![]() Das L85A1 stellt die standardmäßige, vollautomatische Infanteriewaffe des britischen Heeres da, die dort unter der Bezeichnung SA-80 eingeführt wurde. Aufgrund ihrer Bullpup-Bauweise besitzt die Waffe einen, für ihre geringe Eigenlänge von 785 mm, relativ langen Lauf (518 mm). Das SA-80 war ursprünglich für das Kaliber 4,7 mm ausgelegt worden. Diese Patrone war eine britische Entwicklung und verlor gegen die 5,56 x 45 mm bei den Ausscheidungstests für eine neue NATO Standardpatrone. Die Waffe wurde entsprechend geändert, was jedoch in einem sehr kurzen Zeitraum geschehen musste, so dass viele Fehler auftraten.
Das SA-80 wies in der endgültigen und an die britischen Streitkräfte ausgelieferten Ausführung anfangs mehr als 50 konstruktionsbedingte Fehler auf. Die Fertigungstoleranzen waren zu eng, so dass die Waffe sehr schnell unter sandiger und staubiger Atmosphäre versagte. So konnte beispielsweise Sand durch die Waffenöffnungen eindringen und somit die Funktion beeinträchtigten. Häufig traten diese Störungen bereits nach dem ersten oder zweiten Schuss auf, was britische Soldaten dazu brachte der Waffe den Beinamen "Flop, Flop" zu geben, da das L85 nach dem Auftreten dieser Störung erst gründlich gereinigt werden musste, bevor damit weiter geschossen werden konnte. Um diesem Zustand provisorisch Einhalt zu gebieten, wurden die britischen Soldaten im Golfkrieg angewiesen, wenn sie die Waffe nicht gebrauchen sie komplett zu entölen und alle Öffnungen mit Klebeband zu verschließen. Erst kurz vor einem Gefecht oder einem möglichen Waffeneinsatz, beispielsweise bei der Wache, sollten die Klebestreifen abgenommen, die Waffe gründlich zerlegt und gereinigt, sowie stark geölt werden. Ein weiteres und ernstes Problem stellt die Reinigung im Feld selbst dar, die recht schwierig vorzunehmen ist und dadurch die Zuverlässigkeit nachhaltig beeinflussen kann.
Kritik wurde auch über die Lage des Magazins laut, die das Nachladen beim Liegen erschwert (der Schütze hat das Magazin nicht mehr in seinem Sichtfeld über die angelegte Waffe und muss kompliziert umgreifen, was natürlich Zeit beansprucht). Auch verabschiedete sich die Munition öfters, durch unbeabsichtigtes Auslösen des Hebels für die Magazinhalterung (liegt auf der linken Seite) durch z.B. Entlangstreifen an der Kleidung.
Außerdem weist das 30 Schuss fassende Standardmagazin des SA-80 selbst einen konstruktiven Fehler auf: Die Magazinlippen sind leicht zu beschädigen, was dazu führt, dass sie bei Verengung, die Weiterförderung der Patrone behindern, oder bei Erweiterung ein Einstecken des Magazins in die Waffe unmöglich machen. Viele britische Soldaten beschafften sich daraufhin auf eigene Kosten und meist kompanieweise die ebenfalls ins SA-80 passenden 30schüssigen US M16 Magazine. Diese Magazine wurden dann im Gefecht oder im Training benutzt und die L85A1 Originalmagazine nur für das Exerzieren oder für die Stubenkontrolle.
Die für die Waffen verwendeten mechanischen Teile sind ebenfalls alles andere als als gut zu bezeichnen: Federn und der Schlagbolzen brechen häufig. Auch kann die Waffe nicht von Linkshändern bedient werden, da, wie bei einem Bullpup üblich, die Auswurföffnung auf einer Höhe mit dem Gesicht des Schützen liegt. Beim Schuss würde sich ein Linksschütze schwere Verletzungen im Gesicht zuziehen. Zudem fehlt dem SA-80 die Durchschlagskraft des Vorgängers SLR (7,62 x 51 mm) und obwohl es dieses eigentlich abgelöst hat, zogen teilweise britische Truppen im Golfkrieg ihr altes SLR für die großen Gefechtsdistanzen in der Wüste dem SA-80 vor.
Als letztes gibt es noch Kurzversion des SA-80, eine kompakte Bullpupwaffe von nur 556 mm Länge. Hier gibt es keinen richtigen Vorderschaft mehr, sondern nur einen zum Lauf senkrechten Haltegriff. Auch das Rohr sowie die Gasabzweigung sind enorm verkürzt und so schaut fast nur noch der Mündungsfeuerdämpfer aus dem Gehäuse. Die effektive Kampfentfernung verkürzt sich dadurch auf ungefähr 300 m und die Mündungsgeschwindigkeit sinkt auf knapp 800 m/s. Die Reichweite des bereits erwähnten 1,8 kg schweren Granatwerfers liegt bei eher theoretischen 350 Metern.
Text by Kreuz As, UncleK. Letztes Update: 7. September 2007 |