M82A1 "Barrett light fifty"



Das M82 mit aufgeschraubtem Manöverpatronen-Gerät

John L. Plaster, Autor des Buches "The Ultimate Sniper", einem Handbuch für Militär und Polizei über das .50-Projektil.

Das halbautomatische M82 "Barrett" ist in der amerikanischen Armee für den Einsatz gegen relativ weit entfernte, leicht gepanzerte Ziele wie abgestellte Flugzeuge und Hubschrauber oder Radaranlagen gedacht, auch gegen Personenziele ist es bis zu einer Entfernung von max. 1.800 Metern brauchbar. Möglich macht das neben der kraftvollen und präzisen 12,7 mm Patrone ein leistungsstarkes Zielfernrohr mit zehnfacher Vergrößerung. Das M82 entspricht damit den zu Beginn der 80er Jahre gestellten Anforderungen der US-Militärs an eine großkalibrige Präzisionswaffe zur punktgenauen Zerstörung von wichtigen Einrichtungen des Feindes. Gesucht war eine Waffe, die leicht genug war, um sie in einem Kommandotrupp mitführen zu können und die trotzdem noch genug Zerstörungskraft aufbringt, um auf große Entfernungen leicht gepanzerte Materialziele ausschalten zu können. Das zur Personenbekämpfung entwickelte 7,62 mm M40A1 sollte damit von solchen Einsätzen, für die es wenig geeignet ist, freigestellt werden. Wie bereits angesprochen wird eine 12,7 x 99 mm (.50 cal) Patrone verwendet, das gleiche Kaliber wie im schweren Maschinengewehr M2 Browning. Die im Barrett verwendete Patrone (Raufoss .50) hat jedoch eine etwas stärkere Ladung sowie ein geringeres Geschoßgewicht und erreicht damit eine höhere Mündungsgeschwindigkeit, was wiederum zu einer gestreckteren Flugbahn führt. Es wird derzeit ausschließlich Vollmantelmunition ausgegeben. Die Wirkung der Waffe ist jedoch entgegen der öffentlichen Meinung eher gering, da der entstehende Schaden durch das geringe Kaliber (im Verhältnis zum Zielmedium) relativ gering ist, und wenn das Gerät nicht etwa durch Sekundärexplosionen (z.B. Treibstoff) weiter beschädigt wird, sind die entstehenden Schäden meist recht schnell und einfach zu reparieren. Der Schütze sollte sich daher auf wenige geeignete Ziele beschränken. Viel wichtiger scheint die psychologische Wirkung zu sein, indem man dem Feind vorführt, dass er selbst zwei Kilometer hinter der Frontlinie noch durch direkten Beschuss verwundbar ist. Im Fall von hinter den Linien operierenden Kommandotruppen ist dieser Effekt wahrscheinlich noch größer, da der Feind sich immer latent bedroht fühlt. Der erste gefechtsmäßige Einsatz fand möglicherweise in Afghanistan statt, ausgesuchte Mudschaheddin sollen von CIA-Agenten mit M82A1 ausgestattet worden sein, um aus Hinterhalten sowjetische Ziele wirkungsvoll bekämpfen und sich dann schnell wieder zurückzuziehen zu können. Heute ist die Waffe vor allem bei Elite-Einheiten wie den SEALs der US-Navy, dem britischen SAS, den US-Marines bei der Marine Force Reconnaissance oder auch z.B. der US Coast Guard, zur einfachen Bekämpfung von schwimmenden Wasserminen, zu finden.



