Schiessbecher

(Gewehrgranatengerät)


Der Schlüssel für das Drallrohr, der Schiessbecher und das Granatenvisier inkl. Aufbewahrungstasche

Damit die Infanterie auch Ziele bekämpfen konnte, die weiter entfernt lagen und sich außerhalb der Reichweite von Handgranaten befanden, wurde der Schiessbecher eingeführt. Das Gerät war durch die verschiedenen Granaten und die Mobilität sehr flexibel. Diese Waffe konnte sowohl gegen Panzer, Stellungen oder Infanterie eingesetzt werden, wobei sie gegen Ende des Krieges gegen Panzer kaum noch eine Wirkung zeigte. Der Vorläufer des Schiessbechers wurde schon um 1913 bei der Firma Rheinmetall entwickelt. Die Produktion der Schiessbecher lief bis Ende des Jahres 1944, wobei 1.450.114 Stück hergestellt wurden. Der Schiessbecher konnte an jedem Karabiner 98 befestigt werden, außer am Karabiner 98a und dem Gewehr 98/40. Zudem war sein Einsatz auch mit dem StGw 44 und dem FG 42 möglich.



Technik

Der Schiessbecher bestand aus einem Halter und dem Drallrohr. Der hintere Teil des Halters wurde durch zwei Klemmbacken auf dem Gewehrlauf hinter dem Kornvisier festgeklemmt und verschraubt. In seinem vorderen zylindrischen Teil hatte der Halter eine Aussparung für das Kornvisier. Die vordere Öffnung des Halters hatte ein Innengewinde zur Aufnahme des Drallrohres. Das Drallrohr besaß ein Kaliber von 3 cm und war innen mit 8 Zügen versehen. Es musste fest in den Halter eingeschraubt werden. Drallrohre neuer Fertigung waren durch eine Verbereiterung des Bundes im hinteren Teil verstärkt. Das Granatenvisier bestand aus dem Halter und dem Gehäuse, wobei der Halter aus den Komponenten Zeigerplatte, Bügel und Stahlband, das zur Befestigung an der Waffe diente, zusammengebaut war. Bügel und Stahlband wurden durch eine Schraube und Mutter zusammengezogen. Die Zeigerplatte trug an der Hinterkannte den Zeiger zum Einstellen der Schussweite. Am oberen Teil des Gehäuses befanden sich Kimme und Korn, am hinteren Teil eine ablesbare Skala. Die Skala war in 25 m Schritten aufgeteilt und deckte eine Schussentfernung von 0 m (Ruhestellung) bis 250 m ab und war zudem in 2 Bereiche eingeteilt. Die obere Hälfte der Skala diente hierbei für den Flachschuss und der untere Bereich der Skala für den Steilschuss. Zur Ausrüstung gehörten folgende Teile dazu: 1 Schiessbecher, 1 Schlüssel für das Drallrohr, 1 Dochtsparer, 1 Tasche für den Schiessbecher, 2 Taschen für die Gewehrgranaten.



Die Einzelteile der Grossen Gewehrpanzergranate 40 (Picture by www.militaryspecialtiesinc.com)

Munition

Jede Gewehrgranate konnte nur mit einer entsprechenden Treibpatrone verschossen werden. Beim Zünden der Treibpatrone wird ein Gasdruck erzeugt, der die Granate herausschleudert. Dabei wird ein Holzprojektil gegen den Boden der Granate geschossen und somit die Granate entsichert. Jede andere Patrone konnte zu einem Rohrkrepierer führen und schwere Schäden verursachen. Beim Abschuss der Granate wurde der Zünder scharf und zudem konnte er durch das Abdrehen der Drallkappe auch als Handgranate benutzt werden. Der Nachteil dieser Methode war, dass die Granate sehr schnell detonierte und nur die Granaten des Typs "Gewehrsprenggranate mit Kopfzünder" auf diese Art benutzt werden konnten. Die Sprengkraft ist mit der 5 cm Wurfgranate 36 vergleichbar.




Gewehrsprenggranaten (G.Sprgr.)

