt wurde. In Südafrika wurde die Beretta Modell 92 unter Lizenz als Vektor Z 88 in der Fabrik Lyttleton Engineering Co. in Serie gebaut, nach wenigen Stückzahlen wurde die Produktion aber zugunsten der Vektor SP 1 bereits in den späten 70ern eingestellt.



Beretta 92 FS, die M9 Pistole der US-Streitkräfte

Als im Jahre 1980 die US-Streitkräfte eine Ausschreibung für eine neue Ordonnanzseitenwaffe bekannt gaben, bewarb sich auch Beretta und reichte das Modell 92 SB zu den Erprobungen ein. Die neue Pistole sollte den Colt M1911A1 ersetzen, dessen Urversion bereits 1911 eingeführt wurde und der seine Glanztage schon seit längerem hinter sich hatte. Gefordert wurde eine Selbstladepistole mit manueller Sicherung, Metallgriffstück und Double Action-Abzug, die, um Geld zu sparen, nicht erst vollständig neu entwickelt werden sollte, sondern auf einem bereits existierenden Modell zu basieren habe. An den Auswahltests haben Waffen der renommiertesten Hersteller teilgenommen; Heckler & Koch mit der P9S, SIG-Sauer mit der P226, die spanische Firma Star mit dem Modell 28, FN mit ihrer High Power, Smith & Wesson mit dem Modell 459, die Firma Colt mit einer modernen Version des M1911 und eben Beretta mit dem Modell 92 SB.
Das Modell 92 SB beruht auf dem Modell 92 und hat auch dessen Double-Action-Abzug. Die Modifikationen betreffen hauptsächlich Sicherheitsaspekte, so besitzt die 92 SB eine innen liegende automatische Schlagbolzensperre und einen sichtbaren Schlagbolzenblock, der dem Benutzer zeigt ob sich eine Patrone in der Kammer befindet. Der Schlaghebel hat nun eine Sicherheitsrast und zur Verbesserung des Handlings wurde der Griffrücken geriffelt. Um die Waffe für Linkshänder leichter bedienbar zu machen sind an der 92 SB auch beidseitig Magazinhalteknöpfe angeordnet.
Obwohl sich die mächtige US-Waffenlobby für die moderne Version des alten 45er Colts einsetzte, blieben zum Schluss nur noch zwei Bewerber übrig: Die Beretta 92 SB, die bei den Erprobungen gut abgeschnitten hatte und außerdem die Waffe mit dem niedrigsten Stückpreis darstellte, und die SIG-Sauer Pistole P226, deren Zustimmung schon als derart sicher galt, dass die Lizenzfertigung bei der Maremont Corporation bereits vorbereitet wurde. Die beiden Pistolen waren von der manuellen Sicherung der italienischen Waffe abgesehen, in etwa gleich gut, so dass wohl schlussendlich der höhere Preis der SIG-Pistole zur Entscheidung gegen das Deutsch-Schweizerische Produkt und zum Zuschlag für die Beretta 92 SB führte. Allerdings wurden noch einige geringfügige Modifikationen gefordert, bevor die US-Streitkräfte die Waffe unter der Bezeichnung M9 als Standardseitenwaffe in alle Teilstreitkräfte einführten. Die Änderungen der nun als Beretta 92 FS bezeichneten Waffe bestehen aus einem anders ausgeformten Abzugsbügel, der einen beidhändigen Anschlag erleichtert, einem nochmals verbesserten Griffstück, Fangriemenösen, einer verchromten Laufseele und aus mit Bruniton beschichteten Metalloberflächen, die Lichtreflexionen auf dem blanken Stahl vermeiden. Die US-Streitkräfte führten die neue M9 Pistole im Jahre 1984 ein, wobei eine Lizenzfirma in Maryland in den darauf folgenden Jahren etwa 500.000 Stück herstellte. Neben den militärischen Verbänden nutzen auch einige Regierungsbehörden wie das DEA oder der US-Marshall-Service die neue Beretta und ersetzten damit teilweise den 38er Revolver sowie den Colt M1911A1. Auch die US Coast Guard hat die M9 eingeführt und die französische Gendarmerie Nationale und die italienischen Streitkräfte taten dies ebenfalls. Einige Zeit nach Einführung der M9 in die US-Streitkräfte tauchten Probleme auf: Es gab Gerüchte, dass das Material des Schlittens nach intensivem Gebrauch Haarrisse aufweisen konnte. Ein Riss des Verschlusses würde bewirken, dass dem Schützen der Verschluss ins Gesicht fliegt. Um diesen Gerüchten einen Riegel vorzuschieben brachte Beretta schließlich eine Version mit verstärktem Verschluss heraus: die 92 FS Brigadier.



