M72 LAW



(Picture by US Army)

Die M72 Light Anti-Tank Weapon (LAW) ist eine kompakte, selbstständige Panzerabwehrwaffe, die aus einer Rakete besteht, die in einen Werfer gepackt wird. Sie kann von einem Mann getragen und von der Schulter abgefeuert werden. Zudem stellt der 66 mm Einwegwerfer auch keine hohen Anforderungen an den Schützen, da die genaue Handhabung als Bilderfolge auf dem Rohr erklärt wird, und nach dem Abschuss wird er einfach weggeworfen. Entwickelt wurde der M72 LAW in den sechziger Jahren von der Hesse Eastern Company und er stellt das amerikanische Pendant zum russischen RPG-7 dar, welcher wie der M72 ebenfalls eine extrem leichte und kompakte Waffe zur Panzerabwehr darstellt. Die wirkungsvolle Reichweite der LAW gegen Panzerfahrzeuge liegt aber nur bei unzureichenden 170 bis 220 Meter. Hergestellt wurde der M72 Werfer in den Vereinigten Staaten durch Talley Industries, sowie unter Lizenz in Norwegen. Durch den umfangreichen Einsatz in den US Streitkräften wurde die Waffe bald NATO-Standard. Die Warschauer Pakt Staaten verfolgten unter großem Interesse die Entwicklung und den Einsatz, so dass auch bald russische bzw. tschechische Nachbauten, RPG-18 und RPG-26, existierten. Frühere Versionen des M72 waren häufig ungenau und litten unter einem zu schwachen Raketenmotor, so dass sich die Rakete vor dem Ziel in den Boden bohrte. Dieses Problem wurde durch einen leistungsfähigeren Raketenmotor und ein besseres Visier behoben.



Technik

Die beiden Hauptbestandteile der M72 Panzerabwehrwaffe sind die Startröhre und die dazugehörige Rakete. Die Röhre selbst besteht aus einem inneren Rohr, das die Rakete aufnimmt und einem äußeren Rohr, das als wasserdichter Verpackungsbehälter für Rakete und Zündeinheit dient. Das Abzugsgehäuse, welches den Abzug enthält, ist auf der Oberfläche des äußeren Rohres angebracht, an ihm ist ein einfaches Stahlvisier oder ein Reflexvisier befestigt. Das innere Rohr ist durch eine Führungsscheine justiert, um sich nicht gegenüber dem äußeren Rohr verdrehen zu können. Will man die Rakete abfeuern, muss man zunächst das innere Rohr aus dem äußeren herausziehen, auch um die Lauflänge zu erhöhen. An der Führungsschiene ist auch das Zündgestänge angebracht und an der Zündeinheit befindet sich eine Rastenhebelbaugruppe, die das innere Rohr in der ausgezogenen Position einrasten lässt, so dass sich die beiden Rohre nicht wieder ineinander schieben können. Gleichzeitig wird durch das Einrasten die Zündeinheit gespannt. Nachdem dem Auseinanderziehen der beiden Rohre ist die Waffe also feuerbereit.
Die Rakete besteht aus einem HEAT Gefechtskopf (High Explosiv Anti Tank) und dem Raketenmotor. Der HEAT Hohlladungssprengkopf hat einen Durchmesser von 66 mm und besteht aus einem hohlen, mit Sprengstoff gefüllten, dünnwandigen Stahlkegel, der mit einer einer hohlen Kappe bedeckt ist, in der sich der Zünder befindet. Wenn der Abzug des Werfers gedrückt wird, zündet der Perkussionszünder die Rakete im Inneren des Rohrs. Sobald die Rakete den Werfer verlassen hat, entfalten sich sechs federgelagerte Flossen und stabilisieren die Rakete im Flug und sie fliegt in einer flachen Flugbahn ins Ziel. Diese Flossen sind vorwärts entlang dem Motor gefaltet, wenn sich die Rakete im Werfer befindet. Ist die Treibladung des Rakete einmal gezündet, brennt sie vollständig ab und produziert ein 760° heißes Gas, dass für den nötigen Rückstoß sorgt. Der Gasdruck drückt die Rakete aus dem Werfer in Richtung Ziel, am Ende des Werfers tritt restliches Gas in Form eines langen Feuerstrahls aus, deswegen wird davor gewarnt, die Waffe in geschlossenen Räumen oder Kampfständen zu benutzen. Nachdem die Rakete abgefeuert und ca. 10 bis 15 Meter geflogen ist, schaltet sich die Sicherung aus. Damit soll verhindert werden, dass der Schütze in den Wirkungsradius der Explosion gelangt, falls die Rakete vorher unbeabsichtigt detoniert.