  • Gewehrsprenggranate mit Kopfzünder AZ 5071, Brennzünder und Verzögerungszünder Die Gewehrsprenggranate diente zur Bekämpfung von Zielen hinter Deckungen, in Schützenlöchern, Bunkerscharten und Häusern. Die weiteste Schussentfernung betrug ca. 280 m obwohl das Visier nur bis auf 250 m ausgelegt war. Die Gewehrsprenggranate konnte auch gegen Fahrzeuge und Panzer eingesetzt werden, obwohl sie gegen Panzer nur Wirkung zeigte, wenn man genau die Motorlüftung traf, so das der Panzer Feuer fing. Die Gewehrsprenggranate hatte eine gewöhnliche Zündung, die nach dem Abschuss scharf wurde. Die vorhandene Verzögerungszündung hatte die Aufgabe, das bei einer Nicht-Detonation durch die Aufschlagzündung, die Granate etwa 6 1/2 Sekunden später trotzdem detonierte. Die Gewehrsprenggranate wog 288 g und hatte 31 g Sprengstoff. Verschossen wurde sie mit einer Treibpatrone, die eine Treibladung von 1 Gramm besaß. Es gab die G.Sprgr. mit Kopfzünder AZ 5071 aber auch ohne den Verzögerungszünder. In dieser Ausführung durfte nicht im Steilfeuer verschossen werden, da es passieren konnte, dass der Aufschlagzünder dann nicht ausgelöst wurde. Ab 1944 wurde die G.Sprgr. dann sowohl ohne Verzögerungszeitzündung und ohne Brennzünder produziert. Es wurde dann nur noch diese Version der Gewehrsprenggranate produziert.
  • Gewehrsprenggranate "Weitschuss" mit Kopfzünder AZ 5071 und Brennzünder Diese Gewehrsprenggranate wurde für die Überweiten bis zu 500 m benutzt. Es wurden hochwertigere Materialien als bei der normalen Ausführung benutzt und die Ladung der Treibpatrone war auf 1,5 g erhöht worden, während die Sprengkraft gleich blieb wie bei der normalen G.Sprgr.. Auch hier gab es wieder eine Ausführung, die ohne Verzögerungszeitzündung und ohne Brennzünder produziert wurde und nur den typischen Aufschlagzünder besaß.
  • Gewehrsprenggranate "Weitschuss" mit Kopfzünder AZ 5097 Diese Gewehrsprenggranate "Weitschuss" hatte einen verbesserten Aufschlagzünder, der bei jedem Auftreffwinkel detonierte und dadurch auch für den Steilabschuss benutzt werden konnte.
  • Gewehrsprenggranate ÜB (G.Sprgr.Üb.) Diese Gewehrsprenggranate diente zum Übungsschiessen. Beim Abschuss der Übungsgranate wurde ein Rauchsatz entzündet und der Rauch verließ den Flugkörper durch die vorgesehenen Löcher. Dadurch konnte man die Flugbahn und das Auftreffen aufs Ziel genau beobachten.


Die S.S. Gewehrpanzergranate 61 mit dem 61 mm Hohlladungssprengkopf

Gewehr-Panzergranaten (G.Pzgr.)