Die Hauptbestandteile der Beretta 92 FS (M9): Magazin, Griffstück, Schließfeder, Pufferstange, Lauf, Verschluss (Picture by US Army).

Da die Beretta 92 sehr weit verbreitet ist, gibt es für diese Waffe eine großes Angebot an Zubehör, angefangen von vernickelten Griffschalen, einem Chromverschluss, bis hin zu Schalldämpfern. Auch Surfire-Lampen und integrierte Laserzieleinrichtungen werden angeboten, wobei letztere über einen speziellen Druckknopf an der Griffschale mit dem Handteller aktiviert werden, und einen noch auf hundert Meter sichtbaren Leuchtpunkt ergeben. Zudem ist es möglich die Beretta 92 auf das Kaliber .22 (5,6 mm) umzurüsten. Hierbei wird einfach ein passender .22 Lauf, ein anderer Verschluss sowie ein passendes Magazin anstelle der Originalteile eingesetzt. Als kleine Schwestern der Beretta könnte man die Modell 81 und 84 bezeichnen. Diese Modelle sind kleiner und verschießen die Patrone 7, 65 mm Browning beziehungsweise 9 mm Kurz. Die Magazine fassen 12 bzw. 13 Patronen. Sie befinden sich genau wie das Model 92 seit 1976 in Produktion. Mit dem Modell 87 Cheetah, das mit den Modellen 81 und 84 weitgehend identisch ist, gibt es auch noch eine Ausführung im Kleinkaliber .22 Longrifle.



Verwandte Modelle

 

Beretta hat außer dem Standardmodell 92 FS im Kaliber 9 mm noch weitere Modelle im Angebot, die sich hauptsächlich in ihrem Gewicht bzw. ihrer Größe, ihrem Kaliber oder dem Funktions- und Feuermodus unterscheiden:

 

  • Beretta 92 C; Ist die Kompaktversion der Beretta 92 FS und unterscheidet sich nur in der Gesamt- und Lauflänge, dem geringeren Leergewicht von 910 g sowie der Magazinkapazität von 13 Patronen
  • Beretta 92 CM; Wie das Modell 92 C, aber nur mit einem 8-schüssigen Magazin und einem geringeren Leergewicht von 875 g (Kaliber 9 x 19 mm, Magazinkapazität 8, Gesamtlänge 197 mm, Lauflänge 109 mm, Gesamtbreite 38 mm, Gesamthöhe 135 mm, Leergewicht 875 g)
  • Beretta 92 D; Von den Abmessungen gleich wie das Modell 92, aber mit Double-Action-Only Abzug (Zweiphasenabzug)
  • Beretta 92 DS;  wie das Modell 92 D, allerdings ohne manuelle Sicherung
  • Beretta 92 FS Brigadier; Version mit verstärktem Schlitten
  • Beretta 92 FS Centurion; Kompaktversion mit verstärktem Schlitten, besitzt die selben Abmessungen wie die 92 C
  • Beretta 92 FS INOX; gleich wie 92 FS, aber aus rostträgem Stahl
  • Beretta 92 Stock: Sportpistole mit diversen Verbesserungen
  • Beretta 93 R; Reihenfeuerpistole, die in der Lage ist sowohl Einzelschüsse als auch Feuerstöße von drei Schuss abzufeuern. Die Konstrukteure entschieden sich damit gegen eine Schussabgabe im Dauerfeuer, wie sie ihr direkter Vorgänger die Beretta 951 R Reihenfeuerpistole besitzt, weil bei einem Feuerstoss die Mündung der Waffe nach oben zieht, so das sowieso nur die ersten zwei bis drei Schuss im Ziel landen. Die 93 R bezieht deshalb einen impuls-gesteuerten Schusszahlbegrenzer in die Abzugseinrichtung ein, ist aber ansonsten mit der 92 FS identisch. Äußerlich erkennt man die Reihenfeuerpistole am längeren Lauf, der Bohrungen am Ende aufweist, um das Hochziehen der Waffe zu verhindern. Ein im Griffstück untergebrachter Feuerwahlhebel gestattet auch die Abgabe von Einzelschüssen. Ist der Feuerwahlhebel nach unten in die durch drei weiße Punkte gekennzeichnete Stellung „Feuerstoss“ geschwenkt, wird bei jeweils einmaligen Betätigen des Abzugs ein Feuerstoss von drei Schuss ausgelöst. Außer dem modifizierten Feuerwahlhebel, mit dem zwischen Einzelfeuer, 3er-Salve und der Sicherung der Waffe gewählt werden kann, ist auch ein klappbarer Haltegriff vor dem Abzug vorhanden, um die Pistole während des Feuerstosses zu stabilisieren. Der Abzugsbügel ist so geformt, dass der Daumen, der den Haltegriff umfassenden Hand, in den Abzugsbügel eingehakt werden kann. Der Zeigefinger der Schiesshand und der Daumen der Hand, die den Haltegriff umfasst, befinden sich dann im Abzugsbügel. Das Griffstück der Reihenfeuerpistole ist darüber hinaus zur Aufnahme einer ansteckbaren Schulterstütze eingerichtet, die einen Schulteranschlag und damit die Abgabe genauer gezielter Feuerstöße ermöglicht. Neben dem herkömmlichen 15 Schuss Magazin gibt es für die 93 R auch ein aus dem Griff hervorstehendes Magazin, das 20 Patronen aufnehmen kann. Seit 1979 ist die Beretta 93R in den italienischen Sondereinheiten der Streitkräfte im Dienst, und hat dort die Reihenfeuerpistole Beretta 951 R abgelöst. Auch Sondereinheiten anderer Staaten haben zwischenzeitlich das Modell 93R ebenfalls beschafft.
  • Beretta 96; Kaliber .40 S&W und eine Magazinkapazität von nur noch 11 Patronen. (Magazinkapazität 11, Gesamtlänge 217 mm, Lauflänge 125 mm, Gesamtbreite 38 mm, Gesamthöhe 137 mm, Leergewicht 960 g)
  • Beretta 96 C; Wie das Modell 96 im Kaliber .40 S&W aber diesmal in der Kompaktversion mit geringerer   Gesamt- und Lauflänge sowie niedrigerem Gewicht. (Magazinkapazität 11, Gesamtlänge 197 mm, Lauflänge 109 mm, Gesamtbreite 38 mm, Gesamthöhe 135 mm, Leergewicht 910 g)
  • Beretta 96 D; Auch im Kaliber .40 S&W, allerdings wie die 92D nur mit Double-Action Modus. Ansonsten baugleich mit der Beretta 96.
  • Beretta 98; Diese Version unterscheidet sich nur im Kaliber 7,65 x 22 mm von der Beretta 92F.
  • Beretta 99 FS; Basiert ebenfalls auf der 92 FS, hat aber das Kaliber 9 x 21 mm.