Die Zerstörung eines Ziels läuft in vier Phasen ab. Beim Aufschlag des Geschosskopfes wird zunächst der Zünder aktiviert. Die elektrische Zündkapsel bringt nun einen Verstärker zur Detonation, welcher dann die Hauptladung zündet. Die Explosion wird durch die Trichterform zu einem resultierenden Energiestrahl aus Explosionsgasen gebündelt, der in Richtung der zu durchschlagenden Panzerung zeigt. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 8.000 m/s beziehungsweise einem Druck von mehr als 10 Millionen kg/cm² schießt dieser Jet auf die Panzerung und schmilzt das Metall. Die hohe kinetische Energie des Jets beschleunigt nun auch diese Partikel und es entsteht ein Plasmastrahl, der in den Kampfraum eindringt. Unter Umständen kann es passieren, dass der Motor oder die Munition Feuer fangen und explodieren, was dann die völlige Zerstörung des gegnerischen Panzers bedeutet.



Eine M73 Subkaliberrakete für Übungszwecke (Picture by US Army)

Die Erfahrungen mit den Versionen M72A2 und A3 führten zu dem Ergebnis, dass man für die jeweilige Situation eine bestimmte Waffe mit der entsprechenden Durchschlagskraft oder Sprengwirkung benötigte. Bei allen bisherigen Ausführungen war aber die Sprengkraft konstruktionsbedingt nicht einstellbar. Dies hatte die Entwicklung der Modelle M72A4, M72A5 und M72A6 zur Folge, wobei der M72A4 eine erhöhte Durchschlagskraft und minimale Sprengwirkung und der M72A6 eine größtmögliche Sprengwirkung bei minimaler Durchschlagskraft besaß, die Version A5 verwendete die gleiche Hohlladung wie der bisherige M72A3 mit mäßiger Spreng- und Durchschlagskraft. Auch der Raketenmotor wurde überarbeitet und verbessert, was eine Geschwindigkeitssteigerung von 150 m/s auf ca. 200 m/s zur Folge hatte. Dieses Durcheinander der verschiedenen Versionen hatten nicht selten ungewollte und unliebsame Verwechslungen zur Folge und verursachte auch diverse logistische Probleme. Um sich solche Ärgernisse zu ersparen, besitzen viele moderne Panzerabwehrwaffen ein Abstandsrohr aus Metall an der Spitze des Gefechtskopfes, das bei Bedarf ein- und ausgezogen werden kann. Bei ausgezogenem Abstandsrohr hat die Hohlladung eine enorme Durchschlagskraft, aber die Sprengwirkung sinkt, bei eingeschobenem Rohr überwiegt entsprechend die Sprengwirkung. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Panzerfaust 3 der Bundeswehr. Um die Funktionsfähigkeit der LAW zu verbessern, wurde ein Reflexvisier entwickelt, welches sich ohne großen Aufwand einfach an den Gehäusen anbringen und kalibrieren lässt. Es ist außerdem möglich an das Reflexvisier ein Nachtsichtgerät zu montieren, so dass sich die LAW auch wirkungsvoll in der Nacht einsetzten lässt.

Um den Soldaten ein möglichst realistisches und gefahrfreies Training zu bieten, existiert auch eine Übungsversion des M72 LAW, mit der Bezeichnung M190. Der Unterschied zum M72 liegt in der Rakete. Der M190 verschießt eine M73 Subkaliberrakete, welche die taktische Flugbahn sowie die charakteristische Rauchfahne der 66 mm HEAT Rakete nachahmt. Der Raketenmotor ist beibehalten worden, aber die Hohlladung fehlt und an deren Stelle befindet sich eine etwa 1,5 Gramm schwere Ladung eines Explosivstoffes, der die Detonation der Hohlladung simulieren soll. Die M73 hat eine Durchschlagskraft von 0,3 mm Stahl oder ca. 20 cm Holz. Sie ist zudem geräuschärmer und stößt beim Abschuss einen geringeren und damit sicheren Feuerstrahl aus. Der Werfer ist ein ausgedienter M72 Werfer, der ohne Umbauten verwendet werden kann. Angewandt und feuerbereit gemacht wird der M190 wie der normale M72.