  • Gewehr-Panzergranate 30 Die Panzergranate diente zur Bekämpfung von gepanzerten Zielen. Sie hatte sich leider nicht so sehr bewährt, da die Durchschlagleistung einfach zu gering war. Sie wurde dann durch größere Gewehr-Panzergranaten abgelöst. Die Gewehr-Panzergranate unterschied sich von der Gewehrsprenggranate durch die schlanke zylindrischen Form. Der Schaft ist aus Leichtmetall und das Gewicht betrug 245 g. Die Treibpatrone hatte eine Pulverladung von 1,1 g.
  • Große Gewehr-Panzergranate 40 Diese Große Gewehr-Panzergranate hatte ihre Explosionswirkung nach vorne ausgerichtet. Sie durchschlägt bei allen Schussentfernungen, bei einem Auftreffwinkel von 60 Grad etwa 80 mm Panzerung. Die Trefferchancen nehmen aber bei steigender Entfernung stark ab, so das die ideale Kampfentfernung ungefähr 100 m beträgt, wenn das Fahrzeug unbeweglich ist, und 75 m wenn das Fahrzeug fährt. Die Grosse Gewehr-Panzergranate besteht aus Geschosskörper mit Sprengladung und Drallschaft mit Zündung. Die Treibpatrone hatte eine 1,9 g Pulverladung und durfte nur für diesen Granatentyp verwendet werden.
  • S.S. Gewehrpanzergranate 46 Diese Gewehrpanzergranate 46 war ein Hohlladungsgeschoss und konnte dadurch Panzerplatten von 90 mm durchschlagen. Sie war 195 mm lang, hatte ein Durchmesser von 46 mm und war 440 g schwer.
  • S.S. Gewehrpanzergranate 61 Auch diese Granate war ein Hohlladungsgeschoss und konnte Panzerplatten von 120 mm durchschlagen. Sie war 238 mm lang, hatte ein Durchmesser von 61 mm und war 530 g schwer.
  • Grosse Gewehr-Panzergranate ÜB (gr.G.Pzgr.Üb) Die Grosse Gewehr-Panzergranate ÜB glich vom Aufbau der Gewehrsprenggranate ÜB. Nur das sie keine Zündung und keine Übungsladung, sondern einen roten Geschosskopf besaß.


Gewehr-Propagandagranate mit Treibpatrone

sonstige Gewehrgranaten

  • Gewehrblendgranate 42 (Gw.B.Gr 42) Die Gewehrblendgranate 42 war ein Blechkörper, der zur Flugstabilisierung einen Mantel trug. Auf das Innenrohr war eine Drallklappe aufgeschraubt, die zur besseren Nutzung des Schiessbechers diente. Die Granate hatte in ihrem Blechkörper eine Blendflüssigkeit, die durch das Auslösen durch den Aufschlagzünder chemisch zu reagieren begann. Die Granate diente dazu gegnerischen Fahrzeugen die Sicht zu nehmen und dadurch einen taktischen Vorteil zu erreichen. Die Treibpatrone hatte eine 1,7 g oder eine 1,5 g Treibladung.
  • Gewehrnebelgranate 42 (Gw.Nb.Gr 42) Diese Gewehrnebelgranate dient zur Selbsteinnebelung, beispielsweise im Falle eines Rückzugs. Der prinzipielle Aufbau war ähnlich der Gewehrblendgranate.
  • Gewehr-Fallschirmleuchtgranate Die Gewehr- Fallschirmleuchtgranate diente als Zielbeleuchtung bis zur einer Entfernung von ca. 650 m. Die Brenndauer betrug 28 sec. und beleuchtete eine Fläche von 400 m Durchmesser. Die Gewehr- Fallschirmleuchtgranate wog 280 g und die Treibpatrone hatte eine 1,5 g Treibladung.
  • Gewehr-Propagandagranate (G.Propgr.) Die Gewehr-Propagandagranate diente zum Abschuss von Propagandazetteln um den Gegner zu beeinflussen. Die Granate bestand aus einer Geschosshülle aus einem gezogenem Stahlrohr mit angedrückter Drallkappe, einem Verzögerungszeitzünder und einer Ausstoßladung. Die Granate wog leer 200 g und mit Inhalt 230 g. Sie konnte mit zwei Arten von Treibpatronen verschossen werden und zwar 1,5 g und 1,7 g . Nach Abschuss der Gewehr-Propagandagranate wird nach einer Flugzeit von ca. 9 sec. die Ausstoßladung gezündet und die ca. 40 Flugzettel wurden durch den Wind mehr oder weniger verteilt.
  • GGP Die GGP ist eine Sonderanfertigung der Firma HASAG. Sie war für die Panzerbekämpfung einsetzbar und wurde auf den Schiessbecher geschoben. Das 520 g schwere Geschoss war ein Hohlladungsgeschoss und 234 mm lang und 60 mm breit. Die Hohlladung wog 175 g und konnte dadurch 40 mm dicke Panzerplatten durchschlagen. Durch eine 6-Flächen-Leitwerk-Stabisilierung wurde das Flugverhalten stark verbessert. Später wurden die Hohlladungen verstärkt und man konnte noch die Granaten mit Kampfstoff befüllen.



 

Text by Tank, UncleK. Letztes Update:  7. September 2007