die M9 der US Streitkräfte

Bezeichnung der Waffe: Beretta 92 FS (M9) Beretta 93 R Beretta 92 C
Hersteller: Pietro Beretta Italien, Beretta USA Pietro Beretta Italien
Länge: 217 mm 240 mm
Breite: 38 mm 38 mm
Höhe: 140 mm 140 mm
Gewicht: 0,975 kg (ungeladen), 1,16 kg (geladen) 1,12 kg (ungeladen)
Lauflänge: 125 mm 148 mm
Zahl der Züge, Drall: 6 Züge, Rechtsdrall 6 Züge, Rechtsdrall
Kaliber: 9 x 19 mm Parabellum 9 x 19 mm Parabellum
Mündungsgeschwindigkeit: 365 m/s 365 m/s
Feuerrate: - 1.100 Schuss/min (theoretisch)
effektive Schussweite: 50 m 50 m
Magazingröße: 15 Patronen 15 oder 20 Patronen
Stückpreis: ca. 270 US-$ ?

Beretta 93 R mit aufgeschraubtem Schalldämpfer

Bezeichnung der Waffe: Beretta 96 D Beretta 98 Beretta 99 FS
Hersteller: Pietro Beretta Italien Pietro Beretta Italien Pietro Beretta Italien
Länge: 217 mm 217 mm 217 mm
Breite: 38 mm 38 mm 38 mm
Höhe: 140 mm 140 mm 140 mm
Gewicht: 0,960 kg (ungeladen) 0,975 kg (ungeladen) 0,975 kg (ungeladen)
Lauflänge: 125 mm 125 mm 125 mm
Zahl der Züge, Drall: 6 Züge, Rechtsdrall 6 Züge, Rechtsdrall 6 Züge, Rechtsdrall
Kaliber: .40 Smith & Wesson 7,65 x 22 mm 9 x 21 mm
Feuerrate: - - -
effektive Schussweite: 50 m 50 m 50 m
Magazingröße: 11 Patronen 15 Patronen 15 Patronen

Eine M9 bei der Schußabgabe



Interne Links zum Thema

zur 9 mm Parabellum



Weiterführende Literatur/Links

Explosionszeichnung zu dieser Waffe beim Schützenverein Mittleres Erzgebirge e.V.



 

Text by Sir Henry, UncleK, Kampfhamster. Letztes Update: 17. May 2008