Ursprünglich als reine Panzerabwehrwaffe entworfen, wurde der M72 mit großem Erfolg auch gegen Sekundärziele eingesetzt, wie etwa gegen die Bunker des Vietcong in Vietnam oder gegen leicht gepanzerte Rad- und Kettenfahrzeuge. In den Siebzigern sollte die LAW durch die Panzerabwehrwaffe Karl Gustav bei der US Army abgelöst werden, aber diese Waffe war zu schwer, so dass die Army an der LAW festhielt. Endgültig abgelöst wurde der M72 Raketenwerfer dann durch die AT4, eine modifizierte, leichtere Version der Karl Gustav. Doch auch diese Waffe war sehr groß im Gegensatz zur M72, so dass heute wieder kleine leichte Panzerabwehrwaffen, wie etwa die Predator, aktuell sind. Obwohl der M72 gegen moderne Panzer unbrauchbar ist, wird er trotzdem noch von vielen Armeen benutzt, da er sehr kompakt ist und doch über genügend Sprengkraft verfügt, um leicht bzw. ungepanzerte Fahrzeuge zu vernichten.



Ein Soldat der Streitkräfte Ecuadors kontrolliert den Bereich hinter sich, bevor er die leichte Panzer-abwehrwaffe M72 LAW abfeuert (Exercise Blue Horizon 1986 der Armee Ecuadors und der USA). (Picture by US Army)

Bezeichnung der Waffe: M72 Light Anti-Tank Weapon (LAW)
Entwicklung: Hesse Eastern Company
Hersteller: Talley Industries
Länge: geschlossen 67 cm (24,8 inch)
ausgezogen 95 cm (34,67 inch)
Gewicht: M72A2 2,3 kg (5,1 Pfund)
M72A3 2,5 kg (5,5 Pfund)
M72A4 2,5 kg (5,5 Pfund)
M72A5 2,5 kg (5,5 Pfund)
M72A6 2,5 kg (5,5 Pfund)
Kaliber: 66 mm
Visier: Streckenanzeige, gradiert in 25 meter, zusätzliches Reflexvisier
Länge der Rakete: 50,8 cm (20 inch)
Gewicht der Rakete: 1,8 kg (2,2 Pfund)
Stabilisierung: 6 ausklappbare Flossen
Gefechtskopf: HEAT Hohlladungssprengkopf mit einem Hohlladungsdurchmesser von 66 mm
Zünder: elektrischer Aufschlagszünder
Anfangsgeschwindigkeit: 145 m/s
Reichweiten: minimal 10 m (30 ft)
maximal 1.000 m (3.050 ft)
maximale effektive Schussweite: stationäres Ziel 200 m (660 ft)
bewegliches Ziel 160 m (541 ft)
Über diese Strecken hinaus sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Treffers drastisch.
Durchschlagsleistung bei 90° Auftreffwinkel (gewalzter Panzerstahl): M72A2 300 mm
M72A3 300 mm
M72A4 355 mm
M72A5 330 mm
M72A6 150 mm

US-Soldat mit M72 LAW auf Fort Benning, 1960 (Picture by US Army)

US-Soldaten des 1st Bn., 321st Field Artillery verteidigen ihre Stellung bei einem Manöver in Kentucky im Jahr 1982. (Picture by US Army)

Zwei britische Soldaten der Queen`s Dragoon Guards kurz vor dem Feuern mit dem LAW-Werfer auf dem Abu Hydra Übungsgelände im Rahmen der Operation Desert Shield Saudi-Arabien, Dezember 1990)... (Picture by US Army)

....und der Einschlag der Rakete in das Trainingsziel. (Picture by US Army)




Weiterführende Literatur/Links

Handbuch/Manual zu dieser Waffe bei www.gunmanuals.ch



 

Text by Sir Henry, UncleK, TNT400. Letztes Update:  7. September 2007