Technik

Das auffälligste Merkmal des "light fifty" ist sicherlich, neben der enormen Länge, die pfeilförmige Mündungsbremse, die die Gase seitlich ablenkt um den Rückstoß etwas abzuschwächen. Auf Bohrungen nach oben und unten wurde absichtlich verzichtet um nicht unnötig Staub aufzuwirbeln und die Gefahr einer Entdeckung zu vergrößern. Der Lauf ist gekehlt (runde Kerben nach innen) und besitzt dadurch eine größere Oberfläche zur Wärmeableitung, zusätzlich erhöht die Kehlung die Steifigkeit des Rohres und verbessert damit die Präzision.
Das M82 ist ein halbautomatischer Rückstoßlader mit verriegeltem Verschluss und besitzt ein ähnliches Funktionsprinzip wie das M2 Browning. Die Energie der Zündung schiebt bei diesem halbautomatischen Mechanismus Rohr und Verschluss gegen die Schließfeder und eine hydraulische Rücklaufbremse. Ein Teil der Energie wird jedoch bereits absorbiert wenn die Patrone gezündet wird, da sich zu diesem Zeitpunkt der mit dem Lauf verriegelte Verschluss noch nicht in vorderster Position befindet. Nach den vorgesehenen 20 mm Rücklauf kann der Verschluss gefahrlos entriegeln, da zu diesem Zeitpunkt der Gasdruck auf ein ungefährliches Niveau abgesunken ist. Der Verschluss läuft jetzt ohne Lauf weiter zurück und und zieht dabei die leere Hülse aus, eine neue Patrone wird durch den Druck der Magazinfeder nachgeladen. Durch die in der Schließfeder gespeicherte Energie kann der Verschluss wieder nach vorne gleiten, die Patrone in das Patronenlager schieben und mit dem Lauf verriegeln. Die Waffe ist damit wieder feuerbereit. Im Vergleich mit dem M2 Maschinengewehr benutzt das M82 lediglich eine stärkere Feder um den Rückstoß erträglicher zu machen und die Präzision zu verbessern.
Das M82 wird über ein 10-schüssiges Kastenmagazin "gefüttert"; in älteren Versionen dieses Magazins gab es durch zu schwache Federn Zuführungsprobleme bei vollem Magazin, weshalb empfohlen wurde, maximal 8 Patronen zu laden. Durch neue, stärkere Federn ließ sich das Problem jedoch leicht beheben. Mittlerweile hat man durch den Einsatz von neuen Kunststoffen und leichteren Legierungen eine um ca. 3 kg leichtere Version des M82 entwickelt, das M82A2. Neu ist auch das Kunststoffmagazin sowie eine neue Aufnahme für das Zielfernrohr, das leicht gegen andere Modelle ausgetauscht werden kann. Das Spektrum an geeigneten Munitionssorten ist für das 12,7 mm Kaliber recht groß, panzerbrechende, Leuchtspur-, Spreng- und Brandgeschosse lassen nur wenige Wünsche offen. Ein nukleares Kleingeschoss, wie es in vielen Online-Foren rumgeistert, ist technisch nicht möglich und daher auch nicht vorhanden.
Das Barrett ist serienmäßig mit einem klappbaren Zweifuß ausgerüstet, lässt sich aber auch auf einem M2-Dreibein befestigen um, zusammen mit dem 10-fach vergrößernden Unertl Zielfernrohr, präziseste Schüsse abzugeben. Im Golfkrieg lag die größte bestätigte Entfernung eines Personen-Treffers bei rund 1.800 m, nur ein Grund warum eine solche Waffe nicht in die Hände von Terroristen gelangen sollte. Nichtsdestotrotz gab es bereits 1992 ein erstes Terroristen-Opfer, verursacht von der IRA.
In Sonderfällen kann natürlich auch auf ein noch leistungsfähigeres Zielfernrohr oder Nachtzielgerät zurückgegriffen werden, Grenzen werden nur durch die Technik gesetzt. Ein 10 kg schweres Teleskop kann sich auf Einsätzen durchaus als unpraktisch erweisen. Die M82A1 wird von der kleinen Firma (ca. 25 Mitarbeiter) "Barrett Firearms Manufacturing" aus Murfreesboro, Tennessee hergestellt. Bis heute wurden seit 1985 etwa 3.000 Stück fabriziert.



Bezeichnung der Waffe: M82A1
Hersteller: Barrett Firearms Manufacturing
Länge: 1.447 mm
Gewicht: 14,7 kg (ungeladen)
Lauflänge: 838 mm
Zahl der Züge, Drall: 8 Züge, Rechtsdrall
Kaliber: .50 in (12,7 x 99 mm)
Mündungsgeschwindigkeit: ca. 840 m/s (2.849 fps)
Mündungsenergie des Projektils: ca. 15.000 J
Feuerrate: -
effektive Schussweite: 1.800 m
größte Schußweite: 6.760 m bei 35° Erhöhung
Munitionszufuhr/Magazingröße: gerades Stangenmagazin für 10 Patronen
Stückpreis: 6.000 $

Das Team ist auf einem Hausdach in Stellung gegangen.



 

Text by DA, Bumrush. Letztes Update:  7. September 2007